60 Minuten Challenge

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Für meinen ersten Marathon im neuen Jahr in Funchal auf einer anspruchsvollen Strecke am 23. Februar habe ich mir mehr erwartet. Nun hoffe ich zwei Wochen später in Terni vielleicht ein besseres Resultat zu erzielen. Dazu kommt, dass ich in den 20 Jahren als eifriger Marathonsammler und -tourist noch nie in Umbrien an einem Laufwettbewerb teilgenommen habe.

Die Veranstalter stellen zwar den heiligen Valentin und dessen historische Bedeutung als Patron der Liebenden – auf ihn soll das Brauchtum des Valentinstags zurückgehen – in den Mittelpunkt, doch weil es ja eine Sportveranstaltung ist, sind nicht nur Liebende und Pärchen willkommen, sondern jeder Mann und jede Frau, der/die sich angesprochen fühlt und die üblichen Vorgaben bei einem Marathon in Italien erfüllt.

Anmeldung, Anreise und Marathon-Expo in Terni

Es ist für mich zur Gewohnheit geworden, mich bei Marathons immer erst knapp vor der Deadline anzumelden. Das höhere Startgeld nehme ich gegen eine größere Flexibilität gerne in Kauf, um auch umdisponieren zu können, falls sich Alternativen ergeben oder wie  jetzt in Zeiten einer Nerv tötenden, mittlerweile schon zweijährigen und anhaltenden Corona-Pandemie auf geänderte Regelungen resp. Einreisebestimmungen entsprechend reagieren zu können.

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Wie anderswo auch, bedienen sich die Organisatoren des San Valentino Marathons eines Dienstleisters, wenn es um die Anmeldung und Zahlung geht. Zu den 40 Euro in der letzten Preiskategorie verrechnet icron.it 4 Euro Transaktionsspesen, die man bei der insgesamt geringen Gebühr „verschmerzen“ kann. Inzwischen  habe ich mir ein Notizbüchlein angelegt, um alle Passwörter auch analog zu finden, die ich mir für die diversen Anmeldesysteme (am öftesten wird tds.sports beansprucht) bei italienischen Marathons ausgedacht habe.

Durch die Registrierung bei eben diesen Bezahldiensten sind nicht nur meine Daten gespeichert, sondern auch die Nummer der Runcard (für Nichtitaliener ohne Mitgliedschaft in einem dortigen Laufclub obligat), die man auf 1 Jahr um 15 Euro erwirbt sowie das ebenfalls zu erbringende, einjährig befristete (sport-) ärztliche Attest, wodurch ein erneutes Hochladen entfällt. Nach der Anmeldung werde ich unter den alphabetisch geordneten Inscriviti mit der Nummer 299 geführt, die Zahl 300 hätte mir natürlich besser gefallen.

Da die AUA außerhalb der Saison Rom nicht mehr täglich anfliegt, reise ich schon am Freitag an und verbringe nach der Ankunft (der knapp 1 ½ Stunden dauernde Flug mit dem kleineren Embraer E95 Jet verläuft etwas ruppig) bereits um 8:35 Uhr in Fiumicino und der 40-minütigem Bahnfahrt mit dem Leonardo  Express den gesamten weiteren Tag in der Ewigen Stadt mit wiederholtem Sightseeing (wie oft ich schon beim Kolosseum, der Spanischen Treppe und im Vatikan war, könnte ich ad hoc nicht sagen, aber 20x mindestens) und dann die Nacht im Golden Tulip, ein Vierstern-Hotel 300 m vom Roma Termini.

Zum E-Book Trainingspläne für Läufer und Läuferinnen

Am Samstag geht es mit einem Regionalzug, der nach Ancona fährt, nach Terni. Auf der einstündigen Bahnfahrt (9:28 bis 10:35 Uhr) vom Ostbahnhof (ca. 10 Gehminuten vom HBF) in die 100 km entfernte, mit 110.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Umbriens (die größte ist Perugia) unterhalte ich mich mit einem Mann gegenüber, der die  ganze Zeit auf den Fast-Präsidentschaftskandidaten Silvio Berlusconi schimpft. Die Wahl ist ja mittlerweile gelaufen, Sergio Mattarella ist neuer alter Präsident.

Wie bereits gestern in Rom kann ich auch in Terni das über booking.com für 2 Nächte reservierte Hotel Michelango Palace, das auch als das offizielle Marathonhotel geführt wird, bereits am Vormittag beziehen. Um die Mittagszeit spaziere ich zur ca. 1 ½ km vom Hotel entfernten Startnummernausgabe bei der Piazza Europa – in Italien herrscht übrigens Maskentragepflicht. Vor dem Eingang ist ein überdimensioniertes luftgefülltes Herz aufgespannt, das als Zeichen des Valentinstags, der eig. erst am 14. Februar begangen wird, dem Tag der Liebe Bedeutung und Symbolkraft verleihen soll.

Nach Vorweis des „grünen Passes“ (meinen dritten Stich habe ich am 6. Dez. 2021 bekommen) am Smartphone wird mir der Zutritt zur Expo gewährt – die nur aus einem einzigen Verkaufsstand in einem Mehrzweckraum besteht. Die Startnummer 299 wird auch von mir verifiziert, hernach erhalte ich noch ein Funktionsshirt und einen kurzärmeligen Windbreaker. Im Startsackerl sind weitere Goodies, u.a. 2 Dosen Bier und ein Schoko-Herz. Zudem bietet man mir einen Bon an, der einen vergünstigten Eintritt zum Cascata delle Marmore, ein dreiteiliger, künstlich geschaffener Wasserfall nahe Terni und Herzstück der Laufstrecke morgen, gewährt. Auf die in all den Jahren zuvor viel gerühmte Pastaparty mit Köstlichkeiten aus der Region (Motto: „mangia il più possibile“) wird wegen den Corona Bestimmungen und  Vorsichtsmaßnahmen heuer leider verzichtet.

Armband Love Running

In den verbleibenden Stunden am Nachmittag spaziere ich durch Terni, man bräuchte aber ein Fahrrad oder Auto, um rasch die Sehenswürdigkeiten aufzusuchen, die auf großen, bunten Infotafeln mit nummerierter Gebäudebeschreibung für Touristen abgebildet sind. Ich mache einige Belegfotos, morgen während des Laufes werde ich hier nochmals vorbeikommen.

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Der Marathontag

Das Frühstück wird im Hotel bereits um 7 Uhr angeboten, ich treffe wie immer in Italien einige Kollegen, die wie ich auch im Club Supermarathon Italia eingeschrieben sind, darunter Massimo Faleo, der praktisch bei jedem Laufevent in Italien anzutreffen ist. Mitglieder bekommen bei vielen dortigen Marathonveranstaltungen einen Rabatt, der sich bei 25 Euro Jahresmitgliedsbeitrag rechnerisch lohnt, wenn man vorhat, mehrmals in Italien zu laufen. Nachdem der Start erst für 9:30 Uhr vorgesehen ist, kann man sich beim Frühstücken nicht nur Zeit lassen, sondern auch mehr essen.

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10 Minuten nach 9 Uhr treffe ich im Startbereich ein, der Sperrgitter aufweist. Ein halbes Dutzend aufgezogene Fahnen kündigen an, dass der Lauf international besetzt ist. Jede/r Teilnehmer/in ist verpflichtet, ein ausgefülltes und unterschriebenes Formblatt (eine Selbsterklärung) abzugeben, dass man sich nicht krank fühlt. Es herrscht reges Treiben – die einen laufen sich ein, die anderen machen Dehnübungen, die Pacemaker tauschen sich aus und so mancher kann es kaum mehr erwarten, bis die Schlange vor dem Dixi Klo endlich kürzer wird.

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Ich stelle mich vor das vordere Starterfeld, man sieht deutlich, dass die Halbmarathonläufer/innen mit gelben Nummern zahlenmäßig überwiegen, es dürften geschätzt doppelt so viele sein, die die 21,1km bestreiten werden. Als der Start erfolgt, befinde ich mich in der Mitte der Läufer/innen, kaum jemand (außer mir), der/die das Rennen nicht mit einem hohen Tempo beginnt. Gerade in der Anfangsphase bekomme ich viele von vorne ins Bild, bald aber befinde ich mich in einer kleinen Gruppe Nachzügler/innen. Wir bewegen uns vorbei am Lancia di Luce, einem 1995 von Analdo Pomodoro gestalteten Obelisken, in Richtung des Flusses Nera, größter Zufluss des Tiber, wo ich gestern bei meinem Stadtspaziergang auf einer Parkbank eine Rast machte. Wenn man von einer der Brücken in Terni runterschaut, sieht man, dass infolge von Industrieanlagen, vielleicht auch landwirtschaftlicher Abwässer, das Wasser eine bläuliche Färbung hat.

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Nun geht es leicht ansteigend gut einem Kilometer nach Nordwesten, in einer Schleife erreichen wir die auf einem Hügel befindliche Basilika di San Valentino. Die Beine des Heiligen Valentin,  erster Bischof der Stadt und Märtyrer aus dem 3. Jh. n. Chr., sollen hier begraben liegen. Zwei wohl wegen des Marathons abgestellte Männer als römische Legionäre kostümiert, bewachen den Eingang. So hole ich einige hier wieder ein, die Zeit wegen eines Selfies mit den Bewachern verlieren.

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Der Kurs durch Terni ist als kleine (hinauf zur Basilika) und große Schleife (leicht abwärts über die Martin-Luther-King-Straße ins Industriegebiet) zu beschreiben. Die erste Labestelle befindet sich wie auf der Website angekündigt, bei Kilometer 5. Ich hatte schon jetzt mit Tee gerechnet, es wird nur Wasser ausgegeben, auch kein Sali (Iso). Die Kollegen, die ich bei der Abwärtspassage verloren habe, gönnen sich nun eine Verschnaufpause. Ich nehme mir vor, nun auf dem mehr als 20 km langen Anstieg auf der Strada Provenciale 209 ins Valnerina, il cuore verde dell'Umbria, ein konstantes (langsames) Tempo von 8 km/h zu wählen. Wenn man den Verlauf des Kurses auf der Karte anschaut, so sind ca. 150 Höhenmeter bis zur Wende bei Kilometer 24 zu überwinden. In Funchal waren es auf ca. 3 km im oberen Teil der Strecke,  die je viermal (hinauf und hinunter) durchlaufen wurde, eher weniger. Aber dafür war es dort mit 20 Grad C doppelt so warm.

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Hinter mir sind rund ein Dutzend Kollegen, es geht hinauf zum Höhepunkt des Marathonkurses: der Cascata delle Marmore ist mit 165 m Fallhöhe einer der höchsten Wasserfälle Europas und stammt aus dem 3. Jh. v. Chr. Der Fluss Velino wurde umgeleitet, um ein Sumpfgebiet trockenzulegen. Heute befindet sich hier ein Wasserkraftwerk zur Stromgewinnung. Doch noch ist es nicht so weit, ein entgegenkommendes Polizeimotorrad kündigt den führenden Halbmarathonläufer an. Es ist ein Farbiger, der einen Superspeed drauf hat. Ich halte mich links und knipse die Vorhut, die aber immer dichter und länger wird.

Kaum zu fassen, denn in Reggio Emilia war er noch hinter mir (wie in früheren Jahren eig. immer). Der gleichaltrige Vito Pierro Ancora nähert sich bei Papigno von hinten und zeigt sich heute als Powerwalker. Ich will mich nicht frühzeitig verausgaben und lasse ihn ziehen, sein schnelles Gehtempo beträgt aufwärts unter 8km/h.

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Die zweite Versorgungsstation befindet sich am Eingang zum Wasserfall. Jetzt gibt es auch Tee, Kekse, Iso. Leider steht die Sonne genau am Bergkamm, das Gegenlicht verhindert brauchbare Aufnahmen der herabstürzenden Wassermassen, trotzdem bleiben viele für ein Selfie wieder stehen. Es ist bei jedem Lauf schwer, auch nur eine einzige verlorene Minute wieder aufzuholen, am ehesten geht es, wenn man die Kraft hat, sein Tempo eine Zeitlang konstant zu erhöhen. Früher in besseren Zeiten habe ich oft kalkuliert: mit einer reinen 5er-Zeit (12km/h) mache ich nach einem Kilometer eine Minute gut, wenn ich mit 10km/h (einer 6er-Zeit: für viele  ja ein Jogging-Tempo) unterwegs bin.

Der Wasserfall, der nur zu einer bestimmten Zeit geöffnet ist, zählt zu den Touristenattraktionen in der Region, es gibt sogar einen Stadtbus, der dorthin fährt. Wir kommen sozusagen gratis dorthin, „laufend die Welt erleben und bestaunen“ wäre auch ein Slogan für einen Marathonwettbewerb, der wie hier viel Landschaft und Kultur (sakrale Bauwerke sowie Burgen und Festungen) mit einbezieht.

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11 km sind erreicht, ich blicke auf die GPS-Uhr, 1:30 h, das entspricht einem Schnitt von 8km/h. Eine kleine Gruppe von Läufern hat es auf mich abgesehen, besonders ein älteres italienisches Pärchen – ich gebe beiden den Siebziger – in bester körperlicher Verfassung zieht immer wieder das Tempo an, aber sie kommen nicht weg, weil ich dranbleibe und beide aufwärts nach kurzen „Sprints“ bald wieder gehen.

Bei Torre Orsina befindet sich der Wendepunkt für die Halbmarathonläufer/innen, doch als ich zur Zeitnehmung komme, verfolgt vom „wild gewordenen“, auf jung getrimmten Laufpärchen, sind nur mehr drei auf der Strecke, die nun den Weg ins Ziel auf einer ca. 5 km langen Abwärtspassage vor sich haben.

Bald darauf nähert sich uns der führende Marathonläufer, erneut ein Farbiger, der locker 5 Minuten Vorsprung auf den ersten Verfolger hat. Vermutlich kann er abwärts noch zulegen, sein Gesichtsausdruck zeigt Härte und Verbissenheit.

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Bei Isola, das zur Commune Arrone gehört, sind 15 km erreicht, meine Uhr zeigt 2:05 h an, ich bin damit zufrieden, zumal ja etliche hinter mir noch nachkommen. Nun kommen scharenweise Marathonis, die auf dem Rückweg sind, auf uns zu. Es sind Kollegen und Kolleginnen, auch etwas ältere Jahrgänge um 40-45, die mit ca. 3:15 h finishen werden. Das kann man sich ausrechnen, wenn man die Kilometerangabe auf der gegenüberliegenden Straßenseite ins Kalkül zieht.

Bei der 17km-Tafel verläuft der Kurs aufwärts zur mittelalterlichen Siedlung Arrone. Ich hole Massimo Faleo ein, er hat einen belustigen Laufschritt, aber auch wenn es vielleicht von Hinten wie das Watscheln einer Ente aussieht, er kommt recht gut damit voran. Vito Pierro, der heute mit Powerwalking beeindruckt hat, kommt uns entgegen, Massimo ist der freundlichste Mensch der Welt, er schreit auch Vito ein „Forza, forza“ zu.

Die Kirche Santa Maria aus dem 15. Jh. ist, oben angekommen, zu umrunden. Dann geht es recht zügig runter. Bei Anstieg kommt mir die Gruppe von Verfolgern entgegen, ich sollte mich nicht zu sicher fühlen, denn es sind kaum mehr als 300 m, die sie beim Abwärtslaufen vielleicht wieder wettmachen werden. Massimo und ich laufen eine Zeitlang nebeneinander her, er plant heuer in Barcelona anzutreten. Ich erwähne, dass der Lauf offiziell nur 6 h geöffnet ist. 2012 bin ich dort eine Woche nach meinem 100. Marathon in Rom 4:32 h gelaufen. Das Rom-Shirt zum Jubiläum habe ich mir selbst mit der Aufschrift „Corro ergo sum“ vorne (damals noch voll im Marathonfieber) gestaltet. Der Zuspruch war groß, als hinten am Shirt 100. Marathon in gelber Schrift auf dem sonst blauen Leibchen zu lesen war. Massimo ist Optimist, in Italien wird vieles pardoniert, in anderen Ländern werden aber zumeist die Schlusszeiten eingehalten.

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Heidi Riepl aus Linz kommt bei der 20 km-Anzeige entgegen, sie sollte um 4:30 oder darunter finishen – schon zu beneiden, wenn man selbst sub 6 h vor Augen hat. Sie war die 2. Frau in Österreich, die 100 Marathons gefinisht hat (es gibt derzeit nur 3, aber die eine oder andere hat sich dieses Ziel auch gesetzt, wir mir am Flughafen in Lissabon vor 2 Wochen Helga Marwan-Schlosser „anvertraut“ hat). Bei den Männern sind es ca. 20, die den Hunderter haben – diskussionswürdig erscheint mir aber, ob bei der Zählung auch Ultraläufe über 50 km einbezogen werden sollen. Marathonaustria, für viele die statistische Zählinstanz hierzulande, führt diese in der Wertung ja nicht an.

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Aber zurück zum Marathon resp. dem -kurs: Die Landschaft wird nicht nur vom Fluss Nera durchzogen, sondern auch links und rechts von Bergen mit steinernen Häusern, die wie Festungen wirken. So war Montefranco einst eine Festung der Langobarden, ein Volk, das im 6. Jh. fast ganz Italien beherrschte  – das einstige Imperium Romanum war ja längst untergegangen.

Massimo läuft hier und heute zum achten Mal, wie er erzählt. Wir kommen nach Ferentillo. Hier ist wieder ein kurzer Anstieg, dann geht es bei Kilometer 23 wieder hinunter und neben dem Fluss Nera vorbei an Matterella. Der Wendepunt ist nahe, plötzlich will Massimo vor mir die Helfer dort begrüßen. Ich lasse ihn ziehen, um ihn dann nach 50 m wieder einzuholen. Ich blicke mich um, ja leider, das „rabiate“ Laufpärchen hat uns fast eingeholt, die kleine Gruppe umfasst ein halbes Dutzend hoch motivierter Kollegen, die sich, sobald es nur mehr abwärts gehen wird, noch einen Zeitbonus ausrechnen.

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Nach der Wende geht es leicht ansteigend hinauf nach Precetto. Massimo grüßt alle Menschen auf der Straße in dem kleinen Ort.  Danach geht es wieder auf die alte Laufstrecke zurück, nicht jede Abwärtspassage empfinde ich als Erleichterung. Wegen meiner beidseitigen Knorpelschäden im Innenbereich der Kniegelenke kann ich diese nur unter Schmerzen abwärts belasten, daher ist für mich das Abwärtslaufen zu einem „Handicap“ geworden. Es kommt wie nicht erhofft, aber erwartet und unausweichlich: Die Gruppe, die bei der Wende hinter uns nachgekommen ist, kommt heran und eilt mir bei Kilometer 24 davon.  Massimo bleibt leider zurück, so wird es für mich ein langer, langsamer und einsamer Rückweg. Bei Casteldilago holt mich Ferdinando Gambelli ein, der in der Klasse 70 startet, beim Wasserfall nahe der hoch über das Tal führenden Autobahnbrücke kommt gut gelaunt Marco Simonazzi nach und zieht davon (nach der Galloway-Methode: ein Stück Gehen und dann einen kurzen „Sprint“) und zu guter Letzt nähert sich jenes Pärchen (er mit Kniestrumpf links), das bei Arrone  am Schluss des gesamten Feldes lag.

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Bei Kilometer 38 (nach meiner GPS-Uhr) hat man inzwischen die Anzeige abgeräumt. Die Straße ist nicht mehr gesperrt. So muss ich mich auf den letzten Kilometern durch Terni an den Schildern orientieren und zumeist am Gehsteig laufen, bei den roten Ampeln stehen bleiben, was einige Minuten kostet. Ferdinando liegt immer 300 m vor mir und ist in Sichtweite. An ihm orientiere ich mich auch. Die 6 Stunden sind verbraucht, ich habe noch 1 ½ km vor mir. Die Absperrung in der Stadt ist zwar noch da, aber mittendrin spazieren Menschen mit Kindern, so muss ich ständig ausweichen und mir durch die Menge den Weg suchen. Im Ziel angekommen, läuft die Uhr noch immer – meine Finisherzeit steht im Ergebnis. Auch noch weitere Läufer/innen hinter mir liegend kommen ins Klassement, Massimo schreibt mit 6:40 h auch noch an.

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Die Medaille ist schön designt, wirkt gediegen und gibt dem Valentinstag eine besondere Note. Terni ist die Stadt des Heiligen Valentin, die Menschen sind stolz auf ihren Patron, der Marathon ist eine Zugabe.

Meine Erkenntnis: Auch der/die Letzte/n in der Ergebnisliste hat bei der 11. Ausgabe des San Valentino Marathons eine Leistung erbracht, die viele auch beim Gehen nicht schaffen würden.

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Weitere Fotos vom Maratona di San Valention

Siegerliste Männer

Jean Baptiste Simukeka (ITA) – 02:20:23

Mohamed Hajjy (MAR) – 02:28:18

Matteo Lucchese (ITA) – 02:32:06

Reihung bei den Frauen

Paola Salvatori (ITA) – 02:48:45

Melissag Gibson (AUS) – 02:48:50

Federica Moroni (ITA) – 02:54:03

330 Finisher (266 Männer, 64 Frauen)

Alle Informationen zum Maratona die San Valentino


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