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Bei der Heim-Europameisterschaft auf der neuen schnellen und attraktiven Super-Sprintdistanz erreichten die Olympiastarter Luis Knabl und Julia Hauser heute den 12. bzw. 20. Platz. Leon Pauger holte in der U23-Wertung den 8. Platz. Die Europameistertitel gingen an Deutschland und die Schweiz.

Das österreichische Trio konnte sich gestern in den Semifinalläufen souverän für das heutige Finale qualifizieren. Bei sommerlichen Bedingungen und Wassertemperaturen von über 26° C konnte sich zuerst Julia Hauser nach dem Schwimmen in der großen Radgruppe behaupten. Die Olympiastarterin, die ihr Höhentrainingslager für die Heim-EM unterbrach, konnte auf den abschließenden 3,1 Kilometern heute aber leider nicht ihre Laufstärke abrufen. Den Sieg holte sich die Deutsch Lara Lindemann.

Auch bei den Herren verlief der Rennverlauf wenig später ähnlich. Der schwimmstarke Lokalmatador, Luis Knabl, der ebenfalls sein Höhentrainingslager unterbrach, stieg als Vierter aus dem Wasser. Auf den vier Radrunden (12km) formierte sich ein großes Feld, das gemeinsam auf die Laufstrecke wechselte. Mit einem beherztem Lauf konnte Knabl dann noch Plätze gutmachen und als 12. in der EM-Wertung die Ziellinie überqueren. Leon Pauger fehlten bei seiner ersten Elite-EM nur wenige Sekunden auf einen Top 20 Platz (22.). Der Sieg ging an Max Studer (SUI).

Statements

Luis Knabl: „Es war ziemlich hart das Rennen. Es gibt kein Ausrasten und das Format verzeiht keine Fehler. Auf der ersten Laufrunde waren die Beine nicht sehr frisch. Aber dafür, dass ich direkt aus dem Training komm ist der 12. Platz super. Wir trainieren momentan nur auf Umfang und da fehlt mir dann die Spritzigkeit für dieses kurze Format. Ich glaube schon, dass es mir liegen könnte, wenn ich explizit dafür trainiere. Im Moment ist mein Fokus aber auf der Olympischen Distanz und den Spielen.“

Leon Pauger: „Das Rennen war ganz ok. Ich bin nicht ganz zufrieden, aber ich bin auch nicht unzufrieden, weil es in letzter Zeit nicht ganz so gut gelaufen ist. Jetzt ist es wieder ein Aufwärtstrend. Das Schwimmen war ok, Rad war ich in der ersten Gruppe, aber beim Laufen habe ich mich nicht mehr so gut gefühlt. Die Laufbeine haben mir heute gefehlt.“

Julia Hauser: „Das waren meine längsten 3km, die ich je gelaufen bin. Meine Beine waren ganz einfach müde und spürte die anstrengenden Trainingswochen in St. Moritz. Der Speed, das schnelle Weglaufen hat mir diesmal gefehlt, und ich war nicht frisch und verlor noch auf den letzten 800 m einige Plätze.“

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Robert Michlmayr (ÖTRV-Sportdirektor): „Es war eigentlich nicht der Rennverlauf, der für uns gut war, weil 27 Athleten bei den Herren zusammen die Radstrecke bewältigten. Aus unserer Sicht muss ich hier aber schon kritisch anmerken, dass durch den Start des Neuseeländers der Rennverlauf entscheidend verändert wurde, da er die zweite Gruppe an die vordere herangeführt hat. Der 12. Platz (Anmerkung: in der EM-Wertung) von Luis, der den Bewerb vom Höhentrainingslager heraus bestritt, ist super und Leon hat in der U23-Wertung einen Top 8-Platz erreicht. Ich bin damit super zufrieden.“ Und auch mit der Leistung von Julia Hauser zeigt sich der Michlmayr zufrieden: „Es war auch von ihr ein gutes solides Rennen direkt vom Höhentrainingslager heraus. Das Wichtigste ist, dass sie in Hinblick auf Tokio im Schwimmen einen Schritt vorwärts gemacht hat.“

Julius Skamen (Präsident Triathlonverband Tirol/ÖTRV-Vizepräsident): „Gewaltig! Luis Knabl hat beim Laufen alles hineingeschmissen. Er hat Vollgas gegeben. Es hat keiner geglaubt, aber er hat’s gemacht!“

Internationaler Bericht: Flotte Laufentscheidungen in der Elite

Die Entscheidungen in der Elite/U23 bei der Europameisterschaft auf der Super-Sprintdistanz in Kitzbühel fiel am späten Nachmittag. Der Schwarzsee bot mit 26,6 Grad Wassertemperatur kaum Abkühlung für die AthletInnen und auch die Lufttemperatur versprach wie bereits gestern bei den Semifinali heiße Rennen. Nach flotten 500m stieg Skrabanja (NED) als erste vor zwei Britinnen aus dem Wasser. Die Führungsgruppe am Rad bestand aus fünf Athletinnen, die von Beginn an Druck machten. Laura Lindemann (GER), Teil dieser Führungsgruppe, setzte sich an die Spitze und führte das Feld an. Dicht gefolgt waren sie von einer großen Verfolgergruppe, in der sich auch Olympiasiegerin Nicola Spirig (SUI) und die Österreicherin Julia Hauser befanden. Noch in der ersten Runde schloßen sich die beiden Gruppen zusammen. Spirig übernham die Führung und auch Tertsch (GER), Merle (FRA), Knoll (GER) und Lindemann hielten das Tempo hoch. Spirig (SUI) versuchte immer wieder sich von der Gruppe abzusetzen. Dies gelang der Schweizerin jedoch nur bedingt und die Gruppe kann immer wieder die Lücke schließen. Die Entscheidung fällt schlussendlich auf der Laufstrecke. Annen (SUI) wechselt als Erste und macht von Beginn an Druck. Riasova (RUS) und Lindemann konnten rasch aufschließen und überholten die Schweizerin. Danach bildete sich eine Vierergruppe bestehend aus Riasova, Periault (FRA), Lindemann und Mathias (GBR). Lindemann übernimmt die Führung, spielt ihre Laufstärke optimal aus und sichert nach den EM-Titeln am Vormittag den dritten EM-Titel des Tages für das deutsche Team. Dahinter holt die überraschend starke Russin Riasova vor der jungen Französin Periault Silber. Riasova holt mit ihrer Leistung auch den EM-Titel in der Klasse U23. Spirig verpasst das Podium als Vierte knapp. Julia Hauser holt für Österreich den 20. Platz.

Armband Love Running

Auch bei den Herren fiel die Entscheidung im Laufen. Das Rennen wurde aufgemischt vom Neuseeländer Wilde, der zwar startberechtigt war, allerdings im Kampf um den EM-Titel keine Rolle spielte. Das Feld riss bereits beim Schwimmen etwas auseinander. Mit Crociani (ITA), Devay (HUN) und Strada (ITA) konnten sich drei Athleten absetzen und vorne aus dem Wasser steigen. Dahinter stieg der Tiroler Lokalmatador Alois Knabl ebenso mit etwas Vorsprung auf den Rest des Feldes aus dem Schwarzsee. Das Führungstrio nach dem Schwimmen führte zunächst auch das Radfahren an, bevor eine etwa 20-Athleten starke Gruppe auf der zweiten Runde zu ihnen aufschloss. Benson (GBR), Studer (SUI) und Hellwig (GER) machen immer wieder Druck nach vorne, doch die Radgruppe inzwischen aus 27 Athleten bestehend, bliebt zusammen. In der letzten Runde sind es Carlsson (SWE) und Wilde (NZ), die das Tempo machten. Wilde steigt als erster vom Rad. Richard (FRA) erwischt den besseren Wechsel und geht als erster Athlet auf die Laufstrecke. Rasch bildet sich ein Trio aus Richard, Wilde und Serrat (ESP). Richard kann nicht mehr mithalten, dafür schließt sich Studer (SUI), bekannt als starker Läufer, der Spitze an. Das Trio wechselt häufig Positionen, bevor Studer die letzte Attacke startet und dem Feld davonläuft. Der Schweizer holt sich vor dem Spanier Serrat und Richard aus Frankreich den EM-Titel auf dieser neuen rasanten Distanz in Kitzbühel. Der Neuseeländer Wilde läuft zwar aufs Treppchen (dritter Gesamtplatz), spielt jedoch in der EM-Wertung wie erwähnt keine Rolle. Alois Knabl wird 12. und der junge Vorarlberger Leon Pauger holt den 21. Platz in der Elite und den 8. Platz in der U23-Wertung. Europameister der U23 wird der Portugiese Ricardo Batista.

Bereits am Vormittag stürzten sich die Top 30 der Juniorinnen in die Fluten des Schwarzsees. Nach 500m Schwimmen stieg Marta Kropko (HUN) als Erste aus dem Wasser. Positiv aus österreichischer Sicht, die Jüngste im Feld, Tabea Huys stieg knapp dahinter an vierter Position aus dem See. Auf das Radstrecke führt die Franzosin Denizot das Feld alleine an und kann ihre Führung zwei Runden lang halten. Etwa zehn Sekunden hinter ihr lauerte eine große Verfolgergruppe mit 20 Athletinnen. Die Verfolgergruppe holt Denizot auf der dritten Runde ein. Die restliche Radstrecke fuhr die Gruppe zusammen, es gab zahlreiche Spitzenwechsel wo Athletinnen aus Frankreich und Ungarn stark aufzeigten. Die große Gruppe kam gesammelt in die Wechselzone. Denizot wechselte vor Betti (SUI) und Bröcker (GER) als Erste auf die Laufstrecke. Casals (ESP) und Behrens (GER) machen Tempo von hinten. Casals übernimmt die Führung und setzt sich von der Gruppe ab. Doch noch in der ersten Runde schließt Behrens auf und setzt sich an Spitze. Mansson (SWE) wechselte als Letzte der Führungsgruppe auf die Laufstrecke, spielte ihre Stärke optimal aus und räumte das Feld von hinten auf. Behrens vorne war jedoch nicht mehr einzuholen und holt sich den Juniorinnen-Europameistertitel auf der Super-Sprintdistanz. Dahinter komplettieren Tilda Mansson und Maria Casals das Podium. Tabea Huys holt bei ihrem ersten internationalen Rennen als Jugend-Athletin im Juniorinnenfeld den sensationellen 17. Platz.

Auch bei den Junioren gab es eine spannende Laufentscheidung, die bis zum Schluss alles offenließ. Vysotskiy (RUS) steigt als Erster aus dem Wasser – der Österreicher Thomas Windischbauer auf Platz vier gut dabei. Nach der Wechselzone wechselt Favorit Alexandre Montez (POR) als Führender aufs Rad und reißt eine Lücke auf. Dahinter verfolgt ihn eine 27-Athleten starke Gruppe mit Windischbauer und Bader aus österreichischer Sicht mitten drinnen. Die Gruppe bleibt zusammen und stellt in der dritten Runde Montez. Immer wieder werden vorne Attacken von Dixon (FRA) und Basanta (SPA) gefahren. Jedoch geht keine auf und die große Gruppe erreicht gemeinsam die Wechselzone. Dort kurzer Schreckmoment - ein Athlet im hinteren Teil stürzt und es entsteht etwas Chaos. Jan Bader kann gerade noch drüberspringen. Montez zeigt erneut einen flotten Wechsel und geht in Führung. Der Deutsche Henry tGraf schließt auf und wenige Sekunden dahinter befinden sich Bader und Töpper (GER). Dixon (GBR) setzt die erste Attacke und bildet schließlich mit Graf und Montez das Führungstrio. Die drei setzten sich deutlich ab. Graf übernimmt am Beginn der zweiten Runde die Spitze, Dixon läuft eine Attacke, doch Graf kann mitgehen. Montez kann das Tempo nicht mehr halten und reißt einige Meter ab. Auf den letzten hundert Meter erhöht Graf erneut das Tempo und sichert sich vor Dixon und Montez den Junioren Europameistertitel.

Jan Bader verpasst das Podest um nur drei Sekunden und zeigt mit Platz vier eine großartige Leistung! Niklas Keller wird 26. nach einem einsamen und daher harten Radfahren. Thomas Windischbauer muss nach einem technischen Defekt am Rad den Bewerb frühzeitig beenden.

Glückliche Athleten, müde Gesichter und ein stolzer Bürgermeister sind bei der Siegerehrung zu sehen. „Großartige Wettkämpfe und ein tolles Umfeld wurden hier heute gezeigt. Das Ganze war noch dazu perfekt vorbereitet und das gerade in so einer schwierigen Zeit, wo man lange gehadert hat, ob man es machen kann oder nicht.“, zieht BGM Klaus Winkler ein sehr positives Resümee. Die Leute seien begeistert, ein toller Wettkampf wurde gezeigt und allem in allem sei man sehr stolz, dass Kitzbühel ein Teil der Triathlongemeinschaft sein kann, führt er fort. Auch Veranstalter Wolfgang Fuchs ist rund um zufrieden: „Es war heute ein sehr spannender Tag für uns. Die Premiere ist gut über die Bühne gegangen. Wir haben würdige Europameister.“ Auch weniger gute Momente hat es jedoch gegeben. „Wir haben leider zwei-drei Stürze gehabt. Gott sei Dank großteils nur Abschürfungen – Gott sei Dank ist nicht mehr passiert und somit haben wir fast alle gesund im Ziel. Alle sind happy, wir sind happy, das Wetter ist schön - also einfach perfekt!“ Glücklich ist auch Renndirektor Roman Swidrak: „Im Gegensatz zu den zwölf Rennen gestern, waren die acht Rennen heute recht locker. Die Rennen waren kompakter, weil es die Elite ist und deswegen war der Überblick besser gegeben. Die Stimmung war auch besser, also voll cool!“

Statements

Lindemann: „Mein zweiter EM-Titel nach 2017 fühlt sich gut an. Die Junioren haben ja heute schon gut vorgelegt, da hatte ich ein bisschen Druck. Beim Rad war meine Taktik nicht zu stürzen, vorne drin zu bleiben und gut in die Wechselzone zu kommen. Am Ende war es eine Laufentscheidung. Ich weiß, dass ich auf 3000m ganz gut bin. Auf der ersten Runde war ich noch etwas unsicher, aber auf der zweiten habe ich gemerkt, dass ich stark bin und habe versucht möglichst viel zu drücken. Wenn das ganze Team so stark ist, versucht man natürlich aus stark zu sein und das pusht schon.“

Studer: „Ich war schon Europameister U23 und im Team, aber jetzt als Elite-Europameister hier zu stehen ist ein super Gefühl. Die Leute, meine Partner, meine Trainingsgruppe und mein Trainer haben mich immer unterstützt und auch meine Familie, die hier ist und jetzt mit mir feiern kann. Es war sehr hart im Wasser, weil es so kurz ist. Am Rad konnte ich mich an die Spitze setzten und im Lauf habe ich versucht alle abzuhängen. Als ich dann niemanden mehr hinter mir atmen hörte, wusste ich es geht sich aus.“

Behrens: „Ich kann‘s gar nicht glauben. Mir kommen die Tränen, wenn ich das höre. Mein erstes Ziel war es ins Finale zu kommen. Ich wusste meine Form ist gut und ich wollte dann auch heute ein gutes Ergebnis liefern. Beim Radfahren war ich in der großen Gruppe und beim Laufen hat es dann geklappt. Ich wusste, dass das Laufen meine Stärke ist und dass ich auch im Kopf stark bin. Dann habe ich gewusst jetzt oder nie. Es war klar, dass auch auf der letzten Runde noch was passieren kann und dass ich Gas geben muss bis zum Schluss. Unser Team ist super stark und wir pushen und gegenseitig. Das hilft super viel!“

Graf: „Es ist natürlich mega geil. Europameister hört sich richtig gut an. Das es Gold wird kann man nie erwarten, aber eibisschen geträumt habe ich schon davon. Im Wasser habe ich mich nicht so gut gefühlt, auf dem Rad war dann der Portugiese kurz vorneweg und den konnten wir als Gruppe dann doch einholen. Beim Laufen war ich mit dem Briten und Montez vorneweg. Das war dann schon richtig hart. Dixon hat noch einige Attacken gesetzt, ich konnte durch meinen Platz an der Spitze das Feld etwas kontrollieren. Der Zieleinlauf war dann ein super Gefühl.“

Weiteres Programm

Sonntag, 20. Juni 2021
ab 08:00 Uhr Kitz Tri Games (Österreichische Meisterschaft Nachwuchs)
14:00 Uhr Mixed Team Relay Junioren
16:30 Uhr Mixed Team Relay Elite/U23


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