Mo-Farah (C) Zürich 2014 Urs Zaudas

Mo Farah - er gehört zu den größten Stars der Leichtathletik!

In Zürich will Farah das Double 5000 m / 10'000 m schaffen – wie schon an den EM 2010, den Olympischen Spielen 2012 und den WM 2013.

Mo Farah, wie geht es Ihnen?
Gut. Ich freue mich, hier zu sein. Es war ein ziemlich langer Weg. Jetzt fiebere ich meinen Rennen entgegen. Ich gewann meine allererste Medaille an großen Meisterschaften 2006 an den EM in Göteborg. Und vier Jahre später in Barcelona meine ersten Titel.

Was würde es Ihnen bedeuten, auch 2014 wieder Europameister zu werden?
Viel. Als Athlet vergisst man nie, wo alles begonnen hat. Und bei mir hat es an Europameisterschaften begonnen. EM sind immer noch etwas Riesiges für mich. Vor zwei Jahren in Helsinki gewann ich über 5000 m und konnte über 10'000 m nicht laufen. Jetzt versuche ich mich wieder am Double.

Entspricht Ihre Form Ihren Vorstellungen?
Ich hatte gesundheitliche Probleme und musste auf die Commonwealth Games verzichten. Ich trete nicht an, wenn ich nur auf 75 oder 80 Prozent meiner Bestform bin. Aber jetzt habe ich ein paar harte Trainingswochen mehr auf dem Tacho und stehe ziemlich gut da. Doch vor zwei Wochen hätte ich wohl noch verneint.

Können Sie präziser auf Ihre gesundheitlichen Probleme eingehen?
Ich musste einen Zahn ziehen lassen und fing eine Infektion ein. Nach einem Training hatte ich plötzlich schlimme Bauchschmerzen. Ich verbrachte vier Tage im Spital. Danach ging es Schritt für Schritt besser. Aber ich hatte einige Trainings verpasst und sagte meine Teilnahme in Glasgow deshalb ab. Jetzt ist wieder alles okay. Ich komme gerade von einem dreieinhalbwöchigen Höhentraining in Font-Romeu in den französischen Pyrenäen zurück.

Sie hatten schon an einem Vorbereitungsrennen für Ihr Marathon-Debüt in London einen Zusammenbruch. Nun diese Probleme. Sorgen Sie sich um Ihre Gesundheit?
Nein, eigentlich nicht. Ich war auch dieses Mal kollabiert, bevor ich ins Spital gebracht wurde. Aber ich mache mir keine Sorgen. Ich wurde in Großbritanniens gründlich durchgecheckt. Man darf nicht vergessen: Als Athleten pushen wir unsere Körper ans Limit. Das macht uns zu Champions. Ich laufe Woche für Woche 200 Kilometer. Egal, wie die Bedingungen sind – ich gehe raus und trainiere, womöglich noch in der Höhe. Das verlangt dem Körper eine Menge ab. Was mir rückblickend klar geworden ist: Nach einem Marathon braucht der Körper eine Pause. Ich habe die Rückkehr wohl etwas überstürzt wegen der Commonwealth Games.

Sie haben ein Bild getwittert von einem Bahntraining hinter einem Tempomacher auf einem Mountainbike. Das muss ein gutes Zeichen sein, wenn der Tempomacher ein Fahrrad braucht.
Das war eines der Schlüsseltrainings, um für Zürich bereit zu sein. Aber ich bin nicht so schnell wie Usain (Bolt). Ich würde das gerne immer so machen, aber der Typ mit dem Mountainbike hat mir leider nur einmal geholfen. Auf dem Fahrrad kann ein Tempomacher die Geschwindigkeit ständig überwachen und immer gleich schnell fahren. Das ist ein Vorteil.

Sie hatten eigentlich geplant, sowohl an den Commonwealth Games als auch in Zürich das Double anzustreben.
Ja, ursprünglich schon. Je nachdem, wie es mir nach meinem ersten Marathon im April gehen würde. Doch mein Körper hat es mir nicht erlaubt.

Was haben Sie für Erinnerungen an Zürich?
Das Publikum ist jeweils großartig, das weiß ich von den Diamond-League-Meetings her, die ich in diesem Stadion schon bestritten habe. Das treibt dich an. Vor vier Jahren lief ich hier über 5000 m erstmals unter 13 Minuten und britischen Rekord. Dieses Stadion gehört für mich zu den magischen Orten.

Wie steht es um Ihre Marathon-Pläne? Haben Sie die begraben?
Für den Moment schon. Marathon ist ganz anders als 5000 m oder 10'000 m. Aber 2014 ist ein gutes Jahr, um etwas zu versuchen. Weil keine Weltmeisterschaften oder Olympischen Spiele auf dem Programm stehen. Es war hart und meine Zeit von 2:08 nicht gut genug. Letztes Jahr lief ich 3:28,81 über 1500 m und in diesem Jahr einen Marathon – eine riesige Umstellung. Ich habe gelitten. Aber man muss Dinge ausprobieren im Leben.

Was haben Sie aus Ihrem Marathon-Abstecher gelernt?
Dass es noch viel zu tun gibt. Marathon braucht Zeit. Man kann nicht in einem Jahr Europarekord über 1500 m laufen und im nächsten einen ganz schnellen Marathon. Ich würde mein Marathon-Debüt nicht anders vorbereiten, als ich es getan habe. Aber ich muss Geduld haben, über diese Disziplin lernen. Man wird nicht im Handumdrehen ein guter Marathonläufer.

Für den Moment ist der Marathon also abgehakt. Aber nicht für immer?
Nein. Ich würde es gegen Ende meiner Karriere gerne wieder versuchen. Aber jetzt konzentrierte ich mich auf die EM, dann die WM 2015 und Olympia 2016. Noch bin ich auf der Bahn besser als im Marathon.

Wie schwierig war es, vom Marathon auf die 5000 m und 10'000 m zurückzukehren?
Sehr schwierig. Für den Marathon machst du ganz viele lange Einheiten und viele, viele Kilometer. Für 1500 m, 5000 m und 10'000 m brauchst du mehr Speed, mehr Tempohärte. Es war hart, aber jetzt stehe ich an einem guten Ort.

Sie sind für Ihren Speed bekannt, liefen beispielsweise letztes Jahr an den WM in Moskau über 5000 m eine 53er-Schlussrunde. Ist das immer noch möglich?
Ja. Ich hoffe, das ist nicht verloren gegangen.

Ihnen mangelt es in diesem Jahr an Bahnrennen. Ein Nachteil?
Ich habe das nicht so gewollt. Ich hätte gerne drei, vier gemacht. Jetzt ist es eben nur jenes in Portland seit den WM in Moskau. Es ist, wie es ist.

Müssen Sie hier nach dem unbefriedigenden London Marathon und dem Verzicht auf die Commonwealth Games Ihre Saison retten?
Ja, so fühlt es sich an. Aber gewinnen will ich jedes Mal, wenn ich an der Startlinie stehe. Jetzt bin ich wohl einfach noch heißer, noch hungriger.

Während den Olympischen Spielen in London haben Sie unter einem Höhenzelt übernachtet. Hier auch?
Nein. Im Normalfall komme ich wie jetzt direkt aus dem Höhentraining, laufe meine Rennen und gehe zurück ins Höhentraining.

Foto (C) Zürich 2014 Urs Zaudas


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