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"Pokémon Go" einfach nur als Hype zu bezeichnen, wäre so, als würde man den Absturz der Hindenburg mit einem geplatzten Luftballon vergleichen.

Die Handy-App für Android und Apple iOS verbreitet sich wie ein Lauffeuer um die ganze Welt und verwandelt bei Weitem nicht nur eingefleischte Fans in Pokémon-Trainer. Geht man mit Smart- oder iPhone auf Jagd, braucht man sich nicht zu wundern, dem Kioskbesitzer von nebenan und der Frau des Hausarztes zu begegnen, die sich verbissen um ein Glurak streiten.

Wie man es auch dreht und wendet, die putzigen Kreaturen von Nintendo sind in aller Munde - was unter Umständen wörtlich zu nehmen ist, schließlich tauchen die Pokémon an den abstrusesten Orten auf.

Vielleicht lohnt sich beim nächsten Besuch im Altenheim sogar ein Blick in den offenstehenden Mund des bettlägerigen Herrn Müller. Der Wahnsinn ist jedenfalls noch lange nicht am Ende: Autofahrer, die bei 230 km/h auf der Autobahn Pokémon fangen wollen. Leichenfunde während der Jagd auf Wasser-Pokémons. Stadtparks, überfüllt von Menschen mit gezückten Smartphones. Schulhöfe, auf denen Schilder vor freilaufenden Pokémon warnen. Geschäfte und Restaurants, die Pokémon nur für zahlende Kunden freigeben. All das ist im Jahr 2016 Realität geworden. Trotzdem bleibt die Frage, welchen Einfluss Pokémon Go auf den menschlichen Charakter hat. Nicht jeder ist zum Großwildjäger geschaffen. Außerdem haben viele Videospieler seit Jahren nicht mehr das Licht der Außenwelt gesehen. Die Besorgnis ist groß.

Weg in den Abgrund

Ersten unabhängigen Studien unterscheiden in verschiedene Typen von Pokémon Go-Gamern. Ob diese Resultat einer prozeduralen Entwicklung sind, ist bislang unklar. Der Casual Trainer ist wohl die moderateste Form des Pokémon Go-Spielers. Er zückt sein Smartphone höchst selten, um auf Jagd zu gehen. Genauso wenig sucht er Poké-Stops auf, um Items abzugrasen. Höchstens alle paar Tage fängt er ein neues Pokémon. Aber nur, wenn es sich im Umkreis von 100 Metern befindet - ausgedehnte Wanderungen kämen für den Casual Trainer nicht in Frage. Er hat den Ernst der Lage nicht erkannt und wird sie niemals alle fangen. Das ist ihm allerdings herzlichst egal.

Der Moderate Trainer überschreitet auf der Jagd nach den Pokémon Grenzen, die für den Laien undenkbar wären. An freien Nachmittagen bricht er zu ausgedehnten Erkundungstouren auf, um seltene Pokémon zu fangen. Dabei legt er teilweise Strecken von 10 Kilometern zurück. Auch seine Poké-Stops sucht er in regelmäßigen Abständen auf. Mit anderen Trainern tauscht er sich liebend gern über die besten Jagdgründe aus. Trotzdem hat er seine anderen sozialen Kontakte noch nicht vergessen und geht sogar ans Telefon, falls seine Mutter anruft.

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Der Serial Trainer hingegen hat jegliches Maß verloren. Selbst bei strömendem Regen kriecht er mit Survival-Ausrüstung durch den Matsch, auf der Suche nach extrem raren Pokémon. Im Gesicht trägt er Tarnschminke, damit er den anderen Trainern besser auflauern kann. Denn jeder andere Trainer ist für ihn ein Feind. Ausnahmen gibt es nicht. Auch während der Autofahrt rast der Serial Trainer falls nötig in den Gegenverkehr. Solange ihm das Smettbo nicht entkommt, ist ihm jedes Mittel recht. Manchmal kommt er Tage lang nicht zur Arbeit, meldet sich nicht bei Freunden und Familie. Wie viele Kilometer er in dieser Zeit zurücklegt, weiß niemand. Nicht einmal er selbst. Der einzige Gedanke, der ihm geblieben ist: Er muss sie alle fangen.

Zusammengefasst: Wer es mit der Jagd nicht übertreibt, tut am Ende seiner Fitness sogar etwas Gutes. Vor allem diejenigen, die sonst kaum Bewegung betreiben.

Quelle PTE


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