Maraton de Sevilla
Jakob Lange startete seine Marathonkarriere mit einer Spitzenzeit beim Maraton de Sevilla (© Veranstalter)
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Deutscher Wintersportler will Marathon-Profi werden

Vom Winterschlaf zum Asphaltheld: Jakob Lange wagt das Unmögliche

Die Nordische Kombination verliert eines ihrer bekanntesten Gesichter an die Marathonstrecke. Jakob Lange zieht einen endgültigen Schlussstrich unter seine Karriere im Schnee und tauscht die Sprungski gegen Hightech-Laufschuhe ein. Es ist ein radikaler Kurswechsel, der in der Szene für ordentlich Gesprächsstoff sorgt. Während andere in seinem Alter über das Rentnerdasein auf der Couch nachdenken, zündet der 30-Jährige die nächste Stufe seiner sportlichen Triebwerke.

Ein Abschied mit Stolz und neuen Zielen

Lange blickt keineswegs im Groll auf seine Zeit im Weltcup und Continental Cup zurück. Er war jahrelang fester Bestandteil einer Sportart, die wie kaum eine andere Physis und Nervenstärke kombiniert. Ich habe die besten Zeiten der Nordischen Kombination miterlebt, habe unglaublich viele, wertvolle positive wie auch negative Erfahrungen gemacht und bin sehr dankbar dafür, erklärte der Athlet gegenüber SID / sport1.de. Trotz der harten Arbeit blieb ihm der ganz große Coup im A-Kader oft verwehrt, was ihn jedoch nicht davon abhielt, dreimal die Gesamtwertung des zweitklassigen Continental Cups für sich zu entscheiden.https://vg02.met.vgwort.de/na/82f0eea2bb414d61945d38b35068498b

Die Entscheidung für den Marathon kommt nicht von ungefähr. Dass Jakob Lange im Laufen eine echte Rakete ist, bewies er bereits eindrucksvoll auf dem harten Asphalt von Sevilla. Dort knallte er eine persönliche Bestzeit von 2:16:40 Stunden auf den Boden. Wer diese Zeit liest, weiß: Hier wechselt nicht einfach nur ein Hobbyläufer das Metier, sondern ein Profi mit ordentlich Dampf im Kessel. Sein erklärtes Ziel ist es nun, sich unter den besten 15 Marathonläufern in Deutschland zu etablieren.

In Sevilla schaffte er prompt eine Platzierung in den Top 50. Und das sogar mit Negativ-Split.

Und ich denke, ich kann auch stolz sein auf das, was ich erreicht habe, auch wenn ich immer wieder durch Verletzungen oder Krankheit im falschen Augenblick ausgebremst wurde und mich auch mit einigen Enttäuschungen auseinandersetzen musste, resümierte der Sportler laut SID / sport1.de seine bisherige Laufbahn. Diese Stehaufmännchen-Mentalität wird er auf den letzten Kilometern eines Marathons definitiv brauchen, wenn der berühmte Hammer kommt.

Die Nordische Kombination am Scheideweg

Der Rückzug von Lange fällt in eine Zeit, in der seine bisherige Disziplin um das nackte Überleben kämpft. Die Zukunft der Nordischen Kombination hängt am seidenen Faden, da das IOC in den kommenden Monaten über den Verbleib im olympischen Programm für 2030 entscheidet. Es geht um alles oder nichts: Entweder die Frauen werden endlich integriert, oder die traditionsreiche Sportart fliegt nach über 100 Jahren eiskalt aus dem Kalender. Lange scheint den Absprung also genau zum richtigen Zeitpunkt geschafft zu haben, bevor das sinkende Schiff womöglich ganz untergeht.

Zuletzt wurde der ehemalige Junioren-Weltmeister vom Deutschen Skiverband nicht mehr für die Kader nominiert. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, nutzt er die neue Freiheit für eine Leistungsexplosion auf der Langstrecke. Der Wechsel zeigt, dass man auch mit 30 Jahren noch einmal komplett neu angreifen kann, wenn das Feuer brennt. Die Fans dürfen gespannt sein, ob er die Magische Grenze in naher Zukunft noch weiter nach unten schraubt.

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