Frankfurt bereitet sich vor, als würde der Frankfurt Marathon das sportliche Äquivalent zu einem Gipfeltreffen der Weltpolitik sein – nur dass hier statt Anzugträgern schweißgetränkte Laufshirts dominieren.
Am 26. Oktober geht’s zur Sache: ein Elitefeld, das so stark ist, dass man fast glaubt, es gäbe Preisgeld in Goldbarren.
Äthiopien rollt das Feld auf
Allen voran Dejene Megersa, der gerade mal seit eineinhalb Jahren internationale Luft schnuppert und schon wie ein alter Hase auftritt. Sein Debüt über die 42,195 Kilometer beim Dubai Marathon brachte ihm als 18-Jähriger direkt Platz drei und eine Zeit von 2:05:42 ein. Dieses Jahr legte er in Daegu mit 2:05:59 nach – offenbar läuft der Mann auf Hochtouren, während andere in dem Alter noch überlegen, ob sie Frühstück oder Mittag essen sollen.
Der zweite aufstrebende Star: Emmanuel Wafula aus Kenia, ebenfalls 20 Jahre jung. Halbmarathon in 59:20? Kein Problem. In Frankfurt wird er nun sein Marathon-Debüt geben – und vermutlich direkt versuchen, allen alten Hasen zu zeigen, wie junges Tempo aussieht.
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Deutsche Hoffnungsträger und verletzte Ehre
Filimon Abraham trägt in diesem Jahr die deutsche Elitefahne beim Frankfurt Marathon. Seine persönliche Bestzeit von 2:08:11 aus Sevilla macht ihn zum sechstschnellsten deutschen Marathonläufer aller Zeiten. „Ich hoffe, dass ich diesmal mehr Glück habe“, sagt Abraham mit Blick auf 2022, als ihn eine Infektion aus dem Rennen warf. Sein Ziel: unter 2:08:00 bleiben – und damit vielleicht die schnellste deutsche Zeit in Frankfurt seit Arne Gabius’ legendären 2:08:33 vor zehn Jahren knacken.
Frauenrennen: Ein Duell der Kontinente
Buze Diriba aus Äthiopien ist im Frauenrennen die Favoritin, mit einem Lebenslauf, der jede Medaillenwand zum Biegen bringt. 2023 siegte sie in Toronto, 2024 folgten zwei vierte Plätze in Boston und Chicago – letzteres mit einer persönlichen Bestzeit von 2:20:22. Sie will in Frankfurt nichts anderes als den Sieg.
Ihre größte Gegnerin: Betty Chepkemoi aus Kenia, Überraschungssiegerin des Vienna City Marathon. Im eisigen Aprilwetter zerlegte sie nicht nur das Feld, sondern auch ihre eigene Bestzeit – von Istanbul 2023 auf sensationelle 2:24:14. „Ich glaube, ich kann noch schneller laufen“, kündigt Chepkemoi selbstbewusst an. Frankfurt könnte also zu einem Duell werden, das so spannend ist wie eine Koalitionsverhandlung – nur ohne endlose Kaffeepausen.
Ein Rekord in der Warteschleife
Der Mainova Frankfurt Marathon erlebt in diesem Jahr einen wahren Anmeldesturm: 17.000 Läufer werden erwartet – das Maximum für die klassische Distanz. „Wir freuen uns auf spannende und schnelle Rennen“, verspricht Renndirektor Jo Schindler und fügt an, dass Nachzügler schnell handeln sollten, um nicht im Zuschauerbereich zu landen.
Wenn am 26. Oktober der Startschuss fällt, wird Frankfurt nicht nur rennen, sondern rasen. Wer dabei zusieht, sollte sich warm anziehen – nicht wegen der Kälte, sondern wegen des Tempos.
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