Sifan Hassan krönte die Leichtathletik-Wettbewerbe der Olympischen Spiele von Paris 2024 mit einem spektakulären Schlusspunkt.
Sie sicherte sich die letzte Goldmedaille, indem sie den Marathon der Frauen in einem packenden Finish und einem neuen olympischen Rekord von 2:22:55 Stunden gewann. Am Sonntag vervollständigte die 31-jährige Niederländerin damit ihr persönliches Medaillendreieck bei diesen Spielen.
Furioses Finale
Bereits zuvor hatte Hassan in Paris Bronze über 5000 Meter und 10.000 Meter geholt. Doch der Höhepunkt kam in einem dramatischen Sprintfinale, in dem sie die äthiopische Weltrekordhalterin Tigist Assefa um nur drei Sekunden hinter sich ließ. Assefa erreichte das Ziel in 2:22:58 und sicherte sich die Silbermedaille, während die Kenianerin Hellen Obiri in persönlicher Bestzeit von 2:23:10 Bronze gewann.
Trotz der anspruchsvollen Strecke und der Hitze schafften drei der sechs besten Läuferinnen persönliche Bestzeiten. Sifan Hassan und Tigist Assefa blieben sogar unter dem bisherigen olympischen Rekord von 2:23:07, der 2012 von Tiki Gelana aufgestellt worden war.
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Nach 42 nervenaufreibenden Kilometern durch die Straßen von Paris gipfelte das Rennen in einem finalen Showdown. Nur 37 Stunden nach ihrer Bronzemedaille im 10.000-Meter-Lauf und sechs Tage nach Bronze im 5.000-Meter-Rennen sprintete Hassan zum Marathon-Gold.
Duell der ehemaligen 800-Meter-Läuferinnen
Als Hassan, Assefa und Obiri in der letzten Phase die Kenianerin Sharon Lokedi hinter sich ließen, schien das Podium festzustehen. Doch Hassan wollte mehr als nur eine Medaille – sie wollte Olympia-Gold. In einem spannenden Duell zwischen zwei der schnellsten Marathonläuferinnen der Geschichte, die beide auch über 800 Meter unter zwei Minuten laufen können, setzte sich Hassan auf der Zielgeraden gegen Assefa durch.
Obiri sicherte sich die Bronzemedaille mit einem Vorsprung von vier Sekunden vor Lokedi, die als Vierte ebenfalls eine neue Bestzeit von 2:23:14 erzielte. Die Äthiopierin Amane Beriso folgte auf Platz fünf in 2:23:57 Stunden, dicht gefolgt von der Japanerin Yuka Suzuki, die mit 2:24:02 eine persönliche Bestzeit aufstellte.
Hassan mit historischem Medaillen-Hattrick
Mit diesem Triumph hat Hassan nun insgesamt sechs olympische Medaillen gewonnen, darunter Gold über 5000 und 10.000 Meter sowie Bronze über 1500 Meter bei den Spielen in Tokio. Sie ist die erste Frau in der Geschichte, die bei denselben Spielen Medaillen über 5000 Meter, 10.000 Meter und im Marathonlauf gewinnt. Seit Emil Zatopek, der 1952 in Helsinki bei den Männern alle drei Titel holte, hat das niemand mehr geschafft. Zudem holte Hassan zum zweiten Mal in Serie drei Olympia-Medaillen, nachdem sie 2021 zu Gold über die 5.000 und 10.000 Meter bzw. zu Bronze über die 1.500 Meter lief.
800-Meter-Duell vor 8 Jahren
Hassans beeindruckende Karriere umfasst außerdem sechs Weltmeisterschaftsmedaillen von 1500 bis 10.000 Meter. Doch ihre Reise ist noch nicht zu Ende. Bereits 2016 trat sie bei den Olympischen Spielen in Rio über 800 Meter an, wo sie auch auf Assefa traf.
Im Marathon von Paris lieferten sich Hassan und Assefa ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen über die fast 53-fache Distanz. Beide gehörten zur großen Führungsgruppe, die nach 10 Kilometern in 34:32 Minuten ankam, während Hassan einige Sekunden zurücklag.
Viele Führungswechsel
Die Französin Melody Julien setzte sich anfangs an die Spitze, doch bei Kilometer 12 wurde sie von der kenianischen Titelverteidigerin Peres Jepchirchir eingeholt. Obiri führte die Verfolgergruppe zusammen mit Assefa an und bei Kilometer 13 war das Feld wieder vereint.
An der 15-Kilometer-Marke, erreicht von einer 14-köpfigen Gruppe in 51:12 Minuten, begann der Anstieg. Als die Strecke bei Kilometer 29 am steilsten wurde, schoben sich Beriso, Assefa und Lokedi nach vorne, während Hassan zunächst zurückfiel.
Hassan schließt Lücke
Doch Hassan gab nicht auf. Bei Kilometer 30 hatte sie die Lücke zur Spitzengruppe, die in 1:43:59 Uhr dort ankam, wieder geschlossen. Die Gruppe umfasste nun auch Obiri, die Rumänin Delvine Relin Meringor, Eunice Chebichii Chumba aus Bahrain und Suzuki.
Olympiasiegerin 9 Kilometer vor dem Ziel aus dem Medaillenrennen
Jepchirchir fiel bei Kilometer 33 zurück, und als sie den Eiffelturm passierten, kämpften nur noch fünf Läuferinnen um die Medaillen. Bei Kilometer 40 in 2:16:09 musste Beriso abreißen lassen.
Im Schlussspurt über die letzten Kilometer ließ Obiri, die zweimalige 5.000-Meter-Weltmeisterin, zuerst Lokedi hinter sich. Doch nach zwei Stürzen und verpassten Getränkestationen konnte sie das hohe Tempo nicht mehr halten. Während Assefa und Hassan um Gold kämpften, überstanden sie in den letzten Metern sogar einen beinahe Zusammenstoß.
Hassan, immer wieder einen Blick über die Schulter werfend, ließ Assefa schließlich hinter sich und jubelte triumphierend, als sie die Ziellinie in Rekordzeit überquerte.
"So etwas habe ich noch nie erlebt"
„Als ich das Ziel erreichte, fühlte ich eine unglaubliche Erleichterung. So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte Hassan, die im April 2023 bei ihrem Marathondebüt in London gewann und sich im Oktober in Chicago auf 2:13:44 Stunden verbesserte.
„Ich habe keine Worte. Während des Rennens bereute ich jede Sekunde, dass ich auch die 5.000 und 10.000 Meter gelaufen bin. Ich dachte nur: Wenn ich das nicht getan hätte, würde ich mich jetzt großartig fühlen. Aber als ich mich bei Kilometer 20 gut fühlte, wusste ich, dass ich Gold wollte. Alle anderen waren frisch, und ich fragte mich: Wann brechen sie? Sie müssen doch irgendwann nachlassen."
Doch Hassan ging am härtesten und wurde dafür mit dem letzten Leichtathletik-Titel der Pariser Spiele belohnt. „Am Ende dachte ich: Das ist doch nur ein 100-Meter-Sprint. Komm schon, Sifan. Noch einer. Gib alles wie bei einem 200-Meter-Lauf."
Bilanz der deutschsprachigen Athletinnen
Viertbeste Europäerin im Feld war auf Platz 16 die Schweizerin Fabienne Schlumpf (2:28:10 Stunden). Die drei Europäerinnen vor Schlumpf waren allerdings allesamt aus Afrika eingebürgerte Sportlerinnen. Schlumpf verbesserte sich auf der zweiten Hälfte des Rennens von Platz 31 bis auf Rang 16. Gut war auch die zweite Schweizerin Helen Bekele auf Platz 22 (2:29:43 Stunden). Auch sie machte auf der zweiten Hälfte 18 Ränge gut.
Deutschlands heißestes Eisen Melat Kejeta stieg bereits vor der Halbmarathondistanz aus dem Rennen aus. In der vorderen Hälfte des Feldes platzierten sich ihre Landsfrauen Domenika Mayer (2:30:14 Stunden / 29.) und Laura Hottenrott (2:31:19 Stunden / 38. Platz). Mayer steigerte sich in der zweiten Hälfte von Rang 45 auf 29, Hottenrott lief von Platz 54 auf 38 nach vorne.
Österreichs einziger Marathon-Beitrag bei den Olympischen Spielen war Julia Mayer. Sie erreichte nach 2:35:14 Stunden auf Platz 55 das Ziel. 80 Läuferinnen beendeten das Rennen erfolgreich. Letzte war Kinzang Lhamo aus Bhutan, die nach 3:52:59 Stunden mit persönlicher Bestzeit fast eine Stunde Rückstand auf die vorletzte Läuferin hatte.
Ergebnisse: Olympia-Marathon 2024 der Frauen
| Pl. | Name | Nat | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Sifan HASSAN | NED | 2:22:55 OR |
| 2 | Tigst ASSEFA | ETH | 02:22:58 |
| 3 | Hellen OBIRI | KEN | 2:23:10 PB |
| 4 | Sharon LOKEDI | KEN | 2:23:14 PB |
| 5 | Amane Beriso SHANKULE | ETH | 02:23:57 |
| 6 | Yuka SUZUKI | JPN | 2:24:02 PB |
| 7 | Delvine Relin MERINGOR | ROU | 2:24:56 - SB |
| 8 | Stella CHESANG | UGA | 02:26:01 |
| 9 | Lonah Chemtai SALPETER | ISR | 2:26:08 SB |
| 10 | Eunice Chebichii CHUMBA | BRN | 02:26:10 |
| 11 | Fatima Ezzahra GARDADI | MAR | 02:26:30 |
| 12 | Dakotah LINDWURM | USA | 02:26:44 |
| 13 | Jessica STENSON | AUS | 02:26:45 |
| 14 | Sardana TROFIMOVA | KGZ | 2:26:47 NR |
| 15 | Peres JEPCHIRCHIR | KEN | 02:26:51 |
| 16 | Fabienne SCHLUMPF | SUI | 2:28:10 SB |
| 17 | Majida MAAYOUF | ESP | 2:28:35 SB |
| 18 | Thalia VALDIVIA | PER | 02:29:01 |
| 19 | Hanne VERBRUGGEN | BEL | 2:29:03 SB |
| 20 | Mekdes WOLDU | FRA | 2:29:20 SB |
| 21 | Florencia BORELLI | ARG | 02:29:29 |
| 22 | Helen BEKELE | SUI | 02:29:43 |
| 23 | Emily SISSON | USA | 02:29:53 |
| 24 | Genevieve GREGSON | AUS | 2:29:56 SB |
| 25 | Meritxell SOLER | ESP | 02:29:56 |
| 26 | Tereza HROCHOVÁ | CZE | 02:30:00 |
| 27 | Citlali CRISTIAN MOSCOTE | MEX | 2:30:03 SB |
| 28 | Fionnuala MCCORMACK | IRL | 2:30:12 SB |
| 29 | Domenika MAYER | GER | 02:30:14 |
| 30 | Sofiia YAREMCHUK | ITA | 2:30:20 SB |
| 31 | Mokulubete Blandina MAKATISI | LES | 2:30:20 PB |
| 32 | Cian OLDKNOW | RSA | 02:30:29 |
| 33 | Zhanna MAMAZHANOVA | KAZ | 02:30:51 |
| 34 | Tigist GASHAW | BRN | 02:30:53 |
| 35 | Malindi ELMORE | CAN | 2:31:08 SB |
| 36 | Aleksandra LISOWSKA | POL | 2:31:10 SB |
| 37 | Irvette VAN ZYL | RSA | 2:31:14 SB |
| 38 | Laura HOTTENROTT | GER | 2:31:19 SB |
| 39 | Kaoutar FARKOUSSI | MAR | 02:31:34 |
| 40 | Magdalena SHAURI | TAN | 2:31:58 SB |
| 41 | Daiana OCAMPO | ARG | 02:32:02 |
| 42 | Esther NAVARRETE | ESP | 02:32:07 |
| 43 | Rose CHELIMO | BRN | 02:32:08 |
| 44 | Rebecca CHEPTEGEI | UGA | 2:32:14 SB |
| 45 | Gerda STEYN | RSA | 2:32:51 SB |
| 46 | Clara EVANS | GBR | 2:33:01 SB |
| 47 | Khishigsaikhan GALBADRAKH | MGL | 02:33:26 |
| 48 | Munkhzaya BAYARTSOGT | MGL | 02:33:27 |
| 49 | Maor TIYOURI | ISR | 02:33:37 |
| 50 | Anne LUIJTEN | NED | 02:33:42 |
| 51 | Mao ICHIYAMA | JPN | 2:34:13 SB |
| 52 | Carolina WIKSTRÖM | SWE | 02:34:20 |
| 53 | Mary Zenaida GRANJA | ECU | 02:34:34 |
| 54 | Marie PERRIER | MRI | 2:34:56 SB |
| 55 | Julia MAYER | AUT | 02:35:14 |
| 56 | Gladys TEJEDA | PER | 2:35:36 SB |
| 57 | Susana SANTOS | POR | 2:35:57 SB |
| 58 | Dolshi TESFU | ERI | 2:36:30 SB |
| 59 | Deshun ZHANG | CHN | 02:36:47 |
| 60 | Camille FRENCH | NZL | 02:37:21 |
| 61 | Silvia Patricia ORTIZ MOROCHO | ECU | 2:37:23 SB |
| 62 | Luz Mery ROJAS | PER | 02:37:24 |
| 63 | Margarita HERNANDEZ FLORES | MEX | 2:37:24 SB |
| 64 | Angelika MACH | POL | 2:37:56 SB |
| 65 | Camilla RICHARDSSON | FIN | 2:38:02 SB |
| 66 | Moira STEWARTOVÁ | CZE | 2:38:07 SB |
| 67 | Giovanna EPIS | ITA | 02:38:26 |
| 68 | Helalia JOHANNES | NAM | 02:38:36 |
| 69 | Mercyline CHELANGAT | UGA | 2:39:40 SB |
| 70 | Méline ROLLIN | FRA | 02:40:17 |
| 71 | Bojana BJELJAC | CRO | 2:41:13 SB |
| 72 | Yuyu XIA | CHN | 02:42:10 |
| 73 | Rosa Alva CHACHA | ECU | 02:42:14 |
| 74 | Mélody JULIEN | FRA | 2:42:32 SB |
| 75 | Angie ORJUELA | COL | 2:42:57 SB |
| 76 | Li BAI | CHN | 02:44:44 |
| 77 | Clementine MUKANDANGA | RWA | 2:45:40 SB |
| 78 | Rose HARVEY | GBR | 2:51:03 SB |
| 79 | Shantoshi SHRESTHA | NEP | 2:55:06 PB |
| 80 | Kinzang LHAMO | BHU | 3:52:59 PB |
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