Virtual Run Challenge

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Die internationale Laufplattform RunRepeat hat in Zusammenarbeit mit dem internationalen Ultralaufverband eine interessante Langzeitanalyse zu Ultraläufen veröffentlicht.

Ultraläufe sind alle Laufwettbewerbe, die über die Marathondistanz (42,195 Kilometer) hinausgehen. In der Studie wurden über fünf Millionen Ergebnisse von mehr als 15.000 Ultraläufen in den letzten 23 Jahren (1996 - 2018) ausgewertet.

Die interessantesten Ergebnisse der weltweiten Laufanalyse

1) Frauen sind auf langen Strecken die besseren Läuferinnen

Je länger die Distanz ist, desto geringer ist die Leistungsdichte zwischen Mann und Frau. Ab einer Distanz von über 195 Meilen (314 Kilometern) sind Frauen sogar schneller als Männer. Für diese Distanz benötigen Frauen 17:19 Minuten pro Meile (eine Meile = 1,609 Kilometer), Männer waren um sechs Sekunden langsamer.

Zum Vergleich: Über die 5-Kilometer-Distanz sind Männer um 17,9 Prozent schneller als Frauen, über 100 Meilen beträgt die Differenz nur 0,25 Prozent. Im Marathonlauf wurde eine Differenz von 11,1 Prozent ermittelt.

2) Ultralaufen boomt

Zugegeben, vor über zwei Jahrzehnten war die Erfassung von Daten noch nicht ganz so einfach wie heuer. Doch geht es nach der Studie von RunRepeat, so gab es in den letzten 23 Jahren eine Steigerung der Teilnehmerzahlen um sagenhafte 1.676 Prozent - von 34.401 Läufer auf 611.09 Läufer. In den letzten zehn Jahren betrug die Steigerung 345 Prozent.

Neben Ultraläufen sind auch Laufbewerbe über fünf Kilometer stark im Trend, allerdings gab es seit 2016 einen kleinen Schnitt nach unten. Im Marathonlauf wurden in den letzten 15 Jahren nur minimale Steigerungen der Läuferzahlen festgestellt.

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1996 liefen 14 Prozent der Teilnehmer mehr als einen Wettkampf, heute sind es 41 Prozent. Der Trend geht stark dazu, das Läufer mehr als einen Wettkampf pro Jahr absolvieren.

3) Mehr Frauen

Nicht nur bei Halbmarathons und Marathons steigt der Frauenanteil, sondern auch bei Ultraläufen. Zu unserer Überraschung ist diese Verschiebung in den letzten 23 Jahren allerdings gar nicht so hoch. Damals betrug der Frauenanteil bei Ultraläufen 14 Prozent, heute sind es 23 Prozent.

Über die 5 Kilometer liegt der Frauenanteil mittlerweile bei 61 Prozent.

Den höchsten Frauenanteil im Ultralauf haben Australien (36 %), Kanada und die USA (jeweils 35 %). Deutschland kommt auf 22 Prozent, die Schweiz auf 19 Prozent. Aufholbedarf haben Frankreich, Belgien (jeweils 11 Prozent) und Spanien (10 Prozent).

4) Tempo spielt keine große Rolle

Traten vor über zwei Jahrzehnten noch viele der Läufer mit hohen Ambitionen zu Ultras an, so steht in der Gegenwart das Erleben und die Freude an der Bewegung im Vordergrund. Im Vergleichszeitraum der 23 Jahre hat sich das Durchschnittstempo von 11:35 Minuten pro Meile auf 13:16 Minuten pro Meile verschlechtert. Das ist eine erhebliche Reduzierung des Lauftempos um 15 Prozent.

5) Deutschland hat außerordentlich starke Läufer

Die schnellsten Ultraläufer gibt es in Südafrika mit einer Durchschnittspace von 10:36 Minuten pro Meile. Auf den weiteren Plätzen folgen Schweden (11:56 Minuten pro Meile) und Deutschland (12:01). Deutlich langsamer wird etwa in Mexiko und Malaysia gelaufen.

Die meisten Ultraläufer kommen aus Frankreich und den USA mit über 12 Prozent. Ebenfalls stark sind Südafrika (6,7 %), Japan (4,7 %) und Italien (3,7 %). Deutschland befindet sich mit 2,7 Prozent ebenfalls in den Top 10. Wenn man die Einwohnerzahl des Landes in Relation dazu nimmt, ist Frankreich am Stärksten aufgestellt.

6) Viele Starter aus dem Ausland

Mehr als zehn Prozent der Ultraläufer treten im Ausland an. Bei einem 5-Kilometerlauf sind es nur 0,2 Prozent, beim Marathon sind es 3,5 Prozent, beim Halbmarathon 1,9 Prozent.

Läufer aus Europa sind deutlich reisefreudiger als Teilnehmer aus den USA. Im Ultralauf sind es in Europa rund 15 Prozent Ausländer, in den USA nur 6 Prozent. Auch in den anderen Laufdisziplinen sind die Differenzen zwischen Europa und den USA groß.

7) Ultraläufer werden jünger

In den letzten zehn Jahren hat sich das Durchschnittsalter der Ultraläufer um ein Jahr reduziert: von 43,3 Jahre auf 42,3 Jahre. Bei 5-Kilometerläufern hat sich hingegen der Schnitt in den letzten 20 Jahren um über fünf Jahre erhöht. Beim Marathon stieg der Altersschnitt minimal an.

Die jüngsten Teilnehmer gibt es derzeit über die 10 Kilometer (38,7 Jahre), gefolgt von den fünf Kilometern (39,9 Jahre), dem Marathon (40,1 Jahre) und dem Ultralauf (42,5 Jahre).

Eine weitere interessante Laufanalyse:

Die vollständige Analyse (englischsprachig) auf: The State of Ultra Running 2020


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Kommentare   

0
Mich verblüffen angesichts des Ultra Booms die zu beobachtenden niedrigen Starterzahlen bei Meisterschaften (1996 z.B. kamen im Rahmen der 100km DM in Hanau-Rodenbach 253 Teilnehmer/innen ins Ziel, 2018 waren es 142). Sollte es denn nun doch wirklich so sein, dass inzwischen das "Erleben" und die Freude an der Bewegung im Mittelpunkt steht? Und wenn das so sein sollte, dann wundert es mich angesichts der stark gestiegenen Zahl von Ultraläufer/innen dennoch, dass die Zahl der Meisterschaftsstarter sinkt. Mich würde übrigens mal die DNF Quote gerade bei den "Wir sind alles Freunde, niemals Konkurrenten"-Läufen interessieren.
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Ja, soo überrascht mich das alles jetzt nicht. Aber schön wenns dazu auch mal untersuchungen gibt. Damit gewinnt der Sport an Bedeutung
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