Marathontour durch vier zentralasiatische Länder – organisiert von Z-Adventures für Länderpunktesammler.

Auf der Veranstalter-Website wird diese Reise schon seit Monaten angekündigt. Ziyad Rahims Vorschau, CEO von Z-Adventures und selbst begeisterter Läufer mit beeindruckenden Rekorden, die alle im Guiness-Buch vermerkt sind, weckt auch mein Interesse, erzeugt Begeisterung und entfacht Vorfreude. Im Mai melde ich mich dafür an.

Die ursprüngliche Planung hat sogar  fünf Länder vorgesehen, doch trotz großer Bemühungen der in die Vorbereitungen eingebundenen Agenturen bekommt die Gruppe kein Einreisevisum für Turkmenistan. Die Kosten werden dadurch zwar um 1000 Euro geringer, aber wir  alle hätten gerne  den ersten Marathon in diesem Land am Kaspischen Meer ausgetragen, wo  einst die antiken Handelsrouten der historischen Seitenstraße verliefen. Ziyad hat sich vorgenommen,  die turkmenischen Hauptstadt Asgabat im kommenden 2024 in eine andere überregional passende Tour einzubetten.https://vg08.met.vgwort.de/na/8b466005f6964373b5666f6e3f17e4ea

Almaty in Kasachstan ist nun die erste Destination

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Das internationale Teilnehmerfeld umfasst ca. 25 Personen, die aus aller Herren Länder anreisen. Treffpunkt für alle nicht nur zum Briefing ist das für die gesamte Gruppe gebuchte Hotel Grand Sapphire in Almaty, wo jede(r) bis zum 8.10. erscheinen soll. Ich buche privat dort schon vorher 2 Nächte, um mich zu akklimatisieren.

Anreise nach Almaty und Fahrt zum Hotel

Mit der AUA geht es am 6. Oktober ab 9 Uhr von Wien nach Frankfurt und mit einem Lufthansa Airbus A330-300 verspätet um 14 Uhr nach Almaty weiter. Erstmals verrechnet die Lufthansa auf den Zubringerflug den Sitz von Wien nach Frankfurt mit 20 Euro, obwohl ich ja ohnehin eine höhere Kategorie mit freier Sitzplatzwahl gebucht habe. Der Sitzplatz 25H nach Almaty kostet mich dann zusätzlich 50 Euro. Andere Kollegen fliegen deutlich günstiger als ich mich ca. 800 Euro nur für den Hinflug.

Wer wie ich Langstreckenflüge nach Asien fast immer mit Emirates bucht, ist erstaunt, welche mickrige Monitorgröße die Sitze in der Economy bei Lufthansa haben. Alterssichtige wie ich seit ca. einem halbem Jahr brauchen eine Lesebrille. Und das Filmprogramm ist so schwach, dass einem die Freude vergeht – kaum Neues, dafür alte Schinken und eine sehr kleine Auswahl. Das Gebläse oben  lässt sich nicht abschalten mit der Folge, dass ich mir im linken Auge noch während des Fluges eine Entzündung hole, die ich mit  antibiotischen Ausgentropfen behandeln muss. Das Essen hingegen ist ok, auch die durchwegs altersmäßig erfahrenen Flugbegleiterinnen über 50 bemühen sich. Auf meine Frage an eine mich betreuende Stewardess, ob sie nach der Ankunft frei habe (nach 6 1/2 h Flug ist das normal) und was sie zu tun gedenke, antwortet sie, dass es in Almaty ein Schigebiet gebe, wo sich immer einige von der Crew einfinden. Nach der Ankunft erblicke ich bei der Passkontrolle  eine Werbetafel – Shymbulak (Chimbulak) liegt auf 2200 bis 3000 m Höhe und ist von Almaty nur ca. 30 km entfernt. Gut haben es  die Lufhansa-Flugbegleiterinnen, ob Kapitäne und Offiziere im Cockpit  auch so ausspannen dürfen, habe ich nicht nachgefragt.

Auch ein Vielreisender achtet manchmal nicht auf Ungereimtheiten. Beim Ausgang stehen wie gewohnt viele Menschen, die jemand abholen, dies oft mit einer hochgehaltenen Tafel. Mich spricht ein Mann direkt an und fragt, ob ich ein Taxi benötige. Um 01:30 Uhr so knapp nach Mitternacht wartet bestimmt kein öffentlicher Bus, daher ist die Antwort, „yes, of course“. Der Andrang zu den Taxis vor dem Flughafen ist groß, ich  bin froh, dass ich mich nicht durchdrängen muss. Auf einen nahen Parkplatz stehen mehrere Autos mit einer Taxikennung, der Mann bringt mich zu  einem  wartenden Auto. Ich frage den Fahrer, was es in etwa kosten wird – Englisch kann der vermeintliche Taxler nicht, aber er verweist auf das Taxameter. Laut Reiseführer sollten die Kosten für die 15 km ins Zentrum 7-10 Euro nicht übersteigen. Ich halte ihn für seriös, auch wegen dem Taxischild am Dach und steige ein. Stutzig werde ich aber das erste Mal, als der Fahrer sehr nahe an ein vor ihm beim Ausfahrtsschranken wartendes Auto zufährt und dann Vollgas gibt, als der Mann die Zahlkarte durchgezogen hat. So hat sich mein Taxler die Maut gespart – er blickt auf und sagt „I clever“. Das mag zutreffend sein, aber so kann jemand seine Lizenz verlieren und man muss geübt sein, um quasi synchron mit dem Vordermann wegzufahren.

Die zweite Trickserei fällt mir dann auf, als der Taxler einen Umweg nimmt, er hätte das Hotel in einer kürzeren Zeit erreichen können. Schließlich greife ich mir an den Kopf, als er 19.000 Tenge (1 Euro = 500 Tenge) verlangt. Fast 40  Euro für die Fahrt hierher ist wahrlich zu viel. Sein Taxameter erweist sich als eine am Smartphone installierte App, die ihm freie Wahl lässt, einen Kilometerpreis zu bestimmen. Ich weigere mich, soviel zu bezahlen, diskutiere, er ruft jemanden an, der etwas Englisch spricht. Dieser wäre mit 30 Euro einverstanden, ich steige aus, hole die Tasche aus dem Kofferraum und lege 25 auf den Beifahrersitz. Der Fahrer weiß genau, dass er illegal unterwegs ist, so belassen wir es – er hat immer noch um 15 Euro mehr bekommen, als ein offizielles Taxi mit blauer Markierung verlangt hätte.

Beim Eintritt zu später Stunde vermisse ich den Nachtportier, es ist offen, aber kein Mensch anwesend. Ich rufe laut, es tut sich nichts. So nähere ich mich dem Rezeptionsbereich und erblicke einen tief unterhalb schlafenden kleinen jungen Burschen, der wohl heute aushilft. Ich muss in sein Handy sprechen, dass meine auf Englisch gestellte Frage nach dem vereinbarten late check-in (wobei ich den ganzen Freitag extra gebucht habe, weil der Flieger ja erst nach Mitternacht ankommt) ins Russische/Kasachische übersetzt. Es dauert einige Zeit, dann bekomme ich endlich mein um 100 Euro pro Nacht gebuchtes Zimmer. Weil das linke Auge schmerzt, komme  ich nicht zur Ruhe. Dazu kommt der Zeitunterschied, in Kasachstan ist man 4 Stunden voraus, den time-lag spüre ich. Und das Zimmer ist hellhörig, der Mann daneben redet offenbar nur mit sich oder seinem Handy die ganze Nacht.

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Mein erster Tag in Almaty – Sightseeing zu Fuß und mit dem Bus

Ich muss gestehen, mich in all den Jahrzehnten nie für Kasachstan interessiert bzw. mit dem riesigen Territorium (2.724.900 km²) beschäftigt zu haben – mit einer Ausnahme, als im Jahre 2006 Borat in die Kinos gekommen ist. Sacha Baron Cohen spielt den kasachischen Reporter, der nach Amerika reist, um die Sitten und Gebräuche der USA zu dokumentieren. Diese Komödie hat gewiss viel Werbung für das Land gebracht, das nach dem Zerfall der Sowjetunion mit der kasachischen Unabhängigkeitserklärung 1991 selbstständig wurde. Seither ist Kasachstan eine präsidiale Republik, die dank ihrer Bodenschätze (etwa Uran, Eisen, Nickel, Gold u.a.) sowie großen Erdölvorkommen internationale Konzerne ins Land gebracht hat. Übrigens wurde der Film von staatlichen Kontrollstellen  verboten.

 

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Almaty ist mit 2 Mio. Einwohnern die größte Stadt, Hauptstadt ist Astana, ca. 1200 km weiter nördlich gelegen. Amtssprachen sind Kasachisch und Russisch, die lateinischen Schriftzeichen, die man bis 2005 einführen wollte, haben sich nicht durchgesetzt. Wer bspw. beim Abwiegen von Obst mit zyrillischen Buchstaben nichts anfangen kann, muss sich durchfragen. Schon vor Jahren habe ich meine diesbezüglichen Kenntnisse wieder aufgefrischt, als ich 2015 in St. Peterburg und danach in Belgrad und Podgorica Marathons bestritt.

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Ein Augenschmaus ist die Nationalflagge von Kasachstan, die 1992 nach der Selbstständigkeit angenommen wurde. Sie besteht aus einem himmelblauen Tuch, in der Flaggenmitte ist eine goldene Sonne mit 32 Strahlen und unterhalb der Sonne ein Steppenadler abgebildet.

Über booking.com wurden bei der Buchung wie so üblich Ausflugsmöglichkeiten in die nähere und weitere Umgebung von Almaty angeboten. Neben einer halbtägigen Stadtrundfahrt  wird eine Tagestour zum Charyn Canon und den Kolsai und Kaindy Seen geboten. Wer früher anreist, wie ich, hat somit die Möglichkeit, davon Gebrauch zu machen. Am ersten Tag (nach der Ankunft um 01:30 nach Mitternacht) gestalte ich nach dem Frühstück den Tag zwangslos. Ich beschließe, mich zu Fuß vom Hotel auf dem Weg zum Kok Tobe Hügel 1100 m über der Stadt gelegen zu machen, wo der 1983 errichtete, 372 m hohe Fernsehturm steht. Einfacher ginge es mit der Seilbahn, ich möchte mich aber für den Marathon etwas einüben. Meinen Plan, direkt über die Hügeln raufzukommen, muss ich wegen einer durchgehenden Umzäunung des auch sonst unwegsamen Geländes aufgeben. So spaziere ich zurück  und gelange entlang einer stark befahrenen Straße zur Endhaltestelle des 99er-Autobusses. Von dort geht man ca. 1 km in Serpentinen hinauf zum Kok Tobe. Schon beim Anstieg hat man einen weiten Ausblick auf die Stadt und die Gebirgsketten in der Ferne. Dem Andrang nach zu  schließen ist der Besuch des dort angesiedelten Vergnügungsparks  mit Ringelspiel, Autodrom für Kleinkinder, einer kleinen Hochschaubahn, Souvenirgeschäften, Restaurants mit einem Burgerlokal u.v.a.m. ein Ausflugs-Highlights von Almaty sowohl für Einheimische als auch für Ausländer.

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Bei der Statue der Beatles knipsen sich die Menschen in Scharen. Ich treffe Deborah Lazerson und Wojtek Machnik, beide eifrige Ländersammler und ab dem 9.10. bei allen 4 Rennen dabei. Auf der Suche nach Postkarten werde ich in einem kleinen Souvenirladen fündig. Leider bekomme ich dort keine Briefmarken. Ob es gelingen wird, am Montag oder Dienstagmorgen eine Poststelle zu finden, ist sehr fraglich. Während Deb und Wojtek die Gondel wählen, gehe ich zu Fuß hinunter,  nehme aber dann den 99er-Bus und steige an einer der Haltestellen der Tole Bi Straße nahe dem Decathlon bzw. einem großen EKZ  aus, um noch einige Besorgungen zu machen. Die Preise im Supermarkt sind bei den üblichen Lebensmitteln tlw. höher als bei heimischen Diskontern, Mehlspeisen hingegen um die Hälfte günstiger als bei uns.

Zum E-Book Trainingspläne für Läufer und Läuferinnen

Um 17 Uhr fängt es heftig zu regnen an. Das hält mich nicht ab, Abendessen zu gehen. Es gibt zahlreiche Restaurants, die  in wenigen Minuten vom Hotel aus zu Fuß erreichbar sind. Ich betrete ohne Voranmeldung ein georgisches Lokal. Als Hauptmenu wähle ich gebratenes Huhn mit allerlei Gemüsebeilagen. Inklusive ein großes Bier und einer Kuchennachspeise zahle ich 6.000 Tenge, umgerechnet ca. 12 Euro. Für morgen plane ich erneut mein eigenes Sightseeing-Programm.

2. Tag in Almaty

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Beim Portier ergattere ich einen Stadtplan, den er aus einer unteren Schublade – so für Hotelgäste nicht sichtbar und nur auf Anfrage erhältlich – holt. Mein Ziel ist heute die Gorney Gigant in Almaty, eine Anlage, die  aus mehreren Skisprungschanzen besteht. Vorher mache ich aber einen Spaziergang zum nur wenige 100 Meter entfernten Park der 28 Panfilowzy. Hierbei handelt es sich um eine große Parkanlage, benannt zu Ehren von Iwan Wassiljewitsch Panfilow und der 28 Garde-Infanteristen (die sogenannten Panfilowzy), die sich im November 1941 bei den Abwehrkämpfen vor Moskau gegen den Angriff gegen eine Übermacht deutscher Panzer verschanzt haben sollen. Das Denkmal für den sowjetischen Generalmajor Iwan Panfilow wurde 1968 an der Nordseite des Parks aufgestellt. Die zwei Meter hohe Büste wurde aus Bronze gegossen. Für ihn wurde mit der Flamme, dem „Ewigen Feuer, eine weitere Gedenkstätte an der Ostseite der Parkanlage eingeweiht.

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Nich weniger bedeutend ist  die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale, die von 1904 bis 1907 in der Mitte des Parks erbaut wurde. Sie ist die Kathedrale der russisch-orthodoxen Eparchie Almaty und Astana. Das 56 Meter hohe Bauwerk ist das Wahrzeichen der Stadt und zweitgrößte hölzerne Bauwerk der Welt.

Ich betrete die Kirche und mache einige Aufnahmen. In Kasachstan sind 70 Prozent der Einwohner sunnitische Muslime, die Christi-Himmelfahrt-Kirche  wird von der orthodoxen Minderheit besucht – die tiefgläubigen Menschen, alte und junge, bekreuzigen sich. Ich will eine Kerze anzünden, finde aber in der Kirche nirgends einen Verkaufsständer.

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Der Portier hat mir 3 Autobusse empfohlen, die in die Nähe der imposanten Sprungschanze, wie  gestern vom Fernsehturm aus gesichtet, führen, nämlich 79, 86 und 127. Weil ich aus Kostengründen meine SIM-Karte deaktiviert habe und im Hotel nur W-LAN nutze, muss ich mich durchfragen. Almaty ist gemäß dem Baustil der Sowjetunion sehr weitläufig. Endlich aber finde ich die  richtige Seitenstraße, Bus 86 fährt gerade ein. Der Fahrer kann auf 2.000 Tenge nicht herausgeben. So fahre ich umsonst eine gute Stunde mit einem Umweg und Stopp in die Nähe der Sprungschanze.

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Von der Haltestelle aus sind es ca. 1 km zu gehen.  Zur Anlage gehören zwei kleinere Schanzen der Kategorien K 20, K 40, eine Mittelschanze der Kategorie K 60, eine Normalschanze der Kategorie K 95 und eine Großschanze der Kategorie K 125. Alle fünf Schanzen sind mit Matten belegt. Und was mich echt verwundert: Das ganze Areal ist offen, nicht versperrt. Jeder kann scheinbar über die eisernen Stufen an der Seite hinaufgehen. Ich sehe zwei Mädchen herunterkommen, oben am Geländer stehen Menschen. Zur Einstimmung auf den Marathon nehme ich die Anstrengung auf mich und quäle mich hinauf. Als ich dann oben ankomme, wird klar, dass all die Besucher auf der Hinterseite mit dem Auto hinaufgefahren sind. Ich knipse viel, die Aussicht auf Almaty und im Hintergrund die Berge ist beeindruckend. Beim Runtergehen muss man sehr aufpassen, denn der Abstand der Stufen in der Breite ist für meine 48er-Schuhe zu schmal. Man kann sich so hinten verhängen und in die Tiefe stürzen. Der Neigungswinkel bzw. die Anlaufneigung der Schanze ist auch für die Stufen relevant, 35° wirken fast beängstigend.

Ich komme heil runter und nehme den gleichen Bus in die Stadt zurück. Heute will ich mir noch die Metro in Almaty näher anschauen, die am 1. Dezember 2011, mehr als 23 Jahre nach dem ersten Spatenstich, als das Land noch zur Sowjetunion gehörte, eröffnet wurde. Ich betrete die U-Bahn in der Station Abay, die dzt. nur 9 Stationen hat. Eine geplante oberirdische Verlängerung nach Norden wurde bisher nicht weiter verfolgt. Eine Fahrt in jede Richtung kostet 100 Tenge (50 Cents). Die langen und tief hinunter gehenden Rolltreppen erinnern an die Moskauer U-Bahn und jene in St. Peterburg. Alle Stationen sind künstlerisch gestaltet – mit Wandmalereien, Schaustücken udgl. Ich bin nicht der einzige Tourist, der fotografiert.

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Um 18:30 Uhr werden im Grand Sapphire Hotel, wo inzwischen alle Teilnehmer der Marathontour eingetroffen sind, die BIBBs ausgegeben. Im Package ist auch ein wirklich toll  gestaltetes Funktionsshirt, das auf der Vorderseite die  Fahnen aller 4 Länder abgebildet hat. Auch eine ergänzende Barzahlung wird fällig, wie in zentralasiatischen Ländern gebräuchlich ist.

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Den Abend lässt sich die Gruppe beim Abendessen ausklingen – als ob ich es gewusst hätte, wir speisen im selben Lokal, wo  ich schon gestern gewesen bin. Nur werden heute große Gemeinschaftsteller mit viel Salat und wenig Fleisch serviert. So kann man zum Vegetarier werden.

Ein vielversprechender Renntag steht bevor

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Ab 7 Uhr steht im Grand Sapphire Hotel das Buffetfrühstück bereit. Die Abfahrt mit einem gecharterten Bus erfolgt eine Dreiviertelstunde später. Der Frühverkehr an einem Montag unterscheidet sich nicht von anderen Großstädten – es staut. Unser Ziel ist der Platz der Republik, wo sich dahinter der 340 ha große Präsidentenpark, auch Gorky oder Zentralpark bezeichnet,  erstreckt, an dem ich gestern vorbeigefahren bin. Gegen 8:30 Uhr kommen wir verspätet an. Die Kollegen machen Fotos vom Springbrunnen, im Hintergrund türmt sich das Massiv der schneebedeckten 3000er auf, wo auch das berühmte Schigebiet Shymbulak zu finden ist.

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Es ist ziemlich frisch, unter 10 Grad C, aber gegen Mittag wird laut Vorausschau die Temperatur auf 20 Grad ansteigen. Entlang des 2 km langen Zaunes nach Norden sind bereits hunderte Autos geparkt. Der Zentralpark ist auch für die Einheimischen ein Ort für sportliche Betätigung – es sind viele Läufer, Walker und langsame Spaziergänger unterwegs, die die asphaltierte Route mit Nebenwegen zumindest einmal umrunden wollen. Beim Eingang könnte man glauben, dass der Park flach angelegt ist, doch als wir zum für uns von Helfern vorbereiteten Start- und Zielbereich kommen, bemerkt man, dass es von nun an nur aufwärts gehen wird.

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Ziyad erklärt uns, den 23 Startern aus 14 Ländern, die Strecke, die 10mal zu durchlaufen ist – und zwar in Hufeisenform. Es geht gegen den Uhrzeigersinn 1,4 km hoch, dann am höchsten Punkt ca. 300 m flach dahin bis schließlich weitere 100 m absteigend zur Wende zurückzulegen sind. Jede Runde umfasst 4,2 km, Ziyad hat vorausschauend die Höhenmeter nicht genannt, die wir erst nach dem Lauf beim Abendwessen erfahren sollten.

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Obwohl die Laufzeit mit 7 h bemessen ist – wer länger brauchen sollte, wird nicht disqualifiziert, ist von Anfang an klar, dass keine/r in der Runde von sich auf freiwillig zurückbleiben will. Die Kollegen stürmen förmlich weg, ich kann kaum mithalten. Nach wenigen 100 Metern sind nur mehr drei oder vier Teilnehmer auf meiner Höhe, alle anderen liegen schon deutlich voraus. Man kennt sich von anderen Starts, jeder kann jeden einordnen. Aber heute scheint für alle nur eins zu zählen, ja nicht Letzte/r zu werden. Ich bin echt überrascht, mit welcher Power alle den ersten Lauf auf der Marathonserie durch 4 Länder in Zentralasien angehen.

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Ich bin in guter Gesellschaft, Lichu Sloan, bald 75, über 110 Länder, Deborah Lazerfeld (59) und Don Bierer (65), beide US-Staatsbürger und etwas weiter voraus schon Steven Fuller und Parvaneeh Moyadi – wir liegen auf der 1. Runde eng beieinander.  Die von Ziyad Rahim, CEO von Z-Adventures ausgesuchte und mit Helfern einer Sportagentur vor Ort exakt vermessene Strecke steigt so stark an, dass das hintere Feld alsbald zu walken beginnt – mehr als 8:45 bis 9 min/km ist für mich nicht zu schaffen. Aber sobald wir zurücklaufen und es nun abwärts geht, kann ich deutlich zulegen, ich endlich wieder einmal eine Sechserzeit – was ja bei dem Gefälle eher langsam ist. Jack Haug aus der Schweiz und Alain Joineau stürmen davon, laufen auch aufwärts, als ob es keine Steigung gebe. Ihnen hat sich auf der 2. Runde Thomas Schaller angeschlossen, der über die Halbdistanz startet wie auch Alain.

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Begegnungszonen sind immer eine nette Sache, man kann sehen, wo man aufholt und ab wann man wieder zurückgefallen ist. Tor Rönnow, Klaus Egedesö, Thomas Bentsen, all drei aus Dänemark, bringen all ihre Kraft in die ersten Runden ein. Beeindruckend auch die Frauen, Yvonne Duvois und Sally Shreeves (beide USA) und Karen Michelsen (CAN) die mit einer Konstanz laufen, dass einem der „Neid fressen könnte“, überspitzt ausgedrückt. Mein lieber Lauffreund Thomas Godlevsky aus Saarbrücken hat nach 4 Runden schon fast einen Kilometer Vorsprung auf mich. So strenge ich mich bis zur Halbdistanz richtig an, benötige für die 21,1 km aber doch 2:55 h und kann schon erahnen, dass ich heute zufrieden sein muss, vielleicht in 6:15 zu finishen.

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So treffe ich immer wieder auf dieselben Kollegen, aber auch  auf neue Gesichter und neue Namen wie Adel Erdaty (USA), Nandini Alinier (FRA), Helene Cheynet (FRA), Aziz Elkardoudi (NED), Arkardiusz Babij (POL), Abdulrahman Althani (QAT), u.a.m. Doch mit Fortdauer des Rennens werden die Spaziergänger und Jogger mehr, zwei schnelle Kollegen sind längst  im Ziel, als ich meine 8. Runde beginne. Mehrmals hole ich Deborah auf der Abwärtspassage wieder ein. Doch sie hat unglaublich viel Power beim Aufwärtsgehen. Auch Parvaneeh hat dank ihrer Trailerfahrung und vieler Marathons und Ultraläufe (an die 1800!!!) enorme Ausdauer, sie hat inzwischen sogar ihrerseits Deborah und Steven Fuller hinter sich gelassen. Thomas Godlevsky kommt mir immer näher, er ist auf der letzten Runde, während ich erst meine 9. abschließe.  Alle drei Dänen sowie Wojciech Machnik haben den Marathon deutlich unter 6 h schon beendet. Doch plötzlich ist meine Energie weg, ich muss Deborah (bei der Wende noch 300 m hinter mir) ziehen lassen und kann Steven (ca. 400 m vor mir) wie in der 9. Runde noch erhofft, nicht mehr einholen. Ich „schleiche“ mit 12min/km den steilen Anstieg hinauf. Als ich am Flachstück bin und noch 400 m vor mir bis zur oberen Wende habe, kommen mir Parvaneeh, Steven und Debbie entgegen. Ich kann sie nicht mehr einholen, so ausgelaugt bin ich. Nur Lichu Sloan, die älteste Läuferin im Felde, ist von Anfang an hinten geblieben, sie liegt ca. 1 km hinter mir.

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Mit 6:28 werde ich Vorletzter, die drei Genannten sind aber ergebnismäßig nur wenige Minuten vor mir.  Niemand hat es sich aus sportlichem Ehrgeiz bequem gemacht, die Steigung hat uns alles abverlangt, doch niemand hat 7 oder mehr Stunden benötigt. Die Siegerzeit liegt unter 4 Stunden – Ziyad wird das offizielle Ergebnis noch heute Abend über WhatsApp bekanntgeben. Parvaneeh bemerkt im Bus auf der Rückfahrt, dass Cola bei der Labestelle ihrer Meinung nach ein Isogetränk oder Red Bull nicht ersetzen könne. Sie werde sich daher welche für das zweite Rennen in Bishkek besorgen.

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Die grüne Medaille mit  bestimmten Wahrzeichen der vier Ländersagen ist sozusagen eine Vorschau auf die noch fehlenden 3 Marathons. Wenn die Serie abgeschlossen  sein wird, werden alle Ländersymbole eine eigene farbliche Unterlegung haben. Als Ziyad dann beim Abendessen auf meine Frage nach den Höhenmetern des Marathons im Präsidentenpark die Zahl 700 nennt, schreien fast alle auf und schimpfen. Es sei der schwierigste gewesen – doch glauben will ihm das keiner.

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Mein 80. Land ist somit erreicht. Ich gelobe, mich schon in Bishkek (Kirgistan), was die Finisherzeit betrifft, hoffentlich etwas zu verbessern.

Alle Ergebnisse sind unter www.webscorer.com/race?raceid=331780 aufrufbar.

Weitere Fotos


Kommentare

Eva Kämmer
Freitag, 13. Oktober 2023 02:28
Interessanter Bericht über ein Land/Stadt, was man so gar nicht auf dem Schirm hat.
Auch der Kommentar zur Lufthansa - sehr gut!
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