Berlin-Marathon 2023 mit Eliud Kipchoge.
2 x lief der 167 cm große Eliud Kipchoge beim Berlin Marathon Weltrekord. Foto: © SCC EVENTS/Petko Beier
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Ideale Körpergröße beim Laufen: Wieso kleine Läufer im Vorteil sind

Die Frage, ob die Körpergröße die Laufleistung beeinflusst, wird immer wieder gestellt.

Tatsächlich gibt es einige interessante Zusammenhänge zwischen der Körpergröße und der Effizienz beim Laufen, die kleinere Läufer insbesondere bei längeren Distanzen begünstigen können.

Studien und Weltrekorde untermauern diese These, weshalb es sich lohnt, genauer hinzusehen.https://vg06.met.vgwort.de/na/f1edf12616cc47899341b9efb231c527


Körpergröße und Laufleistung

Die Körpergröße hat einen direkten Einfluss auf die Laufökonomie. Größere Läufer haben in der Regel längere Beine, was ihnen bei kurzen Distanzen zu schnelleren Schritten und größeren Schrittlängen verhelfen kann. Allerdings benötigen größere Läufer auch mehr Energie, um ihre Masse voranzutreiben. Das bedeutet, dass sie bei längeren Strecken schneller ermüden können, da der Energieverbrauch höher ist.

Kleinere Läufer hingegen haben eine bessere Energieeffizienz, was besonders bei langen Distanzen wie dem Marathon von Vorteil ist. Zudem profitieren sie von einem geringeren Luftwiderstand, wenn auch nur marginal.


Vorteile kleiner Läufer bei langen Distanzen

Kleinere Läufer profitieren bei zunehmender Distanz von ihrem geringeren Energieverbrauch. Ihre kürzeren Schritte erfordern weniger muskuläre Arbeit, was die Ermüdung verzögert. Auch die Sauerstoffaufnahme wird bei kleineren Läufern effektiver genutzt, da ihr Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße günstiger ist. Daher kann bei einem Marathonlauf ein kleinerer Läufer oft länger durchhalten und am Ende sogar schneller sein als ein größerer Konkurrent.


Studien zu Körpergröße und Laufleistung

Es gibt zahlreiche Studien, die sich mit der Frage beschäftigen, ob die Körpergröße die Laufleistung beeinflusst. Die Ergebnisse zeigen, dass kleinere Läufer besonders bei langen Distanzen und Ultraläufen einen Vorteil haben. In einer Studie des Journal of Applied Physiology wurde festgestellt, dass kleinere Läufer eine um 5 bis 10 % bessere Laufökonomie aufweisen als ihre größeren Kollegen. Dieser Unterschied erklärt sich hauptsächlich durch den geringeren Energieverbrauch, der sich bei längeren Strecken auszahlt.


Weltrekorde und die Körpergröße

Betrachtet man die Weltrekorde im Marathonlauf der letzten Jahrzehnte, fällt auf, dass viele der erfolgreichen Athleten kleiner sind. Zum Beispiel misst Eliud Kipchoge, der ehemalige Marathon-Weltrekordhalter, nur 1,67 Meter. Ihm gelangen beim Berlin Marathon sogar zwei Weltrekorde (2018 und 2022). Auch andere Rekordläufer wie Haile Gebrselassie und Kenenisa Bekele sind eher kleiner. Dies bestätigt die These, dass kleinere Läufer bei langen Distanzen im Vorteil sein können, da ihre Energieeffizienz besser ist und sie weniger Muskelmasse bewegen müssen.

Körpergröße der letzten Marathon-Weltrekordhalter:

  • Kelvin Kiptum (seit 2023): 180 cm
  • Eliud Kipchoge (2018): 167 cm
  • Dennis Kipruto Kimetto (2014): 171 cm
  • Wilson Kipsang (2013): 183 cm
  • Patrick Makau (2011): 170 cm
  • Haile Gebrselassie (2007): 164 cm

Das bedeutet, dass vier der sechs Weltrekordhalter der letzten 20 Jahre unterdurchschnittlich groß waren (164 - 171 cm). Nur Kiptum und Kipsang haben (bzw. hatten) eine Körpergröße im durchschnittlichen Bereich.

Bei den Frauen gab es in den letzten 20 Jahren vier Rekordhalterinnen. Die ehemalige Weltrekordhalterin von 2023, Tigist Assefa ist 168 cm groß. Brigid Kosgei (Rekord 2019) misst 152 cm, Paula Radcliffe (Rekord 2002) kommt auf 173 cm. Ruth Chepngetich, die 2024 beim Chicago Marathon als erste Frau die 2:10-Stunden-Barriere knackte, kommt auf eine Körpergröße von 165 cm (48 kg Körpergewicht). Also auch hier gibt es keine überdurchschnittlich große Läuferin, wobei Kosgei mit ihrer geringen Körpergröße besonders auffällt.

Auch die Halbmarathon-Weltrekordhalter Jacob Kiplimo (175 cm) und Letesenbet Gidey (166 cm) kommen auf eine durchschnittliche bzw. eher kleine Körpergröße.


Warum kleine Läufer erfolgreicher sein können

Es gibt mehrere Gründe, warum kleinere Läufer bei längeren Strecken erfolgreicher sein können, die wir bereits oben beschreiben haben. Zum einen verbrauchen sie aufgrund ihres geringeren Körpergewichts weniger Energie. Zum anderen ist ihre Sauerstoffaufnahme im Verhältnis zur Körpermasse effektiver. Auch biomechanische Faktoren spielen eine Rolle: Kleinere Läufer müssen weniger Gewicht pro Schritt bewegen und können so eine gleichmäßigere, weniger belastende Lauftechnik entwickeln.


Zusammenfassung

Die Körpergröße spielt eine wesentliche Rolle bei der Laufleistung, besonders bei längeren Distanzen wie dem Marathon. Kleinere Läufer haben oft einen signifikanten Vorteil, da sie energieeffizienter laufen können. Weltrekordhalter und Studienergebnisse zeigen, dass dieser Zusammenhang nicht zu unterschätzen ist. Wer also denkt, dass Größe beim Laufen entscheidend ist, sollte auch die Vorteile der kleineren Athleten im Blick behalten.

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