Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

LaufenInterview mit Rainer Predl
Soviel wie er läuft - fahren die meisten nicht einmal mit dem Auto.
Österreichs Ultralauf-Nachwuchshoffnung Rainer Predl stand uns kurz vor seinem Saisonhighlight - dem 220km Race Across Burgenland - für ein Exklusiv-Interview zur Verfügung. Der 20-Jährige Lassee'er verriet uns das der Lauf in Burgenland erst der Anfang seiner Ultralaufkarriere sei, was das Wichtigste ist um Ultraläufe zu überstehen und wie er überhaupt zu dieser Sportart kam.

w4sport: In eineinhalb Wochen startest du beim härtesten Lauf Österreichs - dem Race Across Burgenland (RAB), wie lange hast du dich für dieses Event vorbereitet?
Rainer Predl
: Vor zwei Jahren habe ich in Lassee bei meiner ersten Präsentation meine Projekte vorgestellt. Darunter meinen ersten 6-Stundenlauf, RAB und dem Badwater Ultramarathon. Trainingstechnisch bereite ich mich seit einem Jahr für diesen Lauf vor, die psychologische Vorbereitung begann aber schon vor zwei Jahren.

w4
: Deine Ziele beim RAB?Predl Rainer Archiv 1
R.P.: (lacht) Ich muss gewaltig aufpassen nicht meinem jungen Ehrgeiz zu erliegen. Mein Training ist aber auf Höchtsleistung eingestellt, das heißt ich möchte im Bereich zwischen 22 und 24 Stunden finishen. Immerhin habe ich die 100km WM in Gibraltar wegen des RAB abgesagt, ich werde daher sicherlich an meine Grenzen gehen!

w4: Kannst du uns etwas über die Charakteristik des RAB erzählen?
R.P.: Das RAB ist der kleine Bruder des härtesten Laufes der Welt, dem Badwater Ultramarathon. Insgesamt sind 220km und 2.000 Höhenmeter zu absolvieren. Es gibt vier Checkpoints, also Verpflegungsstellen, die 50 Kilometer voneinander entfernt liegen.
Start ist in Kittsee, das Ziel befindet sich in Kalch, dem südlichsten Ort Burgenlands. Wer glaubt, dass die ganze Strecke für uns gesperrt ist, der denkt leider falsch. Unsere größten Gegner sind die viele LKWs auf den Bundesstrassen.

w4: Welche Eigenschaften - neben einer sehr hohen Ausdauer - sollten eine Person besitzen um einen Lauf wie den RAB überstehen zu können.
R.P.: Der Kopf ist das Wichtigste. Die meisten Ausfälle passieren nicht, weil ein Teilnehmer körperlich einfach nicht mehr dazu in der Lage ist, sondern weil er mental einfach am Ende seiner Grenzen ist. Mentale Stärke kann man aber trainieren. Oft fragen mich deutlich ältere Läufer, was ich so Tipps parat habe um einen Lauf wie den RAB zu überstehen. Meine Antwort lautet ganz einfach "Spaß"! Immerhin macht man so etwas nur auf freiwilliger Basis. Man muss den Kopf darauf vorbereiten und darf nie den Spaß an der Sache verlieren.

w4: Wie schaut es mit der Verpflegung bei einem so langen Lauf aus? Worauf muss man achten, wie oft sollte man dazwischen essen & trinken?
R.P.: Ich habe ja das besondere Glück eines Betreuerautos, was bei dem extremsten Laufbewerbs Österreichs verpflichtend ist. Mein Team Niederösterreich verfolgt mich Schritt für Schritt. Je nach Wetter sollte man sehr viel Trinken um Dehydration zu vermeiden. Mit dem Essen setze ich auf Riegelprodukte, Gels und kohlenhydratreiche Speisen. Ich werde aber sicherlich nicht auf Spaghetti, Eis und Schokolade verzichten - solange es schmeckt. Wichtig ist auch warme Nahrung zu sich nehmen!

w4: Wie lange benötigt man für die vollständige Regeneration nach einem Ultralauf (z.B. 12-h Lauf)
R.P.: Im Normalfall kann ich schon am nächsten Tag langsam weitertrainieren aber nach den vielen Erfahrungswerten weiß ich natürlich das es kontraproduktiv ist und es nur zu unnötigen Überlastungen führt. Bei einem 12h Lauf gönne ich meinem Körper je nach Erschöpfung vier bis fünf Tage Pause - das heißt kein Laufen, kein Sport.

Zum E-Book Trainingspläne für Läufer und Läuferinnen

w4: Wann bist du auf den Ultralauf umgestiegen? Welche Erfahrungen und Erfolge konntest du bisher als Ultraläufer sammeln?
R.P.: Offiziell darf man erst mit 18 Jahren einen Ultra bestreiten. Daher bestritt ich 2008 mit 18 Jahren meinen ersten 6-Stundenlauf in Salzburg. Das Brutale an der Sache war, das ich noch nie einen Marathon bestritten hatte, geschweige denn Erfahrungen mit solchen langen Disziplinen hatte. Die Trauer eines Zwischenfalls beflügelte mich.

Meine bisher größter Erfolg war die Qualfikation und Teilnahme an der 100km WM in Belgien. Bei meinem besten 6h-Lauf kam ich auf 81,2km (Österreich Rekord im Alter von 0 bis 36 Jahren). In Vogau erreichte ich bei einem 12 Stundenlauf 134,4km aber auch meinen ersten 100km Lauf in Wien mit 18 Jahren meisterte ich als Sieger in acht Stunden.

w4: Was war der Grund so früh ein Ultraläufer zu werden?
R.P.: Ich bin seit 2006 aktiver Läufer. Wie viele ja schon wissen war ich leider am 26.6.2007 zur falschen Zeit am falschen Ort. Als damaliger Schüler und Zugpendler kam es zu einer Kollision mit einem PKW, dabei wurden drei Insassen vom Zug eingequetscht. Da sich nur vier Passagiere im Kleintriebwagen befanden, mussten wir Erste Hilfe leisten. Wenn man dann ein totes Kind aus dem Wrack holen muss, und dem Beifahrer nur mehr seelisch helfen kann und er danach ebenfalls verstirbt, denke ich ist es jedem seine Sache wie man darüber am Besten fertig wird. Ich lief meinen ersten 6-Stundenlauf in Salzburg (2008) für die kleine Sophie und dem verstorbenen Onkel Helmut. Dieser Gedanke ist leider etwas verschwunden, nachdem ich meine ersten 77km ablief und mich Ultratrainer Reinhold Strasser aufgabelte und mich ins Nationalteam AUSTRIA beförderte. Wenn ich jedoch zu der Unglücksstelle zurück komme, weiß ich wem ich die Erfolge widme.

w4: Wie viel Zeit investiert du pro Woche in das Laufen? Was muss man neben dem Lauftraining noch beachten um so hohe Umfänge zu überstehen?
R.P.: Für das RAB habe ich mir einen eigenen Trainingsplan zusammengestellt. Teilweise sind mehr als 200 Kilometer pro Woche zu absolvieren. In einem einzelnen Monat laufe ich teilweise knapp über 900 Kilometer. So ein Traingspensum ist aber nur möglich wenn auch genug Zeit vorhanden ist, ansonsten sind es meist 100 bis 150 Kilometer pro Woche. Das Hauptpensum ist auf Grundlagenausdauer ausgerichtet. Intervalltrainings und Mentaltraining werden nur in geringer Form getätigt.

Armband Love Running

w4: Welchen Verschleiß an Laufschuhen hast du pro Jahr - welchen finanziellen Aufwand hat man als Ultraläufer?
R.P.: Eine sehr gute Frage mit Schmunzelfaktor. Ich kaufe im Jahr zwei Paar Laufschuhe. Habe momentan sechs Paar zu Hause. Darunter eingeteilt in Kurzdistanzschuhe, Ausdauertraining und Wettkampf. Ich kenne viele Ultras die Sponsoren haben und auch Geld bekommen. Bei diversen Weltmeisterschaften greift uns schon der ÖLV etwas unter die Arme aber ansonsten ist es eine Leidenschaft. Ich bekenne mich offiziell als Eigenversorger, meine tollsten Sponsoren sind meine Eltern und ich selbst. Ich bin aber sehr froh viele Medienpartner zu haben, darunter auch die Nummer 1 im Weinviertel W4Sport und die tolle Unterstützung von Freunden und meiner Gemeinde, die sind mir mehr Wert als private Sponsoren (lacht).

w4: Bleibt neben dem hohen Zeitaufwand überhaupt noch Zeit für Berufliches & Freizeit?
R.P.: Zum Glück habe ich das Privileg im September offiziell meinen Kurs als Fitnesstrainer bei FitnessFriends in Gänserndorf zu beginnen. Bis dahin habe ich noch Zeit mich so richtig auszupowern. Danach wird allerdings einiges an Trainingspensum runtergeschraubt. Allerdings muss ich gestehen das mit 150km Laufen pro Woche und beruflicher Tätigkeit wenig Zeit für Familie und Freunde übrig bleibt - diese leiden natürlich am Meisten darunter. Ich versuche mir aber immer wieder die Tage so einzuteilen, damit ich auch viel Zeit mit den Mitmenschen verbringen kann.

w4: Punkto Ernährung - was muss ein Ultraläufer gegenüber einem gewöhnlichen Langstreckenläufer besonders beachten?
R.P.: Da gibt es keine großen Unterschiede. Man muss Spurenelemente wie Salze, Magnesium, Eisen, Eiweiß und vor allem viel warme Speisen zu sich nehmen. Der Kalorienverlust bei langen Läufen ist enorm. Ich kämpfe schon sehr mit meinem eher niedrigen Gewicht. Mir ist es wichtig gesund zu sein, darum gehe ich immer gerne zu meinen Großeltern, denn die kochen doch noch immer am Besten.

w4: Wie laufen die Planungen für den Ultralauf 2011 in Lassee?
R.P.: Ich habe viel mehr Prüfsteine als mir lieb sind. Die Infrastruktur ist perfekt, der Lauf zum greifen nahe. Ein paar Komplikationen mit der Bezirkshauptmannschaft sind noch offen, aber diese werden hoffentlich auch bewältigt. Allerdings ist der Termin (12.03.2011) etwas in Gefahr - trotzdem bin ich überzeugt das in Lassee demnächst ein Benefizlauf stattfinden wird.

w4: Österreich ging bei der Leichtathletik-EM komplett leer aus - was muss sich
in Österreich (beim ÖLV) ändern um in Zukunft auf internationaler Ebene auch
mal wieder für positive Schlagzeilen sorgen zu können.
R.P.: Ich habe die EM gespannt mitverfolgt. Für mich ist das eine Sache des Geldes. Man muss Förderungen besser einsetzen und sich auf jugen Talente spezialisieren die das Potential haben bei der nächsten EM oder Olympiade zum Einsatz zu kommen. Vielleicht hat aber auch die Leichtathletikszene aufgrund der diversen Dopingschlagzeilen Probleme neue Sponsoren zu finden. Die hohen Leute beim Leichtathletikverband müssen baldigst handeln und nach vorne schauen.

w4: Welche sportlichen Ziele setzt du dir für die Zukunft?
R.P.: Vor zwei Jahren habe ich mir als Ziel gesetzt das Race Across Burgenland zu finishen und über 48 Stunden den Österreichischen Rekord aufzustellen. Weiters möchte ich den Badwater Ultramarathon und den Sahara-Marathon erfolgreich bewältigen. An diesen Zielen hat sich bis heute nichts gändert. Das Race Across Burgenland ist also erst der Anfang einer sehr langen "ultralichen Laufbahn".


Kommentar schreiben

Senden
Blogheim.at Logo