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Jedes Jahr findet am letzten Samstag im Juni der Veitscher Ultra Alpin Marathon bzw. Grenzstaffellauf statt.

Ausgangspunkt für den Lauf ist das Dorf Veitsch, wo die 54km lange und mit 2060 Höhenmetern gespickte Strecke ihren Ausgangspunkt und auch wieder ihr Ziel findet.

Heuer findet ein Jubiläum statt, 30 Jahre Grenzstaffellauf, für mich Pflicht bei diesem traditionsreichen Event zum fünften Mal in Folge dabei zu sein und es ist wie jedes Jahr, die Veitsch ruft und die Ultralauf-Familie kommt um ein Fest zu feiern. Der ganze Ort ist auf den Beinen und man merkt dort gleich mit wieviel Herz und Leidenschaft hier im OK-Team und bei den vielen freiwilligen Helfern gearbeitet wird.

Es ist wohl ein Lauf mit einem der besten Preis/Leistungsverhältnisse, bekommt man doch für knappe 40 € einen perfekt organisierten und markierten Ultratrail inkl. gut gefülltem Startsackerl, Funktionsleiberl und Eintritt ins Veitscher Schwimmbad geboten. Nicht zu vergessen der herrliche Kuchen an den Laben und im Zielbereich!

Start des Laufs ist um 9:00, von Wien reicht eine Anreise am Morgen mit dem Auto aus um dort noch stressfrei seine Startnummer, traditionelles Funktionsleiberl und Startsackerl abzuholen. Nach 4 Teilnahmen hat sich bei mir eine gewisse Routine eingeschlichen, es ist auf der Veitsch alles stressfrei, unkompliziert und familiär, man wird herzlich empfangen und auch die Plaudereien mit vielen Bekannten aus der Lauf bzw. Ultralaufszene lassen die Zeit bis zum Start schnell vergehen.

Die Wetterfrage ist jedes Jahr eine Essentielle, wird’s heiß? Kommen die angesagten Gewitter bevor wir über die Hohe Veitsch sind? Wie ist der Wind am Plateau? Nachdem es schon am Morgen vor dem Start über 20° hat und die Sonne prächtigst schein, entscheide ich mich in der ebenso essentiellen Gewandfrage für oben Ärmellos mit kurzer Trailhose.

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Kurz vor 9:00 sammeln sich die Läufer im Startbereich vor dem Schwimmbad, auch da ist alles ganz locker, es wird unter den Läufern geplaudert und gescherzt, letzte Fotos gemacht und Ziele besprochen. Aufwärmen hab ich mir auf der Veitsch bis jetzt auch immer gespart, das erste flache Stück durch den Ort eignet sich bestens dazu.

Mit dem Startschuss um punkt 9:00 starten also 140 Einzelläufer und 97 Staffeln bei strahlenden Sonnenschein um den Veitscher Grenzstaffellauf in Angriff zu nehmen. An der Spitze bei den Männern die Favoriten Robert Gruber und Florian Grasel, sowie bei den Frauen Reka Kovacs und Martina Trimmel, im Bereich der schnellsten Damen werde ich mich dann auch über das ganze Rennen befinden.

Den Start gehe ich ganz gemütlich an, wie schon geschrieben aufwärmend durchs Dorf an der anfeuernden Dorfgemeinde vorbei.

Dann geht’s aber auch schon los, der lange Anstieg auf der Forststraße zum Hochreiter, der ersten Labestation steht bevor, da merkt man gleich die hohen Temperaturen und ich stelle mich schon auf einen sehr harten und Kräfte raubenden Lauf ein. Nach x km sind wir dann auch schon bei der Labe, ich bin mittlerweile komplett durchgeschwitzt und trinke in Ruhe einen Becher Wasser.

Weiter geht’s über schöne Trails bergauf – bergab, doch natürlich mehr bergauf, die Höhenmeter müssen ja irgendwo bewältigt werden, herrliche Almlandschaften mit grasenden Kühen und schöne Ausblicke lassen die Anstrengungen doch viel leichter ertragen. Die Veitscher haben sich auch diesmal nicht lumpen lassen und sage und schreibe 12 Labestellen an den „möglichsten“ und „unmöglichsten“ Stellen aufgestellt. Fast surreal wenn man über schmale Trails durch dichten Nadelwald läuft und plötzlich steht eine voll ausgestattete Labe mit voll motivierten Helfern da, die einem die Wünsche eines Ultraläufers fast von den Lippen zu lesen scheinen, zum Scherzen aufgelegt sind und immer auch ein nettes bzw. motivierendes Wort übrig haben. Bei allen Laben wird man angefeuert und motiviert, auch die Wanderer an der Strecke feuern an und haben immer ein nettes Wort für einen übrig.

Der erste Staffelabschnitt ist geprägt von ständigen Anstiegen mit darauffolgenden kürzeren Bergab-Stücken, teils auf feinen Trails durch Wald und Wiese, teils über Forststraßen, hier gilt vorallem das Tempo ruhig und den Energieverbrauchs -Level gering zu halten um Kraft für das schwierige zweite Teilstück zu sparen. Stetig werden positive Höhenmeter hinter sich gebracht, es geht von 800hm auf 1300hm bei der ersten Staffelübergabe.

Ich komme dort nach ca. 1:38 durch und bin durchaus zufrieden, die Bedingungen sind zwar durch die Hitze und die schwüle Luft hart, ich merke nun schon ein wenig meinen Trainingsrückstand, bis jetzt ist aber noch genug Kraft da um mich in den zweiten Staffelabschnitt zu stürzen, auf Trails geht’s wieder kurz runter und dann auch bald wieder bergauf Richtung Hohe Veitsch und Teufelsteig.

Wir kommen immer weiter rauf in alpineres Gelände. Auf der Rotsohlalm bietet sich wieder ein feiner Ausblick und ich genieße kurze Zeit die Vorzüge der dortigen Labestelle um mich für den Aufstieg auf den Teufelsteig zu stärken. Ein absolutes Kriterium bei diesem Lauf, wer dort zu viel Kraft verbraucht, quält sich umso mehr am Hochplateau bzw. über den Rest der Strecke.

Steil bergauf Wandern ist keine meiner Stärken, also steige ich stetig Schritt für Schritt dem Ende des Steigs entgegen. Hier oben hängen einige Wolken drin und der Wind frischt auch merklich auf. Nach ca. 20 Minuten bin ich oben angekommen, jetzt heißt es die Konzentration bewahren um über das technisch anspruchsvolle Hochplateau über schwierige, teils grobsteinige Gebirgs-Trails gut drüber zukommen. Die Landschaft hier oben ist jedes Mal wieder atemberaubend, vielleicht trägt dazu auch die dünnere Luft und die bereits zurückgelegte Strecke bei, es ist trotz heftiger Anstrengung das Lieblingsstück dieses Laufs, allein dafür lohnt sich jedes Jahr die Fahrt auf die Veitsch.

Umso weiter ich übers das wellige Auf und Ab am Hochplateau komme, desto schwüler wird es auch wieder. Eine zusätzliche Labestelle sorgt für Erfrischung, kurz danach schließe ich zur schnellsten Frau Reka Kovacs auf, sie lässt mich vorbei, für mich ist es mittlerweile richtig hart geworden, erste Krampfansätze im inneren Oberschenkel machen sich bemerkbar, etwas früh finde ich, aber ich kann drüberlaufen und es läuft noch immer halbwegs rund. Bald komm ich zum dritten Wechsel zur Kleinveitschalm, dort steppt wie immer der Bär und man wird mit großem Applaus empfangen.

Hier heißt es noch einmal Kräfte sammeln, ein Halbmarathon mit vielen Höhenmeter bergab und einigen gemeinen Gegenanstiegen steht noch bevor. Ich fühle mich hier körperlich ziemlich fertig, der Kopf will aber ins Ziel, also Labestelle entsprechend nutzen und weiter. Anfangs über teils schwierige, weiche Trails bergab durch den Wald, danach größtenteils über Forststraßen die sich herrlich dafür eignen seine Oberschenkel endgültig zu zerstören.

Der seit letztem Jahr neue Teil auf dem dritten Teilstück bringt mich wieder mal in ein Tief, die Strecke übers Hocheck war früher viel schöner zu laufen, jetzt läuft man auf einer öden Forststraße ohne Ausblick im Wald erst bergab und dann in einer ewig anfühlenden Steigung bergauf. Hier muss ich dann auch zum ersten Mal längere Zeit gehen, Reka Kovacs überholt mich wieder, sie hat sich das eindeutig besser eingeteilt und eilt flotten Schrittes davon. Kurze Plaudereien mit einem Mitläufer mildern die immer wieder aufmuckenden Krämpfe im Bereich der inneren Oberschenkel und lassen einen zumindest wissen nicht alleine zu sein. Vorallem die stetigen Wechsel von harter Forststraße auf weichen Waldboden sind nicht unbedingt vorteilhaft bei zunehmender Krampfneigung.

Mit einem veränderten Laufstil der John Wayne stolz gemacht hätte, schaffe ich es die Krampfansätze zu unterbinden und komme wieder ordentlich ins Laufen.

Bei der Labestelle beim Hocheck noch einmal ordentlich aufgetankt und dann wieder einen langen Forststraßen-Downhill runterzubrettern, bis es wieder in den Wald geht und die letzten giftigen Gegenanstiege bevorstehen. Ich bin am Limit und mobilisiere noch einmal alles was noch an Kraft da ist. Es sind nur mehr wenige KM bis ins Ziel, ich kämpfe mich die Forststraße zur vorletzten Labe hinauf. Die Sonne brennt hier ordentlich rein, es wird immer härter und ich kämpfe.

Aber ich bleibe in der Ebene, bergab und leicht bergauf im Lauftempo, steilere Stücke gehe ich und bald höre ich die Hupen vom Mirlbauer. Jedes Jahr ein erlösendes Gefühl, denn ab da heißt es nur mehr 5km bergab und einen Km durch den Ort ins Ziel. Die Stimmung beim Mirlbauer wie jedes Jahr einmalig, ich erfrische mich nur mehr kurz und mache mich auf den Weg ins Ziel.

Nicht mehr wirklich locker geht es aber trotzdem noch recht flott bergab und nach gefühlten 20 Serpentinen komme ich endlich an die Abbiegung in das kleine Waldstück Richtung Dorf Veitsch.

Unten an der Straße angekommen wird man gleich mit Applaus empfangen, nur ist man noch nicht im Ziel. Es geht eben noch diesen einen KM auf Asphalt durch den Ort, dieser KM ist noch einmal eine absolute Herausforderung für Körper und Geist, schlussendlich komme ich aber doch zum Schwimmbad und biege Richtung Ziel ein.

Mit hochgestreckter High-Five-Hand für mein fünftes Finish geht es durchs Ziel, ich bin ziemlich erschöpft und fertig, aber wie jedes Jahr glücklich bei diesem einmaligen Lauffest dabei gewesen zu sein.

Auch mit meiner Zeit von 5:24:59 bin ich zufrieden, ohne wirkliches Ultratraining ist der Lauf anscheinend schon in meinem Körper abgespeichert und lässt sich Jahr für Jahr wieder abrufen.

Bei den Männern gewinnt Florian Grasel in für die Bedingungen beeindruckenden 4:11, bei den Frauen siegt Reka Kovacs mit 5:14.

Hier nochmal ein großes Danke an alle Beteiligten, dem OK-Team, den Helfern im Start/Zielbereich und an den Laben – den besten Labestellen auf der Welt!, den Streckenposten und allen, die diesen grenzgenialen Lauf ermöglichen.

Auf ein Neues, beim Veitscher Ultra Alpine Marathon/Grenzstaffellauf 2017 am letzten Samstag im Juni!


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