Das große Laufbuch der Trainingspläne

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Den Paris-Marathon will ich schon ewig lange machen. Jahrelang waren die Marathons von Linz und Paris am selben Tag. Dann das Corona-Theater mit purzelnden Terminen. Mein Beschluss lautete längst: nach meinem 12. Linz-Marathon ist endlich Paris fällig. Und so kam es auch.

Evi und ich waren vor 24 Jahren zuletzt in Paris. Mit den Kindern in Euro-Disney. Aus diesem Alter sind wir nun heraußen. Im November reservierte ich das Hotelzimmer in der Hoffnung, bis Anfang April wäre das Thema Corona erledigt. Wie man heute weiß: Es ist knapp geworden.

Wir landen am Freitag in CDG, da liegt Schnee! Mit RER und Metro sind wir bald im Hotel. Auf Empfehlung von Reini in der Nähe vom Platz der Bastille. Dort kommen die Marathonläufer nach km6 vorbei und nach km23 noch einmal.

Noch am Anreisetag holen wir meine Startnummer ab, die Marathonmesse ist riesig und gar nicht überlaufen. Freitag abends ist auf dieser Messe angeblich am wenigsten los. Das klingt glaubhaft. Dann gehen wir essen. In eines von drei „Relais de l‘Entrecôte“ in Paris, diesfalls am Bvd. Montparnasse. Auch das hat Reinfried ausgekundschaftet, der war im Herbst hier.

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Da man nicht reservieren kann, stellen wir uns an, wie alle anderen auch. Das Warten lohnt sich. Das Sitzplatzmanagement könnte nicht besser sein. Wir sitzen zum Glück schon am Tisch, als draußen ein ganz ordentlicher Graupelschauer niedergeht.

Als Hauptspeise gibt es außer Entrecôte nur Entrecôte. Die Frage ist nur: roh? medium? oder durch? Dazu erstklassige Pommes Frites, vorher Salat. Es schmeckt uns ganz ausgezeichnet, das Lokal ist bestens frequentiert!

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Kein Schnee mehr ab Samstag, die Kälte aber ist geblieben.

Bei strahlend blauem Himmel und eisigem Wind extensives Sightseeing am Samstag.

Wieder entdecken wir neue Seiten an Paris, aber auch, dass sehr viel eingerüstet ist.

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Vom Obelisken von Luxor sieht man gar nichts, die Opéra auf der Rückseite zum Teil eingerüstet, die Madeleine vorne, der Brunnen vom Centre Pompidou steht still, ratlose Techniker dort und die Kathedrale Notre-Dame de Paris auf der Ile de la Cité ist überhaupt seit April 2019 eine Brandruine. Letzteres wussten wir aber schon vorher.

Am Freitag überlege ich, weil noch etwas groggy, eventuell nur die paar km vom Start zum Hotel zu laufen. Am Samstag entschließe ich mich, die gesamte Strecke zu laufen. Mal sehen wie es sich anfühlt, so im direkten Vergleich mit Rom!

Armband Love Running

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Eisig kalt ist es Sonntag früh. Als ich mich auf den Weg mache, laufen bereits jede Menge Leute an der Opéra Bastille vorbei. Die werden wohl um 09h00 gestartet sein. Mein Glück – meine Startgruppe ist die letzte. Das ist jene mit einer Zielzeit von 4h30+

Da ist es schon fast 11 Uhr und um ein paar Grad wärmer als 3 Std. zuvor, als die Elite gestartet ist. Als ich von der Kleiderbeutelabgabe im Zielbereich, Av. Foch, Richtung Start gehe, sehe ich keine 300m hinter mir auf der großen Videowall live die Marathon-sieger ins Ziel laufen. Die ersten drei innerhalb weniger Sekunden.

Auf den Champs Élysées sammelt sich meine Startgruppe. Ich schätze, das sind so 5.000 Leute. Auf Kommando marschieren wir alle los, den Triumphbogen im Rücken, die Sonne im Gesicht. Etwa 1km weit, über sämtliche 10(?) Spuren.

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Bei 5°C sind die Leute höchst unterschiedlich gewandet. Von Anorak, Haube und Handschuhen bis im Grunde nicht mehr als 1 Bikini und Gänsehaut ist alles dabei.

Portionsweise wird die letzte Startgruppe abgelassen, beginnend um ¾ 11, ich überquere als einer der allerletzten von heute 34.500 Starterinnen bzw. Startern um 11h03 die Startlinie, 1km vor der Place da la Concorde. Leichtes Gefälle zuerst.

Man hat sofort genug Platz, und, weil da hinten alle ein vergleichbares Laufvermögen haben, gibt es auch keine Hektiker die um jeden Preis binnen weniger Minuten ganz weit vorne sein müssen.

Place da la Concorde, Rue de Rivoli, Place Vendôme mit der Bronzesäule, die aus 1.200 in Austerlitz erbeuteten Kanonen hergestellt worden ist, obendrauf Napoléon I. Noble Juweliere muss man hier nicht lange suchen.

Links das Hotel Ritz, in welchem Diana unmittelbar vor dem tödlichen Unfall gewesen war. Das ist bald 25 Jahre her. Wir kommen zur Opéra und umrunden diese. Bei km3 sehe ich, dass der Besenwagen nur 500m hinter mir ist. Ich laufe da 6min/km, den Besenwagen sehe ich jetzt zum letzten Mal. Man kann in Paris schon 8 Stunden brauchen und in die Wertung kommen, dann darf man aber nicht im letzten Startblock gewesen sein. Von da aus wird es nämlich nicht klappen.

Immer wieder war es bisher ganz knapp, dass man mit Fußgängerinnen kollidiert, die hektisch und orientierungslos unsere Laufstrecke kreuzen. Besonders knapp war es bei dem Kerl mit dem Rennrad.

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Wieder die Rue de Rivoli, Louvre, Tour Jacques, dann das schöne Rathaus. Die Japanische Kirsche blüht bereits! Da war km5 und es gibt immer noch nichts zu trinken. Nur gut, dass ich wieder einmal meine eigene Getränkeflasche dabei habe um solche Minderversorgungen abzufedern. Ich bin gerade 3min schneller als in Rom.

Evi lauert mir auf der Place de la Bastille auf, wegen des langwierigen Startprozederes habe ich ordentlich Verspätung. „Wie es mir geht? Alles gut!“

Wir laufen weiter nach Osten. Bei km10 umwehen uns die unterschiedlichsten Düfte, besonders markant der Fischduft. Der Straße entlang ist Großmarkt: Fisch, Muscheln, Obst und Gemüse, Fleisch. Alles, was gut und essbar ist kann man am Sonntag kaufen und verkosten.

Die Leute hier sind am Markt interessiert. Nicht am Marathon, zumal hier ja schon seit mehr als 3 Stunden, eher sind es 4, ständig Leute vorbeilaufen.

Da wird auch der interessierteste Zuseher mürbe – irgendwann ist es genug!

Anstieg bei der Porte Dorée, dem Platz der Indochina-Kämpfer. Dann kommen wir in den Wald. Einige nutzen das Gebüsch für einen Boxenstopp.

Leicht erhöht steht da stolz das Château de Vincennes, sehr beeindruckend! Hier ist die östliche Endstation der gelben M1, bis zur anderen beim Grande Arche in La Défense sind es, quer durch Paris, 16km.

Km13 und leichtes Gefälle, die Route de la Pyramide hinunter. Der M1 sei Dank, haben sich hier im Vorort einige Fan-Gruppen eingefunden. Am Hinterausgang der Pferderennbahn (Hippodrome de Paris-Vincennes) blasen uns 10 Männer in Reiteruniform etwas auf ihren Jagdhörnern. Hört sich von weitem an wie blasen auf dem Kamm.

Bei km15 habe ich meinen Vorsprung gegenüber Rom.

Einem hier abgestellten Lieferwagen wurde die fahrerseitige Scheibe eingeschlagen. Scherben und Tatwaffe, ein Holzprügel, sind noch da. Solche Scherbenhaufen sind man in Rom oft, öfters als in Paris. Bei km16 muntern uns einige Cheerleader auf, in Regenbogenfarben gekleidet, Männlein wie Weiblein.

Km 20, ich laufe ein Stück mit den 5 Std.-Ballons. Es ist eine schicke Wohngegend hier so zwischen Pferderennbahn und Zoo in Nähe der Hauptstadt.

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Große Villen, ein Hinweisschild zu einer Privatklinik, gewiss eine sehr ruhige Lage, wenn nicht gerade Marathon ist.

Das Gefälle hinunter zum Halbmarathon gefällt mir, 2h25‘ so weit. Wenn mir nicht wieder der Rücken Probleme macht, müsste ich bis ins Ziel noch etwas aufholen – im Vergleich zu Rom natürlich.

Bald sind wir wieder auf der Place de la Bastille, die Gegend wird vertrauter. Es dauert nicht mehr lange und wir laufen hinunter zur Seine, km24. An den Wänden zur Straße oberhalb sind Klettersteige montiert, hier kann man Tritt- und Grifffestigkeit üben, ohne dass man bei einem Fehltritt gleich tief abstürzen würde.

Eine schöne Perspektive hat man von hier unten auf Notre Dame und gleich darauf auf

den Justizpalast mit seinen Türmen. Boah, ein klasses Motiv, mir taugt‘s!

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Wir tauchen ein in einen längeren Tunnel, oben ist der Louvre. Das Trommeln am Tunneleingang hört man noch lange ziemlich laut. Erst eine Discokugel, dann bunte, zuckende Neonlichter und harte Beats. Wir laufen wieder hinauf und kommen zwischen Jardin des Tuileries und Musée d‘Orsay, einst Bahnhof, heute Museum am gegenüber-liegenden linken Seine-Ufer, ans Tageslicht. Km27, da ist es kurz einmal ziemlich warm. Die Verpflegung ändert sich leider nicht mehr. Zu trinken gibt es nur Wasser in ¼-l-Flaschen, zu essen Kuchen, Banane und Salzcracker, keine Iso-Getränk.

Auf Höhe der Place de la Concorde tauchen wir wieder kurz unter. Wenig später wieder ein Tunnel. Km29 liegt unter der Erde. Der DJ hat „Heroes“ von David Bowie aufgelegt. Er spielt mit voller Wucht – super! Aus dem Tunnel hinauf ertönt hinter uns noch „Paint it black“! Gemeinsam mit der Griechin Angeliki Despotidou, wir kennen uns nun seit vielen Kilometern, singe ich die ersten Zeilen lautstark mit, bis mir die Puste und dann der Text ausgeht.

Vor der nächsten Tunneleinfahrt bekommen wir Live-Musik, die Band hat sich auf einer LKW-Ladefläche eingerichtet. Hinunter in den nächsten Tunnel. Das ist der einzige Tunnel, dessen Richtungsfahrbahnen von Säulen getrennt werden.

An einer dieser Säulen ist Ende August 1997 jenes Auto zerschellt, in welchem u. a. Diana, die Königin der Herzen, gesessen ist.

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Und eine dieser Säulen ist mit Dianas Porträt besprayt, das sie fröhlich lachend mit Diadem auf dem Kopf zeigt. Ein sehr sympathisches Bild.

Wieder im Tageslicht haben wir links vor uns, am Rive Gauche, unübersehbar den Eiffelturm, rechts das Musée d‘Art Moderne. Wir bleiben am rechten Ufer, tauchen diesmal nicht in die nächste Unterführung ein, sondern bleiben oben.

Vor dem Palais de Chaillot, Place du Trocadéro, werden wir wieder verköstigt, den Eiffelturm im Rücken. Hier ist es extrem betriebsam, die vielen Touristen haben hier keine Mühe, die Marathonstrecke zu überqueren. Gar so dicht ist der Läuferstrom nun nicht mehr. Die Griechin ist mir abhandengekommen, bemerke ich.

Ich laufe weiter auf der Av. du Président Kennedy, am Streckenrand ist es wieder ruhig geworden. Km32, es folgt eine weite Rechtskurve, km33. In einmündenden Straßen sind Straßenkehrmaschinen abgestellt, die dort auf ihren Einsatz warten.

Bei km34 erwartet uns ein etwas längerer Anstieg. Für die ersten 35km habe ich 4h18‘

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benötigt. Es geht links weg in den Bois de Boulogne. Dieser Wald hatte schon 1979 keinen guten Ruf gehabt, als ich zum ersten Mal mit Inter-Rail-Ticket in der Stadt war.

Mittlerweile ist es wieder bewölkt und windig und das bei nur 8°C! Wenn man dann nicht mehr die Kraft hat zu laufen, wird einem schnell kalt. Es häufen sich jene Teilnehmer, die in eine goldene Rettungsdecke gehüllt, die letzten km bewältigen wollen.

Bei km38, die Straße ist breit, überholt mich ein Rettungsauto im Einsatz. Wir laufen auf eine Kreuzung zu, wo jene, die uns begegnen, 2km vor uns sind.

Es wäre schade, hier abzukürzen. Zum einen würde man die Zwischenzeit bei km40 verpassen, zum anderen das ultra-moderne und, wie ich finde, prächtige Louis-Vuitton-Museum verpassen. Viele Menschen stehen da Schlange und wollen hinein.

Bei km41 hat man noch gar nicht das Gefühl bald im Ziel so sein, es sieht noch gar nicht nach Stadt aus. Dabei kann die Zielgerade namens Avenue Foch nicht mehr weit weg sein. Der Triumphbogen demnach auch nicht. Wir passieren den Eingang zum Jardin d’Acclimatation, das ist ein Freizeitpark

Kreisverkehr, Porte Dauphine, km42, tja und jetzt ist es leicht. Trotzdem ziehen sich die letzten 200m noch ein bisschen, es steigt ja auch ein wenig an.

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Das Gute an so großen Marathons ist, sogar mit 5h19‘ (- 9min schneller als vorige Woche in Rom –) trabt man nicht mutterseelenalleine dahin. Man läuft sogar im Pulk. Da bin ich immer noch schneller als 1.877 andere TeilnehmerInnen.

1.877 Finisher hinter sich zu lassen, das wird sogar dem schnellsten Marathonläufer  beim Linz-Marathon nicht gelingen!

Der Sieger:

1. Deso Gelmisa              ETH 2h 05min 07sec

Die Siegerin:

1. Judith Jeptum Korir     KEN 2h 19min 48sec 

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für das Startgeld von 110 EURO bekam man

  • eine recht abwechslungsreiche Strecke
  • immer wieder unangenehmen, kalten Wind, viel Sonne
  • Versorgungsstellen ca. alle 5km, beginnend bei km7,5
  • Ziellabe: div. Müsliriegel, Wasser, Bananen, Kekse, Kuchen
  • Finisher-Urkunde zum Download;
  • eine kreisrunde Finisher-Medaille, 8cm Ø,
  • passendes(!!) Finishershirt

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