Favoriten liefern ab – aber sowas von!
Was sich bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften in Eisenstadt abspielte, war ein echtes Leichtathletik-Feuerwerk mit Local Heroes, Rückkehrern und neuen Bestzeiten. Die 800m und 1500m waren dabei alles andere als langweilige Runden im Kreis.
Bredlinger-Show daheim
Manchmal gibt’s einfach keine Diskussion. Wenn Caroline Bredlinger am Start steht, dann geht’s für den Rest des Feldes in erster Linie ums Mitlaufen. Die 24-jährige Burgenländerin vom LT Bgld Eisenstadt machte bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften auf ihrer Heimbahn kurzen Prozess: Vom Start weg an der Spitze, zog sie ihre 800 Meter in 2:03,91 Minuten durch wie ein Uhrwerk. Titel Nummer fünf in Serie – und das trotz Verkühlung. „Ich war die ganze Woche verkühlt, darum hatten wir für heute auch keinen richtigen Plan. Ich bin einfach drauflosgelaufen und wollte den Titel holen, also Ziel erreicht kann man sagen.“ So nonchalant klingt’s, wenn man einfach besser ist als der Rest.
Dahinter machten sich Nicole Prauchner (TGW Zehnkampf-Union) und Katharina Pesendorfer (SVS LA) die Plätze aus – in 2:09,08 bzw. 2:11,79 Minuten sicherten sie sich Silber und Bronze. Pflicht erfüllt, aber an Bredlinger war kein Vorbeikommen.
Oldie Pallitsch packt den Turbo aus
Die Bühne betrat bei den Männern der nächste Lokalmatador: Raphael Pallitsch (Union St. Pölten). Der 35-jährige Olympiateilnehmer hatte sich nach einer Pause 2024 vorgenommen, gleich doppelt zuzuschlagen – und legte schon über 800 Meter ordentlich los. Gleich in der ersten Runde vorne, wurde er zwar von Anton Seiler (KSV alutechnik) 200 Meter vor Schluss attackiert – aber wer Pallitsch kennt, weiß: Der Mann hat einen Endspurt wie ein Düsentrieb. In 1:53,19 Minuten schnappte er sich Gold, vor Vereinskollege Niklas Kainrath, der mit 1:53,51 Silber holte. Bronze für den couragierten Seiler in 1:54,13.
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„Das war ein guter Rust Buster heute um endlich wieder einmal in den Wettkampfmodus zu kommen.“ Ein Satz, der irgendwie gleichzeitig bescheiden und mega-selbstbewusst klingt. Der Kerl weiß, wie’s geht.
Seiler macht’s im 1500m-Finale klar
Auch über die längere Mittelstrecke ging’s heiß her – bei den Frauen allerdings ganz ohne Drama. Lotte Seiler (KSV alutechnik) dominierte den 1500m-Lauf wie einst Mozart das Klavier. Früh vorne, niemand konnte ihr folgen. In 4:22,20 Minuten schnappte sie sich den zehnten Staatsmeistertitel ihrer Karriere. „Ich war von den Meldeleistungen her die klar Schnellste, und dass ich hinten raus sprinten kann weiß ich.“ Keine Spur von falscher Bescheidenheit – und das zu Recht!
Marie-Theres Gruber (Union Salzburg LA) nutzte Seilers Tempo für eine neue PB von 4:28,06 Minuten. Sandra Schauer (Union St. Pölten) komplettierte das Podium mit 4:33,93 Minuten.
Und nochmal Gold für den Dauerläufer
Pallitsch hatte nach dem 800er anscheinend noch Saft in den Wadeln. Kein Wunder: Titelverteidiger Marcel Tobler war krank, also stand dem Gold nichts im Weg – theoretisch. Praktisch machten Markus Reißelhuber und Andreas Vojta (beide team2012.at) ordentlich Druck. Doch der Altmeister hatte den richtigen Riecher und zündete 300 Meter vor dem Ziel den Turbo. In 3:48,42 Minuten holte er das 800/1500-Double, Reißelhuber (3:51,14) schnappte sich Silber vor seinem Vereinskollegen (3:58,64).
„Der Gedanke hier in meinem Heimatbundesland gleich zwei Mal auf Gold loszugehen war schon länger da […] Ich bin froh meine Favoritenrolle in beiden Rennen bestätigt zu haben.“ Und ganz Eisenstadt weiß jetzt: Der Mann ist noch lange nicht fertig.
Favoriten liefern – Junge lernen
Die Österreichischen Staatsmeisterschaften in Eisenstadt boten alles, was das Leichtathletik-Herz höherschlagen lässt: Dominanz, Drama, Doppelsiege. Die Altmeister haben ihre Hausaufgaben gemacht – und die nächste Generation? Sie darf sich warm anziehen.
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