Das große Laufbuch der Trainingspläne

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Litauen ist neu für mich. Die Hauptstadt Vilnius (dt. Wilna) hat 530.000 Ew und ist nur 35km von der Grenze zu Weißrussland entfernt.

2009 war Vilnius gleichzeitig mit Linz Europäische Kulturhauptstadt. Die Vorfreude auf die schöne Stadt im Baltikum ist groß. Das Großfürstentum Litauen reichte im 17. Jhdt. bis ans Schwarze Meer. Die Polen waren da, die Russen waren da, die Deutschen, dann die Sowjets. Seit 1990 gehört man sich wieder selber, seit 2004 zur EU und seit 2015 hat man den €.  Nur 26km nördlich der Hauptstadt soll der geographische Mittelpunkt Europas liegen. Demnach ist hier Mitteleuropa!

Anflug Freitag Nachmittag mit Air Baltic ab München, das geht ohne Umsteigen. Mein 13. Marathon soll das heuer werden, angemeldet bin ich schon seit Jahresbeginn. Das Hotel Amberton liegt bei der strahlend weißen Kathedrale St. Stanislaus und somit bei Start und Ziel, so habe ich es gerne. Meine Frau Evi und ich kommen mit dem Bus 3G vom Flughafen, es rumpelt ganz ordentlich. Uns gefällt es wenn wir anderswo herausfinden wie man dort die Öffis benutzt. Taxi fahren kann jeder. Noch am Freitag sammeln wir beim Abendspaziergang erste Eindrücke von der Altstadt die uns gleich gefällt. Wenig überraschend ist sie UNESCO-Weltkulturerbe.

Samstag hole ich mir meine Startnummer (0131), dazu einen Goodie Bag und ein weißes Funktionsshirt, das ist im geringen Startgeld inklusive. Zum Glück ist das Wetter viel besser als noch zu Wochenbeginn angekündigt. Keine Rede mehr von vier Tagen Dauerregen. Das hat ein ausgedehntes Besichtigungsprogramm zur Folge, Höhenmeter gibt es genug. Immer wieder treffen wir auf Schilder die uns zeigen, dass hier morgen der Marathon vorbeiführen wird.

Inklusive ist auch die Pastaparty, es gibt zu Tode gekochte Penne mit geschmacksfreier Sauce, füllt immerhin den Magen. Dazu gutes Dosenbier ohne Drehzahl.

Zum Frühstück gibt es für mich am Sonntag zwei Schokocroissants und Wasser. Wolkenloser Himmel in der Startaufstellung zwischen Hotel Kempinski und Kathedrale. Dutzende Fahnenträger paradieren von hinten nach vorne an uns vorbei. Von der Rede des Bürgermeisters höre ich nichts – egal, würde eh nichts verstehen. Die litauische Hymne höre ich, aber nur weil viele Läufer lauthals mitsingen. Lautsprecher gibt es da hinten bei den + 4-Std.-Läufern nämlich keine. Etwa 2.700 Leute stehen am Start.

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Es dauert eine gute Minute bis ich die Startlinie überquere. Wegen des Gedränges und dem Straßenpflaster habe ich nur Augen für den Boden. Kanaldeckel bündig verlegen gehört nicht zur Stärke der hiesigen Straßenbauer. Rechts hinter Bäumen das Litauische Nationalmuseum, dahinter am Hügel das Schloss des Gediminas, ein Turm steht noch.

Meine rechte Patellasehne schmerzt, das gibt sich zum Glück schon nach wenigen 100m nachdem ich die Karaliaus Mindaugo tiltas (=König Mindaugo-Brücke) die über den Fluss Neris führt überquert habe. Sieht alt aus diese Stahlbogenbrücke, ist sie aber nicht. Die Neris ist hier in etwa so breit wie die Salzach in der Stadt Salzburg.

Links, nun am Ufer entlang, ein Radiosender sorgt für Stimmung. Die Sonne im Rücken kommen wir zur Grünen Brücke (žaliasis tiltas), die kenne ich schon vom Freitag.

Pierre Convert (0405) läuft heute mit Hut und weißem Leinenanzug, seit 2013 laufen wir uns immer wieder einmal wo über den Weg. Zuerst in Marrakesch, den Marathon dort ist er bereits sieben Mal gelaufen, sagt er. Vor lauter schwätzen laufe ich zu schnell.

Um die 6“30’/km will ich laufen, laut Garmin mache ich aber gerade 5“45’. Außerdem wird es ganz schön warm.

Rechts moderne Glashochhäuser, links der Fluss. Die erste Labestelle naht, diese ist hoffnungslos unterbesetzt. Die Helfer kommen hinten und vorne nicht zurecht. Dabei ist das heute schon der 14. Vilnius-Marathon.

Nur gut, dass ich einmal mehr auf meine Poweradeflasche am Start vertraue, die ersten km bin ich Selbstversorger und erspare mir den Stress.

Alte Holzhäuser stehen hier, typisch fürs Baltikum würde ich sagen. Hohe Randsteine, Pflastersteine die mit abenteuerlichem Spaltmass irgendwie am Boden liegen, man tut gut daran, das Geläuf im Auge zu behalten. Steven (0777) spricht mich an, weil ich mit dem giftgrünen Rotterdam-Shirt von 2015 laufe. Er wäre nämlich aus Rotterdam und ist den dortigen Marathon schon 15 Mal gelaufen. Mit Raymond Barkman haben wir einen gemeinsamen Freund dort.

Gefälle, runter zum Fluss, gegenüber der Beginn des Gedimino Prospekts, dort ist km15. Perfekt verlegt sind die Pflastersteine hier am neu angelegten Uferweg der aber noch nicht fertig ist. Es tut sich also was diesbezüglich.

Dann rechts den Hang rauf, km4, Gewerbegebiet und Labestelle bei km5, 30min habe ich bisher gebraucht. Auf einer großzügig breiten Fußgängerbrücke mit Stahlseilen und mittigem Pfeiler überqueren wir nun erneut den Fluss und tauchen in den Stadtwald ein, gleich ist es viel kühler.

Auf ebenem Asphalt geht es etwa 1km lang geradeaus, ein Linksknick und noch 1km geradeaus. Bei km8 im Wald wird die Strecke welliger, bei einer Festwiese kommen wir an eine große Lichtung mit Zusehertribüne. Wir laufen einen weiten Bogen um diese Wiese. Nach km9 beginnt der steile Anstieg vor km10. Er ist nicht ganz so arg, wie man aus dem Streckenprofil schließen könnte und auch nicht allzu lange.

Zur Labestelle hin geht es schon wieder leicht bergab, dann ziemlich steil. Ein Gefälle das bremst, im Flachen könnte ich schneller laufen.

Rechts unmittelbar neben uns nun eine viel befahrene Autobahn, aber nicht für lange.

Die A.Goštauto-Straße ist für uns Läufer reserviert, km11. Wir folgen zwei km dem Flussufer, an der žaliasis tiltas wenden wir und laufen die gleichen zwei km zurück.

1h33, bei km15 sind wir am Beginn des knapp 2km langen Gedimino Prospekts. Dieser Boulevard führt schnurgerade auf die Stanislaus Kathedrale zu, wo Start und Ziel sind.

Es geht vorbei an der Nationalbibliothek, Labestelle, ein leichter Anstieg. Links der Lukiškės Platz wird gerade neu gestaltet, er versteckt sich hinter einem Bauzaun.

Gut zu sehen hingegen ist das große Gebäude rechts in welchem nach 1945 der KGB sein Hauptquartier hatte. „THE MUSEUM OF GENOCIDE VICTIMS“  Unzählige Litauer wurden hier verhört, gefoltert und ermordet.

Ihre Namen sind in den Steinen des Erdgeschosses eingraviert, mit Geburts- und Sterbejahr. Es sind viele Namen, kaum ein Namensträger hatte seinen 30. Geburtstag erlebt. Ein Gedenkstein erinnert an die sowjetische Besatzung.

Eine Gruppe Japaner jubelt uns zu. Ich glaube das sind die ersten spontanen Anfeuerungsrufe von Zusehern heute. Bislang feuerten uns nur die meist weiblichen und jungen Streckenposten an.

Schließlich geht es leicht bergab, gestern ist hier ein Stau inszeniert worden, Film- Dreharbeiten wurden durchgeführt mit einer Dame in rot mittendrin.

Km16, heute ist die Straße autofrei. Am Horizont vor mir erscheint die oben erwähnte Kathedrale die aussieht wie ein griechischer Tempel.

Evi winkt mir zu. Ja, ich fühle mich prächtig! Es geht rechts weg die Jogailos g. rauf.

Links die Islandijos g. runter. In schlimmem Zustand ist der Belag die Vilniaus g. rauf,

stellenweise sind die Pflastersteine zerbrochen weil der Unterbau nachgegeben hat.

Ähnlich sieht es auf der Šv. Ignoto g. aus. Nur gut, dass diese Streckenabschnitte

nicht lang sind. Meistens haben wir tadellosen Asphalt unter den Füßen.

Kurz ist die Sonne wieder rausgekommen, Gardena bietet uns in der Vokiečių g. ein Sprühportal. Ich laufe außen rum, soo warm ist es nun auch wieder nicht.

Leute sitzen in Straßencafés am Trottoir, rauchen draußen denn drinnen dürfen sie nicht. Sie sehen dem Treiben zu, ab und zu ernten wir ein bisschen Applaus. Jetzt, wo die Halbmarathonis noch dabei sind, ist die Menge der Läufer ja noch ganz beachtlich.

Wir laufen an den Säulen der Vorderseite des Rathauses vorbei und rauf Richtung Tor der Morgenröte = Aušros vartai, dem letzten verbliebenen Tor in der Stadtmauer. Wikipedia dazu:   Das Tor der Morgenröte ist eines der wichtigsten Kultur- und Architekturdenkmäler der Stadt Vilnius. Es ist gleichzeitig ein bedeutender Wallfahrtsort für Katholiken sowie orthodoxe und unierte Christen

So weit rauf kommen wir aber nicht. Wir passieren die barocke St. Kasimir-Kirche und biegen links in die Subačiaus g. ein. Rechts sieht man das russisch-orthodoxe Heilige-Geist-Kloster. Da drinnen liegen unter einem Glasdeckel die schön gewandeten Überreste dreier Märtyrer aus dem 14. Jhdt.

Ich nähere mich dem zweiten Höhepunkt des 21,1km langen Kurses. Km18, höchste Zeit für mein erstes Powergel.

An der Stadtmauer oben empfangen uns Sambatrommler, wir werden angefeuert! Links hat man schon einen tollen Blick über die Stadt. Es geht weiter rauf, vorbei an der höchst baufälligen, barocken katholischen Himmelfahrtskirche. Schnell weiter, bevor die einstürzt.

Es geht runter, richtig steil wieder. Spitzkehre. Weiter runter bis ich 2km vor Ende der Runde an das Flüsschen Vilnia (=kleine Welle) komme. Die Strömung ist relativ stark. Die Vilnia entspringt in den Bergen an der weißrussischen Grenze und mündet hinterm Nationalmuseum in die Neris.

An der Aukštaičių g. stehen leere Marktbuden, wochentags ist hier Markt. Wir laufen ein Stück flussaufwärts und dann links über eine Brücke.  Hier beginnt die Republik Užupis. Die Paupio Gatve entlang, an der Mauer zur Linken ist in 23 Sprachen die Verfassung der Republik Užupis zu lesen.

Užupis bedeutet „jenseits des Flusses“ und ist ein kleiner Stadtteil. Früher mehrheitlich von Juden bewohnt, heute ein Künstlerviertel. Auf einer Seite ein Berg, auf den anderen Seiten der mäandernde Fluss.

Der Engel mit Posaune steht auf einer Granitsäule, hier biegen wir links ab in die Užupio g. an deren Ende ein Schild an einem Haus an die „Verpartnerung“ mit dem Pariser Montmartre im August 1998 erinnert.

Rauf auf die Brücke, raus aus Užupis und rechts, km20. Beim Kanaldeckel vor der weißen Kathedrale der Himmelfahrt der Gottesmutter knöchle ich um. Autsch, das hätte böse enden können.

Leichtes Gefälle nun, vorm Adomui Mickevičiui-Denkmal die nächste Labestelle. Ich fülle meine Flasche auf und nehme ein Stück Banane und ein Viertel einer saftigen Orange.

Im Hintergrund die gotische Annenkirche aus roten Backsteinen, gleich daneben die Bernhardinerkirche. Unfassbar diese Kirchendichte in dieser Stadt! Noch 1900 soll es 100 Synagogen gegeben haben, man nannte die Stadt Jerusalem des Nordens. 40% der Einwohner waren damals Juden. Heute gibt es eine einzige Synagoge und die ist mit zwei Zäunen und dazwischen Stacheldraht umgeben.

Weiter geht es mit leichtem Gefälle. Als rechts der Bernhardiner-Park beginnt laufen wir links in die B. Radvilaitės g. Viele Halbmarathonis sind schon im Ziel, die Sonne scheint und wir werden angefeuert. Rechterseits vor dem weißen großfürstlichen Palast, heute ein Museum, ist auf hohem Granitsockel das Standbild des Großfürsten Gediminas. Er hat sein Schwert in der linken Hand das er waagrecht zur Seite hält, dahinter sein Pferd. Ich kann mir nicht helfen, so wie der dasteht mit Helm, in der Hüfte abgeknickt und Oberkörper leicht nach vorne geneigt, sieht der Großfürst aus wie eine Playmobilfigur.

Ein rechts-links Schlenker und ich sehe das beeindruckende Kempinski-Hotel vor mir und damit den Zieleinlauf der Halbmarathonis. Evi schießt Erinnerungsfotos und sieht dass es mir gut geht. Bei Sonnenschein beginne ich meinen zweiten Umlauf, 2h13 bin ich bislang unterwegs.

Eben noch der Trubel vom Zieldurchlauf wird es gleich darauf ruhig. So etwas kenne ich schon von vielen Marathons, etwa 70% der Teilnehmer begnügen sich mit der halben Strecke. Nach vor km22 gibt es die nächste Wasserstelle. Wasserbecher in Hülle und Fülle stehen nun bereit. Leider sind es Pappbecher und genauso schmeckt das Wasser dann auch.

Ein junger Teilnehmer mit gelbem Shirt und grüner Hose scheint Probleme zu haben, wenn er läuft überholt er mich. Dann humpelt er ein Stück, da bin ich schneller Das geht eine ganz Weile so. Zwei junge Mädchen bewachen die Lautsprecher eines Radio-senders und tanzen zur Musik. Ab und zu werden wir nämlich mit Musik beschallt. Das dürfte von mir aus ruhig mehr sein.

Schließlich wieder die Holzhäuser, an der Labestelle ist Beschaulichkeit eingekehrt.

Bei km26 holen mich die 4h30-Pacer ein. Da will ich eine Weile dran bleiben. Zwei Männer in den 50ern und eine viel jüngere und kleinere Läuferin haben jeweils einen roten Ballon am Shirt befestigt. Wieder im Wald ist es angenehm kühl, wir laufen konstant 6“20’/km.

Iso gibt es wieder nach km27, ich laufe voraus und nehme zwei Becherchen. Als die drei bei km28 langsamer werden, behalte ich das Tempo bei.

Was mir auffällt: so exakt haben die km-Markierungen eines Marathons noch nie mit meinem Garmin überein gestimmt. Praktisch auf den Meter genau sind sie sich einig.

3h10 exakt bei km30 am Weg um die Festwiese. Wie zu befürchten überholen mich die drei beim vorletzten Steil-Anstieg. Von weitem sehe ich, dass die nächste Labe kein Iso mehr hat. Ein Mädchen reicht mir eine 1,5-l-Flasche, ich nehme sie und fülle meine Flasche auf. Dabei erwische ich die Fingerspitze ihres Handschuhs. Da die Hand noch drin steckt verdrehe ich ihr beim Einfüllen den Arm. Wir müssen beide lachen als ich es bemerke.

Ich laufe den Ballons nach, steil runter zur Autobahn. Die nächsten km habe ich diese drei mehr oder weniger konstant 30m vor mir, kann diese Lücke aber nicht zulaufen.

Der Gegenverkehrsbereich hat schon begonnen, Labe nach km33, auch hier nur mehr Wasser. Ich nehme das Tempo raus, es fängt an heikel zu werden. Nach der Schleife bei der Grünen Brücke, ich nehme Powergel Nr. 2 aus der Hosentasche, komme ich auf der anderen Straßenseite erneut zu dieser Labe.

Nun gibt es dort wieder Iso. Super, die Mädchen servieren auch für die Läufer die schon wieder am Rückweg sind. Ich nehme mir nur einen der beiden Becher. Der, den ich gerade überholt habe braucht mindestens ebenso dringend etwas Nahrhaftes.

Km36, Nationalbibliothek, Versorgungsposten, Beginn des Gedimino Prospekts, leichter Anstieg. Wolken am Himmel, das ist nicht weiter schlimm. Herrlich leicht laufe ich ab der Kuppe runter Richtung Kathedrale. So um die 4h35 werde ich wohl einlaufen.

Altstadtzickzack, es beginnt zu regnen, just als ich am Gardena-Regentor vorbeikomme das Wasser versprüht als wäre ein sonniger Hochsommertag.

Bei der Labestelle frage ich: „Iso?“ „Sorry, not yet!“ Drei Helfer rühren unterm Tisch gerade eine Wanne mit Isostar an, darauf warten will ich aber nicht.

Nach dem Rathaus geht einer vor mir in den Liegestütz und macht Yoga: mittels „nach unten schauendem Hund“ macht er Dehnungsübungen.

Schließlich bin ich wieder an der Stadtmauer, die Sambatrommler sind noch eifrig bei der Arbeit. Bei der baufälligen Himmelfahrtskirche nehme ich wieder Fahrt auf. Eigentlich geht es mir noch ganz gut. Regnen tut es auch nicht mehr.

Nach km40 bin ich unten bei den leeren Marktständen. Als ich erneut in die Republik Užupis einbiege fragt mich eine Ärztin ob ich Wasser bräuchte? Danke nein, Iso wäre fein. Iso hat sie leider nicht. Ein Läufer will mich überholen, das will ich aber nicht.

Wir laufen die Paupio Gatve entlang, Kinderwagen schiebende Jungfamilien begegnen uns.

Wir vorbei an den 23 mannshohen Tafeln die die Verfassung der Republik Užupis in ebenso vielen Sprachen zeigen. Erst heuer im Mai wurden sie feierlich enthüllt.

Er liegt einen Hauch vor mir, ich werde schneller, ich will als erster in die Linkskurve zur Užupio g. einbiegen, sonst schneidet er mir den Weg ab. Rechts der Posaunen-Engel mit wehendem Haar und ausgebreiteten Flügeln und die Linkskurve gehört mir. Ich habe ein mords Gaudi.

Es wird eng, einige Studenten traben hier um sich für ihren 10km-Lauf der in einer halben Stunde beginnt aufzuwärmen.

Wir laufen durch die Gruppe durch, das 41km-Schild, rauf auf die Brücke, raus aus Užupis, rechts rum – Achtung der Kanaldeckel! – vorbei an der Kathedrale der Himmelfahrt der Gottesmutter und dann ist es ruhig neben mir. Ich habe ihn abgehängt. Yesss!

Hier traben noch mehr Studenten rum. Bei der Labestelle nehme ich zwei Becherchen Iso und blicke auf meinen Garmin: 4h25“…, die Sekunden kann ich ohne Brille nicht ablesen. Vielleicht geht es sich mit sub 4h30 doch noch aus?

Ich hetze die Straße runter und bin ganz begeistert wie viel Bumms ich noch habe.

Slalom laufend zwischen Studenten und Sonntagsnachmittagsspaziergängern biege ich am Eingang des Bernhardiner-Parks links ab. Gut, dass hier die Straße wieder breiter ist. Das Straßenpflaster hier ist nicht so schlimm. Ich überhole sogar noch einen der drei 4h30-Pacer, nun ohne Ballon, und den Rotterdamer von km3. Da sehe ich, dass man die Innenspur vorm Hotel Kempinski für den Start des 10km-Laufs abgesperrt hat. Ich muss den Rechtsbogen außen laufen, Evi winkt mir zu und kurz bevor ich am Ziel vorbei laufen würde ist da eine Lücke in der Absperrung. Ein Streckenposten lotst mich durch, ich schlage einen Haken und bin im Ziel. Brutto 4h32, netto nix sub 4h30, nur 4h31.

Egal, mit meinem Schlusssprint habe ich große Freude, ich stehe im Genuss. Die letzten zwei km haben mir riesig Spaß gemacht. Jetzt muss ich erst einmal etwas verschnaufen. 5“05’ am letzten km, das ist ziemlich schnell für mich.

Sechs Mädchen warten auf mich damit mir eine davon die Erinnerungsmedaille am blauen Band umhängt. Dann nimmt mich Evi in Empfang, Zeit für ein paar Fotos.

Ich fühle mich gut, mit dem Mineralwasser wasche ich mir erstmal das verschwitzte Gesicht. Jemand drückt mir eine Dose bleifreies Bier in die Hand. Gute Idee, die trinke ich gleich.

Nachdem wir saniert sind gehen wir in der Stiklių g. litauische Spezialitäten essen. Hier war in den 1940ern das jüdische Ghetto. Hinterher treffen wir uns mit Katrin und Damien, beide sind 5min vor mir ins Ziel gekommen. Seit 2009, als Linz und Vilnius gleichzeitig Europäische Kulturhauptstadt waren, schwebt mir eine Vilnius-Reise schon vor. Dass ich heute hier den Marathon gelaufen bin geht aber auf Initiative von Katrin zurück.   Das war eine echt gute Idee.

Die Stadt verdient das Prädikat „absolut sehenswert“ und ist dabei preislich sehr i.O.   

0738 Marathonfinisher

1877 Halbmarathonis

 

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Im Startgeld von 27,63 EURO gab es

StartNr. inklusive Zeitnehmung; Goodie Bag mit was drin, nicht nur Werbung

Viel Asphalt, diverse Altstadtpflaster, etwa 500 Höhenmeter

angenehmes Laufwetter

Genug Wasserstellen, Bananen, Orangen, Iso; 

Zielversorgung: Wasser und alkfreies Bier, Hansgrohe Dusch-LKW

große Finishermedaille          


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