Wenn am Sonntag in Mainz der Startschuss zum Gutenberg Halbmarathon fällt, wird es nicht einfach ein weiteres Rennen auf deutschem Boden sein – es wird ein Schlagabtausch der Superlative.
Samuel Fitwi und Domenika Mayer, beide amtierende deutsche Marathonmeister, haben ein klares Ziel: Die Jagd auf neue Rekorde. Doch die Konkurrenz schläft nicht – und sie ist bereit, ihnen den Weg zur Ruhmeshalle zu versperren.
Neuer Kurs, neue Ära
Seit letztem Jahr weht ein frischer Wind durch die Straßen von Mainz. Der traditionsreiche Lauf hat sich vom klassischen Marathon verabschiedet und sich voll dem Halbmarathon verschrieben. Mit Erfolg: 8.500 Läufer sind allein für die 21,1 Kilometer gemeldet, insgesamt treten 13.700 Athleten in den verschiedenen Distanzen an. Der neue Kurs katapultierte das Rennen sofort auf Platz zwei der schnellsten deutschen Halbmarathons – gleich hinter Berlin.
„Fokussierung auf den Halbmarathon war die richtige Entscheidung. Unser Ziel sind künftig über 10.000 Teilnehmer – aber Schritt für Schritt,“ erklärte Rennleiter Jo Schindler, der auch für den Frankfurt Marathon verantwortlich ist.
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Auch die Stadtpolitik steht hinter dem Wandel. „Der Wechsel hat mir einige schlaflose Nächte bereitet, aber alles, was versprochen wurde, ist eingetreten. Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung,“ so Günter Beck, Bürgermeister von Mainz.
Fitwi will fliegen – Kithuku könnte ihn stoppen
Mit einer geplanten Tempovorgabe von 60:30 Minuten soll es für die Männer rasant zur Sache gehen. Für Samuel Fitwi ist das kein Neuland. Der 29-Jährige lief bei den Europameisterschaften in Rom eine herausragende 61:17 und holte dort Platz fünf. Mit einer Marathon-Bestzeit von 2:04:56 ist er außerdem aktueller deutscher Rekordhalter.
„Ich habe sehr gut trainiert und fühle mich stark. Mein Ziel ist eine Top-Platzierung und ein neuer persönlicher Rekord. Ich werde mich am 60:30-Tempo orientieren,“ kündigte Fitwi entschlossen an.
Doch der Mann aus Eritrea wird sich den Sieg hart erarbeiten müssen. Joshua Kithuku, ein erst 19-jähriger Kenianer, lief im Höhenlagen-Eldoret bereits beeindruckende 60:37. Sollte er in Bestform anreisen, wird Fitwi mehr als nur einen Gegner im Rückspiegel halten müssen. Mit Hersuato Mamiyo (61:07) aus Äthiopien und Calistus Kitoo (61:39) aus Kenia stehen zwei weitere Topläufer bereit, den Kampf um die Krone aufzunehmen.
Mayer auf Rekordkurs – Kogo sorgt für Spannung
Bei den Frauen führt Domenika Mayer das Feld an – mit einem klaren Ziel. Ihre aktuelle Bestzeit von 69:46 stammt aus Warschau, doch sie weiß: Da geht mehr.
„Ich möchte meine Halbmarathon-Bestzeit endlich an meine anderen Leistungen angleichen,“ sagt die 34-Jährige selbstbewusst. Mit einem Marathon-Bestwert von 2:23:47 zählt sie zu Deutschlands Topläuferinnen. „Ich bin gesund, fit und hoffe, dass wir am Sonntag eine starke Gruppe bilden können.“
Herausgefordert wird Mayer unter anderem von Hanne Verbruggen aus Belgien (PB: 70:01), die bereits im letzten Jahr in Mainz aufs Podium lief. Auch die kenianische Langstreckenläuferin Esther Chemtai, Dritte der U20-Weltmeisterschaft im Crosslauf 2010, bringt mit 70:17 Minuten eine starke Referenz mit.
Doch ein Name sorgt besonders für Gesprächsstoff: Rency Kogo. Die Kenianerin ist zwar noch Neuling auf der Halbmarathon-Distanz, aber ihr jüngster Sieg beim 10-km-Rennen in Paderborn mit 31:56 Minuten hat gezeigt, dass sie explosiv und gefährlich ist. Ein Debüt mit Überraschungspotenzial.
Mainz als Bühne für ein Rekordfeuerwerk

Die Augen der deutschen Laufszene richten sich an diesem Wochenende auf Mainz. Wird Fitwi den Streckenrekord knacken? Kann Mayer ihre Form aus Hannover in ein Rekordrennen ummünzen? Die Konkurrenz ist stark, das Tempo gnadenlos – alles ist angerichtet für ein Rennen, das in die Geschichte eingehen könnte.
Wenn sich am Sonntagmorgen das Elitefeld in Bewegung setzt, zählt nur eins: Geschwindigkeit. Und vielleicht auch ein bisschen Geschichte.


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