Viele Läufer bei einem Marathon
Joyce Hübner will durch alle Städte Deutschlands laufen
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495 Marathons in 495 Tagen: Wahnsinnsprojekt durch alle Städte

Die meisten Menschen haben schon Probleme, sich für den Montagmorgenlauf aufzuraffen. Joyce Hübner hingegen plant, 495 Mal hintereinander einen Marathon zu laufen – an 495 Tagen.

Ohne. Einen. Einzigen. Ruhetag. Willkommen beim „Joyce Städtetrip“ – einem Projekt, das mehr nach sportlichem Irrsinn als nach Sightseeing klingt.

Von Mallorca nach Marathonia

Die 37-jährige Berlinerin, die ursprünglich Betriebswirtin und Immobilienökonomin ist, kennt das Abenteuer auf langen Strecken schon gut. 2023 umrundete sie die deutsche Grenze – 120 Marathons, 5127 Kilometer, 143 Tage. 2024 ging es rund um Mallorca. Danach stellte sich die Frage aller Fragen: Was kommt als nächstes?https://vg06.met.vgwort.de/na/46d473fb673742b98c30778a94f78d5a

Die Antwort kam wie so oft beim gemütlichen Zusammensitzen: „Warum nicht einfach ALLE deutschen Städte ablaufen?“ Und weil Joyce keine halben Sachen macht, entstand daraus der „Joyce Städtetrip“, ein Mammutprojekt mit über 21.300 Kilometern Strecke – das sind ungefähr fünfmal die Länge des Äquators geteilt durch fünf… oder so ähnlich.

Winter ist der Endgegner

Bei so einer Odyssee ist es nicht die Distanz, die der Berlinerin Sorgen macht. „Ich habe Angst vor dem Winter, denn ich mag das überhaupt nicht, bei mehreren Minusgraden draußen laufend unterwegs zu sein“, gesteht sie der Deutschen Presse-Agentur. Alles unter minus fünf Grad? Kein Spaß. „Aber: Ich habe es mir so ausgesucht“, fügt sie entschlossen hinzu (Quelle: DPA; FAZ).

Bis zum nächsten offiziellen Winteranfang am 21. Dezember ist immerhin noch Zeit. Doch allein die Tatsache, dass ihr Projekt so lange läuft, dass sich sogar die Jahreszeiten daran messen, zeigt, was hier für eine Laufmaschine an den Start geht.

Hinter jeder starken Läuferin…

…steht ein Mann mit Google Maps und Paketband. Sven Dünnwald, Joyces Freund aus Unna, ist das logistische Gehirn des Projekts. Er liebt das Laufen nicht besonders, aber liebt offenbar Joyce genug, um trotzdem 2059 deutsche Städte gemeinsam zu besuchen. „Ich kümmere mich im Endeffekt um alles bei ihr im Hintergrund“, erklärt er (Quelle: DPA; FAZ). Hotels für die ersten 14 Tage? Gebucht. 35 Paar Laufschuhe? Koordiniert. Wäsche? Wird an einen Freund verschickt, der sie alle zwei Wochen wäscht und zurückschickt. Plan B? „Haben wir nicht“, sagt Joyce – und lacht (Quelle: DPA).

Die Karten-Katastrophe

Doch wie plant man eine Route, die alle deutschen Städte verbindet? Antwort: mit Statistik, Beharrlichkeit – und einem Wunder. Das Statistische Bundesamt schickte die Liste aller Städte. Dann schrieb das Paar Google Maps an – und siehe da, es kam eine Antwort. Sogar mit Karte. Die sah aus wie ein Geschicklichkeitsspiel für Fortgeschrittene. Trotzdem musste Joyce jede einzelne Etappe manuell durchplanen. Jeder Feldweg, jede Kreuzung – Handarbeit deluxe. Mehrere Monate Arbeit nur für den Weg!

Körper? Klar. Kopf? Hmmm…

Jonas Deichmann, Extremsportler-Kollege und Mann für die ganz langen Kanten, kennt den Wahnsinn aus eigener Erfahrung. 120 Triathlons in 120 Tagen hat er hinter sich. Seine Einschätzung zum „Joyce Städtetrip“: „Rein körperlich ist das machbar, der passt sich an“, aber die Psyche sei die wahre Challenge. „Die aus meiner Sicht für sie noch viel größere Herausforderung: 495 Tage jeden Tag aufs Neue Bock zu haben“ (Quelle: DPA; FAZ; Die Zeit).

Dazu kommt: kaum Privatsphäre. Immer auf Achse. Immer sichtbar. Doch Joyce will Menschen motivieren, mitzulaufen. Es ist eben mehr als ein Sololauf – es ist ein Gesellschaftslauf.

Vom Traum zum Trail

Dass Joyce einmal zu Deutschlands absurdesten Laufprojekten aufbricht, hätte sie selbst nicht gedacht. „Am Anfang hat es keinen Spaß gemacht. Ich weiß auch gar nicht, warum ich dann so ambitioniert gewesen bin“, erinnert sie sich an ihre ersten Laufversuche gegenüber der DPA. Erst beim ersten Wettkampf sprang der Funke über. 2018 folgte der erste Marathon – und dann ging’s steil bergauf, im wahrsten Sinne.

Und beruflich? Da sah es früher ganz klassisch aus: Heirat, Kinder, Eigenheim mit Gartenzaun. Doch das Leben hatte andere Pläne – und Joyce ließ sich treiben. In Richtung Abenteuer. In Richtung „Joyce Städtetrip“.

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Wenn Laufen zur Lebensform wird

Was für andere ein Ziel fürs ganze Leben ist, wird für Joyce Hübner Alltag: Der „Joyce Städtetrip“ ist nicht nur ein sportliches Projekt, sondern ein Ausdruck absoluter Hingabe – an das Laufen, an die Herausforderung, ans Ungewisse. Und wenn der Winter kommt? Dann läuft sie ihm halt davon.

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