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Die härteste Phase des Marathons beginnt in etwa ab km 30.

Die Beine werden schwerer und die Müdigkeit der Läufer steigt stark an. Das Tempo reduziert sich in der Folge bei einem Großteil der Läufer. Doch verlieren schnelle Marathonläufer auf den letzten Kilometern mehr an Zeit wie etwa gemütliche Marathonläufer, die für die 42,195 km vier oder fünf Stunden benötigen.

Motivieren Schallmauern?

Eine großflächige amerikanische Studie kann diese Fragestellung sehr gut beantworten. Ausgewertet wurden die Daten von über neun Millionen (!) Marathonläufern. Zuerst wurde untersucht wann Marathonläufer in das Ziel kommen. Viele Teilnehmer setzen sich das Knacken bestimmter Marken (wie z.B. unter drei Stunden oder unter vier Stunden) zum Ziel. Daher war anzunehmen, dass ein erheblich größerer Teil der Finisher kurz vor solch einer Schallmauer über die Ziellinie läuft, als kurz danach. Und diese Annahme bestätigt sich. Bereits bei den 3-Stundenläufern ist ein Knick der Finisherzahlen nach unten kurz nach 3:00:00 Stunden zu sehen. Das heißt, es erreichen deutlich mehr Läufer mit einer Zeit von 2:59 Stunden als mit einer Zeit von 3:01 Stunden das Ziel. Noch signifikanter ist das Ergebnis bei vier Stunden. Kurz nach den vier Stunden sinken die Einlaufzahlen rapide ab. Auch das Unterschreiten der 3:30 Stunden-, 4:30 Stunden- und 5:00 Stunden-Marke scheint die Läufer anzuspornen. Erst ab 5:30 Stunden lassen sich nur noch geringe Abweichungen erkennen. Somit können runde Zeiten die Läufer auf den letzten Kilometer zu einer Tempoerhöhung motivieren, um diese Marke noch zu erreichen.

Wer kann noch nachlegen?

Doch die Wissenschaftler wollten auch untersuchen, ob es Differenzen in den Leistungsreserven der Läufer unterschiedlicher Leistungsklassen gibt. Dazu wurde das Tempo der letzten 2,195 km mit dem der ersten 40 km verglichen. Im Schnitt werden die Läufer je nach Leistungskategorie um fünf bis 14 Prozent langsamer. Ganz klar ersichtlich war, dass dann das Tempo stark absinkt, wenn einen volle oder halbe Stunden-Marke knapp nicht erreicht wird. Weniger eingebüßt hatten diejenigen, die kurz davor finishten. Die Forscher erkannten, das Läufer die knapp unter fünf Stunden bleiben, die geringsten Tempoeinbußen hatten. Am deutlichsten ist hingegen die Pace der Teilnehmer abgesunken, die die drei Stunden knapp verpasst hatten.

Das heißt, langsame Marathonläufer können auf den letzten Kilometern etwas besser ihr Tempo kontrollieren. Das zeigt auch ein weiterer Untersuchungsschritt, wo der Prozentwert an Läufern gemessen wurde, die auf den letzten 2,195 km eine schnellere Pace liefen, als auf den ersten 40 km. Je langsamer die Marathonfinisher waren, desto höher war der Prozentanteil. Bei den halben und vollen Stunden gab es natürlich wieder einen Knick, sodass rund 40 % der Läufer die knapp unter fünf Stunden liefen, das Tempo steigern konnten. Bei den 3-Stundenläufern und 3:30-Läufern waren es hingegen nur etwa 30 %.

Die Forscher konnten somit eindrucksvoll bestätigen, das langsamere Marathonläufer gegen Ende des Marathons widerstandsfähiger gegen Tempoeinbußen sind, ja sogar noch eher ihr Tempo anziehen können. Die Ursache dafür scheint ebenfalls auf der Hand zu liegen: Aufgrund des geringen Tempos ist die Möglichkeit kleiner Geschwindigkeitserhöhungen durchaus größer als bei Läufern die ohnehin bereits sehr schnell unterwegs sind. Zudem ist anzunehmen, das die Zielsetzung weniger gut trainierter Läufer weniger ambitioniert ist und dadurch auf den letzten Kilometern des Marathons genügend Reserven vorhanden sind.

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