Das große Laufbuch der Trainingspläne

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Im Vorjahr wollte ich meinen zweiten Salzburg-Marathon laufen.

Ich hatte schon die Einleitung zum Bericht fertig. 200 Jahre Salzburg bei Österreich, was für eine Auflage! Aber leider, daraus wurde nichts. Die Nacht zuvor verbrachte ich viel Zeit auf der Toilette, an einen Marathonstart in Salzburg war nicht zu denken. Heuer schon.

Philip ist morgens pünktlich bei mir, um 06h25 holen wir Margot Wurzinger ab und es geht los. Die Wettervorhersage für Salzburg könnte kaum schlechter sein: Ergiebiger Dauerregen bei 8 – 12°C.

Bis nach Regau bleibt es trocken, dann regnet es relativ stark. Als wir die Landesgrenze zu Salzburg passieren ist es aber wieder trocken. Die schwarzen Wolken hängen tief, Hitzerennen wird das heute keines, soviel ist klar.

In der Mönchsberggarage finde ich einen geräumigen Parkplatz. Da heuer der Start nicht mehr am Residenzplatz ist spazieren wir die etwa 1,5km zum Mirabellgarten. 9°C, windig ist es, eine Läuferin fragt uns am mit Vorhangschlössern geschmückten Makartsteg wo denn der Start vom 10km-Lauf wäre?

Im Congress ist Marathonmesse und Kleiderbeutelabgabe. Da treffen wir wie ausgemacht Günther Aigner, er hat unsere Startbeutel dabei. Viele Läufer aus Oberösterreich kenne ich, zum Teil vom selben Fitness-Studio, die meisten Starter kommen aber eindeutig aus Deutschland.

Je länger es nicht regnet, umso lieber ist mir das. Dass es regnen wird, scheint außer Frage.

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Der Start erfolgt in drei Etappen. Wer sich weiter vorne einreiht als im Vorfeld bei der Anmeldung angegeben, bekommt 3 Strafminuten auf die Bruttozeit draufgeschlagen. Das Ranking erfolgt ebenfalls nach der Bruttozeit. Das kenne ich schon aus einigen Ländern, ich finde das ungerecht. In Österreich ist mir eine Rangreihenfolge nach Bruttozeit noch nicht aufgefallen.

Das Startsignal für die etwa 3.000 Läuferinnen und Läufer ist unspektakulär. Links die Kirche St. Andrä, rechts hinter der Mauer das Schloss Mirabell. Fürsterzbischof Wolf Dietrich ließ es 1606 erbauen. Der Marmorsaal ist bei Hochzeitspaaren sehr beliebt. Klar, dass da drinnen schon die Mozarts musiziert haben. Der prachtvolle Blick vom Schloss über den legendären Garten auf die Festung Hohensalzburg fehlt in keinem Salzburg-Prospekt.

Es geht die Dreifaltigkeitsgasse rauf, da ist es eigentlich so kurz nach dem Start zu eng. Gut, dass zumindest in Intervallen gestartet worden ist. Linzer Gasse runter, wo bereits die ersten Musiker aufspielen und auf der Staatsbrücke über die Salzach. Wir laufen links am Rudolfskai, ein Stück am linken Salzachufer entlang. Es geht stadtauswärts. Margot, Günther und ich laufen mit dem 4h15er-Pacer Karl der einen orangen Ballon mit sich zieht. Ein weiterer 4h15er-Ballon ist schon vor dem Start zerplatzt.

Km2 beim Salzburger Musikverein. Die rostrote Fassade scheint nach vorne zu kippen, steht aber schon lange so. Nach 2,4km gibt es in der Hellbrunner Straße an der erste Labestelle bereits Obst und Powerade. Dann die Naturwissenschaftliche Uni mit Botanischem Garten, schließlich in die Hellbrunner Allee, hier wird es malerisch. 2,5km geht auf festem Erdboden schnurgerade dahin, links Schloss Frohnburg, das gehört zum Mozarteum. Was mir auffällt und Margot am Garmin sieht: der Pacer läuft unrhythmisch, fast so als wolle er sein Grüppchen abschütteln. Bei mir funktioniert das, ich überhole ihn bei km5 als er sich wieder einmal einbremst.

Auf den nahen Bergen liegt frischer Schnee, darüber Wolken. Das Lustschloss Hellbrunn ließ Fürsterzbischof Markus Sittikus ab 1613 errichten. Ein etwa 200m langer orange-farbener Teppich auf Kies bildet eine wunderbare Laufunterlage. Berühmt ist dieses Schloss, auf das wir geradewegs zulaufen für seine Wasserspiele. Als Kind bin ich da schon nass geworden.

Bevor wir das Schlossgelände verlassen gibt es Wasser zu trinken, km6. Links rauf, Stadtgrenze und auf der Keltenallee ziemlich direkt nach Westen. Der Gegenwind macht es ungemütlich, ich laufe kurz/kurz trage aber drei Shirts übereinander, lauter sehr dünne. So richtig kalt wird mir zum Glück nicht. Man sieht Richtung Berchtesgaden dicke, graue Wolken. Ich glaube, dort regnet es bereits kräftig. Im Wald ist es mit dem Wind dann besser, nach 2km geht es am Kneissl Moor rechts nach Norden, stadteinwärts jetzt. Der Wind kommt nun von der Seite.

Da knallt es mehrfach richtig laut. Was kann das sein? Ein Fest bei der Stiegl-Brauerei? Philip sieht es, der ist 3min vor mir gestartet. In einer Kaserne werden in Serie Kanonen abgefeuert.

Alles in Ordnung bei mir, bei Margot sowieso. Die spielt sich bei dem Tempo. Kaum lege ich einen kurzen Sprint ein um jemanden zu überholen, schließt sie sofort auf. Wir dürfen nämlich nur auf einer Fahrspur laufen, das Läuferfeld ist also noch ziemlich dicht. Momentan laufen wir 5“40’.

Stadtteil Gneis, 59min für die ersten 10km, bei der Labestelle gibt es geachtelte Orangen und Bananenstücke, Powerade und Wasser. Nun ein schöner Blick auf die Festung Hohensalzburg, im Vordergrund Wiesen. Am Wahrzeichen der Stadt wurde über Jahrhunderte gebaut. Diese Burg ist eine der größten Europas, da war ich schon lange nicht mehr oben.

Kurz vorm Leopoldskroner Weiher liegt am Viertelmarathon eine Kontrollmatte, wenig später unterhält uns ein Streckensprecher. Da beim Hervis-Bogen ist um 08h45 der 10km-Lauf gestartet worden. Gegen den Uhrzeigersinn umrunden wir den kleinen See fast zur Gänze. An der Rückseite vom Schloss Leopoldskron geht es vorbei, heute ein Hotel. Wenn man dann über die linke Schulter schaut sieht man das kunstvolle Rokokoschloss aus dem Jahre 1736 in voller Pracht wie es sich im Weiher spiegelt, dahinter und darüber die Festung. Das ergibt ein tolles Bild!

Die Enten und Gänse scheinen davon unbeeindruckt.

Die eifrigen Trommler hier, SoriNaTu, kenne ich schon vom 2013er-Marathon.

Die nächsten km sind optisch nicht so der Bringer. Eher kleine Wohnhäuser, hin und wieder ein kleiner Gewerbebetrieb, Vorgärten, Stadtrand eben. Und ausgedehnte Verkehrstaus. Die Leute dürfen nur über die Kreuzung fahren, wenn gerade kein Läufer kommt. Nur dass vorhin 3.000 Leute gestartet sind und es keine Lücken gibt im Läuferfeld. Und so stehen sie und stauen sie und schauen sie und lassen die Motoren laufen. Ist etwa der Sprit zu billig?

Die Stiegl-Brauerei bei km16 ragt heraus, alleine das weitläufige Areal muss ein Vermögen wert sein. Die Brauerei wurde im selben Jahr gegründet in dem Kolumbus erstmals den Atlantik überquert hat. Das nächste Streckenstück kennen wir schon von der Anreise. Vorbei an einem Griechen laufen wir auf der Neutorstraße direkt auf den Mönchsberg zu.

Nun aber nicht in die Garage hinein sondern vorher links weg zum Augustiner Bräu, leichter Anstieg. Dudelsackmusik, live, die „Rampant Lion Pipe Band“ aus Salzburg spielt echt gut, gewandet in Schottenröcken! Bei km19 gibt es noch einen Versorgungsposten, sogar mit Coca Cola und Musik. Dann schlagen wir einen Haken der vor vier Jahren noch nicht da war. Die Änderung des Start- und Zielorts, nun ja nicht mehr der Residenzplatz, machte hier kleine Streckenänderungen notwendig.

Links das Institut für Sportmedizin, das LKH Salzburg, rechts das Augustiner Bräu im Stadtteil Mülln. Links runter, der Sprecher scheint die Läuferin mit Nr. 65 zu kennen. Für 200m wird es unterirdisch. Ein DJ nutzt die tolle Akustik und dröhnt uns die Ohren voll! Über uns befinden sich der Krankenhauspark und die Eisenbahnlinie von Salzburg nach Rosenheim. Wieder eine Rechts-links-rechts-Kombination und es geht über die Salzach, km20. Die Brücke runter geht es ganz leicht, man kann das Ziel schon förmlich riechen.

Elisabethkai entlang der Salzach, wieder unter der Eisenbahn durch, zwischen Hotels die Ernst-Thun-Straße rauf und rechts in die ansteigende Zielgerade. Ziel zumindest für Halbmarathonis, 2.025 sollen es letztlich werden die dieses Ziel heute sehen. Der Zielsprecher verspricht den wartenden Zusehern den Marathonsieger in den nächsten 7 Minuten. Der ist derzeit also bei km40. Ich laufe durch das Spalier. Links halten, da geht es weiter in die zweite Runde.

Für mich heißt das, einmal mehr bin ich der Überrundung entgangen.

Die erste Hälfte sind wir unter 6“00’/km gelaufen, nämlich 5“54’. Muss ich nur mehr sub 4h30 ins Ziel, dann ist mein Plan wieder aufgegangen. Margot hat hiermit ihr Pensum erledigt, ich laufe alleine weiter.

Die zweite Runde wird gefühlt ziemlich anders, nicht weil ich solo bin, damit kenne ich mich aus. Ich muss mich ausgiebig stärken. Km 23,5, da taucht der 4h15-Pacer auf und hat offenkundig großen Appetit. Außerdem erscheint Philipp, jener Philipp Haindl der vor vier Wochen in Linz souverän seinen ersten Marathon gefinisht hat.

Ich spüre einen Tropfen am linken Unterarm. Nein, es ist kein Schweißtropfen von meiner Stirn, dieser Tropfen kommt von viel weiter oben. Unter den Alleebäumen kühlt der Sprühregen leicht, beim Schloss Hellbrunn ist es ein Schnürlregen geworden. Km27, auf der Keltenallee durch den Eichetwald, nach zwei km rechts in die Berchtesgadener Straße stadteinwärts, es schüttet.

Genau zu dieser Zeit laufen die schnellsten Marathondamen ins Ziel. Anders als hier ist es beim Schloss Mirabell noch immer bröseltrocken. Das konnte ich abends im TV sehen.

Bei km30 bin ich knapp 3 Stunden unterwegs.

Was tu ich da eigentlich? Gibt es am Sonntag Vormittag nichts besseres für mich zu tun als bei wolkenbruchartigem Regen und 10°C in der Gegend rumzulaufen? Wenigstens nicht planlos.

Ich weiche den ärgsten Pfützen aus wenn es irgendwie möglich ist. Die Streckenposten können einem leid tun. Ich kann mich immerhin bewegen und somit aufwärmen, die aber müssen noch zwei Stunden oder so an ihrer ihnen zugewiesenen Kreuzung stehen. Das alles für ein warmes Abendessen? Scheißjob! Vielen Dank dafür dass ihr diesen Job trotzdem macht.

Der Sprecher vom 10km-Start am Leopoldskroner Weiher versucht gute Stimmung zu verbreiten. Aber kaum Zuseher und nur vereinzelt ein paar waschelnasse Läufer, er hat es nicht leicht. In einem Schwimmbewerb wäre ich nicht nasser als ich es jetzt bin, nur hätte ich keine Schuhe an.

Die Versorgung ist tadellos. Aufgrund des Angebots habe ich mittlerweile sogar meine Powerade-Flasche entsorgt, das mache ich sonst nie so früh im Rennen. Vielleicht nehme ich bei so viel Regen ja Feuchtigkeit über die Haut auf? Vielleicht schwitze ich ja nur weniger als sonst? Ich trinke wirklich reichlich. So viel, dass ich in meinem 122. Marathon zum dritten Mal überhaupt einen technischen Halt brauche. Als ich zum Stehen komme wird mir schnell kalt. Erleichtert mache ich mich gleich wieder auf den Weg, km33.

Und nun läuft es wieder prächtig. Mein Durchhänger ist vorbei. Ich laufe schnell genug um nicht zu frieren und leide nicht unter Blasen, das ist schon einmal viel Wert. Denn längst schwimme ich in meinen Schuhen. Zum Glück weht der Wind nicht mehr annähernd so stark wie in der ersten Runde als es noch trocken war.

Die Megastaus haben sich nun weitgehend aufgelöst, nur beim Stiegl-Bräu ist noch was los. Meine Beine laufen wie von alleine, nur auf die vielen Randsteine und nassen Kanaldeckel muss ich achten. Ich werde schneller, relativ gesehen. Das macht ja wieder richtig Spaß!

„Pfeif’ auf die Pfützen, ist eh schon wurscht!“ Sage ich mir und denen die vorm Sigmundstor Tunnel an der Mönchsberg-Garage unter einer Markise stehen. Der „Pipe Band“ ist das Dudeln vergangen, sie ist in Auflösung begriffen. An der letzten Labestelle schwimmen die Orangen- und Bananenstücke in den Plastikwannen. 20cm tief ist das Wasser, schätze ich. Was es halt so geregnet hat in letzter Zeit.

„Je höher die Absätz’, umso kürzer die Hauptsätz’“, ertönt es aus den Lautsprechern, ich muss schmunzeln. Links runter, Spitzkehre nach rechts und das 40km-Schild. Das ist eines meiner liebsten. Ich bin zuversichtlich dass ich meine Zeit vom Salzburg-M 2013 heute unterbieten kann, nur allzu viel Spielraum habe ich nicht. Meine persönliche Jahresweltbestleistung wird sich aber nicht mehr ausgehen.

Wieder wummernde Beats die 200m unterm Krankenhauspark. Der DJ hat nun tanzfreudige Gesellschaft bekommen, man prostet mir zu. „Du schaffst das!“

Tatsächlich habe ich noch Kraft die ich mir einteilen kann. Vor mir läuft ein Pärchen, das hole ich mir auf der Lehener Brücke. Ich sause mit einem derartigen Geschwindigkeitsüberschuss an den beiden vorbei, dass er erklärend zu ihr sagt, „Das ist ein Staffelläufer!“

Ha! Mehr Freude hätte er mir gar nicht machen können! Noch 1km.

Vorm Hotel Motel One stehen unter den Arkaden einige Leute im Trockenen die mich anfeuern, auch unter der Eisenbahnbrücke. Die Salzach führt ordentlich Wasser, fällt mir auf. Und dass es nun gar nicht mehr so stark regnet. Es schüttet nicht mehr wie aus Kübeln.

Leichter Anstieg nun zum Ziel, in der Innenkurve stehen drei Leute mit Regenpelerine die dadurch meinen Weg verlängern. Wenig überraschend, in der Zielgeraden waren vorhin noch mehr Zuseher. Gert und Margot kann ich erkennen. Es zieht sich. Mangels Zielbogen kann ich meine Augen nicht aufs Ziel einstellen. Die Ziellinie kommt dann plötzlich, bin ich froh.

Meine Erinnerungsmedaille bekomme ich von Ruth ausgehändigt. Mit ihrer Kapuze auf habe ich sie nicht gleich erkannt. Wir kennen uns bereits von vielen, vielen Marathonmessen irgendwo in Europa. Ich kann gar nicht sagen, wo ich sie schon überall angetroffen habe.

Kaum Leute in der Ziellabe. Der 4h15er-Pacer ist da und Philipp der mit den Zähnen klappert.

Ich schnappe mir ein kleines Stück Kuchen, den Becher Stiegl-Bier bekomme ich prompt.

Am Ausgang nimmt mich der wetterfeste Gert in Empfang. Zum Glück ist es nicht weit zu meinem Kleiderbeutel im Congress, der geduschte Philip und Marc sind auch da. Im Untergeschoss sehe ich zu dass ich schleunigst das nasse Zeug vom Leib bekomme. Das Handtuch vom Starterbag freut mich besonders, damit kann ich meinen Schuhen etwas Feuchtigkeit entziehen. Immerhin bin ich heute 16km lang geduscht worden.

Als ich trocken wieder auftauche stößt Günther zu uns der heute seinen 60. Marathon ins Trockene gebracht hat. Am Weg zum Auto hört es beinahe zu regnen auf und als wir Salzburg Richtung Linz verlassen ist es am Stadtrand sogar trocken.

Ach ja, bevor ich’s vergesse: Meine Salzburg-Zeit vom Mai 2013 habe ich geradezu pulverisiert, um 39 Sekunden war ich heute schneller J   Damals schien die Sonne!

Marathonsieger:

1.

Hosea-Kiprotich Rutto           KEN

2:17:48

2.

Simon-Kamau Njeri               KEN

2:23:17

3.

Abraham-Kipchirchir Limo     KEN

2:25:52

Marathonsiegerinnen:

1.

Tunde Szabo                         HUN

2:54:06

2.

Pamela-Chemurgor Talam   KEN

2:55:14

3.

Tatiana Mitkina                    RUS

2:56:27

   777 MarathonläuferInnen kommen ins Ziel (über 100 DNF)

2.025 Finisher beim ½-Marathon

   866 Finisher auf den 10km

im Startgeld von € 47,- für den Marathon:

Labestellen alle 2,5km, Wasser, Powerade, Bananen, Orangen

Ziellabe mit Bier, alk-freies Stiegl-Weiße, Kuchen, Wasser, Gittis Müesli, …

Champion-Chip pentek-timing

Kleiderbeutelabgabe,

Duschmöglichkeiten

Finishermedaille


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