Man nehme eine 200-Meter-Rundbahn, eine gehörige Portion italienisches Temperament und eine Schrittfrequenz, die beim bloßen Hinsehen für Schwindelgefühle sorgt.
Was Francesco Fortunato bei den Italian Indoor Championships in Ancona auf das Parkett legte, war keine gewöhnliche Sportdarbietung. Es war eine Machtdemonstration, die den meisten Hobbyläufern die Schamesröte ins Gesicht treiben dürfte. Wer glaubt, dass Gehen eine gemütliche Sonntagsbeschäftigung ist, sollte sich die nackten Zahlen genauer ansehen: Der Italiener absolvierte die 5000 Meter in einer Zeit, bei der viele Freizeitjogger bereits nach der Hälfte der Distanz entkräftet aufgeben würden.
Mit einer unglaublichen Zeit von 17:54,48 Minuten pulverisierte Fortunato den bestehenden Weltrekord auf der Kurzbahn. Um das kurz einzuordnen: Das ist ein Tempo von deutlich unter 3:40 Minuten pro Kilometer. Versuchen Sie das mal im Park nachzumachen, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren oder nach Luft zu japsen. Bei den Meisterschaften bewies der EM-Bronzemedaillengewinner, dass er derzeit in einer eigenen Liga spielt und die alte Bestmarke von Mikhail Shchennikov aus dem Jahr 1995, die bei 18:07,08 Minuten stand, wie eine langsame Zeitlupenaufnahme wirken lässt.
Die späte Rache an der Technik
Dass Francesco Fortunato diesen Erfolg so emotional feierte, hat eine Vorgeschichte, die fast schon filmreif ist. Bereits im vergangenen Jahr war er an gleicher Stelle bei den Italian Indoor Championships eigentlich noch schneller unterwegs. Damals blieb die Uhr bei 17:55,65 Minuten stehen. Doch der Jubel hielt nicht lange an. Ein technisches Problem bei der Kampfrichterentscheidung verhinderte die offizielle Anerkennung als Weltrekord. Ein herber Schlag, den andere Sportler vielleicht zum Anlass genommen hätten, die Schuhe an den Nagel zu hängen. Nicht so der stolze Italiener.
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Er kehrte zurück, getrieben von einem fast schon sturen Ehrgeiz, um die Scharte auszuwetzen. Nach seinem fulminanten Sieg gab der Champion tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt: Ich bin mit mir selbst zufrieden. Ich bin hierhergekommen, um es erneut zu versuchen, und ich habe nicht aufgegeben. Nach der Enttäuschung im letzten Jahr hatte ich das Gefühl, dass dies ein Rekord war, den ich verdient habe. Dieser unbändige Wille zahlte sich aus, auch wenn die aktuelle Zeit nun offiziell das übliche Ratifizierungsverfahren durchlaufen muss.
Die Zuschauer in Ancona erlebten bei den Italian Indoor Championships einen Moment für die Geschichtsbücher. Während Shchennikovs Rekord fast drei Jahrzehnte lang wie in Stein gemeißelt schien, hob Fortunato die Sportart auf ein neues Level. Es ist dieser Mix aus technischer Präzision und purer Ausdauer, der diesen Erfolg so besonders macht. Wer nach diesem Auftritt immer noch behauptet, Gehen sei kein Hochleistungssport, dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen. Fortunato hat geliefert und die Messlatte für die Konkurrenz in astronomische Höhen geschraubt.
Bleibt nur die Frage, wie lange diese neue Bestmarke Bestand haben wird. Fest steht jedenfalls, dass Francesco Fortunato mit dieser Leistung seinen Status als absoluter Ausnahmeathlet zementiert hat.

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