Die internationale Leichtathletikwelt steht vor einem möglichen Skandal von historischem Ausmaß.
Türkische Funktionäre versuchen offenbar mit aller Macht, sich für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles ein goldwürdiges Team zusammenzukaufen – und zwar ausgerechnet auf Kosten der sprintverrückten Nation Jamaika.
Wie sportsmax.tv berichtet, laufen derzeit intensive, geheime Verhandlungen, um einige der talentiertesten jamaikanischen Athleten zu einem Nationenwechsel zu überreden. Die Methode: ein finanzielles Angebot, das seinesgleichen sucht. Sogar für den hartgesottenen Profisportbereich ist das Ausmaß dieser Offerte schockierend.
Halbe Million für einen Pass
Ein nicht namentlich genannter, aber im internationalen Sportgeschäft bestens vernetzter Agent treibt offenbar das Projekt voran. Jamaikanische Top-Athleten sollen eine Sofortzahlung von mindestens 500.000 US-Dollar erhalten – pro Kopf. Zusätzlich winken monatliche Zahlungen sowie sechsstellige Prämien für Medaillen bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Es ist ein radikaler Versuch, die eigene Medaillenstatistik per Einbürgerung zu frisieren.
Unter Zeitdruck versucht die Türkei, die Weichen noch vor Monatsende zu stellen. Denn laut World Athletics muss der Passwechsel spätestens jetzt vollzogen werden, damit die Dreijahresfrist bis LA 2028 eingehalten werden kann. Nur so wären die frisch gebackenen „türkischen“ Sprinter auch wirklich startberechtigt.
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Geheimhaltung statt Transparenz
Was das Ganze noch bedenklicher macht: Teile der Jamaica Athletics Administrative Association (JAAA) wurden offenbar nicht informiert. Selbst Garth Gayle, Präsident der JAAA, verweigert bisher jegliche Stellungnahme. Ein fatales Schweigen angesichts einer Entwicklung, die Jamaikas sportliche Zukunft massiv gefährden könnte.
Mehrere Athleten, darunter auch internationale Medaillengewinner, sollen das Angebot ernsthaft prüfen. Andere wiederum lehnten die Anfragen kategorisch ab – zumindest vorerst. Doch in einem Umfeld, das von finanzieller Unsicherheit, Verletzungsrisiken und fehlender staatlicher Förderung geprägt ist, erscheint der türkische Vorstoß vielen als goldene Chance.
Ein Déjà-vu mit bitterem Beigeschmack
Die Methode erinnert an vergangene Nationenwechsel: Jacques Harvey wechselte bereits zur Türkei, während Kemarley Brown, Andrew Fisher und Brandon Simpson heute für Bahrain laufen. Der Unterschied: Damals geschah der Wechsel offen, mit deutlich weniger systematischem Kalkül. Dieser Coup hingegen wirkt wie ein kalt durchgeplanter Angriff auf Jamaikas Athletik-DNA.
Natürlich erlaubt World Athletics grundsätzlich solche Wechsel – unter Auflagen. Eine echte Verbindung zum neuen Land muss nachgewiesen werden, meist durch Wohnsitz. Zudem gilt die dreijährige Wartezeit. Ein Nationality Review Panel prüft alle Anträge. Doch was nützt ein Regelwerk, wenn es unterlaufen wird durch Geld, Einfluss und Geheimabsprachen?
Türkei hatte bereits in der Vergangenheit zahlreich junge Läufer aus afrikanischen Ländern verpflichtet. Die mussten sogar ihre Namen ändern. Einige davon holten später bei Europameisterschaften und sogar globalen Titelkämpfen Medaillen für die Türkei, obwohl sie weiterhin großteils in Afrika lebten und trainierten.
Identitätsverlust als Preis für Medaillen?
Für viele Sportexperten steht fest: Jamaikas Stars könnten die Offerte nicht wegen Loyalitätsbruchs annehmen – sondern aus purer Notwendigkeit. Ein Land, das seine Talente nicht halten kann, darf sich über Abwanderung nicht wundern. Und doch: Wenn das Modell „Medaillen kaufen“ Schule macht, verliert die Leichtathletik ihre Seele.
In den kommenden Wochen entscheidet sich, ob der Türkei-Jamaika-Deal tatsächlich Realität wird. Sollte es dazu kommen, droht Jamaika ein Verlust, der nicht nur sportlich, sondern auch symbolisch kaum aufzuwiegen ist. Die große Frage lautet: Wer schützt die Karibikinsel vor der nächsten goldenen Welle – diesmal nicht auf der Bahn, sondern aus Ankara?
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