Wer am Abend des Diamond-League-Meetings in Rabat rechtzeitig abgeschaltet hat, hat Geschichte verpasst.
Denn Frederik Ruppert zündete im letzten Rennen des Abends ein Feuerwerk, das nicht nur in der Wüste Marokkos für Aufsehen sorgte. Der 28-Jährige aus Tübingen katapultierte sich mit einem sensationellen Lauf über die 3.000 Meter Hindernis in eine neue Dimension und schraubte den deutschen Rekord auf unglaubliche 8:01,49 Minuten.
Im Fight mit dem Olympiasieger
Der Rahmen hätte nicht glanzvoller sein können: Flutlicht, ein enthusiastisches Publikum und ein stark besetztes Feld – typisch Diamond League Rabat. Für Ruppert war es das erste Rennen der Freiluftsaison. Und was für eins! Er hielt sich zunächst klug im Vorderfeld, ehe er mit jeder Runde mehr Selbstvertrauen tankte. Auf den letzten 400 Metern dann der Showdown: Der Deutsche hechtete nahezu auf Tuchfühlung an Lokalmatador und Olympiasieger Soufiane El Bakkali heran.
Was sich dann auf der Zielgeraden abspielte, war nichts weniger als ein sportliches Wunder mit Ansage. Der bisherige deutsche Rekord aus dem Jahr 1999? Geschichte. Die persönliche Bestzeit, die er erst vor Kurzem beim EM-Finale in Rom mit 8:15 aufgestellt hatte? Zerschmettert. Ruppert fliegt förmlich ins Ziel – 8:01,49 Minuten, nur einen Wimpernschlag vom Europarekord entfernt.
"Unglaublich, ich kann es nicht fassen. Ich habe mich gut gefühlt, also wollte ich schnell angehen. Auf dem letzten Kilometer habe ich realisiert, dass ich für eine Zeit um 8:09 Minuten nur einen langsamen Kilometer brauche, was schon großartig gewesen wäre. Aber ich habe weiter Gas gegeben und bin bei 8:01 Minuten gelandet. Ich hatte den deutschen Rekord im Hinterkopf, aber ich hätte nie gedacht, dass ich so schnell laufe. Nur eine Sekunde am Europarekord vorbei – oh mein Gott, nie hätte ich das gedacht", sagte Ruppert nach seinem Husarenritt gegenüber dem DLV.
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Der Sieger des Rennens, El Bakkali, kam mit 8:00,70 Minuten ins Ziel – Weltjahresbestleistung! Und das nur hauchdünn vor Ruppert. Dritter wurde Edmund Serem aus Kenia in 8:07,47 Minuten. Doch der Mann des Abends war eindeutig der Deutsche. In Rabat hatte er sich nicht nur ein Ticket zur WM geschnappt, sondern das deutsche Hindernislaufen neu definiert.
Chebet zaubert – Zweitschnellste Zeit aller Zeiten
Wem nach dem Männerrennen noch die Kinnlade unten hing, der durfte sie bei den Damen gleich dort lassen. Denn Beatrice Chebet zeigte über die 3.000 Meter ein Rennen zum Zungeschnalzen. Die kenianische Doppel-Olympiasiegerin lief nicht nur locker-flockig an der Konkurrenz vorbei – sie legte mit 8:11,56 Minuten die zweitschnellste Zeit der Geschichte auf die Bahn. Meetingrekord, Diamond-League-Rekord, Afrikarekord und Weltjahresbestleistung – mehr geht kaum.
Italiens Topläuferin Nadia Battocletti schlug sich wacker und kam mit neuem Landesrekord in 8:26,27 Minuten auf Rang zwei. Dritte wurde die Irin Sarah Healy (8:27,02 Minuten), gefolgt von Ejgayehu Tahe aus Äthiopien. Die Konkurrenz hatte keine Chance gegen Chebets Tempo-Show, die auf den letzten beiden Runden noch einmal alle Register zog.
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