Das große Laufbuch der Trainingspläne

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Nach dem Laufmeeting mit einigen Edelfreaks in Pilsen am Silvestertag 2021 habe ich in den letzten Wochen die Terminankündigungen auf diversen Plattformen gecheckt und bin bei der von AARAM (Associação de Atletismo da Região Autónoma da Madeira) beworbenen 7. Ausgabe des Maratona do Funchal stehengeblieben in der Hoffnung, dort vielleicht mit einer passablen Finisherzeit das neue Laufjahr herzeigbar einzuleiten.

Die Anmeldung über die neben Portugiesisch auch in Englisch konzipierte Website habe ich gerade noch am letzten Tag (9. Jan.) geschafft und bin daher mit 60 Euro in die höchste und letzte Tarifstufe gerutscht.

Anmeldung, Anreise und Aktivitäten an den ersten beiden Tagen

Bei den Flügen in Coronazeiten habe ich mich inzwischen an die vielen Erschwernisse fast schon wieder gewöhnt. Der negative PCR-Test ist obligat, 48 Stunden Gültigkeit bei der AUA und Lufthansa sind Richtlinien, bei der TAP reicht ein Impfnachweis aus oder eben auch ein negativer PCR-Nachweis. Zusätzlich muss man sich auf der Madeira Safe-Plattform registrieren und entsprechende Dokumente hochladen, anschließend bekommt man per pdf einen Identifikations-QR-Code, der bei der Einreise vorzuweisen ist.

Ich buche Flüge für den 21.Jan. mit der AUA nach München ab 7:05 Uhr, von dort mit der Lufthansa nach Lissabon und weiter mit der TAP nach Madeira, wo für 17:30 Uhr die Landung vorgesehen ist. Die Einheimische am Gangsitz neben mir (ich habe einen Fensterplatz zugeteilt bekommen) erwähnt beim Smalltalk in gutem Englisch, dass beim Landeanflug oft starker Wind herrscht und so mancher sich auch übergibt. Doch das Wetter ist heute gut, 50 km/h Windgeschwindigkeit ist für ein Flugzeug ein Lüftchen. Wegen der kurzen Landebahn können nur kleinere Maschinen wie der A319 Airbus Funchal anfliegen, der Pilot braucht dafür wohl auch Vorerfahrung. Alles geht glatt, ich atme leise durch.

Funchal bei Nacht

Bei der Wahl des Hotels für Funchal habe ich mir wie bei der Marathonsuche für Jänner ebenfalls Zeit genommen und mich dann für das Casino Pestana entschieden, ein 5-Sterne-Hotel, das nahe dem Start des Marathons in einer Parkanlage liegt. Mit dem Aerobus fahre ich um 5 Euro in ca. 20 Minuten vom Flughafen direkt zum Hotel.

Das Marathonbüro in der Rua Camara Pestana 3 ist heute am Freitag (wie bereits seit dem 19. Jan.) wieder bis 20 Uhr offen. Ich hole die Startunterlagen, im Sackerl sind einige Goodies, zudem ist ein Funktionsshirt im Startgeld enthalten. Ich lasse mir den m. E. schwierigen Kurs mit vielen Turnarounds erklären, ganz checke ich ihn aber nicht, weil im 2. Teil des Rennens gleich ein halbes Dutzend Straßennamen angeführt sind, die man erst auf einer detaillierten Funchalkarte verifizieren müsste. Meine Skepsis sollten sich dann beim Marathon bewahrheiten…

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In den letzten Jahrzehnten war ich mit der Familie schon öfters in Madeira, ca. 950 km von Lissabon entfernt, allerdings nur mit Kreuzfahrtschiffen – der längste Aufenthalt waren 6 Tage, als 1993 unser Schiff – die MS Azur – wegen eines technischen Defekts bei hohem Wellengang und stürmischer See den Hafen von Funchal gerade noch erreichte. Die Reparatur bzw. der Austausch einer gebrochenen Kardanwelle dauerte fast eine Woche, wir genossen die weihnachtliche Stimmung in der mit Lichterketten geschmückten Hafenstadt und auch Hauptstadt der autonomen Region Madeira. Viele ältere Menschen vor allem aus dem Vereinigten Königreich überwintern in Hotels und Appartements in der Südregion, milde Temperaturen um 20 Grad C das ganze Jahr über erhöhen die Lebensqualität im Vergleich zum nasskalten Britannien.

Für die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen werden eigentlich fast immer dieselben Ausflüge angeboten, Inselrundfahrten, Wale-Watching, ein Tagestour nach Porto Santo, Wanderungen udgl. mehr. Man kommt bald drauf, dass man zu vielen Sehenswürdigkeiten auch ohne Reisebüro, bspw. mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie mit einer von vielen Busverbindungen in Funchal (Einzelticket 1,90 Euro) oder einem Fährschiff viel günstiger hinkommt.

Mein Programm für Samstag ist dicht: Besuch der Markthalle – der Fischmarkt auch mit seltenen Arten wie dem Degenfisch aus der Tiefe des Atlantiks, ist nur am Vormittag offen, dann mit dem Bus No. 20 hinauf zum Monte, wo in der berühmten Pilgerkirche 'Nossa Senhora do Monte' der aufgebahrte ehemals österr. Kaiser Karl I. ruht. Der Monarch, der 1916 Kaiser von Österreich und König von Ungarn wurde, musste nach Ausrufung der Republik im Nov.1918 zurücktreten, 1922 starb er an einer Lungenentzündung im Exil auf Madeira. Ich habe immer wieder beobachtet, dass es die Ungarn sind, die Karl I. ihre Aufwartung machen und im Innern der Kirche den vergitterten Zugang mit Blumen wie auch dessen Denkmal davor mit ihrer Nationalfahne schmücken, eine österr. Fahne sieht man nur hinter dem Sperrgitter, die aber schon Jahrzehnte alt und vergilbt ist.

Armband Love Running

Direkt unter der Kirche ist der Stützpunkt der „Carreiros do Monte“, eine über hundert Jahre alte Tradition. Jedem Korbschlittenfahrer ist eine feste Nummer zugeordnet, die ihre Abfahrtsreihenfolge festlegt. Ich habe heute beobachtet, wie im Laufe von drei Stunden mehrere Busse mit in weiß und schwarz gekleideten Carreiros angekommen sind. Man wundert sich, ob wirklich so viele Touristen bei Preisen ab 25 Euro Lust und Interesse haben, sich in einem Holzschlitten mit eingelegten Polstern von zwei oder auch vier Männern auf Asphalt schieben zu  lassen.

Etwas unterhalb der Kirche befindet sich der Botanische Garten, zu dem man auch mit dem Bus oder der Seilbahn (Teleferico) hinauf kommt – mit 10 Euro ist der Eintritt moderat. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass man uns bei einem bezahlten Ausflug erzählt hat, dass die Flora vor allem an der sonnigen Südküste sozusagen importiert wurde. Viele Blumen, Bäume und Streicher wurden hier angepflanzt – das trifft auch auf die Bananenfrucht zu, die im Gegensatz zu mittelamerikanischen Arten kleinwüchsig ist, aber gut schmeckt.

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Mit dem Bus 21 fahre ich zurück nach Funchal und suche den größten Supermarkt in der Stadt auf, er befindet sich in einem EKZ und nennt sich werbewirksam „La Vie“. Ich schleppe drei 1.5 Liter Wasserflaschen ins ca. 2 km entfernte Hotel, um einen Vorrat zu haben. Im Pestana Casino Park Hotel sind die Getränke auch bei den Hauptmahlzeiten nicht inkludiert.

Ich will mir den Poolbereich mit den Liegen ansehen, gegen Süden sieht man den nahen Kreuzfahrthafen von Funchal, wo zwei Schiffe angelegt haben – `Mein Schiff 1´ vom deutschen Reiseveranstalter Tui ist vielen eh bestens (zumindest dem Namen nach) bekannt. Als ich es mir bequem machen will, erhalte ich einen Anruf vom Marathonbüro: Man habe mir bedauerlicherweise eine falsche Nummer ausgehändigt. Tatsächlich gehört die Nummer 303 einem Polen. Das habe ich gestern einfach nicht gecheckt. Mit dem Sonnenbad wird es nichts, ich mache mich auf den Weg ins ca. 2 km entfernte Marathonbüro und ernte ein freundliches Dankeschön. 

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Wieder beim Hotel angekommen, entschließe ich mich gegen 17 Uhr noch schnell die Marathonstrecke zu besichtigen. Ich spaziere im oberen Teil des Kurses ca. 2 ½ km hinaus bis zum Lido-Abgang. Den dortigen Lido muss man sich als felsige Küste vorstellen, Zutritt bekommt man nur gegen Eintrittszahlung. Das kenne ich bspw. von Neapel oder Rimini, nur ist dort das Meer in den Seebädern wohl auch im Januar nicht so rau und kalt wie der immer etwas vom Wind aufgepeitschte, aber wie erwähnt fischreiche Atlantik hier rund um Madeira.

Der Marathontag

Das Frühstück wird im Pestana-Hotel auch am Sonntag bereits ab 7 Uhr in Büffetform angeboten, ich  nehme ich mir bis 7:30 Uhr Zeit und spaziere anschließend ca. 1 ½ km zum Startbereich auf der Estrada Monumental. Es ist zwar nur ein kleines Feld, dafür aber international. Auch Österreicher/innen sind angemeldet  – ich halte Ausschau und sehe meinen alten Spezi Ernst Fink (Jg. 1964), mit dem ich ab 2013 etliche gemeinsame, unterhaltsame Autofahrten zu Marathons in Italien, Polen, Slowenien und Tschechien unternommen habe. Ernst ist ein schneller Läufer, der auch heute noch um 4 Stunden finisht. Außerdem zählt er in Österreich zu den führenden Marathonsammlern (an die 300 mit einigen Ultras) und liegt an zweiter Stelle der Country-Liste (an die 80 Länder).

Martin Geicsnek vom 100 MC AUT ist ebenfalls anwesend wie einige andere Kolleginnen und Kollegen aus Österreich, die ich bisher persönlich noch nicht kennen gelernt habe. Aber man freut sich, wenn Landsleute dabei sind.

Karl-Wolfgang Baumgarten vom 100 MC DEU kommt auf mich zu, wir kennen uns schon länger. Er lief wie ich im Feb. 2020 den Marathon auf den Seychellen, ich habe ihm daraufhin auf Anfrage einige Belegfotos zukommen lassen. `Karl der Große´ (bei 190 cm) begeht heute, hier und jetzt sein 500. Marathonjubiläum, `Kompliment´ kann man nur anerkennend sagen. Dieses Ziel habe ich nach meinem Pensionsantritt 2018 auch noch verfolgt, ca. 70 (ohne Ultras) dafür noch fehlende Marathons sind angesichts meiner kaputten Knie, die kein richtiges Abstoßen mehr erlauben und ich mich nur mehr mit Schmerzen beim Marathon fortbewegen kann, eher utopisch. Lange Öffnungszeiten wie die 6 ½ h beim heutigen Marathon in Funchal sind für mich die einzige Chance, ins Klassement zu kommen. Schon trist, aber ich bin trotzdem immer noch mit Eifer und einer gewissen Hartnäckigkeit bei der Sache und verbinde „Laufen“ gerne mit (Fern-)Reisen.

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Heute stehen neben dem Marathon (Start ist um 8:30 Uhr) zeitversetzt noch ein Lauf über die Halbdistanz (10 Uhr) und zudem eine Minimarathon über 8 km auf dem Programm – daher ist auf den Rundkurs im oberen Streckenabschnitt mit viel Gegenverkehr zu rechnen, was das Knipsen erleichtert. Ein Ziehharmonikaspieler ähnlich wie beim Kainacher Bergmarathon gibt uns musikalisches Geleit mit traditioneller Volksmusik, die meine Seele berührt und ein Hochgefühl auslöst. Aber schon wenige Minuten nach dem Start hat mich Karl-Wolfgang schon 50 m abgehängt, nur mehr zwei Läufer liegen knapp hinter mir. Es ist nicht die kurze Aufwärtspassage, sondern mein langsames Renntempo mit 8 km/h, schneller geht es einfach nicht. Wir laufen ca. 1 ½ km auf der Avenida do Infante bis zur Wende vor meinem Hotel, wo sich die Zeitnehmung und die Labe befinden, dann geht es mit einigen kleinen Unterbrechungen fast stetig ansteigend gut 2 km hinauf zu einem Plateau, von wo es dann zum Assicom-Kreisverkehr zügig runter geht. In all den Jahren als Marathonsammler war ich abwärts richtig schnell, 4-Minuten-Zeiten fast die Regel, jetzt schmerzen die Knie auf der Rolltreppe, wenn ich abwärts gehe, daher verliere ich auf dieser Passage Zeit, statt aufzuholen.

Wir passieren hier erneut die Zeitnehmung, 100 m nach der erneuten Wende befindet sich wieder eine Labe  – nach jeder Wende also eine. Es gibt wie schon davor Wasser, Iso (beides wird in Bechern angeboten), en masse Bananen (nicht geschält), Datteln, Orangespalten, verpackten türkischen Honig, Kekse u.a.m.

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Es geht nun fast einen Kilometer aufwärts, das ist für mich leichter als wenn die Strecke bergab führt. Ich knipse die auf der anderen Straßenseite entgegenkommenden Läufer/innen, es sind Schnappschüsse aus größerer Entfernung, die man aber wegen der guten Auflösung bildbearbeitungstechnisch partiell herausschneiden könnte, um näher an das Motiv heranzukommen. Ich sehe nun erstmals die beiden Franzosen, die hinter mit liegen, beide versuchen mit schnellem Gehen an mir dranzubleiben – nur sehen Powerwalker anders aus und schaffen Zeiten auch unter 8 min/km. Ist man wieder am Plateau oben – zur Linken werden ansehnliche Wohnungsneubauten auf Plakaten beworben auch mit dem Slogan `Dubai na Madeira´(dieser Vergleich ist m.E. zu weit hergeholt) – kann man nun zügig bei einem leichten Dauergefälle bis zur Wende vorankommen. Die meisten Marathonis sind gut in Form, zumindest auf der ersten Runde, ich kann abschätzen, wer schnell unterwegs ist. Auch Ernst überholt mich, er hat wieder seine Action-Cam bei sich, auch ich mache ein Belegfoto von ihm. Ich erwähne, dass ich auf der Strecke beim Start des Halbmarathons seine Lebensgefährtin Connie gesehen und angesprochen habe. Beide haben weite Marathonreisen hinter sich, sie waren gemeinsam in Neuseeland und Australien, Ernst sogar in Zentralafrika, der Karibik und Hawaii.

Auch Karl-Wolfgang kommt mir nun schon entgegen, er hat bei seinem Jubiläumslauf gleich nach der 3. Wende vor dem Casino Pestana Hotel schon 500 m Vorsprung auf mich. Allerdings besteht und bestand nie eine Konkurrenzsituation zwischen uns, wenn ich könnte, würde ich ja gerne wie in früheren Jahren viel schneller unterwegs sein, aber es geht halt nicht mehr besser.

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Die obere Marathonstrecke, die bis Kilometer 31 viermal zu durchlaufen ist und 8 Wenden aufweist, wird bestimmt durch sanfte bis unsanfte Anstiege, aber auch Gefälle zum einladenden Tempobolzen. Viele routinierte Läufer/innen trachten in der Regel danach, den Halben so schnell wie möglich zu schaffen, auf den 21.1 km ein Zeitguthaben herauszuholen, um dann in der zweiten Hälfte nur mehr passabel über die Runden zu kommen. Die wenigsten schaffen einen negativen Split, d.h. auf der zweiten Halbdistanz etwas schneller zu sein. Es zeigt sich auch beim Funchal Marathon, dass einige – die inzwischen schon eine oder gar zwei Runden vor mir liegen, einbrechen und bereits nach 20 km nur mehr gehen.

Ich laufe auf Patrick aus Deutschland auf meiner dritten Runden auf, er erzählt, dass er heute erst seinen zweiten Marathon vor sich hat und beim Laufen abnehmen will, weil es auch den Gelenken gut tun würde. Hätte ich nur seine Beine, ich würde sie pflegen und hegen – oder doch nicht? 54 Marathons plus einen Ultra beim Mozart 100 aus dem Jahr 2013 bedeuten nach wie vor österr. Sammlerrekord – es wird höchste Zeit, dass jemand ein paar mehr avisiert.

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Einer der beiden Franzosen hinter mir dürfte aufgegeben haben, während Patrick sein Tempo erhöht. Es dauert aber nicht lange, dann habe ich ihn wieder eingeholt. Wir haben noch eine komplette Runde mit zwei Wenden (7. und 8.) vor uns. Am Rückweg (Wende 8) zum giftigen kurzen Anstieg kommen mir etliche müde wirkende Marathonis auf der linken Seite der Estrada Monumental entgegen. Es sind Kandidaten, die bei Kilometer 25 bis 30 ihre Kraftreserven schon verbraucht haben, aber die verbleibenden 12 km in 1 ½ h unten in der Ebene auf der Av.do Mar gut meistern werden. Eine Finisherzeit auch knapp unter 5 h ist so noch möglich.

Bei der 30 km-Marke folgt mir ein Einsatzfahrzeug, eig. mein Albtraum, wenn ich wieder der Letzte wäre. Ich rufe den Betreuern bei der Labe neben dem Casino bzw. meiner Unterkunft zu, dass definitiv noch ein Walker hinter mir ist. Das wirkt, sie lassen mich den Berg hinunter zum Kreisverkehr sozusagen ziehen. Patrick liegt 100 m vor mir, plötzlich ist er weg, im Park verschwunden. Und jetzt kommt jenes Szenario, mit dem ich fix rechnete, man hat alle Hinweise weggeräumt, kein Ordner ist mehr zu sehen. Geht es nun nach rechts oder eher geradeaus weiter? Ich habe mir gemerkt, dass wir fast bis zur Markthalle laufen müssen, aber wie weit genau, ist die Kernfrage. Patrick ist mein Retter, er kommt nach und spricht Portugiesisch – er lebte 15 Jahre mit seinen Eltern in Brasilien. So fragt er sich durch, wir verlieren trotzdem etwas Zeit. Erst als wir endlich auf der Avenida do Mar sind, genau beim Kreisverkehr nahe dem Ziel, wissen wir, wie die Strecke weiter verläuft. Unten sind drei Runden zurückzulegen, bei Kilometer 34 beginnt die zweite Etappe des Marathons im Flachstück. Jetzt kann ich auch wieder knipsen, denn noch sind doch einige auf ihrer vorletzten oder letzten Runde anzutreffen.

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Die Halbdistanz habe ich unter 3 h geschafft, die 30 km in 4:20 h, mehr als 2 h für verbleibende 12 km sollten sich ausgehen. Fotomotive am Weg zum Kreisverkehr am Hafen von Funchal finde ich auch vor, zur Rechten am Rückweg zum Ziel, an dem wir zweimal vorbeilaufen, befindet sich das CR7-Hotel, welches eig. recht klein wirkt. Hier ist auch das offizielle Cristiano Ronaldo Museum, einige Läufer habe ich in einem eleganten schwarzen Trikot (Singlet) mit CR7-Aufdruck in Goldlettern auf der Rückseite heute im Rennen gesehen. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die einzige Zeitnehmung.

Patrick hat sich etwas abgesetzt, der letzte Franzose marschiert unverdrossen mit Trailrucksack (ob leer oder mit Wasser/Wein/Champagner gefüllt, kann ich nur erahnen) gut 500 m hinter mir nach. Er wird mich nicht mehr einholen, außer er fängt zu laufen an.

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Beim Durchgang durch das Ziel, genau genommen liegt die Matte 20 m weiter rechts, notiert sich eine Helferin die Startnummer. So wird genau überprüft, ob der/die Läufer/in diese Passage korrekt passiert hat.

Patrick muss austreten, ich liege 300 m vor ihm, kann aber diesen Vorsprung auf meiner letzten Runde (Kilometer 39-42) nicht halten. Er finisht 3 Minuten vor mir, meine 6:24:41 sind allerdings nicht herzeigbar, so ist der erste Marathon im neuen Jahr sozusagen voll in die Hose gegangen. Aber Letzter wird Monsieur Bernard Grognet mit 6:27:34. Sub 6 h wären für mich vielleicht möglich gewesen, wäre der Marathonkurs nur am Hafen verlaufen.

Patrick arrangiert es dank seiner Sprachkenntnisse, dass ich noch außerhalb der Zeit eine Supermassage von Daniéle bekomme – herzlichen Dank nochmals an beide.

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Kurze Schlussbemerkung

Die Veranstalter haben sich sichtbar große Mühe gegeben, auch in Covid-19-Zeiten (mit der ansteckenden Omikron-Mutation) ein international anspruchsvolles Lauffestival auszurichten. Das günstige Preis-/Leistungsverhältnis passt so gar nicht zum infolge des Tourismus relativ hohen Lebensstandard mit teuren Hotels und üppigen Ferienanlagen. Für Lebensmittel zahlt man auch in Supermärkten mehr als bei uns, ebenfalls ist Treibstoff teurer.

Es wäre m.E. einen Versuch wert, den Marathon mit einer etwas früheren Beginnzeit (bis knapp vor 8 Uhr ist es in Madeira im Jänner noch stockfinster) in ca. 12 Runden auf der Avenida do Mar an der Hafenfront durchzuführen. Schnellere Zeiten wären möglich, aber das Image würde sich wandeln – Madeira wird mit steil und gebirgig gleichgesetzt, der höchste Berg ist der Pico Ruivo mit 1862 m. Das mag auch ein Grund sein, warum man den Läuferinnen und Läufern etwas abverlangen will.

Wenn man die guten Finisherzeiten heranzieht, so haben die Steigungen andere nicht gebremst. Ich kann diesen Lauf daher nur wärmstens empfehlen, wenn man (nicht wie ich) lauftauglich ist.

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Weitere Fotos vom Funchal Marathon

Siegerliste Männer

1. Bruno Moniz (POR) – 2:33:53

2. Dariusz Bemben (POL) – 2:53:36

3. Élvio Silva (POR) – 2:55:04

Reihung bei den Frauen

1. Rosa Madureira (POR) – 2:55:49

2. Júlia Conceiçao (POR) – 3:28:32

3. Judit Varga (HUN) – 3:35:37

170 Finisher beim Marathon (139 Männer, 41 Frauen)

Alle Informationen zum Maratona do Funchal


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