Manche Ziellinienduelle werden durch Millimeter entschieden, andere durch eine einzige unbedachte Bewegung der Finger.
Beim diesjährigen Orlen Copernicus Cup in Polen erlebten die Zuschauer ein sportliches Spektakel, das innerhalb von Sekunden in einem handfesten Skandal mündete. Mitten im Fokus: Der Mann aus Botswana, der eigentlich Grund zum Feiern gehabt hätte.
Nationalrekord im Keim erstickt
Es war ein hochdramatischer Lauf über die 1500 Meter. Tshepiso Masalela peitschte über die Bahn und sah bereits wie der sichere Triumphator aus. Mit einer fabelhaften Zeit von 3:32,55 Minuten überquerte er die Linie und pulverisierte ganz nebenbei den Nationalrekord seines Heimatlandes. Der 26-jährige Athlet, der bei der WM 2025 über 800 Meter den achten Platz belegte, zeigte eine beeindruckende Formkurve.
Masalela llega primero a meta en Torun (3.32.55) pero es descalificado. Lo que era un inicio de temporada espectacular se convierte en un fallo clamoroso por un gesto infantil. pic.twitter.com/L1AFT6L2OO
— Óscar Fdez. (@gabyandersengz) February 22, 2026
Dicht auf seinen Fersen klebte Azeddine Habz aus Frankreich. Nur eine einzige Hundertstelsekunde trennte die beiden Kontrahenten voneinander. Genau in diesem Moment des maximalen Adrenalins riss Masalela die Hand hoch und formte eine Pistolen-Geste in Richtung seines französischen Verfolgers. Ein kurzes Zucken der Finger, das den gesamten Erfolg sofort in Schutt und Asche legte.
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Disqualifikation nach dem Eklat: Protest chancenlos
Die Offiziellen in Torun fackelten nicht lange. Wegen „unangemessenem Verhalten“ strichen sie den ursprünglichen Sieger kurzerhand komplett aus der Wertung. Für einen Sportler, der bereits bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sein Land vertrat, ein besonders bitteres Urteil. Die Rennleitung wertete die Geste als grobe Unsportlichkeit, die auf der Laufbahn nichts verloren hat. Masalela wollte die Entscheidung so nicht stehen lassen.
Berichten zufolge legte er Einspruch gegen das harte Urteil ein, doch der Protest wurde abgeschmettert. Damit blieb die Disqualifikation beim Orlen Copernicus Cup bestehen. Was genau in den Kopf des Läufers gefahren ist und warum er sich zu dieser provokanten Geste gegen Habz hinreißen ließ, bleibt vorerst sein Geheimnis. Fest steht nur: Ein historischer Rekord und ein prestigeträchtiger Sieg sind wegen einer Sekunde Übermut für immer verloren.
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