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An sich bin ich es gewohnt, wenn ich zu einem Marathon anreise, dass ich dann dort die Königsdisziplin bestreite.

Alle anderen Distanzen sind kürzer. Das sind dann Lululäufe oder Kasperlläufe, wie ich sie despektierlich nenne. Dass das oft die anstrengenden Rennen sind, weil von Anfang an Vollgas, dessen bin ich mir bewusst. Marathon laufen ist da bequemer. In Bad Blumau ist alles ganz anders.

Ein ausgedehnter Stau auf der A1 am Freitag verhindert, dass Evi und ich zu einer vernünftigen Zeit im Rogner Thermenhotel einchecken können. Als wir in Bad Blumau sind ist dort bereits das Radrennen im Gange. 146 Runden bestreiten die Athleten, dann haben sie 540km am Rad hinter sich. Das alles, nachdem sie bereits 11,4 (elfkommavier !!!) Kilometer geschwommen sind, im 25m-Sportbecken der Therme.

Das sind Dimensionen!

Auf fünf Bahnen schwimmen da um 21 Uhr seit zwei Stunden je vier Sportler, dies sind Staffelteilnehmer, jede Wende wird von am Beckenrand sitzenden Kontrollorganen notiert. Bei den Einzelstartern gab es zwei Startwellen mit 6 Stunden Differenz, um 07h00 ging es bereits los.

Samstag. Zum seit gestern morgen stattfindenden Triple-Ultra-Triathlon findet in Bad Blumau ein 10in10 statt. 10 offizielle Marathons an 10 aufeinander folgenden Tagen. Am 30. Juni ging es los, heute ist der 9. Tag dieser Veranstaltung und da laufe ich mit. Als ich um 07h30 zum Startgelände komme sind die Triathleten - je nach Startzeit - 18,5 bzw. schon 24,5 Stunden unterwegs. Es hat locker über 20°C und es wird schnell wärmer. Solche Triple-Ultra-Triathlons werden nicht oft wo veranstaltet. Die 28 Einzelstarter kommen aus ganz Europa, mit Wohnmobil, Familie und Betreuerteam. So etwas schafft keiner mehr als Einzelkämpfer.

Aber zum Marathon: „Subtropisch“, wie es Werner Kroer ausdrückt. Gestern gab es starken Regen, der Boden dampft. Beim Start um 08h00 hat es 23°C. Zwölf der 17 Starter nehmen den 9. von 10 Marathons in Angriff. Der Rest ist ausgeruht, könnte man meinen. Udo Pitsch aus Deutschland und ein Pärchen aus Italien (beide je weit über 700 Marathons) machen diesen Marathon zum internationalen Marathon.

Als Kraxi völlig unspektakulär das Startzeichen gibt ist als bisher einzige Ultra-Triathletin Katrin Burow (D) bereits beim Laufen, führender Triathlet ist der Däne Michael Plahn, ein muskulöser Modellathlet.

Kraxi läuft auf dem Kiesweg vorneweg um den ersten Wendepunkt zu markieren, gleich hinterm großen Taubenkobel. Dann geht es zurück, ich habe jetzt schon Mühe und bin noch keine 2km gelaufen. Ich dachte, ich wäre ausgeruht. Bald ist mir klar, dass mir mein ambitioniert gelaufener Gletschermarathon vor sechs Tagen noch in den Beinen steckt, und zwar ganz gehörig.

Eigentlich könnte ich zusammenpacken und schwimmen gehen. Einen Juli-Marathon habe ich heuer eh schon und die schöne Rogner Therme lädt zum Genießen ein. Aufgeben ist meine Sache nicht, schauen wir mal wie sich der Tag entwickelt.

Nach der ersten Zeitkontrolle geht es in die nächste von noch 13 Runden. Alle weiteren Wendemarkierungen liegen in der Rogner Therme, vielleicht nur 50m von der Hotelrezeption entfernt. Bis dahin gibt es immerhin kurze Abschnitte im Schatten. Es gilt Holzbrücklein zu überqueren, Slalom zwischen Bäumen zu laufen, man muss unter einer Straßenbrücke durch - Achtung auf den Kopf - und einige Höhenmeter gibt es auch. Wir laufen abwechselnd in erster Linie auf Kies, etwas Asphalt, Wiese und gestampfter Erde. Stellenweise stehen Pfützen.

Die Versorgungsstelle in der Therme ist in Ordnung und abwechslungsreich. Coca Cola, Wasser, ab und zu  Red Bull, dann wieder Bier, mit und ohne Drehzahl, Melonen, Orangen, Bananen, PowerGel, Eis zur Kühlung der Oberschenkel und was weiß ich noch alles.

Zu den Einzelstartern im Ultra-Triathlon gibt es auch Staffeln. Als die nach und nach munter werden bekommen wir auch von dieser Seite Zuspruch. Die Betreuer der Triathlon-Einzelstarter sind hingegen mit ihren Schützlingen vollauf beschäftigt. Otto Peischl, der gerade die 10in10 läuft hat heute schon 4 Stunden am Rad hinter sich und wird abends noch für die Triathlonstaffel zum Laufeinsatz kommen. Er will es so.

Rasch sind die Positionen bezogen, die jungen vorne weg, die nicht mehr ganz so jungen in der Mitte, die weniger schnellen hinten nach. Auf einer etwa 1,6km langen Pendelstrecke begegnet man sich ja unzählige Male. Ab und zu wirft man sich einen Blick zu, ein Handzeichen, ein Lächeln und ein paar Worte beleben das Rennen.

Karl-Alfred Erber findet immer ein paar aufmunternde Worte wenn wir uns begegnen. Wir haben uns vor gut einem Jahr in der Startaufstellung vom Pamplona-Marathon kennen gelernt. Er ist damals mit der Fahne vom FC St. Pölten ins Rennen gegangen, dazu trägt er bevorzugt ein Stirntuch in Farben der Flagge von Katalonien, heute auch.

Ich habe mir kurz nachdem wir unter der Straßenbrücke durchlaufen eine Pfütze ausgesucht, die ich unter Beobachtung halte. Zu Beginn ist das Wasser cm-tief, irgendwann ist da nur mehr Matsch.

Mit Fortdauer des Rennens stoßen immer mehr Triathleten dazu. Man kennt genau, ob das Laufen nun ihre Paradedisziplin ist oder ob es eher das Radfahren vorher war. Die einen zischen nur so vorbei, die anderen werden schnell langsamer.

Es dauert relativ lange bis ich erstmals überrundet werde, der 24jährige Georg Neuhold ist es. Der rennt schon sehr leichtfüßig.

Mit den Triathleten laufen hin und wieder Betreuer mit, die sich auch noch abwechseln. Als einer gleich mit zwei Mitläufern auftaucht wird es eng auf der Strecke, denn die laufen nebeneinander. Die Strecke ist stellenweise nur ein Trampelpfad. Wer weicht aus in die Wiese? Oder wartet vor dem Brücklein?

Es dauert eine Weile bis ich meinen Modus gefunden habe. Durchs Pendeln sieht man wenn man jemandem begegnet, ob man die letzten 3,2km schneller oder langsamer war als der(die)jenige. Werner, Michelle und Susanne, erst noch hinter mir, werden relativ schneller. Das Angebot bei der Labestelle wechselt, einmal gibt es Red Bull, dann Heidelbeerkuchen, Obst immer. Was man für den nächsten Stopp eingeplant hat, ist 3,2km später möglicherweise nicht mehr da. Dann muss man umdisponieren. Die Helfer sind gesellig und lassen mit sich reden, man kann sogar Bestellung aufgeben, bzw. Wünsche äußern.

Irgendwann gibt es dann sogar Crushed Ice. Das kann man sich unters Trikot stecken oder die Oberschenkel damit massieren. Duschmöglichkeiten gibt es auch, wohl gemerkt – während des Rennens! Hinterher sowieso.

Für den Halbmarathon brauche ich 2h31!  40min langsamer als zuletzt! Obwohl es fast eben ist! Als Susanne zur mir aufläuft, es hat sich abgezeichnet, laufen wir eine Weile auf gleicher Höhe, bis ich sie ziehen lassen muss.

Mein Platz ist nun abgesichert, von hinten kommt niemand mehr. Die habe ich alle bereits mindestens einmal überrundet. Je länger das Rennen dauert – und je wärmer es wird – umso besser komme ich in Schwung. Meine Beine sind nun besser in Form als am Start. Die Pfütze ist nun nur mehr eine feuchte Stelle. Ab etwa km30 kann man es als laufen bezeichnen was ich da mache. Bald ist es Mittag und die ersten Griller werden angeworfen. Jemand von der Gemeinde kommt und erweitert das Strom-angebot für die Wohnmobile der Triathleten und ihrer Betreuer. Zu Mittag ist wieder weniger los auf der Strecke. Manche Triathleten machen Pause und werden massiert.

Bei der Labe gibt es nun alk-freies Bier, gemischt mit Coca-Cola gibt es ein kräftigendes Gebräu. So stark, dass der Druck den Schaum aus der geschlossenen(!) Powerade-Flasche drückt, an der ich mich eisern festhalte. Bei der Labe fülle ich in erster Linie meine Flasche auf, trinken tu ich dann schluckerlweise unterwegs.

Später im Rennen händige ich bei der Labe die leere Flasche aus, gebe meine Bestellung auf, laufe die paar Meter rauf zur Wende und am Rückweg reicht man mir die nun wieder volle Flasche. Das klappt wunderbar.

Bei Start und Ziel taucht Evi auf, mit neuem, breitkrempigem Strohhut. Noch etwa anderthalb Stunden werde ich brauchen, mit etwa 4h30 wird das heute nichts werden.

Georg Neuhold begegnet mir ein letztes Mal, ich gratuliere ihm schon einmal zum Sieg. Nach 3h48:36 wird er als erster über die Ziellinie laufen.

Wieder einmal am Weg zur Rogner Therme kommt mir eine Hochzeitsgesellschaft entgegen, Dutzende Leute. Festlich gewandet blockieren sie die Rennstrecke. Viele bemerken mich erst gar nicht als ich mich da verschwitzt durchkämpfe, einige schauen einfach nur verständnislos drein. Im Gelände der Rogner Therme läuft man an Bäumen vorbei, die seinerzeit Brautpaare gepflanzt haben. Vor jedem Baum steht eine Tafel mit Information, wer diesen Baum wann gepflanzt hat.

Der Safenbach, den wir kurz vor und kurz nach der Labe auf einer Bogenbrücke mit frischen Brettern überqueren ist eine braune Brühe, wohl von den starken Regenfällen am Vortag. Strömung hat er kaum eine, viele Pappelsamen schweben durch die Luft.  Die Ufer sind dicht bewachsen, es sieht aus als wäre es ein Stück vom Dschungel.

Die bereits mehrfach erwähnte Pfütze gibt es nicht mehr. Fünf Sonnenstunden waren dafür notwendig. Wie immer bei Hitze trage ein weißes Shirt und ein Schlauchtuch am Kopf. Das hat sich bewährt, das kühlt. Ich kann das Tuch je nach Bedarf wässern. Ein kühlender Wind fehlt leider fast völlig. Ab und zu ein bisschen, meist steht die Luft.

Nach und nach werden die Marathonis auf der Strecke weniger. Schließlich habe auch ich es geschafft. Ich bin nicht traurig darüber, obwohl ich mich mit Fortdauer des Rennens immer besser gefühlt habe. Tatsächlich bin ich im Ziel frischer als am Start. So ist das bei einem Regenerationsmarathon. Auch für mich eine neue Erfahrung. Es bestätigt sich wieder: Mit dem Tempo kann man vieles regeln.

Zuerst gratuliert mir der Rennleiter Hannes Kranixfeld und nimmt mir meinen Chip ab. Wir zwei sind auch schon öfters wo zur gleichen Zeit am Start gestanden.

Zu meiner Überraschung bekomme ich eine Medaille. Das war nicht vorgesehen, freut mich daher umso mehr. Sie wird zu den anderen kommen.

Ich ziehe mir frisches Sportgewand an und mache mich mit Evi auf den Weg in die Rogner Therme. Dort gibt es Wasser genug.

Am Weg zum Auto müssen wir die Radrundstrecke der Ultra-Triathleten queren.

Es ist halb 2, es wird noch immer geradelt. Wenn die Triathleten dann mit dem Radfahren fertig sind, dann haben sie noch 3 Marathons zu laufen, in Worten: DREI Das sind einhundertsechsundzwanzig km und 600m.

Also mir hat heute EINER gereicht. Echt jetzt!

17 Marathonstarter = 17 Marathonfinisher

Um das Startgeld von 50,- EURO gab es

Startnummer + Chipzeitnehmung

unterschiedlichstes Geläuf, durchaus uneben, einige Höhenmeter, 

erst 23°C, dann viel mehr; 

Genug Labestellen mit Rundenzähler, sehr freundliche und aufmerksame Helfer,

diverses Obst, Iso, alk-freies Bier, Cola, Kuchen, Wasser und Säfte, Crushed Ice

Eine große Finishermedaille                                                                                   

  1. Georg Neuhold 3h48:36
  2. Bastian Bruckner 3h56:17
  3. Harald Wurm 3h57:36  10in10*
  1. Conny Lukas 4h34:22         
  2. Susanne Schöberl 5h04:39  10in10*
  3. Angela Gargano 5h58:05  10in10*

1.

Georg Neuhold

1993_

m_

 A_

03:48:36

2.

Bastian Bruckner

1991

m

A

Club Supermarathon Italia

03:56:17

3.

Harald Wurm *

1967

m

A

03:57:36

4.

Thomas Lanz *

1978

m

A

Runners Point SCS

04:08:26

4.

Udo Pitsch *

1953

m

D

TG Viktoria Augsburg

04:08:26

6.

Ernst Fink

1965

m

A

04:14:09

7.

Otto Peischl *

1964

m

A

MSC Rogner Bad Blumau

04:22:47

8.

Conny Lukas

1966

w

A

04:34:22

9.

Bernhard Bruckner *_

1966

m

A

100 Marathon Club

04:34:30

10.

Michele Rizzitelli *

1946

m

I

Barletta Sportiva

04:43:09

11.

Werner Kroe r*

1959

m

A

Team Austria Unlimited

04:47:28

12.

Susanne Schöberl *

1967

w

A

05:04:39

13.

Herbert Orlinger

1960

m

A

mein 127. Marathon

05:14:38

14.

Angela Gargano *

1961

w

I

Barletta Sportiva

05:58:05

15.

Ewald Zauchinger *

1956

m

A

Fitnice St. Pölten

06:04:56

16.

Andi Kapui *

1969

m

A

Club Supermarathon Austria_

06:12:39

17.

Karl-Alfred Erber *

1971

m

A

*

06:19:27

* Zwölf 10in10-Finisher

Region: Steiermark

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