Geheimes Projekt eines Sportartikelherstellers
Ein Sportartikelhersteller wollte sportlich glänzen und neue Materialien testen. Zunächst war dieses Unterfangen als Geheimsache geplant, doch letztlich konnte es nicht mehr verheimlicht werden, da die neuen Materialien rechtzeitig vor der kommenden Leichtathletik-WM in Japan einsatzfähig sein sollten.
Bekanntlich sind die klimatischen Bedingungen während der WM in Tokio (siehe Marathon u. a.) noch unerträglicher als je zuvor angenommen.
Ort und Auswahl der Athleten
Dazu wurde eigens ein sehr warmer Ort in Süditalien gewählt, und eine kleine Gruppe mehr oder weniger ultraerfahrener Läufer bestimmt. Warum es ein 100-km-Event sein musste, lässt sich schnell erschließen.
Warum nicht Marathon oder 50 km?
Den Marathon-Versuch hatte bereits Kipchoge seinerzeit in Wien unternommen – dieser Test wäre diesmal wohl misslungen. Im 50-km-Lauf hätten sich die hier versammelten Kandidaten vermutlich die Zähne ausgebissen. Zu schnell hätte die Durchgangszeit beim Marathon sein müssen (ca. 2:10 Std.), um das mögliche Ziel zu erreichen.
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Also blieb lediglich die 100-km-Distanz übrig, um zu zweifelhaften Ehren zu gelangen. In den letzten Jahren hatten sich verschiedene Spezialisten regulär an die Bestleistung herangewagt, leider immer knapp erfolglos (darunter auch der bisherige Rekordmann A. Sorokin).
Zweifelhafte Bedingungen und Regelverstöße
Insofern schien die Angelegenheit relativ überschaubar zu sein, was einen „Rekord“ anbelangte. Doch letztlich wurde dafür gewaltig falsch gespielt!
Zunächst war der Test nicht als Wettbewerb angemeldet. Des Weiteren wurden etliche Regeln, die unbedingt einzuhalten sind, nicht beachtet: So waren die erlaubten Schuhhöhen überschritten (50 mm), es gab intermittierende Tempomacher und letztlich war die Strecke nach den Regeln nicht zertifiziert. Von Doping-Kontrollen ganz zu schweigen. Wem – außer dem Schuhhersteller – brachte das etwas?
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Reaktionen der Presse
So sahen es wohl auch unabhängige Betrachter. Die italienische Zeitung Corriere dello Sport brachte es gleich zu Beginn des Artikels auf den Punkt: „Nein, es ist nicht wahr, es ist nichts wert, es ist ein falsches Protokoll. Es ist nur Marketing, nur eine Möglichkeit, die deutsche Schuhmarke zu präsentieren und die Welt über diesen Rekord sprechen zu lassen, den es nicht gibt.“
Am Schluss des Artikels wird der Verfasser nochmals deutlich: „Nein, der Rekord wird nicht homologiert, viele Aspekte wurden nicht eingehalten.“
Auch im italienischen Runningforum ragt eine Stimme heraus: „Schuhe, die keine Logik haben... ich bin gegen all das, es ist alles eine Farce.“
Man kann demnach festhalten, dass zwar tatsächlich gelaufen wurde – aber der Frust der Sportler dürfte wegen der diversen Verstöße überwiegen. Es ist eine gewisse Nutzlosigkeit des Vorhabens zu erkennen. Dem Ultralaufsport hat es mehr geschadet als geholfen.
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