Einmal im Jahr verwandelt sich das beschauliche Val-de-Travers in ein Epizentrum für Laufwütige, Höhenmeter-Junkies und Trail-Verrückte.
Vom 6. bis 8. Juni war es wieder so weit – aber diesmal mit einem ganz besonderen Knall: Der Swiss Canyon Trail feierte seine 30. Ausgabe. Und wie man das in der Schweiz halt so macht, wurde nicht einfach ein Geburtstagskuchen aufgetischt, sondern gleich eine neue Königsdisziplin gezündet – der 100-Meilen-Lauf über 166 Kilometer.
Rund 3’500 Läufer hatten sich für eines der sechs Rennen eingeschrieben. Von der Einsteigerdistanz mit 16 Kilometern bis hin zum epischen 166er war alles dabei, was das Trailherz begehrt. Und Couvet, das verschlafene Nest, wurde kurzerhand zum Trail-Mekka der Schweiz erklärt. Die letzten Markierungen wurden platziert, die Verpflegungsposten mit Bündnerfleisch und Gummibärli bewaffnet, und sogar das Wetter zeigte sich gnädig – fast schon verdächtig gut.
100 Meilen Wahnsinn – oder wie man sich 30 Jahre feierlich antut
Am Freitag um 14 Uhr fiel der Startschuss zur brandneuen 166-Kilometer-Strecke. Ganze 150 unerschrockene Seelen machten sich auf den Weg, ihre Grenzen auszuloten – oder zu pulverisieren. Diese Distanz war ein exklusiver Jubiläumsleckerbissen, möglicherweise ein einmaliges Abenteuer in der Geschichte des Swiss Canyon Trail. Wer dabei war, schreibt Geschichte – oder mindestens einen sehr langen Blogpost.
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Unter den Starterinnen und Startern befanden sich mit Anthony Pipitone aus Frankreich und Sangé Sherpa aus Nepal zwei absolute Kaliber. Wer neben diesen zwei Trail-Titanen ins Ziel kam, konnte sich schon mal innerlich die Heldenmedaille umhängen. Die 100 Meilen wurden so zur ultimativen Ausdauerprüfung, bei der selbst die härtesten Oberschenkel weich wurden wie Raclette im Hochsommer.

Wenn 111 Kilometer plötzlich nach Sprint klingen
Auf der legendären 111K-Strecke – mit Höhenmetern, die einem das Frühstück aus dem Magen schütteln – tobte ein Duell, das so episch war wie ein Finalspiel im Jass-Klub: Aleix Todas Mas aus Spanien wollte sich für die Niederlage gegen den Titelverteidiger Miguel Arsenio aus Portugal revanchieren. Der Zweikampf auf schmalen Pfaden versprach Spannung bis zur letzten Wurzel.
Die 51K – kurz, knackig, kompromisslos
Der Swiss Canyon Trail macht keine halben Sachen, auch nicht bei den „kürzeren“ Distanzen. Die 51 Kilometer, mit satten 2’467 Höhenmetern gespickt, zählten zur World Trail Majors Short Series – und zogen internationale Elite an. Mit dabei: Janosch Kowalczyk aus Deutschland sowie die Supertruppe von Team Kailas Fuga mit Jianjian Yang (China) und Alvaor Gonzalez del Saltoyang (Spanien). Wer dachte, das wird ein gemütlicher Halbtagstrip durch die Jurawälder, hatte seine Rechnung ohne die Steigungen gemacht.
Bei den Frauen gab’s ein erwartetes Kräftemessen mit der Norwegerin Sylvia Nordskar, die kürzlich beim Transgrancanaria Marathon auf Platz zwei gelandet war – und nun in Couvet nach dem obersten Treppchen griff.
600 Helfer
Doch was wäre der Swiss Canyon Trail ohne seine stillen Helden in gelben Westen? Über 600 freiwillige Helfer waren im Einsatz – auf den Strecken, in den Verpflegungsstationen, beim EspaceVal, dem logistischen Herzstück des Events. Ohne sie würde Couvet nicht laufen. Oder zumindest niemand darin.
Mit Strecken für jeden Fitnessgrad – 16, 31, 51, 81, 111 und 166 Kilometer – plus Kinderrennen war der Anlass einmal mehr ein Fest für die ganze Läuferfamilie. Ob man sich nun die Seele aus dem Leib rannte oder gemütlich ins Ziel joggte, Hauptsache war: Man war Teil dieses einzigartigen Spektakels.
Und wenn eines klar wurde an diesem Wochenende, dann dies: Der Swiss Canyon Trail ist kein gewöhnliches Trailrennen. Es ist ein Ritual. Ein Mythos. Ein Muskelkater mit Aussicht.

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