Das große Laufbuch der Trainingspläne

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Eigentlich wollte ich am 27.7. wieder den Zátopek laufen und zwei Wochen später den Prachov im Böhmischen Paradies. Eigentlich.

Tatsächlich lief ich am 27.7. in Prag nur 25 Kilometer, sodass ich den Entschluss fasste, sechs Tage später den Sommeralm in Angriff nehmen zu können. Dem Kraxi ist ein Starter ausgefallen, so hatte er noch einen Startplatz für mich.

Ich brauche nämlich noch einen Marathon im August. Dann bin ich in meinem Läuferdasein in jedem Kalendermonat mindestens 10 Marathons gelaufen. Das ist auch so ein Ziel von mir.

Mit Evi verbringe ich einen geruhsamen Nachmittag in Neustift am Lafnitzsee bevor wir am Abend die Startnummer abholen. Die Adresse ist nicht leicht zu finden, das Navi ist schlicht überfordert. Daher hat Hannes Kranixfeld, der Veranstalter, gelbe Hinweisschilder aufstellen lassen. Damit ist es leicht.

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Ich wollte mir ja keine Marathons mit 1.800 Höhenmetern aufwärts mehr antun. Mein letzter in dieser Kategorie war der Mozart Scenic von 2017. Aber nun stehe ich mit noch etwa 100 Leuten am Sonntag frühmorgens am Start vom „Härtesten Marathon der Steiermark“. Viele der Starter sind mir gut bekannt, wir sehen uns immer wieder einmal bei einem Marathon.

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Karl-Alfred Erber, der eigentlich in Orta beim 10in10 sein wollte, genauso wie Carla Gavazzeni und Werner Kroer, beide sind sie mehrfache Finisher der dortigen 10 Marathons in 10 Tagen. 2020 gibt es aber keine 10 OrtaMarathons, wie so vieles nicht.

Die schnellen Teilnehmer starten um halb 8. Die, die die schöne Gegend länger genießen wollen oder müssen, schon um 7. Da ist die Welt noch in Ordnung.

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Der Hund von Udo Pitsch kann es kaum erwarten, dass es los geht. Das schwarze Tier versprüht richtiggehend seine Vorfreude und Aufregung. Es ist bereits sein 10. Marathon hier, war also seit 2011 bei jedem Sommeralm-Marathon am Start und auch im Ziel!

Die Sonne strahlt vom Himmel, es ist angenehm kühl als es losgeht. Gleich einmal mit einem Anstieg, dann runter durch einen Wald, über ein Holzbrücklein, über eine Wiese hinauf auf eine Straße und schon ist fast niemand mehr zu sehen.

Infektionsrisiko? Null!

Vorbei an einem Kukuruzfeld, dann einem Bach entlang. Börni läuft gerade seinen 190. Marathon. Ein Bauer fragt uns, ob es denn da hinten brennt? „Nein, denn würde es brennen, würden wir schneller laufen!“ Er und seine Frau lachen.

Csilla Prossa, burgenländische Ungarin, zieht konstant bergwärts. Anstieg durch einen Wald und bei km5 schon die erste Labestelle, die wird von jungen Leuten bestens betreut.

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Nach und nach gewinne ich an Höhe, der Ausblick in die hügelige Landschaft wird immer besser, vorbei an Obstplantagen und immer wieder im Schatten. Keine Spur von einer Hitze die man im Hochsommer schließlich erwarten darf. Einige Zeit laufe ich gemeinsam mit Hans Novinscak, es ist recht kurzweilig. Wir kommen an Obstgärten vorbei die mit schwarzen Netzen abgedeckt sind. 70 Minuten nachdem wir gestartet sind überholt uns der Begleitradler vom 30 Minuten nach uns gestarteten schnellsten Läufer. Der Radler rät uns: „Einfach dran bleiben, dann seid ihr schneller im Ziel!“ Wir bedanken uns recht herzlich für diesen Tipp!

Es dauert nicht lange, da kommen schon der zweite und der drittschnellste Läufer.

Überraschend bald die schnellste Dame, Daniela Amtmann, sie ist die Seriensiegerin hier.

Labe 10km, ich fülle meine Flasche auf. Das Streckenprofil ist abwechslungsreich, auf einen Anstieg folgt immer wieder auch Gefälle, meist auf Asphalt, immer wieder im Wald, manchmal auf Waldwegen, also mit Steinen, Wurzeln, Matsch, nicht immer ganz hell und dennoch mit ganz viel hügeliger Landschaft rundum. Da und dort ein Wölkchen am Himmel, man sieht oft ganz weit ins Land!

Nach und nach kommen die schnellen Läufer von hinten, einige davon aus Augsburg. Harald Wurm begleitet mich ein Stück. Der Fredl Zitzenbacher aus Schwarzach schießt ein Selfie mit mir und Richard.

Dann geht es zügig runter nach Gschaid, Winkl-Boden, auf 809m Seehöhe. Die Labestelle bei km18 ist unter einem Baum eingerichtet. Als ich dort eintreffe, macht sich Manfred Terler gerade wieder auf den Weg. Mit meiner Durchgangszeit bin ich zufrieden, wenn die Versorgung weiterhin so gut ist, kann ich noch lange so weitermachen. Meine Muskelprobleme von vor sechs Tagen habe ich im Griff, ich laufe dosiert und überfordere meine Oberschenkelmuskeln nicht.

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Relativ flach geht es weiter, toller Ausblick nun rechts von uns. Federnden Schrittes überholt mich Dietmar Pruckner, so ist er vor sechs Tagen beim Zátopek-M ins Ziel gelaufen. Wenig später kommt eine junge Deutsche in grün. Mein Garmin ist 2018 in Florenz wegen des Dauerregens kollabiert, seitdem laufe ich ohne.

Dem Streckenprofil nach müsste hier irgendwo die Halbdistanz sein. Ich frage sie, wie weit wir denn schon wären? „Genau die Hälfte hier!“ antwortet sie mir. Das heißt, HM knapp unter drei Stunden für mich, das passt.

Nächste Labe bei einem Bauernhof, da ist etwas mehr los. Ich überhole Manfred. Durch den Wald geht es steil bergab, erst auf einer Forststraße, über einen Gegenanstieg bin ich richtig froh, dann geht es auf Asphalt weiter bergab. Eine Spur zu steil um angenehm zu sein für mich, es ist kühl im Wald. Ab km25 geht es wieder bergwärts, nun in der Sonne. Bis zum Taxi-Unternehmen Heil. Dort müssen wir über die Wiese runter und wieder in den Wald.

Wurzeln, Matsch, lose Steine und schlechte Sicht, weil es relativ dunkel ist. Einen jungen Burschen höre ich, wie der da hinunter poltert, ich mache ihm Platz. Beachtlich, was seine Knie aushalten! Auch Max Rogy und Bernd Bodiselitsch haben es recht eilig.

Ich komme im Tal der Feistritz wieder in die Zivilisation, ich überquere die B72 und Schienen einer Schmalspurbahn und kann mich stärken. Prompt laufe ich nachdem ich meine Flasche aufgefüllt habe in der falschen Richtung weiter und werde zum Glück zurückgerufen.

Es geht weiter, ein Anwohner spritzt mich mit einem Wasserschlauch kühl, nass bin ich sowieso schon. Vorbei an einer Tankstelle, der Aufstieg zur Stoakoglhütte, dem Ziel, beginnt, ca. km27.

Die Sommerrodelbahn Koglhof lassen Manfred und ich rechts liegen, in Serpentinen geht es steil die Panoramastraße hinauf. Wenig Autoverkehr und immer wieder Waldabschnitte. Manfred ist der schnellere Bergwanderer. Bei der nächsten Labe sagt man mir, ich wäre bei km30 und die Bremsen wären lästig. Das stimmt, ich habe schon blutige Finger vom erschlagen der Bremsen, am Hals, in der linken Kniekehle und auf der linken Wade.

Andy Kapui sitzt im Schatten auf einer Bank an der Kalcher Kapelle und sieht ins Tal. Er hat Kreislaufprobleme, meine Banane lehnt er ab. Mehr kann ich ihm nicht anbieten. Dann erst kommt das 30km-Schild.

2 km später treffe ich am Ortsrand von Sallegg auf seine Familie und informiere sie, wo Andy zu finden sein müsste.

An der Labestelle in Sallegg sitzt ein Teilnehmer am Boden und massiert sich seine Beine. Zwei Mädchen helfen der Oma beim Befüllen der Becher. Heute gibt es Coca-Cola und Iso, das noch Iso ist und nicht bis zur Unkenntlichkeit verdünnt worden ist.  

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Zum Glück gibt es immer wieder wenig steilere Abschnitte, ja sogar Bergabpassagen, sodass ich den km-Schnitt etwas aufbessern kann. Mit Manfred Terler und Karl Rötzer bewege ich mich da. Mal ist der schneller, dann ein anderer, Karl ist allerdings 30min hinter uns gestartet. So geht es einige km. Zwischendurch überholt uns Familie Kapui, Andy am Beifahrersitz.

Beschleunigendes Gefälle hinunter zum Offnerkreuzweg, Labestelle. Hans Novinscak macht sich gerade auf den Weg, als ich eintreffe. „Noch 5km und es gibt noch eine Labestelle, nach dem Wald.“ Das sagt mir das Mädchen das mir Wasser einschenkt. Der wurzelige Waldweg führt steil hinauf, ist aber nicht sehr lange, quer über eine Wiese und bald sind wir wieder auf einer asphaltierten Straße, auf der wir immer wieder einmal laufen können.

Ab der letzten Labe wird es wieder richtig steil. Die Straße scheint sich bei vielen Motorradfahrern großer Beliebtheit zu erfreuen. Immer wieder begegnen uns 9-Sitzer-Busse, welche Läufer vom Ziel ins Hotel nach Brandlucken bringen, wo sie duschen und gut essen können.

Ab dem 40km-Schild ist es nicht mehr ganz so steil. Manfred bestätigt mir, dass die Hütte dort oben links vorne das Ziel ist. Er weiß das, er ist nicht zum ersten Mal da.

Im Tal dachte ich noch, das mit den 7 Stunden könnte knapp werden. Jetzt bin ich mir sicher, sub 6h30 im Ziel zu sein. Noch zwei km.

Wir befinden uns auf einer Straße, aber zugleich auf einer Viehweide. Weideroste sollen verhindern, dass die Kühe eigener Wege gehen. Zum Darüberlaufen sind diese Gitter aber auch nicht gar so super. Kuhfladen sonder Zahl auf der Straße, die einen weiten Linksbogen beschreibt. Ich sehe noch die Leute, die ein paar Minuten vor mir ins Ziel kommen werden. Wie aufgefädelt traben sie dahin. Gut, dass es etwas bewölkt geworden ist, denn Schatten spendende Bäume gibt es hier nicht.

Den Zielsprecher hört man auch schon.

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Ah, jetzt ist der Börni im Ziel. Kurz darauf: jetzt der Hans mit seiner unverkennbaren Kopfbedeckung. Da winkt mir von weitem Evi zu. Meine Frau hat einen wunderbaren Tag auf der Alm verbracht und nun komme ich fast pünktlich rein. Um die 6h15 habe ich im Vorfeld geschätzt, nach 6h18 bin ich jetzt im Ziel. Zuerst gratuliert mir Kraxi, dann Evi. Im Nu habe ich ein kleines Bier in der Hand und kann mit Börni anstoßen. Der war schneller und hat demnach ein großes. Unsere Frauen freuen sich mit uns.

Dann muss ich noch dem Manfred gratulieren, mit dem ich die letzten Stunden mehr oder weniger verbracht habe. Wir haben uns gegenseitig sicher ein bisschen schneller gemacht. Das war heute mein 300. offizielles Rennen.

Die Blasmusik beginnt zu spielen. Ich bekomme einen Becher Cola und Kuchen,

dann fahren Evi und ich die 4km runter nach Brandlucken, denn im Wellnessbereich vom Naturparkhotel Bauernhofer sind unsere Duschen.

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Nach dem wunderbaren Essen gibt es durch Familie Kranixfeld die Urkunden-übernahme aller Finisher im Freien, ebenso die Erinnerungsmedaille. Alle Läuferinnen und Läufer werden namentlich aufgerufen und auf die Bühne gebeten.

Kraxi hatte noch in Bad Blumau gesagt, der 10. Sommeralm-Marathon wäre der letzte, den er veranstaltet. Vielleicht gibt es aber trotzdem einen 11. Es besteht Hoffnung.

Gegen Ende der Tombola beginnt es leicht zu regnen. Rechtzeitig zieht die kleine Glücksfee meine Startnummer 71, und ich bekomme einen Korb mit magerem Speck, Leberpastete, Würsten, 1 Glas Verhackert und, für die ausgewogene Ernährung, einem grünen Apfel. So ein Glück aber auch!

98 Marathonfinisher (76 Herren + 22 Damen)

9 FRUTURA  Dreier-Staffeln

Startgeld:  € 50,- bis € 70,-

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Finisher-Shirt für Frühanmelder; Nudeln

herausragende Streckenführung, äußerst abwechslungsreich

Genügend Labestellen, erstklassige Zielversorgung, Diplom, Medaille

Startnummerntombola

Die schnellsten Läuferinnen beim SMB Sommeralm Marathon:

1. Daniela Amtmann               3h57:12

2. Sybille Mai                          4h15:15

3. Angelika Huemer-Toff        4h19:32

Die schnellsten Läufer beim SMB Sommeralm Marathon:

1. Florian Kerber                    3h25:40

2. Thomas Hiebler                  3h25:44

3. Dieter Hassler                    3h34:48

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