Das große Laufbuch der Trainingspläne

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Will man als Österreicher im Jänner einen offiziellen Marathon laufen, muss man das Land verlassen. Heuer fahre ich wieder nach Südböhmen, mit an Bord Günther Aigner und Mike Scheuringer. Auch die sind schon den Tiefgaragen-Marathon vom EKZ Mercury in Budweis gelaufen. Heute aber laufen wir in einer neuen Messehalle, westlich des Stadtzentrums. Ein guter Tausch.

Stellenweise Schneefahrbahn und -2° am Weg nach Budweis (= České Budějovice, 93.500 Ew). Von Urfahr brauchen wir kaum mehr als eine Stunde. Der verschneite Parkplatz am Messegelände (cz: Výstaviště) liegt in unmittelbarer Nähe der T1-Halle. Waren früher maximal vier, fünf Österreicher am Start, falls überhaupt einer, sind wir heute gleich neun.

Der Boden ist blank polierter und lackierter Beton, die Halle ist gut belüftet, eine Spur zu gut vielleicht. Es zieht halbwegs. Als wir ankommen findet gerade ein 5km-Lauf statt und bevor die Großen loslegen gibt es noch einen Kinderlauf. Zu der vor Monaten überwiesenen Startgebühr verlangt man von mir bei der Startnummernabholung € 6,- Bankgebühr oder alternativ CZK 150 bar auf die Hand. Na gut.

Mike organisiert uns vom Innenraum der Rennstrecke drei Stühle, dort stehen viele davon rum. Entlang der Zielgeraden schlagen wir mit unseren Sporttaschen unser Basislager auf.

Kurz vor 10h beginnt die Startaufstellung in der Mitte der Strecke. Erst eine halbe Runde, dann 105 komplette. Eine Labestelle gibt es mit Wasser, Cola, Iso, Waffeln, Rosinen und frischem Obst. Daran anschließend ein langes Regal auf dem jeder der will seine Getränke deponieren kann.

Den tschechischen Ansager verstehe ich nicht. Mein Standard-Dolmetscher bei meinen tschechischen Marathons, Stanislav Jančář, ist leider nicht da, dabei wäre er angemeldet.

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Kurz nach 10h geht es los, so oder so. 130 Leute nehmen das Rennen in Angriff, sechs davon laufen Staffel. Wie erwartet ist es eng. Die 130 Leute haben sich im Nu auf der kurzen Runde verteilt. Die schnellen Läufer kommen aus dem Überrunden gar nicht mehr heraus. Die laufen eigentlich Slalom, die langsamen wissen nicht ob die schnellen links oder rechts vorbeiflitzen. Wobei, in den Kurven kann man das als weniger schneller Läufer schon etwas steuern, und es gibt viele Kurven. Happige 422 U-turns auf 42,2km, um genau zu sein.

Bei jeder Überquerung der Ziellinie bekommt man seine Zwischenzeit auf die Tausendstel Sekunde genau. Man erfährt wie viele Runden man bereits absolviert hat, seine exakte Zeit bis hierher und auf welchem Rang man sich derzeit befindet. Für 10 Namen hat die Anzeige Platz. Nur wenn gar zu viele fast gleichzeitig über die Zeitnehmung laufen kann es passieren, dass der eigene Name schon wieder weg ist noch bevor man ihn gefunden hat.

Die Temperatur in der Halle ist auf 15°C eingestellt, das Gebläse auf Vollgas. Jedenfalls zu stark, mir ist von Beginn weg kalt. Angenehm ist, dass eine halbe Längsseite der Halle vom Dach bis zum Boden verglast ist, das gibt ein Gefühl von Weite. Zwischendurch kommt die Sonne raus, dann schneit es wieder. Drinnen ist es mir lieber. Ich bin in meinem Leben genug  Kältemarathons gelaufen, zu den Feiertagen drei in zwei Wochen. Ich mag das nicht mehr! Nach 60min ermittle ich für mich 10 gelaufene km, die Bronchitis dürfte ich halbwegs überwunden haben.

Die Strecke: Nach der Zeitkontrolle folgt eine weite Linkskurve, mehr als 180°. Im Innenfeld parkt ein Auto in welchem die Zeitnehmung untergebracht ist. Ein Rechtsknick, eine kurze Gerade und eine 180°-Kurve nach rechts mit dem engsten Radius. Eine Gerade bis an die Stirnseite und wieder eine weite Linkskurve mit mehr als 180°, rechts die Labestelle, gefolgt vom Regal für die Läufer.

Rechtsknick, rechts kann man ins Freie sehen und dann die 180°-Kurve nach links, die Zielgerade. So ein Umlauf ist 400m kurz. Relativ bald im Rennen schmerzen mich wegen der engen Rechtskurve die kleinen Zehen am linken Fuß und die Hüfte spüre ich auch. Die war bislang noch nie ein Problem wenn ich gelaufen bin.

Überrunder flitzen an mir vorbei, das geht nicht immer ohne Körperkontakt ab. Die schwitzen ganz ordentlich die Burschen, muss ich feststellen. Man sieht seine Gegner aber auch immer wieder von vorne. Relativ wenige Damen laufen mit, die die laufen sind aber ganz schön flott unterwegs. Erwartungsgemäß führt Radek Brunner, gefolgt von Daniel Orálek und anderen schnellen Läufern die ich noch nicht kenne. Habe ich Mitte Dezember in Pilsen Miroslav Vostrý noch klar hinter mir gelassen ist der heute deutlich schneller als ich es bin. Es liegt an ihm, denn ich laufe ziemlich das gleiche Tempo wie eine Woche vor Weihnachten.

Bis km14, Runde 35, geht es mir relativ gut, dann wird es zäh, die überwundene Bronchitis ruft sich in Erinnerung. Ich hätte gehofft, dass das später sein würde. Vielleicht hilft ein PowerGel? Hat man zu Beginn seine Pappenheimer jedes Mal mit einem Nicken begrüßt wenn man sie gesehen hat, tut man das irgendwann nicht mehr. Man wechselt ab und zu einmal ein paar Worte. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt und hat zu kämpfen, wenn auch nicht alle auf demselben Niveau.  Zum Glück stellt man irgendwann die Lüftung auf normal. Zuseher gibt es auch, die Läufer sind aber eindeutig in der Mehrheit. Einigen Kindern ist langweilig. Stanislav taucht auf. Er ist nicht ganz fit und sieht uns eine Weile zu.

Den Halbmarathon habe ich nach 2h10. Okay, ich habe fünf Stunden Zeit, das kriege ich hin.

Erleichtert bin ich nach 70 Runden, zwei Drittel habe ich geschafft, eine Schwächephase habe ich bereits hinter mir. Nun geht es schon wieder bergauf.

Ich schaffe es tatsächlich mir auf blitzblankem Betonboden ein spitzes Steinchen in den linken Schuh zu bugsieren! Das duldet keinen Aufschub. Ich steuere meinen Stuhl an, Schuh auf und ausgeleert. Das Sitzen tut gut, weiter.

Mir wird flau im Magen, der hat wohl zu viel Wasser bekommen. Der braucht eine Pause.

Als 1. ist erwartungsgemäß Radek Brunner im Ziel, nach 2h39, Applaus, Applaus! Innerhalb von nur 12 Minuten sind die ersten 10 Läufer im Ziel. Zehnte und schnellste Dame wird Radka Churaňová in beachtlichen 3h01.

Die Strecke fängt nun an übersichtlich zu werden. Jetzt wo nach und nach die Leute ins Ziel kommen wird Platz auf der Strecke, alles irgendwie entspannter. Wenn jemand seine letzte Runde beginnt wird sein Name auf der Anzeigentafel gelb hinterlegt, am Ende der letzten Runde wird blassgrün daraus, man ist Finisher und bekommt seine Erinnerungsmedaille.

Ich lege mir einen Modus zurecht: 2 Runden laufe ich durch, dann gehe ich bei der Labe ein paar Schritte um Muskeln und Hüfte zu entspannen, ich laufe wieder 2 Runden durch und kehre bei der Labe ein. Aufmerksame Helferinnen haben stets zwei Becherchen mit unterschiedlichem Inhalt parat.

Während ich mich noch abmühe sitzt Michael Scheuringer, der schnellste Österreicher, frisch geduscht am Streckenrand und verspeist seine Penne. Beim Essen bin ich schneller als er.

Was bin ich froh, als ich endlich 100 Runden hinter mir habe! 100 Leute sind bereits im Ziel, ich auch bald. Gegen Ende werde ich wieder etwas schneller, ich bin echt froh wenn das hier vorbei ist. Das Kurvenlaufen ist anstrengender als gedacht. Dann endlich erscheint mein Name auf gelbem Grund, noch 400m.

Im Vorbeilaufen verabschiede ich mich vom fürsorglichen Personal an der Versorgungsstelle das sich die letzten Stunden um mich gekümmert hat. Nach 4h37, gleich schnell wie zu Silvester, bin ich im Ziel und bekomme meine Erinnerungsmedaille.

Erst einmal das Gesicht waschen und den Nacken! Als ich meine Penne mit Fleischsauce und Parmesan verzehre bemerke ich im Sitzen wie sehr meine Beinmuskulatur heute beansprucht worden ist. Mit einem alkoholfreien Budweiser komme ich schön langsam wieder auf gleich.

Zum offiziellen Zielschluss nach fünf Stunden sind noch fünf Teilnehmer auf der Piste, die Zeitnehmung bleibt aber bis zum Allerletzten fast sechs Stunden in Betrieb.

Da wir Budweis von den klassen RunCzech-Halbmarathons, immer Anfang Juni, bereits kennen fällt Sightseeing heute aus. Wir müssen nicht bei Null Grad in der Stadt rumlaufen.

Als wir uns auf den Heimweg nach Linz machen beginnt gerade die Siegerehrung. Es ist noch gar nicht stockdunkel als wir wieder in Urfahr sind, der Hofer hat noch offen.

Morgen ist Sonntag!

117 Marathonfinisher (12 Damen + 105 Herren) bei 7 DNF 

6 Staffeln à 4 Läufer

Startgeld € 24 + € 6 (Bankgebühr)

Chipzeitnehmung

Starterbeutel mit Apfel, alk-freiem Budweiser und Waffeln  

tadellose Versorgung während des Rennens

Duschen + Toiletten

Gratisparkplatz gleich neben der Messehalle

eine warme Mahlzeit mit Getränk nach dem Marathon

Finishermedaille

Sieger:

1. Radek Brunner

2h39:35.910

2. Jan Ďuk

2h47:44.280

3. Martin Kopecký

2h47:53.670

Siegerinnen:

1. Radka Churaňová

3h01:06.320

2. Lenka Horaková

3h19:48.130

3. Olga Lebedová

3h21:47.890

Budweis Marathon 2018b

 

Budweis Marathon 2018b

 

Budweis Marathon 2018b

 

Budweis Marathon 2018b.

Fotos (C) Herbert Orlinger


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