Wenn Legenden laufen: Willkommen bei Sierre-Zinal
Der Countdown läuft. Kein Witz, kein Zögern, keine Ausreden: Sierre-Zinal steht vor der Tür – das legendäre Bergrennen, bei dem sich Weltklasse-Trailläufer die Haxen wund laufen, um einen Hauch Ruhm und ein paar Sekunden Unsterblichkeit zu erhaschen. Die "Race of the Five 4000ers" ist kein Spaziergang für Gipfelträumer, sondern ein Vollkontakt-Date mit 2.200 Höhenmetern auf 31 Kilometern feinster Alpentortur.
Von Sierre (560 m) geht's geradewegs in den Himmel. Erst 1.300 Höhenmeter rauf wie beim Stelldichein mit dem Teufel, dann weiter zur höchsten Stelle bei Nava auf 2.424 Metern, bevor's im Tiefflug nach Zinal (1.675 m) runterknallt. Wer hier nicht weiß, wo vorn und hinten ist, merkt's spätestens im letzten Kilometer, wo Legenden geboren – oder pulverisiert werden.
Elitäres Stelldichein vor dem großen Showdown
Sierre-Zinal 2025 ist mehr als nur das härteste Training für die Lunge – es ist das letzte Kräftemessen vor dem großen Finale der Golden Trail World Series im Oktober in Ledro-Trentino. Jeder Punkt zählt, jede Sekunde brennt sich ins Klassement. Und das Line-up? Eine Art olympisches Allstar-Team auf Speed.
Die Herren der Höhenmeter
Da wäre zum Beispiel Philemon Kiriago (Kenia – Run2gether On Trail), der das Ding 2023 schon gerockt hat und letztes Jahr fast Kilian Jornet die Rekordkrone vom Kopf gerissen hätte – am Ende fehlten ihm läppische 1,5 Sekunden. Der Mann will jetzt den Deckel draufmachen und die Uhr unter 2:25:34 knacken.
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Andreu Blanes (Spanien – Hoka) bringt wieder seine Straßenlauf-Beine auf die Trails. 14:00 auf 5.000 m und 7:52 auf 3.000 m? Der könnte mit dem Turbo im Blut den Trail zum Tartanplatz machen. Elhousine Elazzaoui (Marokko – NNormal), aktueller GTWS-Leader, will dagegen mit einem Sieg bei Sierre-Zinal sein bisher bestes Jahr veredeln.
Dann wären da noch der elegante Steeple-As Leonard Chemutai (Uganda – Adidas), Dauerbrenner Patrick Kipngeno (Kenia – Run2gether), der Sierre-Zinal schon dreimal aufs Podest gebracht hat, und starke Jungs wie Roberto Delorenzi (Schweiz), Sylvain Cachard (Frankreich) und US-Berggazelle Christian Allen. Auch der einheimische Hoffnungsträger Lucas Nanchen (Schweiz – NNormal) hofft auf tosenden Applaus in Zinal.
Die Königinnen der Fünf Viertausender
Bei den Damen sorgt Joyline Chepngeno (Kenia – Salomon) für erhöhten Puls. Letztes Jahr haute sie alle aus den Bergschuhen – bei ihrem ersten Rennen außerhalb Kenias! Nun kehrt sie mit breiter Brust zurück. Aber Achtung: Maude Mathys (Schweiz – Asics) ist zurück – vierfache Siegerin und immer noch Rekordhalterin. Die Strecke kennt sie besser als ihren Briefkasten.
Mit dabei auch Philaries Kisang, Joyce Njeru und Caroline Kimutai – allesamt Kenianerinnen mit Pfeffer in den Waden und Podiumsluft in der Nase. Und wer glaubt, nur Afrikanerinnen können Trail, der schaut mal auf Katie Schide (USA – On) oder Anna Gibson (USA – Brooks). Auch Oria Liaci, die beste Schweizerin von 2024, will sich dazwischenwerfen.
Sierre-Zinal live auf den Bildschirmen – und im Herzen
Wer den Muskelkater aus der Ferne spüren will: Am 9. August wird Sierre-Zinal live übertragen – auf HBO Max, Eurosport, Discovery+, TNT Sports, RTS, Canal 9 und Co. Männer wie Frauen starten um 11:00 Uhr (UTC+2), und das Spektakel ist garantiert.
Kein Berglauf ohne Volksfest
Doch Sierre-Zinal wäre nicht legendär ohne die 6.800 Hobbyläufer, die sich ab 4:45 Uhr auf dieselbe Tortur einlassen dürfen. Zwischen Trail-Giganten und gemütlichen Höhenmetersammlern entsteht eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen Kuhglocken, Schweiß und Glückseligkeit schwebt. Nur 20.000 wollten dabei sein – nur ein Drittel durfte. Der Mythos lebt.

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