Jakob Ingebrigtsen bei der WM 2025
Jakob Ingebrigtsen bei der WM 2025 (© Sona Malterova for World Athletics)
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Pause nach OP für Lauflegende Jakob Ingebrigtsen

Kalifornische Sonne, OP-Saal statt Tartanbahn: Jakob Ingebrigtsen hat am Freitag öffentlich gemacht, dass er sich in den USA einem chirurgischen Eingriff am linken Achilles unterzogen hat.

Nicht die Sehne selbst war betroffen, sondern die umgebende Hülle. Klingt technisch, ist aber für einen der besten Läufer der Welt ein echter Einschnitt, im wahrsten Sinne.

Der Norweger hatte erstmals im April 2025 Probleme gespürt. Damals kam er aus einer Hallensaison, die selbst für seine Verhältnisse absurd stark war: Meilen-Weltrekord, Titel über 1500 und 3000 Meter bei den Hallen-Weltmeisterschaften in China. Danach aber: Pause, Zweifel, Geduldsspiel.

Vom Höhenflug zum harten Aufprall

Erst bei den Weltmeisterschaften im Freien in Tokio tauchte Ingebrigtsen wieder im Wettkampf auf. Doch der Motor stotterte. In der ersten Runde über 1500 Meter war Schluss, über 5000 Meter reichte es nur zu Platz zehn. Ein ungewohntes Bild.

Noch im Januar klang alles nach Neustart. Gegenüber dem Guardian erklärte Ingebrigtsen, seine Achillessehne fühle sich „sehr gut“ an. Der Plan: Saisonstart 2026 bei den Bislett Games in Oslo, dazu Weltrekordversuche über 1500 Meter, die Meile und 5000 Meter. Die Bislett Games in Oslo waren fest im Kalender markiert.

Rückschlag statt Startschuss

Zwei Wochen vor dem Statement kam jedoch der nächste Dämpfer. Auf Instagram erklärte Ingebrigtsen, dass sich die Beschwerden erneut verschärft hätten. Eine Operation stand schon seit April 2025 als Option im Raum, doch er wollte sie vermeiden, um die WM nicht zu verpassen. Nach fast einem Jahr mit Auf und Ab fiel nun die Entscheidung.

In einem YouTube-Video sagte er offen: „Damals im April war eine Operation zu früh und nicht realistisch. Wir wollten konservative Wege testen, entlasten, alternativ trainieren.“

Die letzten Monate seien unerquicklich gewesen, gute Tage wechselten sich mit schlechten ab. Seine klare Schlussfolgerung: „Diese Entscheidung war zu 100 Prozent notwendig, damit ich wieder gesund werde.“

Was genau kaputt war

Wichtig für alle, die beim Wort Achilles zusammenzucken: Die Sehne selbst ist intakt. „Meine Achillessehne ist komplett in Ordnung. Das Problem lag in der Hülle drumherum“, erklärte Ingebrigtsen. Dort habe sich Narbengewebe gebildet, das nun entfernt wurde.

Die Verletzung ähnelt jener aus dem Winter 2023/24, damals allerdings am rechten Bein. Auch dort war die Hülle betroffen. Das Ergebnis kennen Fans nur zu gut: Im Sommer 2024 lief Ingebrigtsen persönliche Bestzeit über 1500 Meter, stellte einen Weltrekord über 3000 Meter auf und holte Olympiagold über 5000 Meter.

Warum Optimismus erlaubt ist

Trotz der ernsteren Lage bleibt Ingebrigtsen erstaunlich gelassen. „Die Operation selbst ist nicht besonders groß. Die Erholungszeit ist deshalb relativ kurz“, sagte er. Panik? Fehlanzeige.

Sein Sprecher Espen Skoland bestätigte gegenüber VG eine dreiwöchige Ruhephase, bevor Ingebrigtsen wieder Laufschuhe anziehen darf. Ein konkretes Comeback-Datum gibt es nicht. Die Bislett Games in Oslo bleiben dennoch das emotionale Ziel.

Der erfahrene Fußspezialist Amol Saxena, der schon Athleten wie Galen Rupp, Dathan Ritzenhein und Pat Porter operierte, hatte bereits 2024 über diese Art von Verletzung gesprochen. Seine Zahlen machen Mut: In 97 Prozent der Fälle kehren Athleten nach einer Operation an der Achilles-Hülle vollständig zurück. Einige beginnen schon nach sieben Wochen wieder mit dem Laufen, Porter sogar nach drei, so berichtet zumindest die Plattform letsrun.

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Der Blick nach vorne ist kein Selbstläufer

Sportlich hat Ingebrigtsen alles gewonnen, was Rang und Namen hat: drei globale Titel über 5000 Meter, Olympiagold und zwei WM-Silber über 1500 Meter. Sein erklärtes Ziel bleibt gigantisch: Weltrekorde von 1500 Metern bis zum Marathon.

Doch die Uhr tickt. Seine Brüder Henrik Ingebrigtsen und Filip Ingebrigtsen hatten ihre besten Jahre früh und kämpften später mit Verletzungen. Statistisch spricht ebenfalls wenig für späte Rekorde: Keiner der letzten fünf Weltrekorde über 1500 Meter, die Meile oder 5000 Meter wurde von einem Läufer über 25 aufgestellt. Ingebrigtsen wird im September 26.

Gleichzeitig ist er erst wenige Monate von seinem Doppelgold bei den Hallen-Weltmeisterschaften entfernt. Läuft die Reha sauber, kann er wieder ganz vorne mitmischen. Rekorde zu brechen hieße, die Geschichte zu überholen. Aber genau das hat Jakob Ingebrigtsen schon öfter getan.

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