Eastern Caribbean Marathon Challenge 2025 – 4. Destination: „ Volcanic Sand Marathon in St. Vincent und die Grenadinen“ am 9. Januar
Die MSC Virtuosa legt am 7. Januar um 20 Uhr in Bridgetown, Barbados, ab und verbringt die nächsten 36 Stunden auf See. Der 8. Januar ist für uns ein Erholungstag. Die Entfernung zwischen Barbados und St. Vincent beträgt etwa 100 Seemeilen (ca. 185 km). Am späteren Abend blicke ich von meinem Balkon auf Deck 10 aufs Meer. Man könnte glauben, das Schiff steht still, so gemächlich schippern wir in Richtung St. Vincent. Auf dem Seeweg dorthin liegen mehrere Inseln der Grenadinen: Bequia, Mustique, Canouan, Union Island und die Tobago Cays – bekannt für ihre natürliche Schönheit und touristische Bedeutung in der Karibik.
Da die Strecke vergleichsweise kurz ist, lässt sich leicht berechnen, wie lange ein Schiff je nach Geschwindigkeit benötigt. Die Geschwindigkeit wird in Knoten gemessen – ein Knoten entspricht einer Seemeile pro Stunde (1,852 km/h). Je nach Tempo dauert die Überfahrt bei 5 Knoten rund 20 Stunden, bei 10 Knoten 10 Stunden, bei 15 Knoten 6,67 Stunden und bei 20 Knoten nur 5 Stunden. Da sich unser Schiff für die Strecke jedoch 36 Stunden Zeit lässt, beträgt die durchschnittliche Geschwindigkeit lediglich 2,78 Knoten (ca. 5,15 km/h). Zum Vergleich: Das entspricht etwa einem schnellen Geh-Tempo von 5 km/h, also rund 12 Minuten pro Kilometer – am oberen Ende der üblichen Gehgeschwindigkeit.

Für Hobbyphysiker oder solche, die sich noch an ihre Schulzeit im Physikunterricht gerne zurückerinnern, ließe sich die Berechnung wie folgt darstellen:
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Die benötigte Zeit für die Überfahrt lässt sich mit folgender Formel t = d/v berechnen, wobei t die Zeit in Stunden, d die zurückzulegende Strecke in Seemeilen und v die Geschwindigkeit in Knoten (Seemeilen pro Stunde) ist. Für die MSC Virtuosa mit einer Fahrtdauer von 36 Stunden (aus Kostengründen) ergibt sich die durchschnittliche Geschwindigkeit:
v = d/t = 100/36 ≈ 2,78 Knoten (≈ 5,15 km/h)
Als erfahrener Kreuzfahrer mit zwei Weltreisen, über 50 Kreuzfahrten – vorwiegend in Europa, der Karibik und Asien – sowie mehreren Transatlantiküberfahrten weiß ich, warum Schiffe oft langsamer unterwegs sind: Einerseits sind die Liegezeiten in den Häfen teuer – jede Stunde weniger spart Tausende von US-Dollar. Andererseits sollen die Passagiere möglichst viel Zeit an Bord verbringen und die Annehmlichkeiten des Schiffes nutzen, was den Umsatz steigert – etwa durch den Getränkeverkauf, Einkäufe in den Boutiquen oder Besuche im Casino. Doch es wird eng, wenn sich 6.700 Passagiere um die nicht ausreichenden Liegen streiten, im Buffetrestaurant keinen Platz finden oder in ihren beengten Innenkabinen ausharren müssen. Deshalb buche ich in der Regel eine teure Balkonkabine mit deutlich mehr Platz.
Jedes Kreuzfahrtschiff, auch die MSC Virtuosa mit einer Tonnage von 181.541 BRT, unterliegt je nach Hafen und Berechnungsmodell unterschiedlichen Hafengebühren. Diese können konkret für die Virtuosa entweder auf Basis der Passagierzahl berechnet werden, was etwa 200.000 USD pro Tag ausmacht, oder auf Grundlage der Bruttoraumzahl (BRT), was rund 365.000 USD pro Tag entspricht. Zusätzlich können weitere Kosten wie Liege- oder Sicherheitsgebühren anfallen. Häufig variieren die Gebühren auch je nach Reederei und dem Umfang der Dienstleistungen, die das Schiff in einem Hafen in Anspruch nimmt.
Größere Häfen oder touristische Hotspots wie bspw. St. Thomas (USA Jungferninseln) oder Nassau (Bahamas) haben tendenziell höhere Gebühren, während kleinere Inseln und weniger frequentierte Häfen möglicherweise niedrigere Gebühren verlangen.
St. Vincent und die Grenadinen – kurzer Überblick
Der karibische Inselstaat St. Vincent und die Grenadinen gehört zu den Kleinen Antillen, umfasst 389 km² und besteht aus der Hauptinsel St. Vincent sowie den nördlichen Grenadinen. Die Hauptstadt Kingstown mit einer Fläche von 4,9 km² und etwas über 13.000 Einwohnern liegt im Parish Saint George an der Südküste der Insel St. Vincent.

Rund 110.000 Menschen leben auf St. Vincent, größtenteils mit afrikanischer Abstammung. Erste Besiedlungen reichen bis ins 5. Jahrtausend v. Chr. zurück. Europäische Mächte beanspruchten das Gebiet ab dem 17. Jahrhundert, bis Großbritannien 1783 endgültig die Kontrolle übernahm. Zuckerrohranbau dominierte lange die Wirtschaft, bis die Sklaverei 1838 abgeschafft wurde.
Seit 1979 ist der Staat unabhängig, bleibt aber als parlamentarische Monarchie mit König Charles III. an der Spitze dem Commonwealth verbunden. Die gegenwärtige Generalgouverneurin Susan Dougan vertritt ihn vor Ort, während Ralph Gonsalves das Amt des Premierministers innehat.
Die Wirtschaft basiert auf Landwirtschaft (insbesondere Bananen), Tourismus und Dienstleistungen. Das BIP lag 2023 bei etwa 1,1 Milliarden USD. Die Landeswährung ist der Ostkaribische Dollar (€ 1 = 2,7874 XCD).
St. Vincent und die Grenadinen gehört internationalen Organisationen wie der UNO, CARICOM und der Bolivarianischen Allianz (ALBA) an und pflegt diplomatische Beziehungen zu Taiwan. Der offizielle ISO-Code des Landes lautet VC (ISO 3166-1) – wie schon mehrmals erwähnt, orientieren sich sowohl der Country Marathon Club (https://www.countrymarathonclub.com/) als auch die Marathon Globetrotters (https://marathonglobetrotters.org/) bei der Anrechnung von Ländern am ISO-Code.
Die Karibikinsel St. Vincent – nach langem Suchen ein Drehort für „Pirates of the Caribbean“ (Fluch der Karibik)
Nach monatelanger Suche wurde das Filmteam in der Wallilabou Bay an der Westküste von St. Vincent fündig. Die Bucht, benannt nach dem nahegelegenen Ort Wallilabou, diente als Drehort für den ersten Teil der Hollywood-Filmreihe Fluch der Karibik. Mit ihren malerischen Buchten, grünen Palmen und weißen Stränden bot St. Vincent die perfekte Kulisse für das Piratenabenteuer.

Bereits 2003 wurde die Bucht als Schauplatz des fiktiven Hafens „Port Royal“ genutzt. Für die Dreharbeiten entstanden Kulissen im Stil des 18. Jahrhunderts, darunter Piers und Lagerhäuser. Nach Abschluss der Produktion wurden sie weitgehend sich selbst überlassen, einige Teile sind jedoch bis heute erhalten. Weitere Szenen wurden auf Union Island, den Tobago Cays und Petit Tabac gedreht – hier ließCaptain Barbossa Jack Sparrow und Elizabeth zurück.
Auch Einheimische und Schiffe wurden für den Film in historische Gewänder gehüllt. Der Zweimaster Scaramouche aus Union Island verwandelte sich in ein portugiesisches Handelsschiff. Heute befördert er wieder Touristen durch die Tobago Cays – auf den Spuren von Hollywoods Piratenabenteuer.

Marathon auf dem aufgelassenen E. T. Joshua Airport von Arnos Vale
Vielleicht sollten wir Marathonreisende uns einreden, dass der Seetag nur für uns eingelegt wurde und der Kostenfaktor für die Reederei keine Rolle spielt. Doch selbst wenn das so wäre – heute verlieren wir eine ganze Stunde, weil das Schiff erst um 9:00 Uhr nach 36 Stunden auf See in Kingstown anlegt, statt wie bisher in anderen Häfen planmäßig eine Stunde früher. Die Abfahrt erfolgt wieder um 18:00 Uhr, wobei die Passagiere spätestens eine halbe Stunde vorher an Bord sein müssen.
Alle Teilnehmer der Laufdisziplinen versammeln sich heute eine Stunde später als gewohnt – um 8:45 Uhr pünktlich auf Deck 4. Nach dem Scan der ID-Karte, die das exakte Verlassen des Schiffes registriert, geht es zügig durch das Terminal zu den bereitstehenden Kleinbussen. Die etwa 20-minütige Fahrt führt von Kingstown nach Arnos Vale, einer südlich gelegenen Ortschaft in der Nähe des ehemaligen E. T. Joshua Airports.

Arnos Vale erstreckt sich nördlich und östlich des ehemaligen E. T. Joshua Airports und grenzt an den beliebten Strand Indian Bay. Mit seinem weißen Sand und dem malerischen Blick auf die vorgelagerte Insel Young Island ist Indian Bay Beach ein touristischer Anziehungspunkt. Nur eine schmale Felsnase trennt ihn vom benachbarten Villa Beach.
Der frühere E. T. Joshua Airport (ICAO: TVSV), einst als Arnos Vale Airport bekannt, war nach Ebenezer Theodore Joshua, dem ersten Regierungschef des Landes, benannt und diente als Drehkreuz für Grenadine Airways, Mustique Airways und SVG Air. Nach der Eröffnung des Argyle International Airport am 14. Februar 2017 wurde der Flughafen stillgelegt, und alle Flüge wurden nach Argyle verlegt.

Für die Inselbewohner ist Arnos Vale auch aus einem anderen Grund bedeutsam: Hier befindet sich das Cricket-Stadion im Arnos Vale Sports Complex.

Rennleiter Ziyad Rahim ließ am Vortag auf dem Schiff durchblicken, dass der heutige Marathon auf einem stillgelegten Flugfeld besonders herausfordernd wird. Die Strecke verläuft unter praller Sonne, und die Stunde Verzögerung durch die späte Ankunft könnte für manche Teilnehmer zum Problem werden.
Die Busse halten in der Nähe des Joshua Shopping Centers, wo frei zugängliche Toiletten zur Verfügung stehen. Eine Getränkestation ist aufgebaut, und wer möchte, kann sein Extragepäck entweder im Bus lassen oder neben der Versorgungsstation abstellen. Für die meisten von uns sind St. Vincent und die Grenadinen Neuland – und für mich ein neuer Länderpunkt.
Rennverlauf mit Hürden und Problemen
Wie gewohnt versammeln sich alle für ein gemeinsames Foto. Leider wird erneut vergessen, die Mitglieder der beiden Ländersammler-Clubs separat aufzustellen, um die Zugehörigkeit sichtbar zu machen. Eigentlich hätte die Initiative von uns kommen sollen, doch auch ich denke vor dem Start wieder nicht daran, wie wichtig diese Fotodokumentation möglicherweise für die Homepage des Country Marathon Clubs sein könnte.
Was mir jedoch mit Argwohn auffällt, ist der äußerst schlechte Zustand der Flugpiste – der Asphalt ist von Löchern und Rissen durchzogen, weist spitze Erhebungen und unregelmäßige Stellen auf. Ich habe ohnehin schon Reibblasen, trage heute leichte Laufschuhe mit weicher Sohle, und die vielen Unebenheiten werden zusätzlich meinen Fersensporn am linken Fuß belasten. „Nur die Harten kommen durch“ – ein Spruch, der mir vor zehn Jahren noch plausibel erschien, den ich heute jedoch für Unsinn halte. In einem gewissen Alter, mit den typischen Verschleißerscheinungen wie Arthrose in den Gelenken, ist es klüger, den Marathon mit Bedacht anzugehen, den Ehrgeiz zurückzustellen und die Laufstrategie auf reines Ankommen auszurichten.
Einige Mitglieder der Gruppe gehen vor dem Rennen noch einmal auf die Toilette im nahegelegenen Einkaufszentrum. Gegen 09:40 Uhr stellen wir uns dann zum Start auf. Diesmal nimmt auch Ziyad, der – im Gegensatz zu mir – Mitglied in beiden Ländersammlerclubs ist, am Marathon über die volle Distanz teil.
Meine Hauptkonkurrenten an diesem Tag sind wieder Thomas Godlewsky (GER, Nr. 28), Juhani Aho (FIN, Nr. 14), Steven Fuller (USA, Nr. 26), Larry Grossman (USA, Nr. 17), Peter Friis (FIN, Nr. 24) und möglicherweise Chau Smith (USA, Nr. 4) aus der Damenriege. Alle anderen Teilnehmer sind in Bezug auf Leistung deutlich überlegen und zudem oft bis zu 30 Jahre jünger. Einige starten vermutlich aus Erholungsgründen auf kürzeren Distanzen.
Die Länge einer Runde auf dem stillgelegten Flugfeld des ehemaligen E. T. Joshua Airport beträgt etwa 1,70 km. Um die gesamte Marathondistanz von 42,195 km zu absolvieren, müssen 25 Runden gelaufen oder gewalkt werden.
In den ersten Runden liege ich, wie schon in Barbados, schnell einige hundert Meter vor Juhani und Thomas. Doch in der dritten Runde überholt uns Klaus Westphal (GER, 16), der seit seiner Pensionierung wieder mehr Zeit zum Trainieren hat und im schnellen Walkingtempo unterwegs ist.

Auf Steven Fuller muss ich nicht mehr achten – eher sehe ich ihm nach, wie er immer weiter davonzieht.
Nicht nur ich, sondern auch die anderen schauen ständig auf den Boden. Der unebene Asphalt erfordert Vorsicht: Wir meiden die Löcher und die spitzen, von der intensiven karibischen Sonne und den konstanten Temperaturen um die 30 Grad geschmolzenen Teerformationen. Jeder versucht, Verletzungen durch Fehltritte zu vermeiden und das Tempo anzupassen, um sich nicht unnötig zu gefährden.

Wie Ziyad angekündigt hatte, verläuft die gesamte Laufstrecke in der prallen Sonne – es gibt keinen einzigen Baum entlang des Kurses, was verständlich ist, da der Marathon auf einem stillgelegten Flugfeld stattfindet. Die Versorgungsstation befindet sich bei den geparkten Bussen, etwa 200 Meter vom Joshua Shopping Center entfernt. Hier gibt es ausreichend eisgekühltes Wasser in Bechern und Cola in 0,5-Liter-Flaschen. Die Station wird zusätzlich von Maria Aho, der Frau von Juhani, betreut, die selbst nicht am Marathon teilnimmt, sowie von der Schwester von Mark Hudspeth (USA, 21), der nur die 21,1 km absolvieren möchte.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Joshua Shopping Centers stehen barackenartige Gebäude, die auf der Landkarte als „Temporary Schooling“ bezeichnet sind. In den Pausen strömen Schüler in Uniform aus den einfachen Holzhäusern und suchen sich schattige Plätze – meist an den sonnenabgewandten Wänden. Am frühen Nachmittag beginnt eine Sportgruppe auf einer Nebenstraße mit Laufübungen. Obwohl die Rennleitung das Flugfeld für unseren Marathon gesperrt hat, fahren immer wieder Autos mit lokalen Kennzeichen zum Schulkomplex.

Nach fünf Runden bekommt Thomas einen Energieschub und zieht mit kräftigen Schritten an mir und dem dahinterliegenden Juhani vorbei. Wenn Thomas einmal loslegt, kann er den Kilometer in 8:30 Minuten oder sogar etwas schneller walken. Aufgrund einer Verletzung hat er sich vom Laufen aufs schnelle Gehen umgestellt.

Yvonne Dubois trägt stets ein Lächeln im Gesicht. Sie weiß, dass sie den langsameren Walkern überlegen ist, und feuert uns an.

Währenddessen kämpfen die Speedrunner Alexander Scherz (SUI, Nr. 1), Arkadiusz Babij (POL, Nr. 2) und Dragan Mladenovic (SRB, Nr. 8) um die Spitzenposition.

Wer heute bei dieser Hitze unter 4 Stunden ins Ziel kommt, dem gebührt meine volle Bewunderung. Selbst in meiner besten Zeit vor fast 20 Jahren wäre ich dazu aus dem Stand nicht in der Lage gewesen. Ziyad übernimmt heute die Fotodokumentation. Ich gebe mir Mühe, etwas sportlicher zu wirken. Mit anderen Worten, wenn er mich mit seinem Smartphone fotografiert, lege ich ein paar schnellere Schritte ein.

Auch Peter Friis scheint, genau wie Juhani, neue Kräfte mobilisieren zu können. Nach zwölf Runden liegen beide vor mir. Mein häufigster Fehler ist es, zu lange an der Versorgungsstation zu verweilen – dort verliere ich jedes Mal eine halbe Minute. Während die anderen bereits davoneilen und ihren Wasserbecher mitnehmen, bin ich mir dieser Schwäche bewusst. Dennoch versteife ich mich nicht auf den Wettkampf. Mir geht es in erster Linie darum, den Marathon offiziell zu absolvieren, und ich nutze die volle Zeit aus. Sieben Stunden sind mein Richtmaß – Letzter werden möchte ich jedoch nicht.

Als ich über das Tempo von Juhani, Klaus, Peter und Thomas noch staune, ruft uns zuerst Dr. Westphal zu, dass er heute nur die Halbmarathondistanz machen wird. Anschließend sehe ich Thomas bei der Labe stehen – er klagt über Schwindel und beendet sein Rennen auch bei 21,1 km. Hingegen schöpfen die Finnen Juhani und Peter vielleicht gerade aus diesem Anlass neue Kraft und können ihr hohes Gehtempo halten.

Ich blicke auf meine GPS Uhr: Thomas beendet den halben Marathon deutlich vor Klaus Westphal, der hinter ihm liegt und an die 20 Minuten vor mir. Eine gute Leistung, Kompliment. Noch hat er ja zwei Bewerbe, um voll zu punkten.
Bei den Frauen ist die Polin Magdalena Replińska die unangefochtene Laufkönigin dieser Tour.

Obwohl es merkwürdig erscheint, die Thailänderin Muantawan Arsrairas, genannt Pei, läuft auf dieser Marathontour stets mit einem Schirm. Vielleicht behindert sie der Sonnenschutz nicht wirklich, aber ihre Schlusszeiten lagen bei den bisherigen Marathons unter ihrem Niveau knapp unter 6 Stunden oder darüber.

Tourleiter und Race Director Ziyad Rahim hat es heute geschafft, trotz der Hitze unter sieben Stunden zu finishen. Wir Langsamen liegen darüber, doch der zweite Bus wartet auf uns. Um 17:15 Uhr – eine Viertelstunde vor der Pflichtzeit an Bord – erreichen wir das Schiff. Ein kurzer Aufenthalt im Hafenterminal von Kingston ist noch möglich, doch für Souvenireinkäufe reicht die Zeit nicht mehr.

Eine etwas längere Replik
Während der Schiffsreise hatte ich mir vorgenommen, nur an Marathons teilzunehmen, die mir einen Länderpunkt bringen. Vorrangige Ziele waren Barbados und St. Vincent, doch im neuen Jahr zählt auch die Anzahl der absolvierten Rennen. Zwar bedauere ich es etwas, nicht alle sechs Marathons gelaufen zu sein, aber immerhin konnte ich vier von sechs möglichen Medaillen aus diesem Karibikabenteuer mitnehmen. Das Design der Medaillen, auf denen die Karibikinseln kreisförmig angeordnet sind und die jeweils absolvierte Insel farblich hervorgehoben wird, gefällt fast jedem.

Die drei Erstplatzierten jeder Altersklasse erhalten zudem eine Gesamtmedaille mit allen sechs Destinationen in verschiedenen Farben. Auf dem Band sind Platzierung, Datum und Tourbezeichnung vermerkt. Bei den Marathonserien in Zentralasien 2023 und 2024 belegte ich den zweiten und dritten Platz, weshalb meine Abschlussmedaillen echte Blickfänge in meinem Vorzimmer sind. Bei der Eastern Caribbean Marathon-Tour dieses Jahres gab es jedoch keine M-70-Kategorie, und in der M-60-Wertung hätte ich angesichts der starken Konkurrenz keine vordere Platzierung erreicht.
Mit vier absolvierten Läufen – zusätzlich zu Guadeloupe und St. Lucia – kann ich trotz meiner langsamen Finisherzeiten bereits einiges vorweisen. In der Community werden solche Zeiten zwar oft belächelt, aber viele Marathon-Sammler älterer Jahrgänge messen ihnen keine allzu große Bedeutung mehr bei, da ihre Bestzeiten ohnehin längst der Vergangenheit angehören. Der Alterskoeffizient hilft jedoch, das Ergebnis relativ zu verbessern: Er vergleicht die Leistung älterer Läufer mit der eines Jüngeren. Für einen 70-Jährigen (wie mich, jetzt 71) liegt dieser oft bei etwa 0,55 bis 0,60. So ergibt sich bei einem Marathon in 6 Stunden und 30 Minuten mit einem Koeffizienten von 0,58 eine „verbesserte“ Zeit von etwa 3 Stunden und 46 Minuten. Das mag schmeichelhaft sein, entspricht aber nicht dem realen Leistungsniveau – doch es motiviert.

Die nächsten beiden Läufe lasse ich aus. Mit Reibblasen an den Zehen kann ich nicht mehr richtig laufen, aber immerhin mit wasserabweisenden Pflastern und heilender Salbe wie Bepanthen im Meer schwimmen und in Lokalen Bier sowie den einen oder anderen Rum-Cocktail genießen. In Grenada werde ich meinen alten Freund Ian Ras treffen, einen talentierten Schmuckhersteller und Holzschnitzer, den ich seit 20 Jahren kenne.
Er betreibt einen Stand an der berühmten Grand Anse Beach, wo er seine einzigartigen Kunstwerke ausstellt und zum Verkauf anbietet.

In den folgenden Tagen kann ich dann in Martinique bei kühlen Drinks an der Plage de l'Anse Mitan meine Französischkenntnisse anwenden und vielleicht sogar noch etwas verbessern.

Ich kann gut verstehen, dass viele Begleitpersonen der Läufer auf die Rennen verzichtet und stattdessen das karibische Flair an den Stränden genossen haben. Die 100 Länder, die ich mit dem Marathon in Kuwait am 30. November 2024 erreicht habe – nach der Zählweise des Country Marathon Clubs, der sich am ISO-Code orientiert –, konnte ich mit zwei weiteren Punkten in der Karibik nun absichern. Ob ich bei 105 Marathonländern wirklich mit dem Ländersammeln aufhören werde, wie ursprünglich geplant, stelle ich mittlerweile wieder infrage.
Ergebnisse unter https://www.webscorer.com/race?raceid=377352


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