Wenn sich am 26. Juni die Augen der Leichtathletik-Welt auf das Stade Charléty in Paris richten, dann steht nicht weniger als ein historisches Wagnis auf dem Spiel.
Die kenianische Ausnahmeathletin Faith Kipyegon strebt bei der prestigeträchtigen Veranstaltung Breaking4 einen Weltrekordversuch an, der alles bisher Dagewesene überbieten soll: die Meile in weniger als vier Minuten.
Die Zahl mag willkürlich klingen, doch sie besitzt im Laufsport mythische Qualität. Während Männer diese Marke schon in den 1950er-Jahren knackten, war sie für Frauen stets außer Reichweite – bis jetzt. Kipyegon, längst ein Aushängeschild des Mittelstreckenlaufs, will das ändern. Breaking4 ist dabei nicht nur der Titel einer ambitionierten Doku, sondern das Symbol für eine Zeitenwende.
Ein Projekt zwischen Vision und Wahnsinn
Mit drei Olympiasiegen über die 1.500 Meter und Weltrekorden über die 1.500 Meter (3:49,04 Minuten) sowie die Meile (4:07,64 Minuten) hat Kipyegon die Messlatte ohnehin schon auf ein fast utopisches Niveau gelegt. Doch nun will sie diese Grenze förmlich sprengen. Um ihr Ziel zu erreichen, müsste sie ihre eigene 1.500-Meter-Bestmarke auf unter 3:45 Minuten drücken – eine Verbesserung von mehr als vier Sekunden. Im Leistungssport entspricht das einer kleinen Ewigkeit.
Wichtiger Hinweis: Dieses Buch macht dich zum besseren Läufer
Ein derartiger Vorstoß ist vergleichbar mit den berühmten Marathon-Projekten von Eliud Kipchoge, der unter dem Banner von Nike zweimal antrat, um den Marathon in unter zwei Stunden zu laufen. Beim zweiten Versuch gelang ihm dieses Meisterstück. Auch Breaking4 wird von Nike unterstützt – ein weiteres Signal, dass hier nichts dem Zufall überlassen wird.
Die Dokumentation als Spiegel eines Ausnahmelebens
Begleitet wird dieses Projekt von einer zweiteiligen Dokumentation, die intime Einblicke in das Leben und Training der Läuferin gewährt. Produziert von der renommierten Firma „Box to Box Films“, die bereits mit Serien wie „Drive to Survive“ sportfilmische Maßstäbe gesetzt hat, soll die Serie Breaking4 nicht nur sportliche Höchstleistungen abbilden, sondern auch die kulturelle und gesellschaftliche Relevanz des Versuchs darstellen. Teil eins erscheint am 20. Juni, Teil zwei folgt nach dem Rennen im Juli.
In der Dokumentation wird der Alltag von Faith Kipyegon in Kenia beleuchtet: harte Trainingsblöcke, das mentale Spiel zwischen Zweifel und Selbstvertrauen, das Leben als Familienmensch und globale Ikone. Der Einfluss dieses Projekts reicht dabei weit über die Stadien der Welt hinaus. Sowohl Profis als auch Hobbysportler sollen von ihrer Geschichte inspiriert werden. Es geht um mehr als nur Sekunden – es geht um Grenzen im Kopf.
Zwischen Hoffnung und Realität
So beeindruckend Kipyegons bisherige Erfolge sind, so groß bleibt die Skepsis, ob der nächste Schritt nicht doch ein Sprung zu weit ist. Die Meile in unter vier Minuten zu laufen, erfordert eine Symbiose aus perfekter Renntaktik, optimalen äußeren Bedingungen und physischer Höchstform. Und selbst dann – der Abstand zum bisherigen Weltrekord von über sieben Sekunden ist gewaltig.
Doch genau diese Spannung macht Breaking4 so einzigartig. Es ist ein Drahtseilakt auf höchstem Niveau, ein Duell mit der eigenen Historie. Faith Kipyegon steht für eine Generation von Athleten, die sich nicht mit „gut genug“ zufriedengibt. Sie will die Grenzen neu definieren – auch wenn sie dabei riskieren muss, zu scheitern.
Paris als Bühne eines möglichen Wunders
Wenn Kipyegon am 26. Juni die Startlinie betritt, dann trägt sie nicht nur die Hoffnungen eines Kontinents, sondern auch die Erwartungen einer gesamten Sportwelt. Breaking4 ist eine Kampfansage an die Statistik, ein Bekenntnis zum Unmöglichen und ein Monument für die Kraft menschlicher Vorstellung.
Ob sie Geschichte schreibt oder an der Realität zerschellt, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Die Welt wird hinschauen – und jede Sekunde mitzählen.
Nachlese: Völlig verrückt: Kipyegon möchte Meilen-Schallmauer brechen
Kommentar schreiben