GutsMuths-Rennsteiglauf
Zieleinlauf beim Rennsteiglauf (Foto: © Rennsteiglauf GmbH, Kevin Voigt)
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Rennsteig eskaliert: Fliegende Holländerin und Rekord-Kracher!

Was für ein Brett! Der Marathon und der Supermarathon haben beim Rennsteiglauf 2025 mal wieder alles rausgehauen, was das Trailherz begehrt.

Streckenrekorde, epische Aufholjagden und ein bisschen Wahnsinn am Berg. Die Rennsteiglauf-Legende hat sich selbst übertroffen – mit Helden, Heldinnen und einem Start aus der letzten Reihe, der in die Rennsteig-Geschichtsbücher eingeht.

Yvonne van Vlerken: Höhenflug der „fliegenden Holländerin“

Die Bühne gehörte zuerst einer Frau, die eigentlich gar nicht mehr gewinnen wollte – und es dann doch getan hat. Yvonne van Vlerken, einstige Duathlon-Weltmeisterin und Triathlon-Maschine, ließ beim Marathon die Konkurrenz alt aussehen. In 3:02:20 Stunden donnerte sie über die Höhen des Thüringer Waldes, ließ ihre Beine im Downhill sprechen und feierte einen glorreichen Sieg mit fünf Minuten Vorsprung. Ihre Begeisterung war kaum zu bändigen:https://vg06.met.vgwort.de/na/529860b365ec40e1bf33fadcc9246cc9

„Das ist soviel geiler als ein Marathon auf der Straße und ein Riesenabenteuer.“

Gemeinsam mit der späteren Zweitplatzierten Lisa Felicitas Rihm hatte sie die erste Hälfte des Rennens gestaltet – danach schaltete van Vlerken den Turbo ein. Dass sie noch nie in den Bergen gelaufen war, merkt man ihr nicht an. Aber der Respekt war da – und der Spitzname „fliegende Holländerin“ bekam auf dem Rennsteig endlich seine verdiente Bedeutung.

Rihm, die Berlinerin auf Traildebut, kam in 3:07:30 ins Ziel und wusste: Bergab ist noch Luft nach oben. „Ich muss aber mehr Down Hill üben“, bilanzierte sie lachend. Dritte wurde die Oberhoferin Antonia Horn, die sich mit einer Verbesserung um satte 15 Minuten (3:10:31 Stunden) den Titel der besten Thüringerin sicherte – ganz knapp vor Mathilda Neubauer und der erfahrenen Katja Voigtmann.

Hayalu gegen alle – Start von ganz hinten, Ziel ganz vorn

Ein Start wie im schlechten Film, ein Finish wie im Actionkino: Samsom Tesfazghi Hayalu, Titelverteidiger beim Marathon, schaffte das Kunststück, das komplette Feld aufzurollen – weil er schlichtweg aus der letzten Reihe starten musste. Das Gedränge am Start ließ ihm keine Chance, seinen Platz rechtzeitig zu finden. Was dann folgte, war eine Machtdemonstration auf 42,2 Kilometern.

Nach 9 Kilometern war er vorn. Nach 33 Kilometern am Dreiherrenstein hatte er drei Minuten Vorsprung auf Leon Schübel. Doch der Berg zum Sportplatz von Schmiedefeld zeigte dann doch Wirkung. Die Beine streikten kurz, der Vorsprung schrumpfte. Doch Hayalu rettete sich in 2:37:34 Stunden mit einer Minute Vorsprung ins Ziel. Schübel (2:38:47) und Tom Thurley (2:42:38) komplettierten das Podest – alle verbeugten sich vor der mentalen und physischen Leistung des Mannes vom SV Sömmerda.

Daniela Oemus pulverisiert den Supermarathon

Im Supermarathon hat Daniela Oemus Geschichte geschrieben. Die Frau aus Gera, die bereits 2016 und 2018 triumphierte, wollte diesmal nicht einfach nur gewinnen – sie wollte ein Denkmal setzen. Mission erfüllt. In 5:43:23 Stunden knallte sie einen neuen Streckenrekord raus, der in Stein gemeißelt scheint.

„Zwischendurch dachte ich, dass sogar 5:30 drin sein könnte, aber dann wurden die Beine schwer.“

Nach fast 74 Kilometern auf dem Rennsteig ging es direkt auf die Ehrenrunde – mehr als verdient. Ihre größte Konkurrentin Kristin Hempel kam als Zweite mit persönlicher Bestzeit (6:08:45) ins Ziel und hatte trotzdem Grund zum Strahlen: „Immer wieder ein tolles Event mit super Stimmung an der Strecke und im Ziel.“ Dritte wurde Newcomerin Joanna Tallmann (6:15:06), die sich sieben Kilometer vor dem Ziel gegen Almut Dreßler-Ahlburg durchsetzte.

Merrbach – König der Trails zum vierten Mal

Bei den Männern ist Frank Merrbach längst eine Institution – doch diesmal setzte der 42-Jährige dem Ganzen die Krone auf. Mit persönlicher Bestzeit von 5:08:59 Stunden schnappte er sich beim Supermarathon zum vierten Mal den Titel.

„Ich hatte einen Super-Tag und unterwegs keinerlei Tief“, sagte er im Ziel – und es wirkte fast zu leicht. Dabei musste er am Anstieg zum Großen Beerberg richtig ran, um erst Marcel Bräutigam und dann Jens Nerkamp zu überholen. Letzterer war früh im Rennen vorn, musste aber später den Tribut für das Anfangstempo zahlen.

Bräutigam (Zweiter in 5:17:46) war gesundheitlich angeschlagen, kämpfte aber tapfer: „Ich hatte zum Schluss muskuläre Probleme und keine Energie mehr.“ Und Nerkamp, der mit 20 Kilo weniger als vor einem Jahr eine echte Transformation durchgemacht hat, kam als Dritter ins Ziel und sagte nur: „Ich komme bestimmt wieder.“

Der Rennsteig lebt – und wie!

Ob Marathon oder Supermarathon – der INTERSPORT-Marathon und der LOTTO Thüringen-Supermarathon waren 2025 ein Spektakel der Extraklasse. Mit fliegenden Holländerinnen, rennenden Rekordbrechern und einer Startnummer ganz hinten, die am Ende ganz vorne war. Mehr Trail, mehr Drama, mehr Rennsteig geht nicht. Bis nächstes Jahr – wenn der Wahnsinn von Schmiedefeld wieder beginnt.

Ergebnisse Rennsteiglauf 2025: Ranglisten, Fotos & Highlights

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