Wer am Sonntag in Cuxhaven-Duhnen dabei war, erlebte kein gewöhnliches Laufevent, sondern ein Spektakel, das sich tief ins Gedächtnis brennt.
Der Red Bull Wattlauf lockte knapp 500 Läufer ins UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer – mitten hinein in eine Arena, in der die Gezeiten das Kommando führen. Am Ende triumphierten Florian Neuschwander bei den Männern in 1:40:45 Stunden und Florentine Beese bei den Frauen in 2:03:07 Stunden.
Startschuss ins Abenteuer
24,6 Kilometer, vom Festland zur Insel Neuwerk und zurück – der Kurs des Red Bull Wattlaufs klingt auf dem Papier schon verrückt, doch erst vor Ort spürt man die Wucht dieses Abenteuers. Wind von vorn, Priele unter den Füßen, Schlick an den Waden und die Flut im Rücken. Hier gewinnt nicht nur der Schnellste, sondern derjenige, der klug taktiert.
„Auch die Menschen, die einfach nur durchs Watt gewandert sind, haben uns angefeuert. Die Frauen-Power war fantastisch – wir haben uns gegenseitig motiviert, und das war einfach spitze. Der Red Bull Wattlauf war ein großartiges Erlebnis!“, jubelte Florentine Beese im Ziel, nachdem sie mit einem Kilometer-Schnitt von 5:00 Minuten eine Top-Leistung gezeigt hatte.
Wichtiger Hinweis: Dieses Buch macht dich zum besseren Läufer

Der Kampf gegen die Flut
Schon beim Start in Duhnen war klar: Wer die Cut-Off-Zeit am Leuchtturm von Neuwerk verpasst, muss die Heimreise unfreiwillig per Fähre antreten. Der Kontrollpunkt wurde damit zur alles entscheidenden Zwischenstation. Hier trennten sich die Helden von den Pechvögeln.
Mit dabei waren nicht nur Hobbyläufer, sondern auch bekannte Namen aus der Ausdauerszene: die drittplatzierte Imke Salander, Alex Kukla, Lukas Müller, Paula Enzweiler und der spätere Sieger Florian Neuschwander. Eine Bühne, die den Ausdauerstars alles abverlangte.
„Einen Lauf zu starten, ohne vorher zu wissen, worauf man sich einlässt – das finde ich überragend. Es war ein absolutes Wechselbad der Gefühle. Erst gings locker, und dann plötzlich durch Priele, ins Wasser und über unterschiedliche Untergründe“, fasste Imke Salander ihre Watt-Erfahrung zusammen.
Schlick, Sand und Strategie
Der Untergrund? Ein Kaleidoskop aus Schlick, Sand, Muscheln und Wasserlöchern. Mal weich, mal hart, mal tief – immer unberechenbar. Wer anfangs zu viel riskierte, bekam spätestens auf dem Rückweg die Rechnung serviert. Der Wind als ständiger Gegner machte die letzten Kilometer zum Endspurt der Willenskraft.

Strenger Naturschutz trifft auf pure Leidenschaft
Damit das Naturwunder nicht leidet, herrschten strenge Regeln. Die Strecke durfte nicht verlassen werden, Verpflegung gab es nur in Mehrwegbehältnissen, und Wasser war lediglich an Start, Insel und Ziel verfügbar. Nachhaltigkeit war Pflichtprogramm – und wurde von allen eingehalten.
Neuwerk: Insel mit Geschichte
Die Insel Neuwerk setzte den magischen Wendepunkt. Mit ihrem über 700 Jahre alten Leuchtturm, dem ältesten Bauwerk Hamburgs, stand sie wie ein Zeitzeuge zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Piratenlegenden und Postkutschen-Geschichten bekamen nun sportliche Konkurrenz: Der Red Bull Wattlauf schrieb hier ein neues Kapitel.
So bleibt dieser Lauf ein Erlebnis, das zeigt: Wer sich gegen die Nordsee misst, bekommt nicht nur ein Rennen, sondern eine Geschichte, die man noch lange erzählen wird.
Kommentar schreiben