Das große Laufbuch der Trainingspläne

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 Der 13. Gletschermarathon ist zugleich mein 13. Marathon im Jahre 2018. Die Strecke ist geeignet, eine gute Zeit zu laufen. Wer glaubt es ginge nur bergab, hat sich geirrt. Die Strecke enthält durchaus einige positive Höhenmeter! Und zwar dann, wenn es bereits warm ist. 1.223m geht es runter.

Vier Mal bin ich bisher hier gelaufen, drei Mal davon meine Jahresweltbestleistung. Persönliche Jahresweltbestleistung, das ist auch mein Ziel für heuer. 

Die Startnummern gibt es am Vortag beim Freibad in Wenns, ca. bei km31 vom Marathon, dazu eine ordentliche Portion Pasta. Günther und ich und weitere zwei Läufer fahren um 16h mit dem Bus von Imst rauf. Ich bekomme Nr. 120, Günther Aigner ist Dank seines Familiennamens schon wieder die Nummer 1. Frau und Herr Hofer laufen heuer erstmals mit und beide haben gute Gründe: Der Franz weil er noch keinen Marathon in Tirol hat und morgen seinen 50. Marathon laufen will, Veronika hingegen vergönnt sich diesen Marathon zu ihrem Geburtstag. Der Traunstein muss warten. Recht hat sie.

Kühl aber nicht so kühl wie prophezeit ist es Sonntag früh beim Freibad in Imst von wo die Busse ins Pitztal rauf losfahren, drei sind es. Der letzte Bus macht einen Umweg über Jerzens und sammelt noch zwei Marathonis auf.

In Mandarfen auf 1.675m angekommen suchen wir ein ****Hotel auf, das hat sich bewährt. Der Gerhard Wally ist wieder da und seine Helene Macher auch, heuer der Andi Greppmeir der unterwegs knipsen wird. Eine junge Läuferin fällt mir auf weil sie gar so nervös ist. Eigentlich wollte sie in 12 Wochen in Berlin ihre Marathonpremiere geben, und nun hat sich erst gestern von Halb auf Marathon umgemeldet. Wird schon schief gehen! Wenige Minuten vor dem Start geben wir die Kleiderbeutel ab denn pünktlich um 8h wird gestartet. Die ersten anderthalb km geht es rauf, so zieht sich das Starterfeld der etwa 210 Starter schnell in die Länge.

Am Ende des Tals laufen wir einen Linksbogen, vorbei an der Talstation vom Gletscherexpress, ab 13. Juli ist der wieder in Betrieb. Nach 3km vorbei am Start, da bin ich bereits seit 18’15“ unterwegs. Das Ziel, der Sportplatz von Imst, liegt auf 780m, es geht 1.223m bergab ins Inntal, mit höchst unterschiedlichem Gefälle, dann geht es noch gut 2km rauf ins Ziel. Ich will heute zumindest 4h12 laufen, das wäre fein. Die 4h02 vom Vorjahr habe ich heute nicht drauf, so realistisch bin ich.

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Heuer soll es gegen Ende des Rennens wieder warm werden also mache ich Tempo solange es kühl ist. Auf den Berggipfeln scheint die Sonne, hier im Tal sind wir noch im Schatten. Ein leichter Anstieg nach Tieflehn rein aber den überläuft man in der Anfangseuphorie wie nichts.

An der ersten Labestelle in Plangeroß trinke ich aus meiner Poweradeflasche, damit sie ein bisschen leichter wird. Hier ist für mich die Flasche ab km29 wichtig. Da ich diesen Marathon zum 5. Mal laufe kann ich mit seinem besonderen Streckenprofil ganz gut umgehen. Bei km8 ermittelt Franz für uns einen Schnitt von 5’27“/km, das wird sich noch ändern. Für die schöne Landschaft neben und über mir habe ich heute nicht so den Blick. Dennoch bemerke ich die Heumandln auf den frisch gemähten Wiesen. Die sieht man auch nicht mehr oft.

Auch ich laufe mit Garmin. Wegen der vielen Tunnels und Lawinengalerien stimmt die Entfernung die das Gerät anzeigt natürlich nicht, mir geht es aber um meine km-Zeiten. Und ich stelle fest, bei gleichem Tempo wie im Vorjahr habe ich mich nicht so geplagt wie jetzt gerade.  

An der Labestelle in Neurur, km9, laufe ich vorbei. Ich habe noch etwas in der Flasche.   Wir müssen auf der rechten Spur bleiben, das haben wir am Vortag in Wenns unterschrieben. Kurvenschneiden verboten! Die linke Spur wird viel befahren, nicht so viel wie 2017 aber dennoch genug. V. a. die Motorräder, vorzugsweise aus BaWü kann man noch lange riechen. Eine neue Lawinengalerie wird gebaut, der asphaltfreie Baustellenbereich ist aber nur ein paar 100m lang.

In Piösmes bei km13 gibt es einen kleinen Anstieg und Nahrung. Staffelläufer warten auf ihren Einsatz. Vor dem Alpenhof die nächste Labestelle. Sogar Kinder im Vorschulalter sind bei der Labestelle im Einsatz. Wasser, Iso und Bananen stehen zur Auswahl. Km15 nach 1h21, exakt wie 2017.

Die Strecke wird flacher und ich langsamer. Ein einsamer Esel in Hairlach. Der bräuchte Gesellschaft, und wenn es eine Ziege ist. Ich nehme ein PowerGel. Es folgt der längste Tunnel, steil bergab, darin ist es stockdunkel. Er hat aber einen Gehsteig, falls ein Auto kommen sollte benutze ich den.

Die Tafel die auf die Ski-Erfolge von Bennie Raich und Marlies Schild hinweist war im Vorjahr auch schon da. Ab Zaunhof wird die Strecke steiler, km19. Die Halbmarathon-Markierung erreiche ich knapp unter 1h55, okay. Es wird noch steiler, Spitzkehre nach rechts und - Linkskurve - schließlich Wiese, ich tanke Iso auf. Km22 um 10h vormittags. Einige überholen mich, der Pitzbach rauscht. Ein Läufer mit kräftig roten Schuhen ist aus dem Rennen ausgestiegen. Mit seiner Begleiterin fährt er die Strecke ab. Immer wieder bleiben die beiden stehen und feuern uns an. Sie scheinen sich mit uns zu freuen.

Runter nach Ritzenried, da ist das Tal eng, der Bach laut. Das Gefälle wird stärker. Wiesle, km25,5, es geht über den Pitzbach und etwa 500m rauf. Kurzfristig tut die Steigung gut, jetzt werden endlich einmal andere Muskeln beansprucht.

Kurvig geht es rauf, rechts die Felswand, links geht es runter zum Pitzbach. Auf der Passhöhe in Schön fülle ich meine Flasche auf denn jetzt wird es bald interessant. „Letzte Tankstelle vor Wenns“, müsste als Warnung hier stehen. Ich nehme ein Stückchen Melone und mache mich so versorgt wieder auf den Weg, das kostet mich drei Plätze.

2km bergab. Der Straßenverkehr ins Tal wird hier rechts nach Jerzens umgeleitet. Außer man hat gute Argumente, dann darf man auch als Motorist auf der „Rennstrecke“ bleiben. Es sind durchaus einige, die die richtigen Argumente zu haben scheinen.

Ab km28 beginnt ein harmloser Anstieg den ich durchlaufen kann. Rechts wir Läufer, links v.a. Motorräder und Autos aus Reutlingen. Dann ein leichtes Gefälle bevor der Anstieg nach Wenns beginnt, km29. Hier war es in der Vergangenheit oft schon recht heiß, heute geht’s so. Ich fühle mich schon etwas geschlaucht, kann aber gegenüber anderen aufholen. Eine junge Dame überholt mich - ah - eine Staffelläuferin.

Nach Wenns rein will ich bei einer provisorischen Dusche etwas Wasser in meine Flasche füllen und Strecke den rechten Arm aus. Ein Schweizer Motorradfahrer fährt mir beinahe die Flasche aus der Hand als er mich rechts(!) überholt.

Km31 in Wenns vorm SPAR, seit 2h56 bin ich unterwegs. Hier war vorhin der Start der Halbmarathonis. Bisher gab es hier immer eine offizielle Zwischenzeit, heute leider nicht. Einige Zuseher feuern uns aus dem Schatten heraus an. Ich fülle meine Flasche halbvoll mit Iso. Coca Cola gibt es beim nächsten Stopp in Bieracker, wird mir gesagt. Bis nach Bieracker zieht es sich etwas, trotzdem kann ich einige Läufer überholen die auch schon mit der Hitze kämpfen, denn es wird schnell spürbar wärmer. Weit und breit kein Schatten, dafür ein weiter Blick rein ins Inntal. Ein Fotograf lauert uns auf. Bin gespannt wie ich dreinschaue auf den Fotos. Gut für uns, schlecht für den Fotografen: Immer wieder ziehen Wolken schützend vor die Sonne, wenn auch nur kurz.  

Nach Arzl rein wird es wieder etwas steiler, ich nehme mein zweites PowerGel. Ein Stück nasser Asphalt verrät, dass hier vorhin noch eine Gartendusche in Betrieb war.

Eine Jungfamilie am Ortseingang begrüßt mich mit Applaus und einem Lächeln.

Die nächste Labestelle befindet sich vor dem Gemeindezentrum in Arzl bei km36,4, hier gibt es einen Streckensprecher und interessierte Zuseher.

2017 war ich hier nach 3h26, heute nach 3h31. Spielen darf ich mich nicht wenn ich mit einem Schnitt unter 6’/km ankommen will. Die Strecke steigt leicht an, von einer Tankstelle fahren ein paar Oldtimer-Cabrios los, die meisten sind 911er aus den späten 1980er aber auch ein MGB ist dabei. Nun geht es steil bergab. Iich würde gerne wieder schneller laufen, es geht aber nicht mehr.

Bei einem Landmaschinenhändler parkt so ein schöner Silo-LKW auf dem groß weiß auf rot PITZTAL drauf steht. Nur frisch gewaschen oder gar neu lackiert? Jedenfalls funkelt der LKW nur so in der Sonne.

Km38, es ist ¾ 12. Auf der Pitztaler Brücke überqueren wir den Inn der tief unter uns fließt. Ich laufe am linken Gehweg und habe somit ständig den Inn tief unter mir im Blickfeld. Ein Fehler, der Weg ist nämlich sehr schmal, lose Steine liegen da, rechts halbmeterhohe Betonbarrieren, links Gitterstäbe durch die man sieht wie hoch oben dass man ist. Mir wird ganz anders und ich bin echt erleichtert als ich drüben bin.

Am Kreisverkehr biegen wir links ab, wir müssen runter zum Inn, erneut geht es steil hinab. Unten angekommen geht es erst einmal eben dahin.

Km39, den violetten Blumenschmuck vom prachtvollen GH Neuner sieht man von weitem. An der dortigen Labestelle bekomme ich Coca Cola fürs Finale.

Es geht über den Pigerbach, Ortstafel Imst, die Brennbichler Kirche. Da rechts abbiegen, unter der Tiroler Straße durch, dann steigt die Fabrikstraße leicht an.

Km40, ein Blick auf die Uhr. 4h12 schaffe ich ziemlich sicher, sogar eine 4h-Nuller Zeit könnte sich noch ausgehen. Es steigt leicht an, Schatten keiner, man kennt das.

An der Weggabelung wo die Halbmarathonis rechts abbiegen bekomme ich Wasser, Iso und Zuspruch. Es wird wieder etwas steiler, High Noon nun.

Ich überquere den Schinderbach, dann Abzweigung nach rechts, Anrainer feuern uns an. Der Campingplatz, unüberhörbar sind die Kinder im Freibad, daran vorbei, noch ein Anstieg, noch 300m! 42km, während ich von unten kommend auf den Sportplatz zulaufe, kommen von oben noch Halbmarathonis.

Meine leere Flasche nehme ich mit ins Ziel. 4h09:35 zeigt die Uhr als ich sie erblicke,

bei 4h09:54 laufe ich durchs Ziel. D.h. 5’55“/km, mission accomplished!

Für einen fulminanten Schlusssprint hat es allerdings nicht mehr gereicht.

Kaum im Ziel bekomme ich meine Medaille um den Hals und kurz darauf mein Zielfoto.  Franz ist seit 10 Minuten da und noch immer ganz beeindruckt von der speziellen Streckenführung seines 50. Marathons.

Ich schnappe mir einen Becher alkoholfreies Edelweiß, und noch einen und dann gleich noch einen. Ich habe unterwegs richtig viel Flüssigkeit verloren. Leider kaum Schatten und Sitzgelegenheiten bei der Zielversorgung, an beidem wäre Bedarf.

Nadine finisht strahlend ihren ersten Marathon. Das Gefühl ist „mega“, sagt sie. Berlin kann kommen. Gerhard Wallys operiertes Knie hat die Bewährungsprobe bestanden. Als das Geburtstagskind Veronika einläuft hoppelt Franz die letzten Meter mit ihr für ein gemeinsames Zieleinlauffoto mit seiner Frau. Das sieht lustig aus, denn seine Muskeln sind in den letzten Minuten ganz und gar ungeschmeidig geworden.

Die Busse mit den Kleiderbeuteln stehen zwei Etagen tiefer am Weg zur Kletterwand. Als ich frisch geduscht rauf ins Zielgelände will steht oben am Treppenabsatz Georgi und überlegt ganz offenkundig wie er es denn anstellen soll heil die Treppe runterkommen. Der Stolz bleibt, der Schmerz vergeht! Aber erst am Mittwoch!

Helene ist wieder AK-Siegerin. Mir fehlt noch 1 Marathon zum 150er und Günther hat einen weiteren Marathon am Weg zu seinem 100. absolviert.

Eine gute Idee war es für den Zug nach Linz je einen Sitzplatz reserviert zu haben.

186 Marathonfinisher (41 Damen, 145 Herren)

Die ersten drei Damen:

1. Nesrine Leene NED   3h 04min 00sec  

2. Zsuzsanna Maraz HUN 3h 14min 00sec       

3. Ilse Storch GER 3h 17min 22sec      (Vj-Siegerin)

Zeit der Sieger  

1. Sebastian Hallmann GER 2h 38min 14sec

2. Lukas Kocher AUT    2h 44min 56sec

3. Jakub Mocek CZE    2h 47min 31sec

Im Startgeld von € 47,25 waren inklusive:

Eine Busfahrt durchs Pitztal  (entweder vor dem Start oder nach der Siegerehrung)

eine sehr schöne Strecke mit 1.223 Höhenmeter bergab und ca. 300 Höhenmeter rauf,

98% Asphalt;  meist sonnig

Pasta am Vortag in Wenns,  Finishermedaille,  

viele Labestellen mit flinken, freundlichen Helfern;  Duschen,  Zielverpflegung

Gratis-Eintritt ins Freibad mit der Startnummer

Schönes Funktions-Shirt mit Datum, leider viel zu klein (vermutlich italienische „Größen“)

Gletschermarathon Pitztal Imst 85 1530619738

Gletschermarathon Pitztal Imst 88 1530619738

Gletschermarathon Pitztal Imst 39 1530619742

Gletschermarathon Pitztal Imst 36 1530619742

Gletschermarathon Pitztal Imst 70 1530619743

Gletschermarathon Pitztal Imst 12 1530619744

Gletschermarathon Pitztal Imst 50 1530619749

Gletschermarathon Pitztal Imst 27 1530619750

Fotos (C) Herbert Orlinger


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