Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2025 haben am letzten Wettkampftag zwei Geschichten geschrieben, die sich so kein Drehbuchautor hätte ausdenken können.
Ausgerechnet der US-Star Cole Hocker, sechs Tage zuvor noch wegen einer Disqualifikation über 1500 Meter schwer enttäuscht, schnappte sich im 5000-Meter-Finale den ganz großen Coup. Und kurz darauf sorgte Kenias Lilian Odira über 800 Meter für einen Sensationssieg, der das Publikum in Tokio in Ekstase versetzte.
Hocker sprintet sich zurück ins Rampenlicht
Das 5000-Meter-Finale entwickelte sich zu einem packenden Schlagabtausch, bei dem sich die Favoriten Runde für Runde belauerten. Cole Hocker übernahm zu Beginn kurz die Führung, zog sich dann ins Feld zurück und lauerte auf den richtigen Moment. Zwischenzeitlich schoben sich Grant Fisher, Nico Young, Hagos Gebrhiwet oder Matthew Kipsang nach vorne – doch nichts davon brachte den Amerikaner aus der Ruhe.
Nach 3000 Metern lag Fisher vorne, bevor der Norweger Jakob Ingebrigtsen das Tempo verschärfte. Doch auch das große norwegische Comeback verlief im Sand – er musste sich schließlich mit Rang zehn zufriedengeben. Mit einer letzten Runde, die an Dramatik kaum zu überbieten war, katapultierte sich Hocker auf die Überholspur. Der Belgier Isaac Kimeli bog als Führender auf die Zielgerade ein, doch Hocker zündete seinen berühmten Schlussspurt und rauschte in 12:58,30 Minuten zum Gold.
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„Ich hatte noch genug Körner übrig – das war mein Plan“, erklärte der frischgebackene Weltmeister lachend. Silber ging an Kimeli (12:58,78), Bronze holte sich der Franzose Jimmy Gressier (12:59,33), der zuvor schon über 10.000 Meter triumphiert hatte. Damit ist Hocker erst der zweite US-Amerikaner nach Bernard Lagat, der diesen Titel in Japan gewinnen konnte.
Odira schreibt Geschichte über 800 Meter
Die Britin Keely Hodgkinson galt als Topfavoritin, doch der Lauf nahm eine völlig andere Wendung. Zunächst führte Mary Moraa das Feld an, dann setzte Hodgkinson ihre gewohnte Attacke nach 600 Metern. Doch auf den letzten Metern schob sich plötzlich eine Läuferin ins Rampenlicht, die kaum jemand auf dem Zettel hatte: Lilian Odira.

Die 26-Jährige flog in einem unwiderstehlichen Endspurt an Hodgkinson und deren Trainingspartnerin Georgia Hunter Bell vorbei und stoppte die Zeitnehmung bei 1:54,62 Minuten – ein neuer Meisterschaftsrekord. Damit pulverisierte sie nicht nur ihre persönliche Bestzeit, sondern auch einen 42 Jahre alten Rekord der Tschechin Jarmila Kratochvilova. Hunter Bell (1:54,90) und Hodgkinson (1:54,91) komplettierten das Podium.
„Dies ist meine erste Weltmeisterschaft und ich gehe als Weltmeisterin nach Hause. Es hat lange gedauert“, jubelte Odira, die ihre beiden Söhne als größte Motivation nannte. Sie ist eine Spätstarterin – noch vor einem Jahr war sie im Olympia-Halbfinale gescheitert, jetzt krönt sie sich zur Königin der Mittelstrecke.
Kenia dominiert die Frauenrennen – Hodgkinson hadert
Für Kenia war Odiras Triumph bereits die siebte Goldmedaille bei diesen Titelkämpfen. Von 800 Metern bis zum Marathon räumten die Athletinnen aus Ostafrika alles ab. Faith Kipyegon, Beatrice Chebet, Faith Cherotich und Peres Jepchirchir machten zuvor schon ihre Distanzen unschlagbar. Odira setzte nun die Kirsche auf die Sahnetorte.
Hodgkinson dagegen musste ein weiteres Mal mit Bronze vorliebnehmen. „Es hat mir wieder nicht gereicht. Ich habe mein Bestes gegeben, aber ich wollte unbedingt Gold“, sagte die Britin sichtlich enttäuscht. Angesichts ihrer verletzungsgeplagten Saison sei aber auch Platz drei aller Ehren wert.
Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2025 verabschiedeten sich damit mit zwei epischen Läufen: einem Comeback wie aus einem Hollywood-Film durch Cole Hocker und einer Überraschungssiegerin Lilian Odira, die in Tokio ein Stück Sportgeschichte schrieb.

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