Verletzungen sind ein frustrierender Bestandteil des Lebens eines jeden Läufers.
Sie werfen uns aus dem gewohnten Training heraus, lassen uns unsere Fortschritte hinterfragen und zwingen uns oft zu unangenehmen Pausen.
Doch mit der richtigen Herangehensweise kann der Wiedereinstieg in das Lauftraining nach einer Verletzung erfolgreich und nachhaltig gestaltet werden. HDsports hat in diesem Artikel umfassende Tipps und Ratschläge, um sicherzustellen, dass der Übergang zurück zum Laufen reibungslos und verletzungsfrei verläuft.
Wie lange sollte die erste Laufeinheit nach einer Verletzung sein?
Der erste Lauf nach einer Verletzung sollte kurz und moderat sein. Es ist verlockend, direkt wieder an alte Leistungen anknüpfen zu wollen, doch hier ist Vorsicht geboten. Die Dauer der ersten Laufeinheit sollte sich an der Schwere und Art der Verletzung sowie an der Dauer der Laufpause orientieren. Im Allgemeinen empfiehlt es sich, mit einer Laufeinheit von 10 bis 15 Minuten zu beginnen. Diese Zeitspanne ermöglicht es dem Körper, sich wieder an die Belastung zu gewöhnen, ohne übermäßig belastet zu werden. Nach kürzeren und wenig schwerwiegenden Verletzungspausen ist durchaus auch ein 30 Minuten langer Lauf erlaubt.
Es ist wichtig, während dieser ersten Einheiten auf den eigenen Körper zu hören. Jedes Ziehen oder Zwicken sollte ernst genommen und gegebenenfalls eine Pause eingelegt werden. Das Ziel der ersten Laufeinheit sollte es sein, sich wieder mit der Bewegung vertraut zu machen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der Körper auf die Belastung reagiert.
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Wie hoch sollte der Trainingsumfang in den ersten Wochen sein?
Der Trainingsumfang in den ersten Wochen nach einer Verletzung sollte behutsam gesteigert werden. Eine allgemeine Richtlinie ist die 10-Prozent-Regel: Erhöhe den Wochenumfang um nicht mehr als 10 Prozent pro Woche. Wenn die erste Woche beispielsweise aus drei Laufeinheiten von jeweils 15 Minuten besteht, sollte in der darauffolgenden Woche die Gesamtlaufzeit nicht mehr als etwa 50 Minuten betragen.
Es ist ebenfalls ratsam, zwischen den Laufeinheiten mindestens einen Tag Pause einzulegen, um dem Körper ausreichend Zeit zur Regeneration zu geben. In den ersten Wochen ist es zudem sinnvoll, sich auf flaches Gelände und weichen Untergrund zu konzentrieren, um die Gelenke und Muskeln nicht unnötig zu belasten.
Wie schnell darf man den Trainingsumfang und die Intensität nach einer Verletzungspause steigern?

Das Steigern von Trainingsumfang und -intensität sollte stets graduell erfolgen. Neben der 10-Prozent-Regel ist es wichtig, die Intensität des Trainings ebenfalls langsam zu erhöhen. In den ersten Wochen nach der Rückkehr zum Laufen sollte das Hauptaugenmerk auf lockeren Dauerläufen liegen. Intervalle, Tempoläufe oder andere intensive Einheiten sollten erst dann wieder in den Trainingsplan integriert werden, wenn der Körper die Grundbelastung gut verträgt.
Ein guter Indikator dafür, dass die Intensität gesteigert werden kann, ist das Ausbleiben von Schmerzen oder Beschwerden nach den Laufeinheiten. Treten während oder nach dem Lauftraining erneut Schmerzen auf, sollte die Intensität sofort reduziert und gegebenenfalls eine Pause eingelegt werden.
Was sollte getan werden, wenn beim Training erneut Schmerzen auftreten?
Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers und sollten niemals ignoriert werden. Treten während des Trainings erneut Schmerzen auf, ist es ratsam, das Training sofort abzubrechen. Zunächst sollte die betroffene Stelle gekühlt und entlastet werden. Eine genaue Diagnose durch einen Arzt oder Physiotherapeuten ist unerlässlich, um das genaue Ausmaß der Verletzung zu bestimmen und den richtigen Behandlungsansatz zu finden.
Nach einer ärztlichen Konsultation kann ein angepasster Trainingsplan erstellt werden, der gegebenenfalls alternative Sportarten und spezifische Rehabilitationsübungen integriert. Es ist wichtig, dem Körper die nötige Zeit zur Heilung zu geben, bevor die Laufbelastung wieder aufgenommen wird.
Welche alternativen Sportarten können bzw. sollen integriert werden?

Während der Erholungsphase nach einer Verletzung können alternative Sportarten dazu beitragen, die Fitness aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die verletzte Struktur zu schonen. Schwimmen und Aqua-Jogging sind hervorragende Alternativen, da sie ein kardiovaskuläres Training ermöglichen, ohne die Gelenke zu belasten. Radfahren ist ebenfalls eine gute Option, da es die Beinmuskulatur stärkt und die Ausdauer verbessert, ohne das Gewicht des Körpers tragen zu müssen.
Pilates und Yoga können helfen, die Flexibilität und Stabilität zu verbessern, was wiederum das Verletzungsrisiko beim Laufen reduziert. Diese Sportarten fördern zudem die Körperwahrnehmung und das Gleichgewicht, was besonders nach einer Verletzung von Vorteil ist.
Ist Krafttraining für Läufer nach Verletzungen sinnvoll und welche Übungen sind zu empfehlen?
Krafttraining ist für Läufer nach einer Verletzung besonders sinnvoll, da es hilft, muskuläre Dysbalancen auszugleichen und die Stabilität der Gelenke zu verbessern. Ein gut strukturiertes Krafttraining kann dazu beitragen, die Verletzungsanfälligkeit zu reduzieren und die Laufleistung langfristig zu steigern.

Zu den empfehlenswerten Übungen gehören:
- Kniebeugen: Sie stärken die Oberschenkelmuskulatur und fördern die Stabilität der Kniegelenke.
- Ausfallschritte: Diese Übung trainiert die Bein- und Gesäßmuskulatur und verbessert die Balance.
- Wadenheben: Es stärkt die Wadenmuskulatur und kann helfen, Verletzungen an der Achillessehne vorzubeugen.
- Planks: Diese Übung kräftigt die Rumpfmuskulatur und verbessert die Core-Stabilität, was für eine effiziente Lauftechnik wichtig ist.
- Seitliche Planks: Sie stärken die seitlichen Rumpfmuskeln und tragen zur Hüftstabilität bei.
- Hüftbrücken: Diese Übung aktiviert die Gesäßmuskulatur und stabilisiert den unteren Rücken.
Das Krafttraining sollte in den ersten Wochen nach der Verletzung zwei- bis dreimal pro Woche durchgeführt werden. Es ist wichtig, die Übungen sauber und kontrolliert auszuführen, um Verletzungen zu vermeiden. Die Intensität des Krafttrainings kann ebenfalls schrittweise erhöht werden, sobald sich der Körper an die Belastung gewöhnt hat. Grundsätzlich sind 30 Minuten pro Einheit ausreichend. Bei guter Verfassung kann die Dauer auf bis zu 60 Minuten erhöht werden.
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Zusammenfassung
Der Wiedereinstieg ins Lauftraining nach einer Verletzung erfordert Geduld, Disziplin und eine wohlüberlegte Herangehensweise. Es ist wichtig, den Körper nicht zu überlasten und ihm ausreichend Zeit zur Regeneration zu geben. Mit kurzen und moderaten Laufeinheiten zu beginnen, den Trainingsumfang langsam zu steigern und alternative Sportarten zu integrieren, kann dazu beitragen, die Fitness zu erhalten und das Risiko von erneuten Verletzungen zu minimieren. Krafttraining sollte ebenfalls ein fester Bestandteil des Trainingsplans sein, um die Muskulatur zu stärken und die Stabilität der Gelenke zu verbessern. Bei auftretenden Schmerzen ist es ratsam, das Training sofort abzubrechen und medizinischen Rat einzuholen, um den Heilungsprozess nicht zu gefährden. Mit diesen Tipps kann der Wiedereinstieg ins Lauftraining nach einer Verletzung erfolgreich und nachhaltig gestaltet werden.
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