Das große Laufbuch der Trainingspläne

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Karlsbad ist seit der Kaiserzeit ein beliebter Kurort. Ich war mit Evi schon einmal da und zwei Jahre später auch ein gewisser Daniel Wroughton Craig. Die schöne Stadt und ihre Umgebung werden gerne als Filmkulisse verwendet und seit ein paar Jahren haben sie hier einen der lässigsten Halbmarathons überhaupt.

Man ist gnädig mit uns, Höhenmeter sonder Zahl könnte man hier ins Rennen einbauen, man lässt uns aber weitestgehend an den Ufern von Eger und v. a. im schmalen Tal der Teplá laufen. Dort, wo sich die Kuranlagen befinden. Auch jenes Grandhotel Pupp, in welchem und vor dem 2006 Daniel Craig als James Bond in „Casino Royal“ gespielt und gekämpft hat.

Sogar einen 12m hohen Geysir gibt es in der Stadt, der nächste ist meines Wissens in Island.

Die Heilwirkung der vielen Thermalquellen hier kennt man schon seit dem 14. Jahrhundert.

Karlsbad (49.000 EW) ist seit dem 19. Jahrhundert und wieder seit dem Fall der Mauer ein beliebter Treffpunkt für Europas Hochadel. Zu den Pferderennen hier muss man sich mittels Stammbaum qualifizieren. Die Gäste, die Pferde vermutlich auch. Man ist gerne unter sich und verkuppelt so den Nachwuchs. Da weiß man, was man in die Familie bekommt.

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Am Halbmarathon teilzunehmen ist unkomplizierter. € 40,- überweisen und schon ist man dabei. Ich laufe fast nur Marathons, für Karlsbad mache ich gerne wieder einmal eine Ausnahme.

Runczech organisiert u. a. den Prag-Marathon und die Halbmarathons von Budweis und Olmütz. Die bin ich alle mindestens einmal gelaufen und alle waren sie ein tolles Erlebnis. Daher erwarte ich mir viel von Karlsbad. Ich bin zuversichtlich, nicht enttäuscht zu werden.

Wie meine Laufkumpane vom Laufstammtisch Flotte Sohle. Die mussten nicht lange davon überzeugt werden, ein weiteres Runczech-Rennen ihrem läuferischen Erfahrungsschatz hinzu zu fügen. Der Streckenrekord für den Karlsbad-HM steht bei fantastischen 60‘54“. Daran erkennt man, dass der Veranstalter in der Lage ist, absolute Spitzenläufer zu verpflichten.

Beim abendlichen Flanieren spaziert mir Alois Radlmayr über den Weg. Wir kennen uns seit dem Jungfrau-Marathon 2014, da ist er in „unserer“ AK 3.(!) geworden. Seine 3 Reisebegleiter vom TriRun Linz und er werden allesamt so um die 1h20 ins Ziel kommen – solche Kaliber sind das!

Samstag morgen ist es bewölkt, windig und viel zu kalt. Ab Mittag zeigt sich die Sonne und es wird schnell wärmer. Entlang der Teplá, wo wir abends hauptsächlich laufen werden, bleibt es für Läufer angenehm kühl.

Die Kleiderbeutelabgabe erfolgt nach den letzten beiden Ziffern der Startnummern. Keinerlei Wartezeit bei der Abgabe, ebenso keine bei der Abholung. Für mich ist der Herr von xx31 – xx33 zuständig.

2.800 Halbmarathonis versammeln sich in der Startaufstellung, dazu die Startläufer der 2er- und 4er-Staffeln. Mit Startsprecher und Musik wird die eh schon gute Stimmung noch intensiviert. Die tief stehende Sonne beleuchtet die vielen prachtvollen Jugendstilhäuser ganz wunderbar. Daher werde ich mit Fotoapparat laufen. Da ich angeschlagen bin geht auf Tempo heute sowieso nichts.

Friedrich Smetanas „Moldau“ spült uns förmlich ins Rennen. Gleich nach dem Start steigt die Strecke ein paar 100 Meter an. Relativ eng ist es, nur keine Kollision jetzt. Runter und rechts abbiegen ans Flussufer. Wir laufen nun am linken Ufer der Teplá, herrlich anzusehen sind die beleuchteten Häuser am rechten Ufer während wir hier im Schatten laufen. Was für ein Bild! Vorbei an der Mlýnská Kolonáda (Mühlbrunnkolonnade) wo ständig zur freien Entnahme Heilwasser heraus plätschert. Gerne werden einem zu diesem Zweck bemalte Porzellangefäße zum Kauf angeboten. Daraus trinkt man dann in kleinen Schlucken. Km1, meine Frau ist mit ihrem Strohhut unübersehbar. Uns geht es gut.

Ganz hingerissen bin ich seit gestern vom Hotel „Felix Zawosjki“, Jugendstil at it‘s best!, gegenüber der schmiedeeisernen Marktkolonnade (Tržní kolonáda) in weiß. Wie gesagt, Quellen mit Mineralwasser gibt es hier mehrere. Mattoni-Wasser, ein Hauptsponsor, kommt von da.

Der „Karlsbader Becherbitter“, die grüngelbe Alkohol-Gewürzmischung, heute als Becherovka bekannt, tritt nicht als Sponsor in Erscheinung.

Schon die nächste Quelle: Die Sprudelkolonnade (Vřídelní kolonáda), dürfte die größte sein, ist optisch allerdings kein Highlight, die fällt unter Bausünde.

Meine Muskelschmerzen in rechtem Fuß und im Rücken haben sich längst auf ein erträgliches Maß eingependelt. Ich kann mich auf die Fotomotivsuche konzentrieren. Schöne Fotomotive gibt es praktisch ständig, ich kann selektiv vorgehen.

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Nun sehen wir schon das Grandhotel Pupp vor uns. Wir laufen die Alte Wiese (Stará Louka) rauf. Links von uns der Fluss und Gastgärten, rechts kann man Schmuck, Glas, Handtaschen u.v.a.m. käuflich erwerben. Das Grandhotel besteht aus mehreren Häusern mit Casino, daran laufen wir entlang. Dann überqueren wir die Teplá, rechts um das Císařské lázně (Kaiserbad) herum und weiter dem Flussverlauf folgend. Bald nach km2, noch vor der ersten Labe, kommen uns bereits die schnellsten Läufer und Läuferinnen entgegen. Mit dabei die Burschen vom TriRun Linz.

Bei km3,5 drehe ich um, da habe ich das Ortsschild von Karlovy Vary bereits hinter mir.

Also wieder rein in die Stadt, diesmal geht es leicht bergab. Immer noch wird die Strecke dicht belaufen. Noch vor km5 – erster Staffelwechsel – reiht sich wieder ein schönes Gebäude an das nächste. Links das Grandhotel, der Fluss macht einen Rechtsknick. An der Nová Louka liegt das Stadttheater von Karlovy Vary, das Olympia Spa Hotel und die Sparkasse aus 1905 (Jugendstil) mit zwei Frauenköpfen. Einer davon blickt traurig drein.

Dann leichter Anstieg, wir laufen zwischen der katholischen Kirche und der Vřídelní kolonáda durch, leichtes Gefälle und km6. Wunderschöne Häuserzeile mit Gastgärten am Flussufer, leider rundes Straßenpflaster. Bevor es unterirdisch wird winken mir Sieglinde und Monika zu. Am Thermalspa (= Hochhaus und Bausünde) vorbei, dann ein kurzer Anstieg. Runter, die Brücke vom 17. November und schon sind wir am hinteren Ende der Startaufstellung, km7. Hier beginnt  der Zieleinlauf, aber erst, wenn ich weitere 14km gelaufen bin. Gegen die Sonne laufen wir die Varšlavská rauf. An dieser Labestelle wurde schon viel Wasser verschüttet, entsprechend spiegelt und glänzt die Fahrbahn.

Wir laufen einen Bogen um das Jan-Becher Museum und weiter im Tal der Eger Richtung Westen. Auf der Uferwiese hat der tschechische Nationalzirkus seine Zelte aufgeschlagen, km8. Weiter stadtauswärts, rechts ab, km9, weiter über die Eger (=Ohře) und Wende. Als ich aus dem großzügigen Kreisverkehr hinaus laufe, sind Veronika und Kurt gerade an dessen Anfang.

Km10 liegt vis-à-vis von km9, Staffelwechsel, rechts und weiter stadtauswärts, vorbei an einem Fußballplatz und einer Sporthalle, U-turn und Km11.

Dann weg vom Fluss, bis km13 steigt es leicht an. Ein junger Schlagzeuger versucht sich an „We will rock you!“ Aufgemuntert von seiner Mutter, wie ich vermute. Musikspots gibt es mehrere, nicht alle treffen meinen Geschmack. Für Abwechslung ist also gesorgt.

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Hier haben wir heute Mittag den Anstieg zur russ.-orth. Kirche Peter und Paul begonnen. Am Weg zu dieser überwältigenden blau-weißen, mit goldenen Zwiebeltürmen gekrönten Kirche sind wir an zahlreichen großen Villen vorbei gekommen. Ein schöner als die andere, alle frisch renoviert, teilweise sind es Nobelhotels. Sonja Schlöglhofer wurde von ihrer Mutter mit Fotos aus der Stadt versorgt. Sie war ganz fasziniert, dass es das alles in nur einer Stadt gibt!

Bei km13, fast schon wieder Innenstadt, fällt die Strecke ab, unsere langen Schatten vor uns kommen wir in Start/Ziel-Nähe. Die erste Runde haben wir fertig, die zweite ist etwa halb so lang.

Anstieg, km14… dieselbe Strecke wie zu Beginn. Nur, dass die Lichtverhältnisse fürs schnelle Fotografieren schwieriger werden und nun mehr Platz ist auf der Strecke.

Das Kaiserbad steht nun im Schatten, letzter Staffelwechsel. Die Strecke raus aus der Stadt ist nun ein bisschen länger, d.h., die Wende erfolgt etwas später. Gerti kommt mir entgegen und wenig später Roman. Km17, International School, die Wende im Wald. Wie ich sehe: Kurti hat die Veronika etwas abgehängt. Km18, Josef Eckerstorfer kommt mir entgegen. Gut gelaunt, wie man es gewohnt ist von ihm.

Ein Rettungsauto wartet auf seinen Einsatz, es scheint kein Bedarf daran zu sein. Hier war vorhin km5, alle Staffelwechsel sind bereits vollzogen. Theaterplatz, katholische Kirche, ganz andere Lichtverhältnisse als noch vor anderthalb Stunden. Unser Hotel Jean de Carro am Hang leuchtet  noch in der Abendsonne. Drei Stunden darf man für den Halbmarathon brauchen. Bis die letzten im Ziel sind wird die Sonne weg sein.

Das km20 Schild sieht schon sehr freundlich aus. Wenn man unterirdisch am Thermalspa vorbei läuft sieht man es nicht, sehr gut! Der letzte zackige Anstieg und links runter, noch einmal links und ich bin auf der Zielgeraden. Das km21 Schild und dann habe ich es geschafft. Die Zeit ist mäßig, muss ich zugeben. Aber auslassen wollte ich diesen Bewerb keinesfalls.

Kurz hinter der Ziellinie erwartet mich meine Frau, Zimmerschlüssel ist an der Rezeption. Franz Hofer, die schnellste Flotte Sohle, begegnet mir. Er hatte sich ein Rennen mit Günter geliefert. Die  beiden waren schnell genug um trotz der vielen Gegenverkehrsbereiche meiner Aufmerksamkeit entgangen zu sein.

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Im Zielbereich gibt es Mattoni-Wasser, alk-freie Getränkedosen von Birell, Orangen und Bananen. Im Nu habe ich meinen Kleiderbeutel und einen trockenen Sweater am Körper. Im ersten Stock des Thermalspa gibt es für die Läufer noch Sandwiches und wenn man sich anstellt auch Bier. Zumindest sieht das in den Bechern ganz so aus. Eine junge Läuferin wird von ihrem Freund aufs Siegespodest gehievt. Beide Füße hat sie dick einbandagiert, trotzdem kann sie lächeln!

Am Weg zurück ins Hotel trifft sich nach und nach unsere 12köpfige Reisegruppe. Als alle saniert sind, können wir kurz vor der Sperrstunde in den Katakomben des „Karlsbad Grande Madonna“-Hotels, im „Restaurant zum Kreuzzug“ (O RESTAURACI U KŘÍŽOVNÍKŮ) unseren Flüssigkeits-haushalt justieren und Erfahrungen austauschen.

Darüber, dass die Strecke nicht ganz so einfach ist, sind wir uns einig. Und dass auch dieser Runczech-Halbmarathon eine ganz klasse Veranstaltung ist, darüber ebenfalls.

Sieger: Yassine Rachik             ITA       1h02‘56“

Siegerin: Lilia Fisikovice           MDA     1h12‘31“ 

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Startgeld € 40,- 

genug Labestellen: Wasser, Gatorade, Schwämme

Ziellabe mit Bier, alk-freies, Orangen, Bananen, Brote …

Zeitnehmung auf Startnummer, Diplom zum Runterladen

Kleiderbeutelabgabe; große Finishermedaille am grünen Band

Tipps für die An- und Abreise aus OÖ mit dem Auto:

Mittagspause in Pilsener Brauerei mit Zentrumsbesichtigung inkl. Alter Synagoge (innen!)

Rückweg: Mittagspause + Sightseeing in Písek. Ist ziemlich genau halbe Strecke Karlsbad – Linz.

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