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5°C hat es Sonntag früh, es ist bewölkt und windig. Ich radle zum Start, Handschuhe unverzichtbar, und komme erstaunlich gut durch den Baustellenslalom über die VÖEST-Brücke, gerade rechtzeitig als die Handbiker und Inline-Skater startbereit sind.

Bis zu meinem Start dauert es noch anderthalb Stunden, eine Stunde nach den etwa 5.600   ¼-Marathonis. Zum Start hetzen müssen mag ich gar nicht.

Während Freitag früh sich Startnummernabholer die Beine in den Bauch stehen ist

Freitag zu Mittag in der Tips-Arena kaum was los. Jede Menge Parkplätze sind frei, drinnen bekommt man sofort seine Startnummer und ein Startersackerl in dem auch was drinnen ist. Nämlich Getränkedosen, Gummibären und ein Gutscheinheft.

Das Standpersonal auf der Marathonmesse ist entspannt und redselig und so melde ich mich gleich für zwei weitere Marathons an. 

„Mein“ FitnessStudio liegt günstig zur VÖEST-Brücke und so machen sich hier viele Läuferinnen und Läufer im vertrauten Studio rennfertig bevor es zur Startlinie geht. Dort ist es schon recht zugig.

Bald nach der österr. Nationalhymne geht es los. Es starten gut 4.000 Halbmarathonis, etwas über 1.000 Marathonis und 700 Startläufer der Vierer-Staffeln. Sehr viele Staffeln sind „mixed“, sie werden vorzugsweise von recht jungen Leuten gebildet.  

Das Startsignal erfolgt um 09h30, zwei Minuten nach dem Startschuss überquere ich die Startlinie. Beim Marathon stört die ansonsten staubige Autobahnbaustelle zum Glück nicht. Der Greppi macht die obligatorischen Fotos von Kasperl, Michel und Pumuckl und hat dieses Pflichtmotiv somit schon am Ende der Startkurve erledigt.

Die ersten zwei km auf der Autobahn geht es stadtauswärts, dann runter und links stadteinwärts, km3. An der Freistädter Straße drängen sich beiderseits der Strecke die Zuseher. Hier werden Marathon und Halbmarathon zusammengeführt, gleichzeitig wird es enger. Günter und Helene drehen sich für ein Foto um.

Gut, dass ich bei km3,5 der Evi wie vereinbart meine Kamera übergeben kann. Margit ist auch da, schließlich ist ihr jüngster Filius als Staffel-Startläufer im Einsatz. Die Pulvermühlstraße rauf steht da klatschend Lydia, wenig später der interessierte Egon. 

Nach km5 erreichen wir den höchsten Punkt der Strecke, kurz zuvor gibt es erst einmal Wasser. Heuer sind genug Becher vorbereitet für den Ansturm. Ich trinke aus meiner  Powerade-Flasche, dann wird sie etwas leichter.

Alle Jahre wieder schwenkt jemand eine riesige Fan-Fahne vom FC Blau-Weiß Linz.

Nun die Leonfeldner Straße stadteinwärts. Das Läuferfeld ist dicht. Hier endlich friert es mich nicht mehr in den Fingern.

Weiter zur Wildbergstraße, vor uns das Riesenrad vom Urfahraner Markt, rechts in Richtung Nibelungenbrücke. Dann geht es über die Donau, die Nibelungenbrücke rauf. Jemand neben mir stöhnt „ist das steil!“

Vor mir der Hauptplatz mit dem Ziel. Finisher des ¼-Marathons stehen am Streckenrand und applaudieren. Besonders dicht ist die Atmosphäre am Lentos vorbei, wo deren Ziellabe ist. Hier werden wir für kurze Zeit gar auf eine Fahrspur zusammengedrängt.

Erster Staffelwechsel nach 9,1km. Dann die breite Gruberstraße rauf, Gert Pointner ist da, mit dem bin 2012 den Augsburg-M gelaufen, das war vielleicht eine Hitzeschlacht!  Vor dem Khevenhüller-Gymnasium wird wieder eifrig getrommelt, vorbei am ORF-Landesstudio. Manuela hat mit dem uniformierten Karl ihren Stammplatz bezogen.

Das Schlauchtuch über der Stirn vertrage ich gut. Der junge 4h15-er muss sich die Schuhe schnüren und sprintet dann zurück zu seiner Gruppe, die ihm mittlerweile enteilt ist, um wieder seinen Platz einzunehmen.

Km12, rechts runter in die Füchselstraße. Unter der Westbahn durch, links, km13, die Heizhausstraße rauf, mir ist kalt. 

2 Mal rechts und dann folgt die große Labe vor der Linz AG in der Wiener Straße, links das Wifi. Hier ist etwa km14, aber auch km35,1. Es geht nun wieder Richtung Innenstadt. Km15, kalter Wind in der Gürtelstraße und noch ungemütlicher ist es in der Lastenstraße. Ich habe ständig den 4h15-Schrittmacher vor mir, es läuft also gar nicht so schlecht. Linksknick am „il teatro“ und vorbei am Barbara-Friedhof, km16. Erneut unter der Eisenbahn durch und rechts in die Blumauerstraße und dann links in die Dinghoferstraße. 

Vor der Mozartschule werden wir wieder etwas angefeuert, es geht runter, vorbei am KH der Elisabethinen und an der schönen Landesgalerie. Ich überhole den Hubert. Er war im Herbst in Nepal auf über 6.100m. Ich würde so hoch oben vermutlich ersticken.

Weiter runter Richtung Donau, nun stehen wieder mehr Zuseher am Streckenrand. Km18, links in die Fabrikstraße. Bei der nächsten großen Labe gibt es endlich Cola, ich fülle meine Flasche auf. Ich muss Vorbereitungen treffen für die Zeit nach km21,1.

Es geht leicht bergauf in den Graben, vorbei am Pfarrplatz. Viele medaillenbehängte Halbmarathonis verlassen bereits die Zielversorgung. Mein erstes PowerGel ist fällig.

Km19, vorbei am Park-Inn, gute Musik hier, dann rechts die Goethestraße rauf, rechts in die Landstraße, km20.  

Schillerpark, Hafferlstraße, dann die nächsten paar 100m auf dem ungeliebten Kopfsteinpflaster. Ab der Mozartkreuzung stehen beiderseits der Strecke tausende Leute, aber kaum jemand sieht mich wirklich.

Außer Fredi schauen nämlich alle durch mich durch und hoffen am Horizont bald den heutigen Sieger zu erspähen. Ich bin seit 2h05’ unterwegs. Gäbe es einen neuen Streckenrekord in Linz, müsste ich jetzt überrundet werden. Werde ich aber nicht. 

Cheerleader verbreiten gute Laune, der Sprecher sagt, er sähe bereits das Blaulicht der Polizei vor dem Führungsfahrzeug.

Jetzt aber schnell, sonst werde ich tatsächlich noch überrundet. Ich biege am Taubenmarkt links ab in die Promenade. Ganz knapp, bevor der Marathonsieger Merhawi Kesete (ERI), der geradeaus weiterlaufen muss, mir auf die Fersen tritt.

Noch nie hat mich der spätere Sieger in Linz überrundet, das wünsche ich mir auch für 2020 wenn ich zum zwölften Mal, zum zehnten Mal hintereinander, hier laufe. Dazu muss nicht nur ich mich vorbereiten. Auch der Günther Weidlinger kann dazu beitragen, indem er nicht ganz so schnelle Leute einkauft.

Eine herrliche Stimmung herrscht auf der Promenade hier vor dem Landhaus als ich zwischen den wartenden C-Läufern der Staffeln durchlaufe. Geradeaus direkt vor mir erwarten mich meine Frau und meine Schwester. Evi will mich knipsen, leider rennen ein paar abwandernde B-Staffelläufer durchs Bild, sodass ich etwas warten muss. Das ist alles meine Zeit!

Links rein in die Herrenstraße, um 11h39 habe ich die erste Hälfte absolviert. Etwas schneller als befürchtet. Wegen der einstelligen Plusgrade ist der Gastgarten vom Jindrak leer. Die frisch gestarteten C-Staffelläufer sprinten drauflos, die Marathonis haben es am 22. Kilometer nicht mehr ganz so eilig.

Vorbei an Österreichs größter Kirche, dem neugotischem Mariendom. Es geht weiter zum Auerspergplatz. Volksgarten links, das Musiktheater, unter der Westbahn durch, leichter Anstieg und bald km23. Bei dieser Labe treffe ich, alle Jahre wieder, gute Bekannte, Sportlerinnen und Sportler vom ASKÖ. So auch heuer, freut mich sehr!

Verdünntes Cola für mich, Flasche auffüllen und Danke, bis zum nächsten Jahr. Von der Wiener Straße geht es rechts in die Unionstraße, Gegenverkehrsbereich für mehr als 2km. Günther Aigner kommt mir entgegen, der 4h00-Schrittmacher gefolgt von Gertraud Schirl, sie wird heute AK-1!

Wie an selber Stelle im Vorjahr läuft da der Bernhard Dietl, der für seine Staffel die gute Zeit rausholt. Es kommt sogar kurz die Sonne durch, wärmen tut sie aber nicht.

Wende bei km24,1 unter der Westbrücke, stadteinwärts nun. Ich bin gespannt, wer aller hinter mir ist. Uuh, kalter Gegenwind hier, der macht mich mürbe. Die 4h30er-Pacerin,  Sonja Draxler begegnet mir, sie ist etwa 1km hinter mir, dann Karl, dann Dietmar. Kurz bevor die zugige Unionstraße endlich ein Ende hat und ich rechts in die Wiener Straße einbiege komme ich mit einer jungen Dame ins Gespräch. Es ist ihr erster Marathon und sie will unter 4h30 ins Ziel. Es sieht wirklich gut aus für Sie. Am Bulgariplatz applaudieren ein paar Spaziergänger, dann geht es unter der Stadtautobahn durch und ich stärke mich beim ÖAMTC.

Km 27, alles ist entspannt hier, unangenehm wird der Wind wieder ab km29 auf der Salzburger Straße. Ich gerate in ein Rudel Israelis. Sie tragen Shirts in weiß-pink-schwarz, dieselben die sie gestern trugen als sie bei der Startnummernabholung vom ORF interviewt worden sind.

Tatenlose Sanis haben im Wasserwald Zeit uns anzufeuern. Einem der Israelis fällt mein Shirt vom Jerusalem-Marathon vom 15. März auf. Ob es mir denn dort gefallen habe? Hier im Wasserwald passt endlich die Temperatur für mich.

Die 30km-Marke passiere ich nach 3h05’, wie 2018. Nur dass meine Beine heuer nicht so frisch sind. Bis 14h00 im Ziel, das sollte sich ausgehen, aber spielen darf ich mich nicht.

Das Anwohner-Grüppchen am rechten Streckenrand später ist auch alle Jahre da um uns „Beine zu machen“. Dann der südlichste Punkt der Strecke. Pestalozzistraße, ein kleines Fest vor der Labe beim ASKÖ Kleinmünchen, das sieht gemütlich aus. Die Leute sitzen in der Sonne und lassen es sich gut gehen. Ein Stück Banane für mich, ein bisschen Salz wäre jetzt nicht verkehrt.

Ich fülle meine Flasche mit Cola auf. Km32, friedlich ist es hier. Gute Musik und dann raus aus dem Wasserwald, km33. Gleich vom ersten Haus heraus werde ich angefeuert. Das hatte ich im Vorjahr vermisst. „Heute bin ich ja wieder da!“, ruft sie.

Die Schumannstraße steigt leicht an, meine Oberschenkel brauchen Entspannung und die kriegen sie. Dann in die Wiener Straße, wie angekündigt steht hier der Gerhard  mutterseelenallein. Er ist Labestelle für einen Freund, er hätte sogar trockene Feigen für mich. Danke es geht so, aber es ist Zeit für mein zweites PowerGel.

Letzter Staffelwechsel nach 35,1km. Die  D-Läufer stehen dicht gedrängt Spalier, ich laufe durch und bekomme von den Schlussläufern freundlichen Applaus.

Blick auf meine rote Swatch, sub 4h30‘ kann sich noch ausgehen, nicht nachlassen jetzt. Die Temperatur ist nach wie vor im Keller, beim Versorgungsposten der Linz AG tanke ich auf. In der Lastenstraße hat sich der Wind beruhigt, km37, drei Jugendliche kommen mir auf E-Scootern entgegen, etwas zu schnell für meinen Geschmack. Sie fahren Slalom zwischen uns Läufern.

Eisenbahnunterführung, man glaubt es kaum, die Blumauerstraße ist definitiv nicht eben! In der Dinghoferstraße bin ich zuversichtlich, dass sich sub 4h30‘ ausgehen. Es fängt an, mir wieder besser zu gehen. Die Oberschenkelmuskulatur hat sich erholt. Das  Gefälle der Elisabethstraße hinunter laufen ist ja Spaß, hui, sogar bei km38 noch.  

Bei der letzten Labe in der Fabrikstraße nehme ich einen großen Schluck Cola und ein kleines Stück Banane. „Bald hast du es geschafft“, höre ich. In meiner rechten Knie-kehle zuckt es. Nur nicht verkrampfen jetzt! Noch 2,5km bis ins Ziel. 

Das 40km-Schild, am Hessenplatz vor dem Park-Inn gibt es gute Live-Musik von jungen Leuten. Daumen nach oben dafür. Humboldtstraße, die Goethestraße rauf, ich liege gut in der Zeit. „Schon geschafft“, denke ich mir. Zur Erholung gönne mir noch ein paar Geh-Schritte bevor es auf die Zielgerade geht. 

Rechts in die Landstraße, km41. Ab dem prächtigen „Palais Kaufmännischer Verein“  wird das Geläuf uneben. Ich versuche äußerst links zu laufen, das Pflaster da ist angenehmer zu belaufen. Da sind leider aber auch die Flanierer.

Nach der Mozartkreuzung wird es richtig lässig. Die Landstraße gehört mir! Da ist die Stimmung schon herrlich! Ich laufe etwas verhalten um die Situation länger genießen zu können. Auch wenn man es von außen nicht sieht, in mir drinnen jubiliere ich!

Alle Jahre wieder warten 3/4 der Staffeln auf ihr letztes Viertel. Ab dem Taubenmarkt sprinten sie lachend zu viert ins Ziel und haben dabei eine große Gaudi.

„42“ ist da auf den Boden der kurzen Schmidtorgasse gesprüht, dann der Hauptplatz, das Ziel unmittelbar vor mir und die mitlaufende Uhr da oben zeigt 4h27, brutto!!

Ich beende freudig meinen 11. Linz-Marathon! Die in Wärmeschutzfolie gewickelte Heidi Riepl ist da und gratuliert mir. Mit netten Worten bekomme ich meine goldene Medaille.

Meine Zeit, 4h25‘46“, macht mich tatsächlich etwas glücklich.

Das frühe Aufstehen, das schlechte Schlafen, die Mühen haben sich gelohnt. Meine persönliche Jahresweltbestleistung reicht für Rang 89 in der Linzer Stadtmeisterschaft.

Ich bekomme von Evi einen Pullover und ein trockenes Schlauchtuch. Das nasse Zeug kommt in den Plastiksack. So kann ich in Ruhe die Linzer Torte genießen, den Grünen Veltliner dazu denke ich mir. Ich lerne Helmut aus Wien kennen. Er ist ganz begeistert von Linz und dem Finishershirt das im Startgeld enthalten. „Das gibt es in Wien nicht!“

Mit einem neuen Streckenrekord in Linz ist es wieder nichts geworden. Die Siegerzeit mit 2h09‘06“ ist aber auch nicht schlecht. Bei den Damen siegt die Salzburgerin Cornelia Moser die damit österreichische Staatsmeisterin wird.

                                                                                                                                       

Die Sieger:

  1. Merhawi Kesete (ERI) 2h 09min 06sec          
  2. Felix Chemonge (UGA) 2h 09min 19sec
  3. Nicholas Rotich (KEN) 2h 11min 24sec
  1. Thomas Roach (GBR + AUT) 2h 24min 06sec  Staatsmeister
  2. Christian Kresnik (AUT) 2h 24min 32sec  Vize-Staatsmeister

Die schnellsten Damen:

  1. Cornelia Moser (AUT) 2h 40min 03sec   Staatsmeisterin                                   2. Karin Freitag                        (AUT) 2h 44min 11sec    Vize-Staatsmeisterin                              3. Nikolina Stepan                                  (CRO) 2h 46min 54sec    

991 Marathonfinisher (819m + 172f), weit mehr als die letzten Jahre

Völliges Unverständnis bringe ich jemandem entgegen, der sich wiederholt bei Lauf- bewerben ein paar km erspart, in Linz eben die 6km durch den Wasserwald. Der dennoch jubelnd ins Ziel läuft als hätte er soeben eine tolle sportliche Leistung vollbracht.  Kann sein, dass den ein Psychiater versteht, ich versteh‘s nicht!

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für das Marathon-Startgeld von € 54,- aufwärts gab es

1 Starterbag mit Haribo + Getränkedosen

1 Funktions-Finishershirt im Ziel, goldene Erinnerungsmedaille

  1. alle 5km Tränken mit Wasser, Natural-Power Iso, Spar-Cola und Bananen

Ziellabe: Mineralwasser, Zipfer-Bier, Edelweiß alk-frei, Obst, Linzer Torte, Weckerl,     Folie

Champion-Chip Zeitnehmung, Kleiderbeutelabgabe im Brucknerhaus, Duschen im Parkbad 

147 positive Höhenmeter,    130 negative Höhenmeter

Linz Donau Marathon 71 1555831848

Linz Donau Marathon 29 1555831848

Linz Donau Marathon 30 1555831856

Linz Donau Marathon 18 1555831856

Linz Donau Marathon 8 1555831856

Linz Donau Marathon 19 1555831863

Linz Donau Marathon 5 1555831863

Linz Donau Marathon 6 1555831863

Linz Donau Marathon 29 1555831864

Linz Donau Marathon 4 1555831864

Linz Donau Marathon 61 1555831864

Linz Donau Marathon 1 1555831865

Linz Donau Marathon 96 1555831865

Linz Donau Marathon 24 1555831865

Linz Donau Marathon 11 1555831872

 


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