Tour de Tirol

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Die 4. Auflage der SALOMON 4 TRAILS hatte alles, was ein anspruchsvolles Trailrun-Event im europäischen Vergleich haben muss.

Top-Leistungen auf allen Ebenen, ebenso anspruchsvolle wie landschaftlich eindrucksvolle Trails, eine von allen Seiten gelobte Organisation. Und dazu Wetterverhältnisse, die den Athleten wirklich alles abverlangten. Von Sonne über Regen zu heftigen Winden bis zum Schneefall und Kälte in den hochalpinen Regionen.

Die 4. SALOMON 4 TRAILS werden bei allen Beteiligten noch lange in eindrucksvoller Erinnerung bleiben.

Der Gesamtsieg des Griechen Dimitris Theodorakakos vor dem Spanier Iker Karrera unterstreicht den Anspruch der SALOMON 4 TRAILS auf einen Spitzenplatz in den europäischen Trailrun-Events. Eindrucksvoll auch der überragende Auftritt der Spanierin Nuria Picas bei den Frauen. Natürlich gab es auch die ein oder andere Überraschung bei dem viertägigen Lauf von Garmisch-Partenkirchen nach Samnaun. Sie hießen Mirco Berner aus Kempten und Tina Fischl aus Fürstenstein. Beide zeigten als Trailrun-Einsteiger enormes Potenzial. Berner sicherte sich Rang drei bei dem Herren, Fischl Rang zwei bei den Frauen.

Doch was wäre solch eine Veranstaltung ohne die Dramen im hinteren Teil des Feldes. Dort, wo noch gelaufen wird, wenn die Stars längst auf der Massagebank liegen und sich auf die Pasta Party freuen. In diesem Jahr schien die Witterung eine besonders große zerstörerische Kraft in sich zu tragen. Auf der 3. Etappe von Imst nach Landeck lag es nicht zuletzt an den unwirtlichen Bedingungen, die das Rennen zu einer großen körperlichen Herausforderung machten. Die SALOMON 4 TRAILS standen für einen Tag im Regen, im wahren Wortsinn. Und viele der 450 gestarteten Athleten trotzten diesen Widrigkeiten mit einer bewundernswerten Energieleistung.

Es war ein täglicher Kampf, ein Kampf des Leidens, gegen die Schmerzen in den Oberschenkeln, gegen eine schier überwältigende Müdigkeit, gegen die nahenden Schlussläufer und gegen das unerbittliche Zeitlimit. Wie bei der Tour de France oder beim Giro d'Italia, wo die letzten Fahrer fast so gefeiert werden wie die Spitzenreiter: Aber wenn sie die Zeit überschreiten, aus dem Rennen genommen werden.

Schnell hatten sie sich gefunden. Vesa und Johanna aus Finnland, Christian aus Dänemark, Ariel aus Israel, Trevis aus El Paso in den USA, Ingrid aus Dortmund, Erika aus Mönchengladbach oder Arthur aus Gelsenkirchen. Sie liefen euphorisch über die Ziellinie, lagen sich freudig in den Armen, vergaßen für Sekunden und Minuten ihre Müdigkeit, ehe es unter die erlösende Wärme der Dusche ging. Wieder mal hatten sie es geschafft, die Zeit zu überlisten. Meistens waren sie zwischen sieben bis neun Stunden auf den Beinen, auf der Königsetappe sogar 11 Stunden. Da wird die Nacht zur Erholung kurz und nicht wenige Außenstehende fragten sich: Warum machen sie das nur?

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Eine logische Antwort darauf gab es nicht. Vielleicht war es der „innere Schweinehund“, vielleicht der immer wieder aufflammende Ehrgeiz, vielleicht die Abenteuerlust oder die Endorphine. „Morgen früh geht’s weiter. Da bin ich wieder fit", rief der Finne Vesa aufgeregt. Nachdem er sichtbar angeschlagen und merklich steif als Tagesletzter nach fast 9 Stunden in Imst über die Ziellinie lief, wenige Sekunden nach seiner finnischen Mitstreiterin Johanna Rante und gut eineinhalb Minuten vor dem Dänen Christian Biemann. Vesas finnische Fangruppe bereitet dem 47-jährigen Nordländer einen herzlichen Empfang mit Fahne, Umarmung und Getränk. „Ja“, sagt der groß gewachsene Vesa, „bergrunter ist es verdammt schwer.“

Wieder ist ein Tag geschafft. Natürlich nicht für alle. Als am Abend die Etappe in Landeck nach 31 regnerischen Kilometern zu Ende geht, hatten nach drei Tagen 50 Athleten aufgegeben.

Von Tag zu Tag kämpften sich die Mitglieder aus dem Team Israel ins Ziel. Am zweiten Tag hatten sich Gel Even-Zahav, Ariel Isenberg und Irit Shoshov mit Arthur Schulz aus Gelsenkirchen zusammengetan. Ein sichtbar müdes Quartett, das die Mühen des Tages gemeinsam überstanden hat. Irgendwie hatten die vier völlig unterschiedliche Voraussetzungen, irgendwie aber auch wieder nicht. Das Trio aus dem gelobten Land und Arthur aus dem Ruhrgebiet. Der eine trainiert auf einer Bergbauhalde und im nahen Sauerland, die Israelis in den nicht sonderlich hohen Bergen um Jerusalem. „Du läufst mit dem Kopf“, versuchte Ariel das Durchhaltevermögen zu erklären. Und sie hielten zusammen, die Finnen und die Israelis, die Oshrit David an ihrem 40. Geburtstag in Landeck mit einem gemeinsamen Ständchen in der Zielzone feierten.

 

Und dennoch. Von Tag zu Tag wurde es enger. Allein auf der Regenetappe von Imst nach Landeck gaben 12 Athleten auf. Ingrid aus Dortmund hörte ebenso auf wie Vesa aus Finnland oder der Däne Christian. Die Finnin Johanna kam am Schlusstag bis zur zweiten Verpflegung, Franz Feddema, mit 70 Jahren der älteste Läufer im Feld, stieg an gleicher Stelle aus. Einer ließ dagegen einfach nicht unterkriegen. Arthur, der pensionierte Bergmann und Schalke-Freund aus Gelsenkirchen biss sich durch. „Ich war Bergmann, habe kämpfen gelernt. Mein Leben hat sich mit dem Trailrun verändert. Es ist ein Leben vom Bergmann zum Bergmann“, verriet Arthur Schulz seine neue Lebenseinstellung. Der Kämpfer aus dem Ruhrpott hielt durch und erreichte das Ziel nach 45 km in Samnaun. Müde, aber zufrieden. Immer einen lockeren Spruch parat, immer dankbar für die gute Verpflegung und die freundlichen Mitarbeiter.

Was auch auf Walter Horz zutraf. Leicht und locker lief der 68-Jährige Tag für Tag ins Ziel. Er war nach dem Berliner Franz Feddema der zweitälteste Läufer im Feld der 425 in  Garmisch-Partenkirchen gestarteten Athleten. „Es muss Spaß machen, ich will mich nicht quälen“, unterstrich der Frankfurter Walter Horz seine Einstellung. Alle vier Auflagen der SALOMON 4 TRAILS habe er mitgemacht. „Und immer, wenn der Startschuss fällt, dann fängt es an zu kribbeln. Der ganz normale Schwachsinn. Nur bergrunter musst du im Alter etwas vorsichtiger werden“, lachte der pensionierte Gerichtsvollzieher, der beruflich immer noch aktiv ist. In einer Insolvenzgesellschaft für Immobilien. Aufhören will er noch lange nicht. Beruflich wie sportlich. Logisch, dass er auch bei den 5. SALOMON 4 TRAILS im kommenden Jahr dabei sein will.

Fotos (C) www.wisthaler.com (2), Klaus Fengler (1)

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