Der 25. Rennsteigstaffellauf hatte alles, was ein echter Klassiker braucht: Sonne wie aus dem Brennofen, Favoritensiege mit Ansage, dramatische Szenen entlang der Strecke – und einen Abschied, der Gänsehaut hinterlässt.
Am Samstag ging der Kult-Staffellauf über die legendären 169,1 Kilometer vom westlichen Hörschel bis zum östlichsten Zipfel in Blankenstein zum letzten Mal auf der Originalstrecke über die Bühne.
Was sich anhört wie ein Staffellauf auf dem Papier, war in der Realität eine epische Hitzeschlacht. Ganze 168 von 184 Teams erreichten laut vorläufiger Liste das Ziel. Der Rest? Nun, man munkelt, einige hätten sich vom ähnlich klingenden „Blankenhain“ verwirren lassen. Ob das eine hitzebedingte Navigationsstörung war oder doch eine heimliche Abkürzungsstrategie – man weiß es nicht.
Favoriten liefern – X-Runners zünden den Turbo
Während sich hinten im Feld der ein oder andere Kompass drehte, machten die Favoriten von Beginn an ernst. Die X-Runners, Dauersieger der vergangenen Jahre, hatten diesmal Konkurrenz vom gastgebenden GutsMuths-Rennsteiglaufverein. Und die legten los, als wollten sie ein Feuer löschen.
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Lukas Wieseke brannte bereits auf der ersten Etappe nach der Hohen Sonne ein Tempo in den Wald, das man sonst nur aus Fluchtfilmen kennt. Drei Minuten Vorsprung auf Philipp Müller – das war eine klare Ansage. Marcel König und Marcel Krieghoff erhöhten den Druck weiter, und der Vorsprung wuchs auf satte zehn Minuten.

Doch wer dachte, das Ding sei gelaufen, kennt Marius Faber und Niklas Raffin nicht. Die beiden schoben das X-Runners-Team wieder heran, und bei Halbzeit in Allzunah war der Vorsprung geschmolzen wie ein Gletschereis unter dem Föhn: nur noch 57 Sekunden. In Masserberg dann der Wendepunkt: Bjarne Klimaschewski übernimmt die Führung für die Ostthüringer, und von da an ließen sie sich nicht mehr aufhalten.
Franz Böswetter, Willi Paufler, Florian Lecht und Theodor Popp machten den Sack zu – nach 10:47:46 Stunden jubelten sie in Blankenstein. „Wir haben bis zum Schluss gekämpft, mehr war bei der Hitze nicht drin“, sagte Teamchef Frank Wagner fair im Ziel. Platz zwei ging an den Rennsteiglaufverein (11:08:52), gefolgt von den „Schnellen Mechanikern vom Autohaus Seyfarth“ (11:36:50).
Drama bei den Mixed-Teams – Wintersportler mit Foto-Finish
Wer dachte, die Spannung sei damit vorbei, hatte die Rechnung ohne die Mix-Staffeln gemacht. Der Jenaer Intervallexpress schoss mit Leo Bockelmann, Anton Saar und Mia Ohlrogge wie aus der Kanone. 13 Minuten Vorsprung – ein kleines Polster. Doch Marcel Bräutigam vom Wintersportler-Team konterte mit einer rasanten vierten Etappe.
Spätestens als Lisa Lohmann mit Streckenbestzeit die Führung übernahm, roch alles nach Sieg. Lisa Otto baute sie aus, aber Schlussläufer Peer Wächter machte es nochmal spannend. Neun Minuten holte er auf – und am Ende fehlte genau eine Minute. Die Wintersportler jubelten über 11:50:06 Stunden – knapp vor dem Jenaer Express (11:51:17). Dritter wurde das „Green Lightning“-Team der DHfK Leipzig (12:19:29).

Pleßgirls setzen Statement – Frauenpower mit Stil
Mit einem Start-Ziel-Sieg dominierten die Pleßgirls die Frauenwertung. Die Thüringer Topläuferinnen Katrin Grund, Emely Günther, Helena Manzke und Co. ließen keine Zweifel aufkommen: 13:25:46 Stunden und über eine Stunde Vorsprung auf die Harzer Hexen (14:46:28). Dritte wurden die X-Runners Jena (15:11:47), gefolgt von der LTV Erfurt Montagsgruppe und den Rhöner Mädels.
Medizinische Zwischenfälle und Technikpannen
Auch wenn organisatorisch vieles reibungslos lief, blieb es nicht ganz ohne Zwischenfälle. Zwei medizinische Notfälle sorgten für Aufsehen: Eine Begleitperson wurde angefahren und per Hubschrauber abtransportiert, eine junge Läuferin kollabierte. „Zwischen Allzunah und Masserberg war gestern der härteste Teil, hier fehlt inzwischen der Wald als natürlicher Schutz“, so Gesamtleiter Christopher Gellert.
Und dann war da noch die Sache mit den Transpondern. Mehrere Staffeln verloren sie unterwegs – ein echtes Staffellauf-Paradoxon. „Die Fürsorge für das zur Wertung notwendige Equipment war diesmal etwas mangelhaft ausgeprägt“, monierte Gellert. Nacharbeit an den Ergebnislisten ist also garantiert.
Melancholie und Vorfreude auf Neues
Auch wenn der Rennsteigstaffellauf in dieser Form Geschichte ist, war beim großen Läuferfest in Blankenstein eines klar: Die Liebe zu diesem Lauf lebt weiter. Jürgen Lange, Präsident des Rennsteiglaufvereins, lobte: „Das war eine logistische Meisterleistung – auch in diesem Jahr wieder beim Jubiläum.“
Im kommenden Jahr soll es weitergehen – dann in neuer Form rund um das „schönste Ziel der Welt“ in Schmiedefeld. Doch wer einmal über den Rennsteig gelaufen ist, weiß: Man kann ihn verlassen – aber er einen nie.


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