Blaufränkischland Marathon 2024
Blaufränkischland Marathon 2024 (Foto: © Herbert Orlinger)
0 Kommentar(e)

Blaufränkisch-Marathon, ganz ohne Wein!

Vor einem Marathon ein paar Stunden lang im Auto zu sitzen, das schreckt mich nicht wirklich. Das habe ich schon mehrfach gemacht, es hat immer geklappt. Egal ob für Marathons in D, CZ, SLO, SVK, H oder Österreich.

Die Nacht vorm Marathon schlafe ich sowieso kaum, da kann ich auch Autofahren und mir die Quartierauswahl sowie das Ein- und Auschecken ersparen. Um 5 Uhr früh fahre ich los. War es ab St. Pölten bis Alland finster und nieselnass bei 8°C, kommt in Hornstein, kurz vor Eisenstadt, sogar die Sonne durch.

Die kürzeste und schnellste Strecke von Linz nach Deutschkreutz führt durch Sopron. Mein Navi weiß noch nichts von der neuen Autobahn dort. Wo früher die Straße verlief, ist jetzt die Auffahrt einer mautpflichtigen Autobahn nach Budapest. Die aktuelle Straße zur ungarisch-österreichischen Grenze zu finden (Wegweiser Kópháza, A), kostet mich ein paar Minuten. Keine Aufregung, ich habe genug Zeitpuffer vorgesehen.

Juvina-Mineralwasser kommt aus Deutschkreutz. Mein Vater hatte vor ein paar Jahrzehnten die Abfüllanlagen hier konstruiert. Da gehörte „JuViNa“ zur Chemie Linz AG, oder hießen die damals gar noch Stickstoffwerke?

Startvorbereitungen und erste Begegnungen

Einen Parkplatz kriege ich bei der Schule, und als ab 8 Uhr dort die Startnummern ausgegeben werden, bin ich schon da. Die Kleiderbeutelabgabe startet um halb 9. Kurz darauf treffe ich auf Börni Keiler und Herbert Bauer. Unterkunft gibt es in der Gegend längst keine mehr, wie sie wissen. Ein großes Festzelt ist aufgebaut, noch sind kaum Leute da. Wenig überraschend, denn zuerst wird der Marathonlauf gestartet, und da werden gar nur 65 Marathonis laufen.

Angeblich sind über 1.000 Leute zum Blaufränkischland Marathon angemeldet, sagt der Sprecher. Mehrheitlich halt auf den kürzeren Distanzen, sage ich.
Anzahl der Finisher heute:
Halbmarathon: 254
10 km: 444
5,4 km: 195

Ich sitze in der Sonne, als Hans Novinscak zu mir stößt. Ich überlege sogar, ob ich das Schlauchtuch dalassen sollte und ob ein Shirt nicht doch reichen könnte. Aber ich habe mein Zeug schon abgegeben, und so werde ich das Schlauchtuch halt als Schweißtuch verwenden.

Ein paar junge Leute sind ganz sommerlich als Römer gekleidet, in Toga und mit goldenem Lorbeerkranz. Ein Schneewittchen mit sieben Zwergen ist schon startklar, kommt aber erst später zum Einsatz. Ansonsten ist kaum jemand mehr verkleidet.

Der Lauf beginnt

Pünktlich um halb 10 geht es los. Gleich leichtes Gefälle, gefolgt von leichtem Anstieg. Nach nur 1 km laufen wir bei einem Winzer ein paar Schritte durch die Halle, in der er seine Weine abfüllt. Die Luft ist atemberaubend. Am anderen Ende posieren die „Römer“ bereits mit einem Glas Wein in der Hand. Ich laufe durch Gras den Weinreben entlang, dann wieder auf Asphalt. Wenig später der nächste Weinbauer, der seine fest verschlossenen Kartons bewacht. Ein Bogen ums Gebäude und dann der erste kräftige Anstieg.

Die meisten Römer sind mir entschwunden, ein paar Römerinnen sehe ich noch. Wir keuchen hinauf, sonnig ist es, und mir wird richtig warm. Oben angekommen, drehe ich mich um: ein toller Ausblick. Fast nur hügelige Weingärten sind zu sehen, verfärbtes Laub, am Horizont der silbrig glänzende Neusiedler See.

Beim nächsten Weinbauern steht da eine einsame 1,5-l-Flasche Waldquelle Mineralwasser am Stehtisch, das Standpersonal fühlt sich nicht wirklich zuständig für uns. Eben geht es weiter, es bewölkt sich, und der gestern avisierte NW-Wind kommt auf.

Die Herausforderungen nehmen zu

Dann halbwegs steil hinunter, auf Asphalt geht es ganz zügig, beiderseits Weinstöcke. Die Römerinnen sehe ich vor mir. Mitten im Schwung muss man rechts hinauf zum nächsten Weinbauern, das Gras dorthin ist kniehoch. Oben werden gerade die Tische abgewischt. Auch die hier haben heute noch keine Weinflasche geköpft.

Ganz offenkundig werden die paar Marathonis ignoriert, man wartet auf den Ansturm der Kurzstreckler, denn die haben Zeit zum Verkosten, und die kommen frühestens in einer halben Stunde.

Das große Laufbuch der Trainingspläne

Die Homepage bezeichnet diesen Marathon als „schwer“, Dauer „ca. 6 Stunden“. Trotzdem hat man drei Tage vor dem Start den Zielschluss von den vereinbarten 6,5 Stunden auf 5,5 Stunden verknappt. Ohne Diskussion, das wurde einfach verfügt. Rückfragen dazu wurden allesamt nicht beantwortet!

Gefühlt eisiger Wind kommt auf. Was bin ich froh, ein Schlauchtuch zu haben, das ich mir über die Ohren ziehen kann. So, ich bin wieder unten, links weg, ein teilweise recht matschiger Weg, vorbei an abgeernteten Maisfeldern und Krautäckern. Ein Wäldchen links, auf einmal bin ich wieder in Deutschkreutz, diesmal beim Schloss, und hier gibt es endlich Wasser in Bechern. Wein gäbe es auch. Etwa Obst oder Kuchen oder Salziges? Nein!

Ich bin seit 55 Minuten unterwegs und versuche, den Inhalt meiner Powerade-Flasche langsam zu trinken, denn wer weiß, ob und wann es da wirklich einmal eine würdige Versorgung gibt?

Gerade auf einen Kreisverkehr zu, rechts weg. Hakenschlagend gewinne ich wieder an Höhe, sehe die Römerinnen nun weit vor mir. Linkskurve, oben angekommen der Wind, in einer Linkskurve versteckt sich unter Unkraut tiefer Schlamm. Sch…lecht.

Zwischenbilanz und Endspurt

Blaufränkischland Marathon 2024

Als ich hinunterlaufe, kommt ein Radler von der Organisation daher. Das ist der Vorausradler für die schnellsten Halbmarathonis, wie ich vermute. Ob eh alles passt? Keineswegs, ich bin seit 100min unterwegs und das Einzige was ich bekommen habe, ist ein bisschen Wasser. Ich brauche was mit Heizwert, mir geht langsam der Bumms aus! Er hat ein Fläschchen Waldquelle Brombeere für mich. Ich fülle meine Flasche auf, es bleibt was übrig davon. Sein Hinweis: in 2km gibt es Bananen und Iso. Wird höchste Zeit, denke ich mir! Mich überholen die beiden schnellsten Halbmarathonis, später noch ein paar. Polizisten halten für uns den Verkehr auf, ein Grüppchen Leute steht da und applaudiert. Einen Halbmarathoni frage ich, bei welchem km wir hier wären? Denn km-Markierungen gibt es hier nicht. Doch der ist Ungar und weiß im Vorbeilaufen nicht, was ich von ihm will.

Über die Eisenbahnschienen drüber und von weitem sehe ich die Labestelle, die dann Bananen und Iso hat. Halbmarathonis hier links abbiegen, wir Marathonis rechts. Kurz versucht die Sonne wieder durchzukommen, das gelingt ihr nicht dauerhaft. Auf Feld- und ausgewiesenen Radwegen geht es weit. Auf dem Asphalt ist vor Abzweigungen in großer weißer Schrift die Nummer des jeweiligen Radweges aufgemalt.

Was mir auffällt, es knallt ständig von irgendwoher. Es vergeht sicher keine Minute, wo nicht irgendwas geschossen wird. Werden hier Vögel aus den Weingärten vertrieben?

Vom Schlammloch habe ich Steinchen im rechten Schuh, es tut sich aber keine Sitz-gelegenheit auf. Ein Läufer mit breitkrempigem, schwarzem Hut überholt mich. Hier ist km18,17 sagt er mir. Knapp 2 Stunden bis hierher, ein mittelgroßer Stein muss als Sitzgelegenheit für mich herhalten. Peter Mace(58) und Daniela(18) fragen mich, ob ich Probleme hätte? Danke, nur Steinchen, die entferne ich gerade. Labestelle, Anstieg und weiter hinauf zur Straße nach Neckenmarkt, wo ich mit Hans Novinscak ins Gespräch komme. Hans hat bald seinen 200. Marathon! Am Ortsanfang von Neckenmarkt lauert in Knöchelhöhe eine Lichtschranke, unmittelbar am Beginn der 30er-Zone! Ganz schön gefinkelt. Ist nicht die einzige Radarfalle, die ich heute zu sehen bekomme!

Der Weinbauer in Neckenmarkt lohnt den Umweg nicht, habe noch genug zu trinken. Nach der Kirche geht es steil hinauf. Welcher km ist hier? frage ich Daniela. Km21! Durch einen Hohlweg geht es weiter hinauf. Oben flach weiter, schön dem Wind ausgesetzt. Bei km23 endlich eine wohl sortierte Labestelle mit Käse, Wurst, Salzgebäck, Kuchen, Mohnkipferln, diversen Getränken. Wunderbar, so eine hätte ich schon viel früher gebraucht. Links, geradeaus, links, geradeaus, rechts, wieder einmal über die Eisenbahn. In Horitschon halten zwei Polizisten für mich den Straßenverkehr auf. Hinauf zu einem Betonwerk, da durch, wieder hinein nach Horitschon, rechts rum, am Betonwerk vorbei, diesmal an dessen Rückseite. Mich schmerzt mein linker Fuß außen immer mehr und nun auch noch das Kreuz, dabei bin ich erst bei km26, schätze ich.

Beim Weingut Eichenwald ist etwa bei km28. Den mir angebotenen Wein lehne ich dankend ab. Ich nehme einen Happen und fülle meine Flasche mit Wasser auf. Von oben kommen wir wieder an den Rand von Horitschon, mit mir Nora Bayer.

Auf verschlungenen Pfaden geht es hinein in den Ort. Etwa 30 Jahre ist es her, dass ich mich meinem Chef in Horitschon durchgekommen bin und in der Vinothek einen Schluck Rotwein probiert habe. Es war ein sehr heißer Tag, kann ich mich erinnern.

Ich lese auf einer Gedenktafel, dass hier der 4.000ste km Güterweg des Burgenlands gebaut worden ist. Kein Scherz. Über ein Brücklein erreichen Nora und ich das Rotweingut Iby. Auch hier will man uns sehr freundlich zum Weintrinken verleiten, aber ich bin in Eile, der Zielschluss ist um 15h00 und es wird knapp werden. Vorbei am Friedhof und am Horitschon Aussichtspunkt. Auf einer Betonspurtrasse zwischen Weinreben nach unten laufen wir zum Frauenbrunnbach, später drüber. Ich komme an einer Pferdekoppel vorbei, Nora ist ein paar Schritte vor mir.

Anstieg und Abstieg. Bevor wir nach Unterpetersdorf reinkommen, werden wir wieder verköstigt. Da ist sie wieder, die Eisenbahntrasse. Kaum eine Menschenseele auf der Straße, abgesehen von der Besatzung eines Lieferwagens mit Wohnwagen im Schlepptau.

Aus Unterpetersdorf raus überholt mich ein laufendes Pärchen. Von dem erfahre ich, wir sind bei km36. Noch einmal über die Schienen. Schließlich kommen wir in die Girmer Straße von Deutschkreutz. Vorm Weinhotel steht da ein prächtiges Pferd, womöglich aus Schrottteilen zusammengeschweißt. Beim nächsten Weinbauern bekomme ich den Rest meiner Brombeerlimo, der vor etwa 22 Kilometern übriggeblieben ist. Ein fürsorglicher Radler der Orga hatte die noch nicht leere Flasche für mich in seinem Rucksack verstaut und zaubert sie nun hervor. Sehr nett! Man hört bereits den Zielsprecher, aber bis dahin sind für uns gewiss noch ein paar Schikanen eingebaut worden. Da bin ich mir sicher. Sonst wäre es kein Marathon.

Nora und ich durchlaufen das Weingut Silvia Heinrich, es wird verkostet. Um Wein zu trinken fehlt uns beiden die Zeit. Anstieg zum Weingut Kirnbauer, hier geht es zu wie bei einer Weinkost. Ja, so sollte es sein. Nora und ich laufen wieder durch. Anstatt links in den Ort müssen wir rechts hinauf. Maximal 3km noch. Oben ist es vor allem windig und der erdige Boden sehr uneben, was mir gar nicht taugt. Es schmerzt. An einer Kreuzung geht es dann hinunter, an Weinreben vorbei. Wir überholen ein paar Kurzstreckenteilnehmerinnen, eine davon telefoniert angeregt. Beim Friedhof feuert uns ein junger Vater an: Nur mehr drei Kurven inklusive dieser! Das Ende ist zwar nicht in Sicht, aber längst in Hörweite. An der Hauptstraße links und nach einem Schlussspurt links Richtung Schule, da ist die Ziellinie und dahinter sind Schule und Festzelt, letzteres gut besucht. Meine Zeit: 5h29:01,6 – haarscharf vor 15h00 sind wir im Ziel, Nora knapp vor mir.

Wie es für mich aussieht, haben die Teilnehmer auf Halbmarathon oder kürzer jede Menge Zeit, sich um das Weinangebot zu kümmern. Für mich als Marathonläufer war die Veranstaltung eher enttäuschend. V. a. wegen des Zeitdrucks und der Versorgung am ersten Streckendrittel. Da habe ich schon ganz andere Wein(berg)-marathons erlebt, halt im Elsass, in BaWü und in Südmähren.

Ein Bub übergibt mir ein Fläschchen Waldquelle. Ich hole mir im Turnsaal meinen Kleiderbeutel ab. Am Heimweg fahre ich in Horitschon durch und knipse ein paar Stellen, an denen ich vorhin vorbeigekommen bin. Der EUROSPAR hat Sandwiches für mich und eine Dose alkfreies Bier.

Auf der Allander Autobahn regnet es immer noch, besonders dicht in Hochstraß, ab St. Pölten aber kaum noch. Schon vor 19h00 bin ich wieder zurück in Linz und brustkraule im FitnessStudio ein paar Längen. Was für eine Wohltat!

Blaufränkischland Marathon 2024

1.m Andreas Paitl 3h16:35,3
1.w Annika Wanger 3h37:33,1
-
65. Harry Leonhard 6h28:56,8
65 Marathonfinisher + 1 Walkerin

Startgeld € 70,-
Zackige Strecke auf unterschiedlichem Geläuf, meist Asphalt, Finishermedaille, Labestellen

Empfohlene Artikel

Kommentar schreiben

Senden

Weitere interessante Themen