Bei einer großen Halbmarathon-Veranstaltung gewann ein Sportler, der erst wenige Monate zuvor von der nationalen Anti-Doping-Agentur suspendiert wurde.
Eine Gesetzeslücke führte dazu, dass der Sportler doch antreten durfte. Tatsächlicher Verlierer war der "saubere" deutsche Marathon-Spitzenläufer Hendrik Pfeiffer, der durch diesen Skandal einen Platz verlor.
Zwei Doping-Sünder teilen sich den Sieg
Beim Karlovy Vary Half Marathon in der tschechischen Stadt Karlsbad liefen der Niederländer Khalid Choukoud und der Spanier Abdelaziz Merzougui Hand in Hand nach 1:04:01 Stunden über die Ziellinie. Die zwei Sportler teilten sich brüderlich den Sieg. Eigentlich eine tolle Szene. Doch wenn man in die Vergangenheit der Sportler blickt, ist es ein beschämendes Bild, welches sogar zum Skandal wurde.
Unregelmäßigkeiten im Blutpass
Da ist einerseits Khalid Choukoud. Der gebürtige Marokkaner, der mittlerweile für die Niederlande läuft, wurde vor 17 Jahren wegen eines anabolen Steroids für zwei Jahre gesperrt. Bis heute bestreitet der 38-Jährige das Dopingvergehen aus dem Jahr 2007. Choukoud hat seine Sperre längst abgesessen und durfte demnach natürlich zum Karlsbad Marathon 2024 antreten. Doch ganz anders sieht die Angelegenheit bei Abdelaziz Merzougui aus. Der wurde Anfang des Jahres von der spanischen Anti-Doping-Agentur CELAD für vier Jahre suspendiert, nachdem Unregelmäßigkeiten im biologischen Blutpass gefunden wurden.
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Verstoß gegen die Unschuldsvermutung
Doch Abdelaziz Merzougui konnte trotzdem zum Rennen in der Tschechischen Republik antreten. Der 32-Jährige nutzte eine Gesetzeslücke aus. Denn der Sportler durfte nicht für Wettkämpfe gesperrt werden, da das spanische Gesetz den Blutpass nicht akzeptiert. Denn der Blutpass verstößt laut spanischer Rechtsprechung gegen die Unschuldsvermutung.
Hendrik Pfeiffer: "Ein absoluter Skandal"
„Das ist ein absoluter Skandal und kann so nicht sein", sagte Hendrik Pfeiffer gegenüber dem Deutschlandfunk. Der Deutsche belegte beim Karlsbad Marathon hinter den zwei beschriebenen Läufern nach 1:04:53 Stunden den 3. Platz. Er war also der schnellste Läufer im Feld mit weißer Weste. Aber zumindest Platz 2 wäre Pfeiffer zugestanden.
Veranstalter waren die Hände gebunden
Die Unregelmäßigkeiten im Blutpass von Abdelaziz Merzougui wurden im Jänner veröffentlicht, allerdings traten diese bereits im Jahr 2019 auf. Der Spanier musste vor dem Rennen eine Versicherung unterzeichnen, dass er derzeit nicht gesperrt und gedopt sei. Das bestätigte auch der Veranstalter, der in diesem Fall dem Läufer den Start nicht verweigern konnte.
Sieht man sich das Profil von Merzougui auf World Athletics an, so hat der Spanier aber in den vergangenen Jahren regelmäßig Wettkämpfe bestritten. 2021 und 2022 war er beim Valencia Marathon am Start, wo er Zeiten unter 2:09 Stunden erreichte. Auch zu den Marathon-Europameisterschaften 2022 in München durfte er antreten.
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Quelle: Laufen trotz auffälliger Blutwerte (Deutschlandfunk, 26.05.2024)

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