Die Laufwelt blickt an diesem Samstag gespannt nach Ras Al Khaimah.
Der Ras Al Khaimah Halbmarathon schreibt sein nächstes Kapitel und mittendrin steht ein Mann, dessen Geschichte selbst für erfahrene Marathonfans kaum zu toppen ist: Geoffrey Kamworor. Dreizehn Jahre nach seinem ersten großen internationalen Sieg kehrt der Kenianer an jenen Ort zurück, an dem 2013 sein Aufstieg in der Erwachsenenklasse begann.
Damals gewann er hier, wenig später folgte eine Phase, die ihn an die Spitze des Weltsports katapultierte. Zwei Weltmeistertitel im Crosslauf der Männer, drei WM-Titel über die Halbmarathondistanz in Serie, ein Weltrekord in 58:01 Minuten und zwei Siege beim New York Marathon. Das liest sich wie eine Best-of-Liste des Langstreckenlaufs.
Vom Sturz in Cardiff bis zum Schicksalsschlag
Unvergessen bleibt sein Triumph bei der WM 2016 in Cardiff. Kamworor stürzte direkt nach dem Start, wurde von einem Pulk Konkurrenten überrannt, rappelte sich auf und holte das Feld wieder ein – und gewann am Ende. Er kommentierte später: „In Cardiff war es nass und ich bin am Start ausgerutscht, niemand hat mich umgestoßen. Es war schwer, durch die Menge zu laufen, aber der Sturz hat mich nur noch entschlossener gemacht.“
Doch der nächste Rückschlag war wesentlich schwerwiegender. Während der Corona-Pandemie trainierte er früh morgens allein, als ein Motorrad ihn von hinten erfasste. Schienbeinbruch, sechs Monate Laufpause. Danach plagten ihn wiederkehrende Verletzungen. Kamworor schilderte: „2020, während Corona, trainierten wir alle alleine. Eines Morgens vor Tagesanbruch wurde ich von einem Motorrad von hinten erwischt. Ich habe mir das Schienbein gebrochen und konnte sechs Monate nicht laufen. Als ich wieder anfing, war mein Körper noch aus dem Gleichgewicht und ich verletzte mich ständig. Es hat über drei Jahre gedauert, bis ich wieder richtig laufen konnte.“
Wichtiger Hinweis: Dieses Buch macht dich zum besseren Läufer
Zurück in der Spur
2023 überraschte er mit einem zweiten Platz beim London Marathon in 2:04:23 Stunden. Danach folgten erneut Verletzungsjahre. Erst im vergangenen Jahr gelang ihm der Sieg beim Marathon in Rotterdam, nur zehn Sekunden langsamer als in London.
Der fünffache Familienvater lebt und trainiert in Eldoret, dem Hochland-Mekka des kenianischen Langstreckenlaufs. Vor dem RAK-Halbmarathon sagte er: „Ich trainiere so gut wie nie zuvor und erinnere mich an diesen flachen, schnellen Kurs von meinem Sieg 2013. Ich bin einfach dankbar, wieder ohne Probleme laufen zu können.“
Alter ist nur eine Zahl
Mit 33 Jahren ist Kamworor noch lange kein alter Hase. Carlos Lopes gewann 1984 den olympischen Marathon mit 37, Constantina Dita siegte 2008 in Peking mit 38. Erfahrung kann gerade auf langen Strecken entscheidend sein – und beim Ras Al Khaimah Halbmarathon ist Taktik mindestens genauso wichtig wie Tempo.
Die Herausforderer warten
Die Konkurrenz schläft nicht. Brian Kibor und Jemal Mekonen lauern mit Bestzeiten von 58:39 und 58:33 Minuten. Auch Amedework Walelegn, Antenayeh Dagnachew, Yismaw Dillu, Birhanu Balew, Enos Kales, Bayelign Teshager, Mao Ako und Debütant Benson Kiplangat sorgen für Druck auf Kamworor.
Im Frauenfeld führt Wede Kefale aus Äthiopien mit 65:21 Minuten. Dahinter folgen Gladys Chepkurui, Jesca Chelangat, Magdalena Shauri, Gete Alemayehu, Cynthia Chepkwony, Bertha Gebreslasie, Orba Chemurgor, Wudinesh Alemu, Debash Kelali, Annet Chelangat und Melknat Wudu.
Eine Strecke für Rekorde
Seit der Premiere 2007 wird der Ras Al Khaimah Halbmarathon von Kenianern und Äthiopiern dominiert. Sammy Wanjiru lief damals 58:53 Minuten. Später sorgten vor allem die Frauen für Weltrekorde: Mary Keitany 2011 in 65:50, Peres Jepchirchir 2017 in 64:52 und Ababel Yeshaneh 2020 in 64:31.
Die flache Runde auf Al Marjan Island verspricht erneut schnelle Zeiten. Und vielleicht schreibt ausgerechnet Geoffrey Kamworor beim Ras Al Khaimah Halbmarathon das nächste große Kapitel seiner Karriere.
Favoritenliste Männer: RAK-Halbmarathon 2026
| Name | Land | Bestzeit |
|---|---|---|
| Geoffrey Kamworor | KEN | 58:01 |
| Jemal Mekonen | ETH | 58:33 |
| Brian Kibor | KEN | 58:39 |
| Amedework Walelegn | ETH | 58:40 |
| Antenayeh Dagnachew | ETH | 59:17 |
| Yismaw Dillu | ETH | 59:23 |
| Birhanu Balew | BRN | 59:41 |
| Enos Kales | KEN | 60:17 |
| Bayelign Teshager | ETH | 60:22 |
| Mao Ako | TAN | 60:28 |
| Benson Kiplangat | KEN | Debüt |
Favoritenliste Frauen
| Name | Land | Bestzeit |
|---|---|---|
| Wede Kefale | ETH | 65:21 |
| Gladys Chepkurui | KEN | 65:46 |
| Jesca Chelangat | KEN | 66:13 |
| Magdalena Shauri | TAN | 66:37 |
| Gete Alemayehu | ETH | 66:37 |
| Cynthia Chepkwony | KEN | 67:20 |
| Bertha Gebreslasie | ETH | 67:26 |
| Orba Chemurgor | KEN | 67:56 |
| Wudinesh Alemu | ETH | 68:08 |
| Debash Kelali | ETH | 68:10 |
| Annet Chelangat | UGA | 68:12 |
| Melknat Wudu | ETH | 68:53 |

Kommentar schreiben